<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428</id><updated>2011-11-04T02:36:48.759-07:00</updated><category term='Heimkehr oder Handel auf der Tokioter Börse'/><category term='Zeitung'/><category term='Sein'/><category term='Kapitalismus'/><category term='Hénri'/><category term='Balkan'/><category term='Hermann Hesse'/><category term='Rezension'/><category term='Staat und Revolution'/><category term='der Stern'/><category term='Youtube'/><category term='Senftenberg'/><category term='Philosophen'/><category term='Schule'/><category term='Ragtime'/><category term='Chingachgook'/><category term='Szene'/><category term='Philippe de Souabe'/><category term='Integrationskurs'/><category term='Zug'/><category term='Film'/><category term='Fensterbrett'/><category term='Deutschland'/><category term='Buena Vista Social Club'/><category term='USA'/><category term='Magdalena'/><category term='Académie Française'/><category term='Dialektik der Aufklärung'/><category term='der alte Mann und das Meer'/><category term='Parmenides'/><category term='E. 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Doctorow'/><category term='freie Interpretation des Abendessens in einem Dönerladen'/><category term='Jazz'/><category term='Frédéric'/><category term='Sex'/><category term='Die Methode'/><category term='Leipziger'/><category term='Der Abend'/><category term='Schreiben'/><category term='Dialektik'/><category term='schlafen'/><category term='Kuba'/><category term='Geschichte'/><category term='Eleaten'/><category term='Robert Merle'/><category term='Spam'/><category term='Künstler'/><category term='Musik'/><category term='Philister'/><category term='Kunst'/><category term='Krimkrieg'/><category term='Adorno'/><category term='Sewastopol'/><category term='Reinkarnation'/><category term='Horkheimer'/><category term='Lyrik'/><category term='Weltkrieg'/><category term='Bild'/><category term='Weltschmerz'/><category term='Radio'/><category term='Dresden'/><category term='Marcelo Piñeyro'/><category term='Heraklit'/><category term='Speisewagen'/><category term='Tolstoi'/><category term='Punks'/><category term='Gedicht'/><category term='Winkler'/><category term='Aurora'/><category term='Biographie'/><category term='Frauenkirche'/><category term='Maria'/><category term='Europa'/><category term='Zenon'/><category term='American Dream'/><category term='unwichtige Frage'/><category term='Neue'/><category term='Glückskeks'/><category term='Skizze'/><category term='GMX'/><category term='Skins'/><category term='Auschwitz'/><category term='Mondäne'/><category term='Traum'/><category term='Pursismus'/><category term='Canaletto'/><category term='Sprache'/><category term='Bernardo Bellotto'/><category term='Frankreich'/><title type='text'>Windmühle &amp; Buterbrod</title><subtitle type='html'>Die Windmühle mahlt das Mehl für das Butterbrot</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>48</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-2274128341331989456</id><published>2011-11-04T02:15:00.000-07:00</published><updated>2011-11-04T02:33:16.819-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dialektik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sein'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Parmenides'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Heraklit'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Eleaten'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Zenon'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philosophen'/><title type='text'>Zenon und die Eleatik</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/Zeno_of_Elea.jpg" imageanchor="1" style="clear:left; float:left;margin-right:1em; margin-bottom:1em"&gt;&lt;img border="0" height="193" width="130" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/Zeno_of_Elea.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Das historische Verdienst eines Philosophen ist oft nicht das Ziel, das er mit seiner Philosophie verfolgt hat. Das gerade Gegenteil seines Zieles – bewiesen zu haben, was er widerlegen wollte – macht die Beutung des Zenon von Elea (490-430 v. u. Z.) aus. Zenon von Elea war ein Schüler des Parmenides (um 540-480 v. u. Z.), und sein Denken darauf gerichtet, dessen Philosophie zu beweisen: Das Sein existiert ohne Bewegung.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;Dieser Satz ist zwar falsch, aber die Philosophie des Parmenides sagt viel Richtiges. Er war der erste, der eine Antwort gab auf die Frage nach dem Verhältnis von Sein und Denken: &lt;i&gt;„Dasselbe aber ist Denken und des Gedankens Gegenstand. Denn du kannst das Denken nicht ohne das Seiende antreffen, im dem es ausgesprochen ist.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;2.500 Jahre sind diese Worte alt, und man kann ihren Wert nicht hoch genug schätzen: Denken und Sein sind identisch, und Das Sein existiert vor dem Denken. &lt;br /&gt;1888 wird Friedrich Engels die Geschichte des Streits um die Frage, die Parmenides beantwortete, zusammenfassen mit den Worten: &lt;i&gt;„Die große Grundfrage aller […] Philosophie ist die nach dem Verhältnis von Denken und Sein. […] Die Frage nach dem Verhältnis des Denkens zum Sein, des Geistes zur Natur, die höchste Frage der gesamten Philosophie […] [lautet:] Was ist das Ursprüngliche, der Geist oder die Natur? […] Die Frage nach dem Verhältnis von Denken und Sein hat aber noch eine andre Seite: Wie verhalten sich unsre Gedanken über die uns umgebende Welt zu dieser Welt selbst? Ist unser Denken imstande, die wirkliche Welt zu erkennen, vermögen wir in unsern Vorstellungen und Begriffen von der wirklichen Welt ein richtiges Spiegelbild der Wirklichkeit zu erzeugen? Diese Frage heißt in der philosophischen Sprache die Frage nach der Identität von Denken und Sein.“&lt;/i&gt; Ihre Antwort liegt hier in der naiven Form vorsokratischer Philosophie einfach und klar vor uns. &lt;br /&gt;Ein anderer Philosoph hatte die Frage in ähnlicher, aber anderer Form aufgeworfen, und dieser war ein großer philosophischer Widersacher des Parmenides: &lt;br /&gt;Heraklit von Ephesus (um 540-480 v. u. Z.) Zentraler Begriff seiner Philosophie ist der Logos, das Weltgesetz. Den Logos, &lt;i&gt;„der doch ewig ist, begreifen die Menschen nicht, weder bevor sie davon gehört noch sobald sie davon gehört haben.“ „So vieler Reden ich auch gehört habe – keiner ist dahin gekommen, dass er einsähe, dass das Weise etwas von allem andern Abgesondertes ist“.&lt;/i&gt; Doch &lt;i&gt;„was der Bewährteste erkennt und bewahrt, ist kein Wissen.“&lt;/i&gt; Das Weise ist das Erkennen des Logos, der – &lt;i&gt;„von allem andern Abgesondert“&lt;/i&gt; – nicht sinnlich wahrnehmbar ist. &lt;br /&gt;Ein Beispiel aus der Wissenschaft: Der Bewährteste kennt nur die Anzahl der Planeten um die Sonne, der Weise weiß um ihre Gravitation. Aber die Gravitation kann man nicht sehen, anfassen oder riechen. Woher wissen wir dann, dass es die Gravitation gibt? Wie sind die abstrakten Gesetzte der Natur für den Menschen erkennbar, obwohl man sie nicht unmittelbar sinnlich wahrnehmen kann? So stellte Heraklit die Frage nach Verhältnis und Identität von Sein und Denken. &lt;br /&gt;Die Antworten, die spätere Autoren Heraklit in den Mund gelegt haben, klingen sehr abenteuerlich. Ob er tatsächlich der Meinung war, dass die Erkenntnis im Schlaf durch die Poren des Körpers in den Geist sickere, ist nicht entscheidend. Wichtig sind die Gedanken  des Heraklit über das Wirken des Logos. Denn darin unterscheidet sich Heraklit grundlegend von Parmenides.&lt;br /&gt;Das Wirken des Logos ist Sein, und Sein ist ewiges Werden und Vergehen aller Dinge. Der Ausdruck, alles fließt, charakterisiert den Seinsbegriff des Heraklits: &lt;i&gt;„Alles Geschehen erfolge in der Form des Gegensatzes und alle Dinge seien in stetem Wandel begriffen … und die Welt entstehe aus dem Feuer und löse sich wieder in Feuer auf, in bestimmten Perioden, in stetigem Wechsel in alle Ewigkeit.“&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;Der Gründ für Werden und Vergehen – für das Wirken des Logos – ist der Gegensatz aller Dinge: &lt;i&gt;„Alles geschehen erfolge infolge eines Gegensatzes.“ „Man muss wissen, dass der Kampf das Gemeinsame ist und das Recht der Streit, und dass alles Geschehen vermittels des Streites und der Notwendigkeit erfolgt.“&lt;/i&gt; Der Logos führt die Gegensätze zusammen – wie das Männliche mit dem Weiblichen – lässt die Gegensätze ineinander übergehen – wie das Warme ins Kalte – und schafft die Identität von Gegensätzen, so wie Leben nicht ohne Tod, Friede nicht ohne den Krieg existiert.&lt;br /&gt;Heraklit benannte als Urgrund aller Dinge das Feuer, das aber identisch ist mit dem Logos. Der Logos oder das Feuer ist nicht als Substanz zu verstehen ist, sondern als Prinzip, das den Dingen zugrunde liegt. Er überwand dadurch die ionische Naturphilosophie, die zwar auch von Werden und Vergehen der Dinge ausging, aber ein allen Gemeinsames, eine unveränderliche Substanz als Urgrund aller Dinge suchte. Es gelang Heraklit, die Bewegung und Gegensätzlichkeit des Seins in einer geschlossenen Philosophie zusammenzufassen. &lt;br /&gt;Das aber war der Stein des Anstoßes für Parmenides. Dabei ist sein Argument scheinbar sehr einleuchtend: Denken bedeutete für Parmenides Ausschluss von Widersprüchen. Ein Gedanke ist falsch, wenn sich aus ihm gegensätzliche Aussagen ableiten lassen. Sein ist Nichtsein, Unendlichkeit ist Endlichkeit, Bewegung ist Ruhe, sind einander widersprechende Aussagen und können deshalb nicht wahr sein. &lt;br /&gt;Und er wusste: Denken ist dasselbe wie des Gedankens Gegenstand. Die Eigenschaften des Denkens sind die Eigenschaften des Seins. Wahres Sein ist das, was wahr gedacht wird.&lt;br /&gt;Heraklit behauptete aber: Das Sein aller Dinge ist ihr Werden und Vergehen. Sein ist, erwiderte Parmenides. Was ist, war immer, ist immer und wird immer sein. Was entsteht, war nicht, was vergeht, wird nicht sein. Was nicht war und nicht sein wird, ist auch nicht. Wenn, was entsteht und vergeht, nicht ist, und Heraklit recht hat, bedeutet das: Sein ist Nichtsein.&lt;br /&gt;Für Parmenides war das keine wahre Aussage, und er entgegnete dem Heraklit: &lt;i&gt;„Wohlan, ich will es dir sagen, welche Wege der Forschung allein denkbar sind. Du aber höre mein Wort und bewahr’ es wohl! Der eine zeigt, dass das Seiende ist und dass es unmöglich ist, dass es nicht ist. Das ist der Pfad der Überzeugung; folgt er doch der Wahrheit. Der andere aber behauptet, dass es nicht ist und dass es dieses Nichtsein notwendig geben müsse. Dieser Weg ist – das sage ich dir – völlig unerforschlich. Denn das Nichtseiende kannst du weder erkennen, denn das ist unmöglich, noch auszusprechen.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Die Aussagen des Heraklit über das Sein konnten also nicht wahr sein. Das Gegenteil musste es sein: &lt;i&gt;„[…] [D]ass es ganz und unbeweglich ist. […] Aber da das Seiende eine letzte Grenze hat [also nicht unendlich ist! – R. S.], so ist es nach allen Seiten hin vollendet, gleich der Masse einer wohlgerundeten Kugel, von der Mitte nach allen Seiten hin gleich. Denn es darf weder hier noch dort irgendwie größer oder kleiner sein. Denn es gibt ja nichts, was es hindern könnte, sich zusammenzuschließen, noch gibt es ein Seiendes, das hier mehr, dort weniger wäre als Seiendes. Denn es ist völlig unverletzlich. Denn der Punkt, wohin es von allen Seiten gleich weit ist, ist selber von den Grenzen gleich entfernt.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Das wahre Sein ist unbeweglich, ist endlich, ist ohne Unvollkommenes, ich gleichmäßig, ist rund, ist Sein, ist nicht Nichtsein. &lt;br /&gt;Das klingt auf den ersten Blick sehr paradox. Die Aussagen des Parmenides über das Sein sind tatsächlich nicht richtig. Aber es sind logische Schlüsse über den hochgradig abstrakten Begriff des Seins eines Menschen, der vor 2.500 Jahren gelebt hat, als noch die Götter den Olymp beherrschten! Dass dies gedacht wurde, obwohl es dem Offenkundigen widerspricht, ist an jenem Punkt ein großer Schritt in der Geschichte des menschlichen Denkens gewesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Zenon lautete nun die Aufgabe: Das muss bewiesen werden. Und der Schüler schmiedete seinem Meister ein scharfes Schwert. Das Instrument seiner Beweisführung war die Aporie, der ausgeschlossne Widerspruch. Bei dieser Methode nimmt der Argumentierende den Standpunkt seines Kontrahenten ein und leitet daraus logische Schlussfolgerunge ab, die sich widersprechen und nicht gleichzeitig richtig sein können. Platon berichtet über die Absicht und Methode des Zenon: &lt;i&gt;„Wissen wir nicht, dass [Zenon] so kunstvoll disputierte, dass seinen Zuhörern ein und dasselbe Ding gleich und ungleich, als Eins und als Vieles, als bewegt und unbewegt erschien?“ „In Wahrheit will [Zenons] Schrift der Lehre des Parmenides zu Hilfe kommen, gegen diejenigen nämlich, die es unternehmen, ihn zu verhöhnen, indem sie ausführen, dass, wenn es nur ein einziges Seiendes gäbe, sich aus diesem Satz viele lächerliche Konsequenzen ergäben, die ihm selber widerstreiten. [Seine] Schrift kämpft also gegen diejenigen, die die Vielheit der Dinge behaupten, und zahlt ihnen mit gleicher Münze heim […]. [Seine] Absicht ist nämlich, das offenbar zu machen, dass die Voraussetzung [seiner] Gegner zu noch lächerlichen Konsequenzen führt als die Lehre von einem Seienden, wenn einer der Sache auf den Grund geht.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Überliefert sind uns die Aporien des Zenon über die Teilbarkeit der Dinge, den Raum und die Bewegung. &lt;br /&gt;Jeder Körper nimmt einen Raum ein. Wenn jeder Körper unendlich teilbar ist, müssen auch alle Teile des Körpers für sich einen Raum einnehmen. Eine unendliche Anzahl von Teilen, die einen Raum einnehmen, ergibt aber einen Körper von unendlicher Ausdehnung. Wenn die unendlichen Teile des Körpers aber keinen Raum einnehmen, besitzt auch der Körper keine Ausdehnung, weil die Summe von unendlichen Teilen, deren Ausdehnung Null beträgt, ebenfalls Null ist. Die Annahme von der Teilbarkeit der Dinge führt also zu den gegensätzlichen Schlussfolgerungen, dass jeder Körper zugleich unendlich klein und unendlich groß sei. Für Zenon ist die Aussage deshalb unwahr, und die Teilbarkeit keine Eigenschaft des Seins &lt;br /&gt;Gegen die Existenz des Raumes wendet sich Zenon, indem er fragt: &lt;i&gt;„Wenn der Raum etwas ist, worin wird er sein?“ „Wenn alles Seiende im Raum ist, so ist klar, dass es auch einen Raum des Raumes geben wird, und so fort bis ins Unendliche.“&lt;/i&gt; Das hieße, dass der Raum sowohl endlich als auch unendlich ist. Und weil die Annahme des Raumes zu unwahren Aussagen führt, kann der Raum in Wahrheit nicht existieren. &lt;br /&gt;Die Aporien Zenons über die Unmöglichkeit der Bewegung sind über den Namen ihres Entdeckers als kuriose Gedankenspiele bekannt geworden. Zu verdanken haben wir das Aristoteles. Er berichtet: &lt;i&gt;„Es gibt vier Beweisgänge des Zenon betreffs der Bewegung […]: das erste dafür, dass eine Bewegung nicht stattfindet, ist das Argument, dass das Bewegte früher zur Hälfte des Weges gelangen muss als bis zu dessen Ende […].“&lt;/i&gt; Weil das Bewegte zuerst die Hälfte der Hälfte eines Weges erreichen muss und jeder Abschnitt des Weges unendlich halbierbar ist, kann das Bewegte sein Ziel nicht nur niemals erreichen, sondern seinen Ausgangspunkt auch niemals verlassen. &lt;br /&gt;&lt;i&gt;„Der zweite Beweis ist der so genannte ‚Achilles’. Er gipfelt darin, dass das langsamste Wesen [die Schildkröte] in seinem Lauf niemals von dem schnellsten Achilles eingeholt wird. Denn der Verfolger muss immer erst zu dem Punkt gelangen, von dem das fliehende Wesen schon aufgebrochen ist, so dass das langsamere immer einen gewissen Vorsprung haben muss.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;„Der dritte Beweis ist […], dass der fliegende Pfeil ruht.“&lt;/i&gt; Zu jedem Zeitpunkt seines Fluges nimmt der Pfeil einen Raum ein, der seiner Länge und Stärke entspricht. Die Bewegung des Pfeils ist die Summe seiner Raumeinnahmen. Bewegung bedeutet aber, sich nicht in einem Raum zu befinden. Oder: Einen Raum einnehmen, heißt, sich nicht zu bewegen. Die Bewegung des ist also die Summe seiner Ruhezustände. Ruhe plus Ruhe ergibt aber niemals Bewegung. &lt;br /&gt;&lt;i&gt;„Der vierte Beweis gründet sich auf Körpergruppen, die sich im Stadion in entgegengesetzter Richtung, als gleiche an gleichen, mit gleicher Schnelligkeit aneinander vorbeibewegen, die eine Gruppe vom Ende, die andere von der Mitte des Stadions aus, wobei, wie er meint, sich ergibt, dass die halbe Zeit gleich der doppelten sei!“&lt;/i&gt; In einem Stadion befindet sich eine Reihe von stehenden Läufern (A1-4). Von beiden Seiten läuft jeweils eine zweite (B1-4) und dritte Reihe von Läufern (C1-4) in entgegengesetzter Richtung mit gleicher Geschwindigkeit an den stehenden Läufern vorbei. Die Reihe B1-4 läuft dann in derselben Zeit vorbei an der ganzen Reihe C1-4 und der halben Reihe A1-4. Unter diesem Gesichtspunkt wäre: 1 = 0,5 oder 4 = 2. &lt;br /&gt;Auf diese Weise leitete Zenon aus der Annahme, dass Bewegung existiert, vier unwahre Aussagen hab. Damit schien der Beweis erbracht, dass die Annahme unwahr ist und das wahre Sein nicht in Bewegung sein kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tatsächlich konnte Zenon mit den Ergebnissen seiner Aporien zufrieden sein. Denn es ist ihm gelungen, nachzuweisen, dass der Seinsbegriff des Parmenides die einzige Schlussfolgerung des logischen Denkens ist. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Zwei Aussagen sind unwahr, wenn sie sich einander widersprechen. Damit hat Zenon die antike Philosophie nicht nur entscheidend beeinflusst. Er hatte die ihm folgenden Philosophen vor die Herausforderung gestellt, das Offenkundige mit dem Logischen zu vereinen. &lt;br /&gt;Die Atomisten lehrten, dass die Welt aus kleinsten Teilen besteht, die sich auf unterschiedliche Weise abstoßen und vereinen und dadurch die Vielfalt der einzelnen Dinge hervorbringen. Sie übernahmen damit einen Teil der Seinsvorstellungen des Parmenides, nämlich, dass das Sein nicht entsteht und vergeht. Neue Fragestellungen und Erkenntnisse konnten dadurch gewonnen werden. Aber das Problem der Zenonschen Aporien war auch dadurch nicht gelöst. Viele Denker beriefen sich auf Zenon. Viele Denker wollten ihn widerlegen. Aber für Jahrtausende hat keiner die tatsächliche Bedeutung seiner Philosophie richtig verstanden. &lt;br /&gt;Nicht einmal Zenon selbst. Doch auf dem damaligen Stand des Denkens war das nicht möglich. Die vorsokratische Philosophie war begriffliches Denken. Jeder Begriff bezeichnet Dinge des Seins, indem er seinen Inhalt definiert und damit von anderen Begriffen abgrenzt. Im begrifflichen Denken sind z. B. Ruhe und Bewegung Bezeichnungen für zwei gegensätzliche, einander widersprechende Zustände. Das ist nicht falsch, sondern notwendig, um die Welt überhaupt begrifflich zu erklären. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. &lt;br /&gt;Tatsächlich treten die Begriffe in der Wirklichkeit nicht getrennt voneinander auf. Ruhe existiert z. B. nur in Abhängigkeit zu einer Bewegung. Und die Bewegung eines Körpers lässt sich, wie Zenon richtig bemerkte, nur beschreiben als die Aneinanderreihung (unendlicher) Ruhezustände. Beide Begriffe bezeichnen zwar etwas Gegensätzliches, ihre Inhalte treten aber in der Wirklichkeit nur als Einheit auf, die sich aufeinander beziehen.&lt;br /&gt;In der Wirklichkeit sind die Dinge und sind die Dinge nicht. Sein ist Nichtsein. Das ist die konzentrierte Formulierung dieser Einheit der Gegensätze. Das Sein ist das, was allen Dingen gemeinsam ist und sich durch nichts von anderen Dingen unterscheidet. Es ist nicht definiert, durch nichts konkret bestimmt. Was aber durch nichts konkret bestimmt ist und keine Definition besitzt, ist nichts. Dann ist Sein Nichtsein. Wenn das Nichts aber etwas ist, dann ist es. Und dann ist Nichtsein Sein. &lt;br /&gt;Das begriffliche Denken definiert die Begriffe zwar, indem es sie voneinander abgrenzt, kann sie aber in der Wirklichkeit nicht mehr als Einheit fassen. Ironie oder Dialektik des Denkens: Zenons Aporien richten sich letzten Endes gegen ihre eigene Voraussetzung, dass zwei widersprüchliche Aussagen nicht gleichzeitig wahr sein können. Denn erst von diesem Standpunkt aus ergeben sich zwar logische, aber scheinbar widersinnige Schlussfolgerungen. &lt;br /&gt;Die große Herausforderung des Zenon an die Philosophie lautete: Wie kann das Denken die Dinge des Seins begrifflich voneinander trennen und gleichzeitig ihre Gegensätze als Einheit denken; wie kann es die Dinge mit feststehenden Begriffen definieren und gleichzeitig in ihrer Veränderung und in ihrer Bewegung begreifen?&lt;br /&gt;Die vorsokratische Philosophie war bestimmt von naiven und unvollkommenen Formen des Materialismus und der Dialektik. Die Bereiche des Denkens, die Wissenschaften hatten sich noch nicht voneinander getrennt. Die Gelehrten der Antike waren Naturwissenschaftler, Erfinder, Politiker und Philosophen in einer Person. In den philosophischen Fragen nach dem allgemeinen Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt kamen die antiken Philosophen nicht auf den Gedanken, von anderen Vorraussetzungen auszugehen als in ihrer Betrachtung der Natur. Der Gedanke des Parmenides, dass Denken dasselbe wie des Gedankens Gegenstand sei, ist zwar genial, aber der unbewusste Reflex auf seinen Standpunkt bei der Erforschung der Natur. Seine wahre Bedeutung konnte Parmenides noch nicht begreifen. Denn er wusste nicht, dass die Frage nach dem Verhältnis von Denken und Sein auch auf andere, gänzlich entgegengesetzte Weise beantwortet werden könnte. Um das zu wissen, hätte er in der Lage sein müssen, die Begriffe von den Dingen loszulösen, das Denken als Substanz dem Sein entgegen zu stellen und als Ursprung des Seins aufzufassen. &lt;br /&gt;Die Vorsokratiker hatten nämlich noch nicht das Maß an Abstraktionsfähigkeit erreicht, um in ihrem philosophischen Denken nicht von den Erscheinungen der Natur auszugehen. Ihre geringe Abstraktionsfähigkeit hinderte sie daran, in ihren Vorstellungen über das Sein über das rein begriffliche Denken hinauszugehen. Die ionischen Naturphilosophen erkannten, dass die Dinge um sie herum in Bewegung sind, wie Blitze am Himmel vergehen und entstehen. Und auch sie trennten die Bewegung der Dinge und ihre Vielheit von der Ruhe und von der Einheit des Seins. Ganz natürlich begannen sie das Philosophieren mit der Suche nach einem unveränderlichen, ruhigen Urgrund aller Dinge.&lt;br /&gt;Um einen Abstraktionsgrad zu erreichen, der es ermöglicht, die Einheit der Widersprüche gedanklich zu fassen, musste der sinnlich-konkrete Ursprung der Philosophie überwunden werden. Zenon hatte die Widersprüchlichkeit der Begriffe quantitativ bis an den Punkt entwickelte, an dem zur Lösung der Probleme nur noch blieb: Der Sprung des Denkens in eine höhere Qualität der Abstraktion. &lt;br /&gt;In der antiken Philosophie bedeutete dieser Schritt, dass die Begriffe von den Dingen, die sie bezeichnen, löst wurden. Die Idee als Substanz wurde geboren und das Denken endgültig vom Sein getrennt. In diesem Sinne war die Ideenlehre des Platon, des Begründers des objektiven Idealismus, eine Konsequenz der Zenonschen Aporien. &lt;br /&gt;Im diesem „Reich der Ideen“, im philosophischen Idealismus, entwickelte sich über Jahrhunderte das begriffliche Denken zum dialektischen Denken. Vollendet wurde dieser Prozess von Georg Friedrich Wilhelm Hegel, und von Karl Marx wieder vom Kopf auf die Füße gestellt. Erst dadurch löste sich die scheinbare Widersinnigkeit der Aporien des Zenon auf in die tatsächliche Einsicht in die dialektische Einheit der Widersprüche. &lt;br /&gt;Und in der langen Geschichte des dialektischen Denkens gebührt Zenon von Elea die Ehre, als Erster den Gegensatz von begrifflichem und dialektischem Denken offenbart zu haben.&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-2274128341331989456?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/2274128341331989456/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' 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src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-5311973346856608664</id><published>2011-03-30T11:59:00.000-07:00</published><updated>2011-03-30T11:59:26.351-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Europa'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Spam'/><title type='text'>Spam</title><content type='html'>das Flugzeug fliegt aus dem belagerten Wien.&lt;br /&gt;ich lebe im Sternbild Europa. die Fenster &lt;br /&gt;verändern ihr Make-up - die Küchenfrauen sind &lt;br /&gt;zu einem Aufstand bereit. die Gespräche sind kurz&lt;br /&gt;wie einzelne Schüsse. die Muslime schlagen sich durch&lt;br /&gt;zur Moschee - hinter ihnen ihre Schatten wie Teufel.&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;es ist hell - als ob die Millionen Sonnen reif wurden,&lt;br /&gt;als ob sich der Papst zum Napoleon erklärte. &lt;br /&gt;die Jeans des Himmels riss vor Anstrengung -&lt;br /&gt;es glänzen die Arschbacken Gottes.&lt;br /&gt;die Burka ähnelt einer Pferdedecke -&lt;br /&gt;hier und da spazieren die Zentauren, angespannt hinter Kinderwagen.&lt;br /&gt;der Computervirus infiziert mein Herz;&lt;br /&gt;Europa hüllt sich in die Burka der Nacht.&lt;br /&gt;und dieser Text ist bloß eine Werbeanzeige.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow &lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-5311973346856608664?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/5311973346856608664/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2011/03/spam.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5311973346856608664'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5311973346856608664'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2011/03/spam.html' title='Spam'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-118356968928534061</id><published>2011-01-20T12:50:00.000-08:00</published><updated>2011-01-20T12:50:57.085-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='freie Interpretation des Abendessens in einem Dönerladen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Integrationskurs'/><title type='text'>freie Interpretation des Abendessens in einem Dönerladen</title><content type='html'>die Sonne überfliegt die Stadt &lt;br /&gt;wie ein Tennisball den Spielplatz&lt;br /&gt;und fällt als Fleck auf die grüne Tapete.&lt;br /&gt;die Badewanne des Himmels füllt sich mit Wasser.&lt;br /&gt;als ob das Gericht mit Trennung gewürzt wäre.&lt;br /&gt;Zutaten: Kohl, Möhren, Fleisch, Zwiebel.&lt;span class="fullpost"&gt;  &lt;br /&gt;Regen kratzt am Fenster, reibt auf der Reibe &lt;br /&gt;des Sonnenuntergangs rote Bette.&lt;br /&gt;draußen ist 50 Grad Fahrenheit -&lt;br /&gt;nicht zu heiß, nicht zu kalt. der Teller&lt;br /&gt;leert sich wie Antalya nach der Hochsaison.&lt;br /&gt;der Gast, bewaffnet mit Messer und Gabel,&lt;br /&gt;lässt Zwiebelringe übrig.&lt;br /&gt;der Türke fühlt sich im Laden eingeengt.&lt;br /&gt;der Besucher schließt die Tür, die Sonne &lt;br /&gt;erlischt wie Licht im Kühlschrank.&lt;br /&gt;mit der Schürze um den Leib geht &lt;br /&gt;der Janitschar zum Integrationskurs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-118356968928534061?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/118356968928534061/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2011/01/freie-interpretation-des-abendessens-in.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/118356968928534061'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/118356968928534061'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2011/01/freie-interpretation-des-abendessens-in.html' title='freie Interpretation des Abendessens in einem Dönerladen'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-4191385166784542964</id><published>2010-12-08T11:24:00.000-08:00</published><updated>2011-01-18T04:09:07.848-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Heimkehr oder Handel auf der Tokioter Börse'/><title type='text'>Heimkehr oder Handel auf der Tokioter Börse</title><content type='html'>wenn das durch befleckte Empfängnis gezeugte Europa&lt;br /&gt;die Dunkelheit mit Lichtern zu messen versucht,&lt;br /&gt;öffnet ein japanischer Ninja-Roboter&lt;br /&gt;seinen blauen Laptop wie den Sonnenaufgang.&lt;br /&gt;auf dem Bildschirm dreht sich der Planet wie eine Kugel&lt;br /&gt;im Kugellager des Sonnensystems.&lt;span class="fullpost"&gt; &lt;br /&gt;und ein alter Rikschafahrer chauffiert eine Prostituierte &lt;br /&gt;von ihrer Schicht zum Tokioter Stadtrand.&lt;br /&gt;ihre Augen sind klar. sie ist frei.&lt;br /&gt;sie würde sich gerne in den Kunden &lt;br /&gt;verlieben, der Bond so ähnelt...&lt;br /&gt;er spielt aber nicht in Liebesfilmen.&lt;br /&gt;sie würde wie eine echte Schauspielerin &lt;br /&gt;all den Zuschauern verzeihen, die ihrer Kunst&lt;br /&gt;und ihrem Film nicht glauben wollen...&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;sie bezahlt den Rikschafahrer mit Reis&lt;/div&gt;und steigt zum Himmel auf, wo Flugzeuge Kokainstreifen ziehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow  &lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-4191385166784542964?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/4191385166784542964/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/12/heimkehr-oder-handel-auf-der-tokioter.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4191385166784542964'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4191385166784542964'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/12/heimkehr-oder-handel-auf-der-tokioter.html' title='Heimkehr oder Handel auf der Tokioter Börse'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-3915393617658193101</id><published>2010-12-08T11:12:00.000-08:00</published><updated>2010-12-08T11:32:07.757-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Reinkarnation'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Gedicht'/><title type='text'>Reinkarnation</title><content type='html'>der Mond hängt über dem Wald wie ein nacktes Ziffernblatt,&lt;br /&gt;aus den Gebäudefenstern ragen trockene Äste der Industrie...&lt;br /&gt;der Reichsführer kapselte sich in einer Gummizelle&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;wie in einem Bunker ab&lt;/div&gt;und schreibt ein Testament...&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;(er zeichnet die Transsib auf der Karte wie ein Auslandstourist.)&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;der Dschihad ist für ihn nichts Neues. und Göbbels wie ein Transformer &lt;br /&gt;im weißen Panzer würde eher sterben als Westberlin aufgeben.&lt;br /&gt;wo Oder und Neiße zu einem Cocktail&lt;br /&gt;namens Bloody Mary zusammenfließen,&lt;br /&gt;fallen die Türken ins russische Hinterland ein.&lt;br /&gt;der Schnee deckt das Blut auf der Flagge Polens zu,&lt;br /&gt;und über all dem ist Jesus gekreuzigt in einem schwarzen Loch.&lt;br /&gt;der Himmel drückt die Sterne wie überreife Pickel aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;du wachst auf... und siehst mit geschlossenen Augen,&lt;br /&gt;wie über dir ein Rabe kreist.&lt;br /&gt;aus dem Wasserhahn im Bad fließt Kohlendioxid.&lt;br /&gt;du wünschst dir, das alles nie wieder zu sehen...&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;das Handtuch ist aber voll Blut.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow &lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-3915393617658193101?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/3915393617658193101/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/12/reinkarnation.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3915393617658193101'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3915393617658193101'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/12/reinkarnation.html' title='Reinkarnation'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-2834806092744611175</id><published>2010-10-12T23:08:00.000-07:00</published><updated>2010-10-12T23:09:16.901-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Der Abend'/><title type='text'>Der Abend</title><content type='html'>Der Abend nähert sich der Kehle matt,&lt;br /&gt;das Wort nicht gesprochen und fad,&lt;br /&gt;worüber reden? - Noch fremd ist die Stadt,&lt;br /&gt;das Fenster ein schwarzes Quadrat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Haus drüben, das and're im Blick -&lt;br /&gt;gelb von Van Goghs Ärger übermannt -&lt;br /&gt;erscheint wie Karton ohne Geschick&lt;br /&gt;herausgeschnitten von Kinderhand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Belanglosigkeit, sinnloses Schweifen,&lt;br /&gt;schwarzes, schematisches Männchen auf Wegen&lt;br /&gt;des Fußgängerzebras satten Streifen&lt;br /&gt;geht stets - erreicht stets nicht - einem entgegen.&lt;span class="fullpost"&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;вот и вечер подступает к горлу&lt;br /&gt;словом нерасказанным... о чём нам&lt;br /&gt;говорить – чужой пока что город&lt;br /&gt;и окно висит квадратом чёрным&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;в доме, что напротив, и другое –&lt;br /&gt;жёлтое ван гоговым безумством –&lt;br /&gt;точно из картона безыскусно&lt;br /&gt;вырезано детскою рукою...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;и зачем-то, никуда не годный,&lt;br /&gt;чёрный схематичный человечек&lt;br /&gt;по полоскам зебры пешеходной&lt;br /&gt;всё идёт – всё не дойдёт – навстречу....&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;Original: Yelena Inozemtseva&lt;br /&gt;Interlineare Übersetzung: Katharina Januschweski&lt;br /&gt;Nachdichtung: Franz Vogt&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-2834806092744611175?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/2834806092744611175/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/10/der-abend.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2834806092744611175'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2834806092744611175'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/10/der-abend.html' title='Der Abend'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-8938317049124229212</id><published>2010-08-09T01:08:00.000-07:00</published><updated>2010-08-09T01:16:47.327-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Frankreich'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Robert Merle'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Rezension'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Deutschland'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Auschwitz'/><title type='text'>Die deutsche Misere (Robert Merle: Der Tod ist mein Beruf)</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TF-3AO8F_AI/AAAAAAAAAGg/5uVTvI1BoAA/s1600/paulskirche.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="153" src="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TF-3AO8F_AI/AAAAAAAAAGg/5uVTvI1BoAA/s200/paulskirche.jpg" width="200" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Der Roman „Der Tod ist mein Beruf“ ist ein Buch, das abstoßend und anziehend zugleich ist. Abstoßend sind die Geschehnisse, die der Roman im letzten Drittel seiner Geschichte behandelt: Es ist die Geschichte eines Massenmordes, des größten und unvorstellbarsten Massenmordes der Geschichte der Menschheit. Die Beschreibung dieser Ereignisse wird umso unerträglicher für den Leser, je sachlicher sie erfolgt, je mehr der planmäßige Mord an 2,5 Millionen Menschen zu einem technischen Problem pervertiert, dessen Lösung in &lt;i&gt;„Einheiten pro Tag“&lt;/i&gt; gemessen wird. &lt;span class="fullpost"&gt;Denn das größte Verbrechen der Menschheit war mehr als ein dummer Bubenstreich eines Wahnsinnigen. Es lies sich nicht mit einem Federstrich durchführen und es bedurfte dazu mehr als unbändigen Hasses und gewissenloser Skrupellosigkeit. Wer innerhalb von 5 Jahren 2,5 Millionen Menschen töten möchte, muss die Gesetze der Natur überlisten und technische Herausforderungen meistern wie die Baumeister der Kathedrale von Florenz. Und wie für die größten kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften der Menschheit bedurfte es auch für ihre schrecklichste Tat besonderer Menschen, die bereit waren, sich jenen Herausforderungen zu stellen, die die Natur durch ihren Einfallsreichtum überlisteten und Lösungen fanden für nahezu unlösbare Probleme. Damit stoßen wir an die Anziehungskraft des Romans, die aus der menschlichen Neugierde entspringt, zu erfahren, wer diese Menschen waren, die bereit waren, den schrecklichsten Alptraum der Menschheit Wirklichkeit werden zu lassen.&lt;br /&gt;Einer jener Pioniere des Grauens war Rudolf Franz Ferdinand Höß, der seit Mai 1940 die Funktion des Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz ausübte und damit für die Durchführung des befohlenen Mordes an 2,5 Millionen Menschen verantwortlich war. 1947 wurde Rudolf Höß in den Prozessen gegen Kriegsverbrecher in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet. Aus den psychologischen Gutachten zu seiner Person und seinen Aussagen vor Gericht und in Verhören geht hervor, dass Rudolf Höß kein Mensch war, der einen äußerlich erkennbaren Hang zur Brutalität besessen hat. Er war in der Erfüllung seiner Aufgaben gewissenhaft und getrieben von Ordnungssinn und Pflichtbewusstsein. Für die Gewissenhaftigkeit, mit der er die ihm aufgetragenen Befehle ausgeführt hat, empfand dieser Mensch keine Reue und  kein Schuldgefühl, und die Frage nach Sinn und Inhalt der Befehle, die er empfangen hat, betrachtete er als unrealistisch für einen Offizier der SS.&lt;br /&gt;Der französische Schriftsteller Robert Merle war von diesem Psychogramm, das er über Rudolf Höß vom amerikanischen Gerichtspsychologen Gustav M. Gilbert gelesen hatte, dermaßen schockiert, ergriffen und vielleicht auch fasziniert, dass er sich 1950 entschloss, das Leben dieses Lagerkommandanten literarisch zu verarbeiten in einem Roman, gewidmet &lt;i&gt;„den Opfern jener, deren Beruf der Tod ist.“&lt;/i&gt; Teils literarisch erfunden, teils historisch recherchiert erzählt Robert Merle in der Form einer fiktiven Autobiografie das Leben Rudolf Langs alias Rudolf Höß und liefert damit ein einmaliges, kenntnisreiches und geniales Psychogramm der Unmenschlichkeit.&lt;br /&gt;&lt;i&gt;„Alles, was Rudolf Lang tat,“&lt;/i&gt; charakterisierte Robert Merle seine Romanfigur, &lt;i&gt;„tat er nicht aus Grausamkeit, sondern im Namen des kategorischen Imperativs, aus Treue zum Führer, aus Respekt vor dem Staat. Mit einem Wort, als ein Mann der Pflicht: und gerade darin ist er ein Ungeheuer.“ &lt;/i&gt;Diese sprichwörtliche „Niebelungenträue“ war es, in der Rudolf Lang zahlreichen anderen ausführenden Kadern des Nationalsozialismus ähnelte. Sie ist Ausdruck der tief verwurzelten persönlichen und geistigen Unselbstständigkeit dieses Menschen,  der als ängstliches Kind niemals den Mut und die Kraft aufbringt, sich von der väterlichen zu tiefst autoritären puritanisch-protestantischen Erziehung zu lösen. Er nutzt zwar die erste Gelegenheit zur Flucht vor der elterlichen Bevormundung, indem er sich 1916 im Ersten Weltkrieg einem Dragonerregiment für den Kriegsdienst in der Türkei anschließt. Diese Rebellion gegen die häusliche Autorität verschafft ihm aber nicht die notwendige Selbständigkeit im Geiste. Im Gegenteil, sie lehrt ihn, wie einfach es ist, Befehle auszuführen und sich der Verantwortung für die eigenen Taten zu entziehen. Umso mehr leidet das orientierungslose Kind in dem jungen Offizier unter den Ereignissen und Folgen der deutschen Novemberrevolution. Denn es ist keine bewusste Loyalität mit der Monarchie, kein politisches Bewusstsein, dass ihn in den Anfangsjahren der Weimarer Republik zu einem Feind der Revolution werden lässt, sondern die Erfahrung des persönlichen Scheiterns in einer Situation, die ihn zwingt, selbständige Entscheidungen zu treffen und selbstbestimmt zu handeln. Doch als die Verzweiflung über die Orientierungslosigkeit so groß ist, dass er bereit ist, seinem Leben ein Ende zu setzten, trifft ihn der Ruf jenes Mannes, der sich als neuer Führer des deutschen Volkes betrachtet: &lt;i&gt;„Wer sich der Verzweiflung hingibt, desertiert angesichts des Feindes. Die Pflicht jedes deutschen Mannes ist, für das deutsche Volk und das deutsche Blut zu kämpfen und zu sterben, wo immer er steht.“&lt;/i&gt; Und Rudolf Lang folgt diesem Rufer, weil er ihm gibt, was Rudolf Lang am meisten im Leben benötigt: Führung, Pflicht, Befehle und den Erlass jeglicher Verantwortung für das eigene Handeln.&lt;br /&gt;Und mit Rudolf Lang folgte ein ganzes Bürgertum, das bereit war, diesem Rufer die politische Macht, die Befehlsgewalt und jegliche Verantwortung zu übergeben in dem Augenblick, in dem es für den Erhalt der von Krisen zerrütteten Republik einer historischen Tat bedurft hätte. Der Faschismus ist keine deutsche Erfindung. Entstanden ist die faschistische Bewegung in Italien, Nachahmung fand sie außer in Deutschland in Spanien, Rumänien und anderen Staaten. Aber die unbedingte Brutalität seiner Ausgestaltung, die Steigerung der Unmenschlichkeit bis an die Grenzen des technisch möglichen und die Einbeziehung der ganzen Welt in den blutigsten aller Kriege der Menschheit entsprangen deutschem Geist, der geistigen Unreife oder der politischen Infantilität des deutschen Bürgertums.&lt;br /&gt;Dieses Bürgertum glich seine ganze Geschichte über jenem kindlichen Erwachsenen, der sich niemals der elterlichen Autorität emanzipieren konnte; es glich jenem Rudolf Lang, der zwar in jugendlichem Überschwang rebellierte, um anschließend nur noch tiefer in die Obhut der Autorität zu fliehen. Als das deutsche Bürgertum mit der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist, konnte von einem deutschen Staat noch lange nicht die Rede sein. Seit den Tagen des Dreißigjährigen Krieges 1618-48 war das Deutsche Reich in seiner ökonomischen Entwicklung um ca. 100 zurückgeworfen und die kaiserliche Zentralgewalt geschwächt. Zur Herausbildung eines deutschen Zentralstaates nach dem Vorbild des französischen Hofes Ludwigs XIV. oder des britischen Königs Heinrich VIII. war es in den deutschen Fürstenstaaten niemals gekommen. So entwickelte sich das deutsche Bürgertum im Schoße territorialer Kleinstaaterei und fürstlichen Egoismus' heraus. Die absolutistischen Schranken, in die es gefangen war, und die staatliche Beengtheit des Handels und Warenaustausches in den deutschen Staaten bedingten die wirtschaftliche Schwäche des deutschen Bürgertums, die wiederum Ursache seiner politischen Schwäche war. Der Begriff der deutschen Kulturnation ist wohl im Grunde nicht mehr als eine Scheinphrase, die verschleiern soll, dass das deutsche Bürgertum die für die Herausbildung des Kapitalismus so wichtige staatliche Einheit aus eigener Kraft in Deutschland niemals herstellen konnte. Auf dem Gebiet der Philosophie, der Kultur und der Kunst entwickelte das deutsche Bürgertum sein Klassenbewusstsein auf ausschließlich ideologische Weise; für historische Taten fehlten ihm stets Kraft und Wille. Hegels Philosophie war ihrem Wesen nach eine revolutionäre Philosophie, ihrer äußeren Erscheinung nach diente sie ihm zur Legitimierung des preußischen absolutistischen Staates; Goethe, der Dichterfürst der deutschen Nation, war beteiligt an der Kanonade von Valmy nicht als Revolutionär, sondern als Mitglied der europäischen Koalitionstruppen gegen die französische Revolution. So war sich das deutsche Bürgertum seiner historischen Aufgabe, den Absolutismus in Deutschland zu stürzen und die nationale Einheit Deutschlands herzustellen, niemals in vollem Maße bewusst und blieb unfähig, ihr gerecht zu werden. In den Napoleonischen Kriegen kämpften deutsche Kleinstaaten gegen deutsche Kleinstaaten und die militärischen Erfolge Napoleons waren zu einem großen Teil Ergebnis der deutschen Rückständigkeit. Die Hoffnung auf Reformen und nationale Einheit, die das Bürgertum in der  kurzen historischen Phase der Europäischen Befreiungskriege zum gemeinsamen Kampf mit den europäischen Fürsten veranlasst hatte, blieb unerfüllt und wurde zerschlagen von der harten Hand des Absolutismus in Gestalt des Fürsten von Metternich auf dem Wiener Kongress im Jahre 1815. Restauration und Reaktion der Jahre 1815-1840 waren letzten Endes der verdiente Lohn für den genügsamen Glauben des deutschen Bürgertums, die staatliche Einheit und die politische Macht vom Absolutismus auf dem Tablett serviert zu bekommen. Die Zeit, in der das deutsche Bürgertum eine progressive Rolle in der deutschen Geschichte gespielt hatte, war mit dem Wiener Kongress beinahe beendet. Hatten ihm bis 1815 die wirtschaftliche und politische Macht zum Kampf mit dem Absolutismus gefehlt, gesellte sich hierzu bald die Angst vor der eigenen Courage und den abzusehenden Folgen einer politischen Revolution als Gründe für die Trägheit des deutschen Bürgertums. Die französische Revolution und die Julirevolution des Jahres 1830 hatten dem deutschen Spießbürger vor Augen geführt, dass eine Revolution nur möglich ist durch Bewaffnung des Volkes und damit durch die Bewaffnung jener gesellschaftlichen Kräfte, die neben der politischen auch die wirtschaftliche Gleichberechtigung, neben dem Sturz der Krone auch den Sturz des Geldbeutels forderten. Die Folge dieser nun wirklich infantilen Angst vor der eigenen Courage und Verantwortung war das Scheitern der Revolution der Jahre 1848/49, in der sich das Parlament in der Paulskirche geradezu selbst erniedrigte, indem es dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anbot, der diese Offerte brüsk zurückwies, weil er es für unwürdig hielt, von einem Parlament die Krone zu empfangen. In dieser historischen Situation glich das deutsch Bürgertum einem ängstlichen, erwachsenen Kleinkind, das sich spontan erhebt und rebelliert, ohne selbst genau zu wissen, warum und mit welchem Ziel. Hatte das englische Bürgertum 1649 Karl I. vor dem englischen Volk für die Folgen zweier blutiger Bürgerkriege verantwortlich gemacht und gerichtet; hatte das französische Bürgertum 1793 in der Stunde der größten Schwäche der Revolution das Schwert erhoben und mit einem entschlossenen Hieb alle absolutistischen Kräfte einschließlich Ludwigs XVI. von der historischen Bühne gefegt; das deutsche Bürgertum zuckte erschrocken zusammen vor den Folgen einer scheinbar allzu unliebsamen Rebellion und zog sich eilends zurück in den behütenden Schoß des preußischen Absolutismus, nachdem dieser sich zu einigen leeren Versprechen hatte erweichen lassen. Und der preußische Absolutismus war es schließlich auch, der dem deutschen Bürgertum 1871 auf dem Amboss seiner Herrschaft mit Blut und Eisen schmiedete, was zu erkämpfen seine historische Aufgabe war: Die nationale Einheit Deutschlands. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck mag unbewusst gespürt haben, dass der preußische Absolutismus die vom Bürgertum getragene Industrialisierung brauchte, um seine Macht zu erhalten und auszubauen, und er wusste, dass das Bürgertum für die Entfaltung der Industrie die nationale Einheit benötigt. So war es nicht die historische Tat eines entschlossenen Bürgertums, sondern die Knute des Absolutismus, die die deutsche Einheit, die deutsche Industrialisierung und mit ihr die Blüte des deutschen Kapitalismus hervorgebracht hat. Und diese Knute des preußischen Absolutismus gebar einen Kapitalismus der innenpolitisch höriger und unselbstständiger war als jeder andere europäische Kapitalismus, der zugleich aber außenpolitisch um so vorlauter und frecher und um so aggressiver auftrat, wenn es galt, den Lebensnerv unschuldiger Völker für die eigene Bereicherung rücksichtslos auszulöschen. Was dem deutschen Bürgertum 1849 in der Frankfurter Paulskirche zur Durchsetzung seiner eigenen Interessen an Entschlossenheit fehlte, holte es 1900 und 1904 willig nach, als es für deutsche Kapitalinteressen und unter dem Banner deutscher Weltherrschaftsansprüche galt, die Aufstände der Boxer in China und des Stammes der Herero in Deutsch-Südwestafrika blutig niederzuschlagen. Schließlich konnte man sich bei diesen Gelegenheiten ungeschoren dafür hergeben, unschuldige Menschen grausam niederzumetzeln, ohne selbst die Verantwortung übernehmen zu müssen für die Taten, die eine kaiserliche Autorität angeordnet hatte.&lt;br /&gt;Und so war jenes infantile deutsche Bürgertum entstanden, das kein einziges Mal in der Geschichte fähig gewesen ist zu einer historischen Tat geleitet von einem selbstständigen Geist und eigener Verantwortung; das sich freiwillig einer absolutistischen Autorität unterwarf, die das Bürgertum andere Nationen längst entschlossen von sich gestoßen hatte; das sich willig in die beiden verheerendsten Kriege des 20. Jahrhunderts hat führen lassen mit der Aussicht auf satte Gewinne und gleichzeitiger Entbindung von jeder persönlichen Verantwortung; jenes Bürgertum, das Charaktere wie Rudolf Lang alias Rudolf Höß hervorgebrachte: Männer der Pflicht, die gerade darin die größten Ungeheuer waren.&lt;br /&gt;Auf diese Weise ist Robert Merles Roman mehr als ein durchdachtes Psychogramm der Unmenschlichkeit. Es ist auch ein Psychogramm deutscher Geschichte, das von Robert Merle auf geniale Weise beobachtet und gestaltet wurde. Diese Beobachtungsgabe des Verfassers macht „Der Tod ist mein Beruf“ trotz der Grausamkeit seines Gegenstandes zu einem lesenswerten Buch, das bis in die Gegenwart hinein manchen erhellenden Gedanken zur deutschen Geschichte und Gegenwart liefern kann. &lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-8938317049124229212?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/8938317049124229212/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/08/die-deutsche-misere-robert-merle-der.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8938317049124229212'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8938317049124229212'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/08/die-deutsche-misere-robert-merle-der.html' title='Die deutsche Misere (Robert Merle: Der Tod ist mein Beruf)'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TF-3AO8F_AI/AAAAAAAAAGg/5uVTvI1BoAA/s72-c/paulskirche.jpg' height='72' 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/&gt;qualmen, räuchern, verbrennen restlos als Stück,&lt;br /&gt;Erwachsensein, zwei Schritte hin zu den Türen,&lt;br /&gt;zwei - über die Schwelle, und niemals - zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;как тот птенец, что выпал из гнезда, &lt;br /&gt;и – всё больней, всё дальше, всё разлучней....&lt;br /&gt;страдает одинокая звезда -&lt;br /&gt;всё мается и мается падучей.&lt;br /&gt;всё падает, который день подряд,&lt;br /&gt;и всё никак желанья не исполнит, &lt;br /&gt;а звездопад заменит снегопад,&lt;br /&gt;и первый снег растает на ладони.&lt;br /&gt;и будет ночь в сто сорок фонарей&lt;br /&gt;чадить, коптить сжигая безвозвратно&lt;br /&gt;приметы взрослости: два шага до дверей,&lt;br /&gt;два – за порог, и никогда – обратно.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;Original: Yelena Inozemtseva&lt;br /&gt;Nachdichtung: Franz Vogt&lt;br /&gt;Interlineare Übersetzung: Katharina Januschewski&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-8217480900619123405?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/8217480900619123405/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/08/der-stern.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8217480900619123405'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8217480900619123405'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/08/der-stern.html' title='Der Stern'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-7173081422048490264</id><published>2010-07-08T09:09:00.000-07:00</published><updated>2010-07-08T09:09:19.559-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='der alte Mann und das Meer'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kuba'/><title type='text'>der alte Mann und das Meer</title><content type='html'>im Notizbuch ist ein wenig Platz für Musik übrig geblieben...&lt;br /&gt;und die Zigarre löst sich langsam wie ein verkrampfter Muskel.&lt;br /&gt;das Meer singt allerlei - jedem nach seinem Gehör.&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;der alte Mann setzt ein Mundstück seinem Saxophon auf&lt;br /&gt;und wirft die Musik aufs Meer wie ein Lasso.&lt;br /&gt;er saugt am Mundstück wie an einem Strohhalm -&lt;br /&gt;trinkt Mojito.&lt;br /&gt;das Meer riecht auf einmal nach Minze.&lt;br /&gt;das Saxophon flüstert dir ganz leise ins Ohr:&lt;br /&gt;"Kuba bleibt bei dir für immer..."&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-7173081422048490264?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/7173081422048490264/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/07/der-alte-mann-und-das-meer.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7173081422048490264'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7173081422048490264'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/07/der-alte-mann-und-das-meer.html' title='der alte Mann und das Meer'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-4569245069286860882</id><published>2010-07-08T09:03:00.000-07:00</published><updated>2010-07-08T09:03:56.712-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Chingachgook'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='American Dream'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Traum'/><title type='text'>American Dream</title><content type='html'>legst du einen Dollar unter dein Kissen -&lt;br /&gt;träumst du von Washington oder New-York.&lt;br /&gt;dort studieren Newsmaker Börsenberichte wie die Thora,&lt;br /&gt;und jeder Präsident ist mindestens ein Prophet.&lt;br /&gt;dort stirbt Zucker langsam in einer Tasse Cappuccino,&lt;br /&gt;die Sonne scheint das ganze Jahr in Hollywood der Welt zum Verdruss.&lt;br /&gt;dort kommen keine Putschisten an die Macht,&lt;br /&gt;und Wahlen sind familiär und warmherzig.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;dort zeichneten Wissenschaftler Pläne für Jahrhunderte im Voraus.&lt;br /&gt;dort weiß jeder aus dem Lehrplan, was die friedliche Kernkraft kostet,&lt;br /&gt;und was tun, dass in Afghanistan die Preise auf Heroin wieder steigen,&lt;br /&gt;und warum Rosen in Georgien und Tulpen in Kirgisistan welkten.&lt;br /&gt;dort haben Antiglobalisten keine Furcht vor Kapitalismus oder NATO. &lt;br /&gt;und ein Zeppelin überfliegt die Häuser wie ein Luftkuss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;dort sind wie noch nie und nirgends Rede und Meinung so frei,&lt;br /&gt;und Rapper improvisieren die Verfassung.&lt;br /&gt;dort ist das Öl für Broker Elfenbein wert,&lt;br /&gt;das in Tankern zu hartem Rum reift.&lt;br /&gt;nachts laufen dort am Horizont Filme.&lt;br /&gt;und Zuschauer träumen vom Hudson und Mississippi.&lt;br /&gt;dort haut Tom Sawyer mit Huckleberry Finn von zu Hause ab,&lt;br /&gt;um einen Joint zu rauchen mit Chingachgook, &lt;br /&gt;&lt;div align="right"&gt;der lebt wie der letzte Hippie.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div align="right"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-4569245069286860882?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/4569245069286860882/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/07/american-dream.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4569245069286860882'/><link rel='self' type='application/atom+xml' 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hochbetagte karibische Dame,&lt;br /&gt;am linken Bein den Strumpf heruntergerollt, &lt;br /&gt;so dass es scheint als würde sie hinken,&lt;br /&gt;geht die Gaslaternen entlang,&lt;br /&gt;setzt sich auf den Stuhlrand, &lt;br /&gt;raucht an und schweigt.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;und bloß die Krümmung des Himmels &lt;br /&gt;lastet auf ihren sonnengebräunten Schultern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;die hochbetagte karibische Dame&lt;br /&gt;raucht als ob sie auf Raten küsst. &lt;br /&gt;der grauhaarige Gitarrist biegt exzessiv sein Handgelenk;&lt;br /&gt;er ist heute betrunken wie nur Gott betrunken sein könnte.&lt;br /&gt;der Gitarrist schleppt die Dame ab&lt;br /&gt;wie üblich am Happy End.&lt;br /&gt;die Kamera zoomt auf ein Schälchen &lt;br /&gt;Zigarettenstummel, markiert mit rotem Lippenstift.&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-48969424985451454?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/48969424985451454/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/buena-vista-social-club.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/48969424985451454'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/48969424985451454'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/buena-vista-social-club.html' title='Buena Vista Social Club'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-4510218468777136453</id><published>2010-06-28T06:39:00.000-07:00</published><updated>2010-06-28T06:39:04.670-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kuba'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Mondäne'/><title type='text'>die Mondäne</title><content type='html'>die Mondäne alterte in Havanna &lt;br /&gt;zusammen mit den Kolonialvillen – für immer.&lt;br /&gt;sie sitzt auf dem Balkon mit Blick zum Meer,&lt;br /&gt;wo zu ihrer Jugend schlappohrige Segelboote &lt;br /&gt;das Gehör anstrengten. und heute schwimmen Seifenreste &lt;br /&gt;und mehr noch klappert das Meer selbst wie mit schmutzigem Geschirr.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;und der Mondäne scheint, dass jener Teil der Welt &lt;br /&gt;hinter den Horizont getrieben wurde, &lt;br /&gt;wo weiße Gesichter das Salz des Nordens wie des Südens waren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;die Mondäne alterte auf dem Balkon&lt;br /&gt;mit Blick zum Meer, wo früher Möwen zum Blues tanzten.&lt;br /&gt;und heute gellen die Tanker in den Ohren wie stumpfe Sägen&lt;br /&gt;und Wellen schäumen unter ihnen hervor.&lt;br /&gt;die Mondäne sitzt auf dem Balkon und raucht so schön.&lt;br /&gt;sie füllt das Glas mit der Fledermaus &lt;br /&gt;bis zum Horizont, nippt und schließt die Augen…&lt;br /&gt;sie träumt, dass Michael Jackson&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;mit seinem Moonwalk die Erde rückwärts dreht.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-4510218468777136453?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/4510218468777136453/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/die-mondane.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4510218468777136453'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4510218468777136453'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/die-mondane.html' title='die Mondäne'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1571514494193836477</id><published>2010-06-22T03:43:00.000-07:00</published><updated>2010-06-22T03:49:21.524-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dialektik der Aufklärung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Rezension'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Marcelo Piñeyro'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Film'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Die Methode'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Adorno'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kapitalismus'/><title type='text'>Die Methode - Ein Film von  Marcelo Piñeyro</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TCCTOa7GB2I/AAAAAAAAAGY/7GhT0SY3dJ4/s1600/wolkenkratzer.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="200" src="http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TCCTOa7GB2I/AAAAAAAAAGY/7GhT0SY3dJ4/s200/wolkenkratzer.jpg" width="182" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Madrid um die Wende zum 21. Jahrhundert: Auf den Straßen der Hauptstadt tobt der ursprüngliche, spontane Klassenkampf der Globalisierungskritiker und Gegner der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Demonstrationen, Massenproteste, brennende Autos, Straßenschlachten und eine Polizei, die mit unbarmherziger Härte gegen die Demonstranten vorgeht. Derweil in einer der obersten Etagen eines der Madrider Wolkenkratzer – In einem Elfenbeinturm in Wolkenkuckucksheim, könnte man vermuten. Doch was hier geschieht, ist nicht weniger real als die Demonstrationen auf der Straße. – schmiedet das Kapital seine Waffen, hält Heerschau und sammelt sich zur Wahl seiner Feldherren.&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;Zugeben, das ist eine martialische Sprache für das, was der argentinische Regisseur Marcelo Piñeyro in seinem Film „Die Methode“ auf feinere und subtilere Weise dargestellt hat. In einem Sitzungssaal des fiktiven Großkonzerns DEKAI sammeln sich sieben Menschen, die nach einem umfassenden Verfahren dazu auserwählt wurden, eine letzte Auswahlrunde für die Besetzung eines Managerpostens des Konzerns zu bestehen. Die angewandte Methode zur Wahl des geeigneten Kandidaten ist die sogenannte „Grönholm-Methode“. Gesucht wird bei dieser Methode nicht nach beruflicher Qualifikation oder persönlichen Fähigkeiten, sondern nach der geeigneten psychologischen Verfassung für eine Laufbahn in den Chefetagen des kapitalistischen Großkonzerns. Den Teilnehmern steht es frei, den Sitzungssaal und damit die Auswahlrunde zu verlassen; wer bleibt, muss sich den Regeln beugen. Und die lauten: Der Gruppe werden Aufgaben und Fragen gestellt, die alle Teilnehmer entweder gemeinsam oder gegeneinander lösen müssen. Wer die gestellten Aufgaben nicht erfüllen kann oder von der Gruppe dazu bestimmt wird, muss das Verfahren verlassen und die Hoffnung auf den zur Wahl stehenden Posten für immer fallen lassen.&lt;br /&gt;Was auf diese Weise von Marcelo Piñeyro inszeniert und von sieben brillanten Schauspielern in einem spannungsgeladenen Kammerspiel in etwa 115 Minuten dargestellt wird, ist eine Neuauflage von „Kabale und Liebe“. Zwar nicht in der Darstellung des Milieus. Das Drama Friedrich Schillers aus dem Jahre 1784 schildert den moralischen und geistigen Zustand der spätfeudalen Adelsgesellschaft. Aber ihrem Inhalte nach schildern beide den moralischen und geistigen Verfall einer untergehenden aber dennoch herrschenden – oder herrschenden aber dennoch untergehenden? – Klasse, ihre Intrigen und ihre Winkelzüge.&lt;br /&gt;Der Film verdeutlicht auch, dass man nicht in die vulgäre Weltsicht verfallen sollte, die Protagonisten und Agenten des Kapitals hätten es allzu leicht in ihren Rollen. „Schweißtriefend bückt sich der Mann, der das Haus baut, in dem er nicht wohnen soll. Aber es schuftet schweißtriefend auch der Mann, der sein eigenes Haus baut.“ (Brecht) Die ökonomische Konkurrenz des Kapitalismus zwingt nicht nur Millionen Menschen in Hunger und Elend, treibt nicht nur Millionen Menschen in den Tod durch Krieg und Terror, lässt nicht nur die Polizeiknüppel auf die empörte aufbegehrende Masse hernieder prasseln; sie verlangt auch von den Protagonisten der ökonomischen und politischen Macht: "Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!" (Dante)  Was für die Teilhabe am den Massen der arbeitenden Menschen entzogenen Mehrprodukt erwartet wird, ist nicht mehr und nicht weniger als unbedingte Loyalität, die Beseitigung aller persönlicher moralischer Skrupel bis zur Selbstaufgabe im Dienste der Klasse. So scheitert etwa der junge, aufstrebende und engagierte Enrique im Auswahlverfahren nicht an der Bereitschaft zur Unterordnung, zu moralischer Verfehlung und zum persönlichen Verrat. Woran er zerbricht ist die Suche nach der moralischen Instanz außerhalb von sich selbst, die ihn psychologisch nicht dazu befähigt, die vorauseilende Loyalität und Unterordnung aus sich selbst heraus zu beziehen. In der Sphäre der Macht, in die er aufsteigen möchte, reicht es nicht mehr, Befehle zu befolgen, man muss den Verrat schon selbst wollen. Denn die Herrschaft duldet keinen Zweifel. &lt;br /&gt;Am Ende ist der Sieger dieses zynischen Spektakels nicht unbedingt der Gewinner. Er hat als einziger erreicht, wonach alle strebten, um den Preis dessen, was er eigentlich einmal zu gewinnen hoffte. Man fühlt sich erinnert an den adornoschen Odysseus, der sich zehn Jahre seines Lebens mit den Göttern stritt, um sein freies Leben zu gewinnen, und für den Zweck seiner Odyssee schließlich mit diesem Zweck selbst bezahlen musste: Seine Lebenszeit. So pervertiert schließlich beim Karrierismus der Protagonisten wie alles in der kapitalistischen Produktionsweise das ursprüngliche Mittel zum eigentlichen Zweck: Aufgestiegen auf der Karriereleiter wird nicht mehr, um zu leben, sondern gelebt wird, um die Karriere voran zu bringen, und in den Tempeln des sozialen Aufstiegs wird den Göttern der Gegenwart geopfert, was zu bewahren sie einst geschaffen wurden: das Leben.&lt;br /&gt;Mit dieser Darstellung der geistigen Entfremdung der herrschenden Eliten des Kapitalismus liefert  Marcelo Piñeyro mehr als nur ein psychologisch durchdachtes Kammerspiel. Es geht in dem Film nicht schlechthin um die abstrakte Frage, wozu Menschen moralisch fähig und auf welche Weise sie manipulierbar sind losgelöst von den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen sie leben. Wer die Handlung des Filmes in einem solchen allgemein-menschlichen Sinne interpretiert, beraubt sie ihres eminent politischen Gehaltes. Es handelt sich bei dem Film „Die Methode“ um nichts anders ein Porträt der herrschenden Klasse und ihrer Agenten, um die Entlarvung dessen, was sonst nur hinter verschlossenen Türen geschieht. Es geht um die Feststellung, dass den demonstrierenden Massen der Straßen eine reale Macht gegenübersteht, die nicht nur eine Chimäre weltfremder Verschwörungstheoretiker ist, sondern die, wie Brecht sagt, Namen, Adressen und Gesichter besitzt und die ihr Denken ableitet aus einer Herrenmenschenideologie und deren Handeln bestimmt wird vom Imperativ der absoluten Befreiung von jeglichen moralischen Skrupeln. Man kann die Protagonisten bedauern der objektiven Zwänge wegen, denen auch sie unterlegen sind und die sie beständig zwingen, sich selbst zu entfremden; Mitleid, Nächstenliebe, Menschlichkeit, moralische Skrupel, Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen gerade in den Belangen der Erhaltung von Natur und Menschen gegen profitorientierte kapitalistische Ausbeutung sollte man von ihnen dennoch nicht erwarten. &lt;br /&gt;Statt dessen deutet  Marcelo Piñeyro in der Schlusssequenz seines filmischen Kunstwerkes, das herkömmlichen Hollywood-Produktionen zwar medial unterlegen ist, die es aber an geistigem Gehalt,  künstlerischer Gestaltung und schauspielerischer Leistung um Längen überragt, das Moment der Überwindung des dialektischen Antagonismus der kapitalistischen Gesellschaft mitsamt der Entfremdung der herrschenden Eliten an: Die vorletzte verbliebene Person verlässt niedergeschlagen und angefüllt mit den seelischen Trümmern aus dem verlorenen Kampf den Tempel der Macht und betritt die Straßen Madrids, die gesäumt sind von brennenden Autos und übersäht mit den Spuren der soeben geschlagenen Klassenschlacht. Und es scheint, als flüsterten die brennenden Autos dem die Straße entlang und vorbeigehenden Menschen ins Ohr: „Schwer ist der Weg.“ Aber! „Es gibt nur diesen einen.“ (Johannes R. Becher)&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1571514494193836477?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1571514494193836477/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/madrid-um-die-wende-zum-21.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1571514494193836477'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1571514494193836477'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/madrid-um-die-wende-zum-21.html' title='Die Methode - Ein Film von  Marcelo Piñeyro'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TCCTOa7GB2I/AAAAAAAAAGY/7GhT0SY3dJ4/s72-c/wolkenkratzer.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-6466561540820014955</id><published>2010-06-14T03:16:00.000-07:00</published><updated>2010-06-14T03:22:38.768-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Staat und Revolution'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Aurora'/><title type='text'>Staat und Revolution</title><content type='html'>als die Transsib* von ihren Zügen müde wurde, &lt;br /&gt;machte Marx Urlaub auf einer Staatsdatsche. &lt;br /&gt;die Pioniere traten dem NATO-Pakt bei&lt;br /&gt;und investierten ihr ursprünglich akkumuliertes Kapital in die D-Mark.&lt;br /&gt;der Klassenkampf wurde vom klassischen Ringkampf abgelöst,&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;und Pop-Musik drang aus allen Fenstern in die Seele ein.&lt;br /&gt;die Kommissare bekehrten die Arbeiterklasse zum neuen Glauben,&lt;br /&gt;und die lose Zeit gebar uns wie einen misslungenen Witz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;als sich die Adler im kaviarroten Kreml einnisteten,&lt;br /&gt;schnarchte der Engelschor im Himmel.&lt;br /&gt;das Sein war wie zu einer zarten Creme geschlagen,&lt;br /&gt;und du standest nach Milch und Brot in der Schlange.&lt;br /&gt;Aurora zielend mit ihrem Geschütz &lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;wankte wie ein betrunkener Milizionär,&lt;/div&gt;Panzer wurden den Soldaten zum reinen Karma.&lt;br /&gt;und Lenin gegossen aus Schokolade schmolz auf dem Sockel&lt;br /&gt;mitten in der Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;* Transsibirische Eisenbahnstrecke&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-6466561540820014955?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/6466561540820014955/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/staat-und-revolution.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/6466561540820014955'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/6466561540820014955'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/staat-und-revolution.html' title='Staat und Revolution'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-3221579150835522717</id><published>2010-06-01T01:47:00.000-07:00</published><updated>2010-06-01T01:53:13.708-07:00</updated><title type='text'>Ziegenhals - Hintergründe, Geschichte und Ende einer Gedenkstätte</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TATIEHd41FI/AAAAAAAAAGQ/4JE5tswaKn0/s1600/Bundesarchiv_Bild_183-18295-0002,_Ziegenhals,_11._Plenum_ZK_der_SED.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="133" src="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TATIEHd41FI/AAAAAAAAAGQ/4JE5tswaKn0/s200/Bundesarchiv_Bild_183-18295-0002,_Ziegenhals,_11._Plenum_ZK_der_SED.jpg" width="200" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Als am 07. Februar 1933 zwei angetrunkene Männer den Hauptsaal des Sporthauses in Ziegenhals betraten, hätte nur ein Eingeweihter erkennen können, welche Gefahr von den beiden zufällig eintreffenden Menschen für die Anwesenden im Sporthaus ausging. Deutlich war die laute und erregte Stimme eines Redners durch die verschlossene Tür des dem Saal benachbarten Zimmers zu hören: &lt;i&gt;„...stellen die Frage des Kampfes für den Sturz der Hitlerregierung, die Frage der Beseitigung der Hitler-Hugenberg-Regierung als unmittelbare Aufgabe. Wir stellen sie in jeder Stunde...“&lt;/i&gt; &lt;span class="fullpost"&gt;Da unterbrach das beherzte Einschreiten eines weiteren Saalgastes die beiden aufmerksam gewordenen Männer beim Zuhören. Er scherzte mit ihnen, verwickelte sie in Gespräche und lud beide auf Bier in ein anderes Lokal in der Nähe ein. Die beiden Männer willigten ein und unter Scherzen und Lachen verließen alle drei gemeinsam den Saal des Sporthauses, während sich in den Gesichtern der im Saal zurückbleibenden Menschen sichtlich die Anspannung löste.&lt;br /&gt;Etwa zur gleichen Zeit saß im nicht weit entfernten Ort Niederlehme Otto Franke als Vorsitzender der Revisionskommission der Gemeindekasse mit seinem Bürgermeister in einer Besprechung über den Zustand der Gemeindekasse, die er extra für diesen Tag einberaumt hatte. Gelegentlich unterbrachen Anliegen und Meldungen von Mitarbeitern, Beamten oder Parteigenossen die Besprechung. Otto Franke hörte bei jeder Unterbrechung aufmerksam zu, ob in einem der Gespräche der Ort Ziegenhals genannt wird. Aber nichts, was er während der Besprechung mit dem Bürgermister zu hören bekam, weckte seine Aufmerksamkeit. Der Ort Ziegenhals blieb ungenannt. Die Beamten, Parteigänger und Anhänger der Regierung des neu ernannten Reichskanzlers Adolf Hitler schienen ahnungslos über das, was sich zu diesem Zeitpunkt im kleinen Sitzungssaal des Sporthauses Ziegenhals abspielte.&lt;br /&gt;Adolf Hitler war eine Woche zuvor, am 30. Januar 1933, vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum neuen Kanzler der Weimarer Republik ernannt worden. Paul von Hindenburg war zwar ein erklärtet Gegner der republikanischen Staatsform, ein Anhänger Adolf Hitlers und dessen Programms vom „nationalen Sozialismus“, hinter dem sich zahlreiche junge Arbeiter, Arbeitslose, verarmte Landarbeiter, Bauern und Mitglieder der vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelschicht sammelten, war er dennoch nicht. Die Ernennung Adolf Hitlers erfolgte nicht aus freiem Willen, Paul von Hindenburg wurde gedrängt von führenden Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft. Bereits am 19. November 1932 hatte ihn eine Eingabe erreicht, die vom ehemaligen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht verfasst und u.a. von Fritz Thyssen und 18 weiteren Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft unterschrieben und in der vom Reichspräsidenten gefordert worden war, „&lt;i&gt;die größtmögliche Volkskraft hinter das Kabinett“&lt;/i&gt; zu bringen. Damit war keine andere Partei gemeint als die NSDAP, die nach der Eingabe „&lt;i&gt;gegen das bisherige parlamentarische Regime“&lt;/i&gt; eingestellt war und bei den Reichstagswahlen am 06. November 1932 die meisten Stimmen hinter sich hatte vereinen können. Paul von Hindenburg war dieser Aufforderung zunächst nicht nachgekommen und hatte am 02. Dezember 1932 Kurt von Schleicher zum Reichskanzler der Weimarer Republik ernannt. Obwohl die persönlichen Gründe Paul von Hindenburgs, warum er Adolf Hitler schließlich doch in das Amt des Reichskanzlers berief, damit verborgen bleiben, ist deutlich erkennbar, dass sich hinter dieser Entscheidung wirtschaftliche und politische Interessen der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft verbargen. &lt;br /&gt;Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“, hatte der rapide Fall der Aktienkurse des Dow-Jones-Index in den USA die bis dahin umfassendste Überproduktionskrise der kapitalistischen Produktionsweise eingeleitet. Die internationalen Märkte, die in den Konjunkturjahren nach dem Ersten Weltkrieg gewachsen waren, waren mit Waren überschwemmt, nach denen schon seit langem keine Nachfrage mehr bestand. Die Konzerne und Unternehmen waren gezwungen, ihre Waren zu Preisen zu verkaufen, die unter den Produktionskosten lagen, oder in Lagerhallen zu horten, bis die Sättigung der Märkte überwunden und neue Nachfrage entstanden war. Doch bis das hätte geschehen können, hätte Zeit ins Land fließen müssen und mit ihr das Geld und Kapital der Unternehmen, die einer nach dem anderen der sich verschärfenden ökonomischen Konkurrenz erlagen und Konkurs anmelden mussten. Finanzspekulationen hatten ihr übriges getan, dass der Produktions- bald auch die Finanzkrise gefolgt war, die sich mit dem Bankrott der österreichischen Kreditanstalt am 11. Mai 1931 auch über Europa zu verbreiten drohte. Um den Erscheinungen der Überproduktionsprise kurzfristig entgegen zu wirken und künstliche Nachfrage zu erzeugen, waren Kredite vergeben, deren nomineller Wert real nicht gedeckt war, der Eigenkapitalanteil von Unternehmen gesenkt und mit Verschuldung und Spekulation auf zukünftige Gewinne produziert worden. Am 23. Juni 1931 war der Bremer Spinnereikonzern„Nordwolle“ den Folgen der Aufdeckung von Bilanzfälschungen erlegen, die der Konzern betrieben hatte, um seine wahre wirtschaftliche Situation zu verschleiern. Der Konzern war nicht mehr in der Lage gewesen, seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Darmstädter und Nationslbank (Danatbank) nachzukommen, die zugleich Miteigentümer des Konzerns war und die deshalb ebenfalls am 13. Juli 1931 Konkurs hatte anmelden müssen. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkreise hatte damit das deutsche Reich erreicht und sich fortgesetzt, als die völlige Überschuldung weiterer Banken und Konzerne bekannt wurde, die reihenweise ebenfalls Konkurs anmelden mussten. Es hatte nun gegolten, den drohenden Kollaps des gesamten Währungs- und Finanzsystems des Deutschen Reiches zu verhindern, falls Kleinsparer, Anleger und Gläubiger aus Angst, ihre getätigten Einlagen nicht zurück zu erhalten, auf einmal sämtlich Investitionen zurück fordern sollten, zu deren Garantie die Danatbank längst nicht mehr in der Lage gewesen war. Der Staat hatte einspringen müssen als Retter und Bürge. 50 Millionen Reichsmark hatte  Reichskanzler Heinrich Brüning der Danatbank als kurzfristige Unterstützung zugesichert,  Ausfallbürgschaften für alle Verbindlichkeiten der Bank übernommen und der Schwerindustrie zum Ankauf von Aktienkapital der Danatbank 35 Millionen Reichsmark vorgestreckt. &lt;br /&gt;Auf diese Weise waren der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft Gelder zugeflossen, die der deutsche Staat auf andere Weise einsparen musste. Heinrich von Brüning war mit dem Beinamen „Hungerkanzler“ in die Geschichte eingegangen als der Reichskanzler der Weimarer Republik, unter dessen Kanzlerschaft massive sozialpolitische Einsparungen erfolgt waren. Mit Hilfe von Notverordnungen, d.h. gesetzgeberischen Befugnissen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, hatte Heinrich Brüning an der Kontrolle des Parlamentes vorbei Maßnahmen durchgesetzt wie die Erhöhung der Einkommenssteuer um 5% und die Erhöhung der Beitragszahlungen zur Arbeitslosenversicherung um 4,5% bei gleichzeitiger Kürzung der Leistungen von Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Die Gehälter der staatlichen Beamten waren um 6% gesenkt und im staatlichen Wohnungsbau 200 Millionen Reichsmark eingespart worden. Diese Einsparpolitik war erfolgt, während die Zahl der Opfer der Wirtschafts- und Finanzkrise und die von ihr verursachte Not wuchsen und wuchsen. Mittelständische und Kleinbetriebe, Geschäfte oder kleine Händler waren der ökonomischen Konkurrenz erlegen und hatten Konkurs angemeldet, weil Aufträge und Nachfrage ausgeblieben waren und sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht hatten nachkommen können. Die Konzerne, deren Eigenkapital ausreichte, der Krise standzuhalten, hatten sparen und Arbeitskräfte in großer Zahl entlassen müssen. 1932 hatte die Zahl der arbeitslosen Bevölkerung des Deutschen Reiches die Marke von 6 Millionen überschritten. Mit dieser Masse von Menschen, die ihrer materiellen, klassenmäßigen Grundlage beraubt waren; mit den Arbeitern, die keinen Arbeitsplatz fanden und ihre Arbeitskraft nicht zum Gelderwerb verkaufen konnten, mit der verarmten Landbevölkerung, die Hof und Acker nicht mehr bewirtschaften konnten und verkaufen mussten, mit den Kleinbetrieben, deren Eigentümer ihren Besitzt verloren und sich in die Scharen der Arbeitslosen einreihten oder selbst Lohnarbeit suchen mussten, mit den Intellektuellen und Künstlern, die die Produkte ihrer geistigen Arbeit nicht mehr verkaufen konnten, mit den Beamten, Soldaten und Angestellten des Staates, deren Arbeitsplätze gestrichen wurden und die ihrer Privilegien verlustigt gingen; mit dieser Masse von Menschen hatte der bürgerlich-demokratische Staat der Weimarer Republik mehr und mehr die materielle Voraussetzung seiner Existenz verloren: Eine genügende Masse von Wählern, deren materielles Leben mit dem wirtschaftlichen und politischen System der Republik verbunden war und die sich deshalb immer wieder zur Wahl bürgerlicher republikanischer Parteien entschieden hatten, deren Programm auf den Fortbestand der kapitalistischen Produktionsweise unter der republikanischen bürgerlichen Staatsform ausgerichtet war. &lt;br /&gt;Zwei Parteien hatten in den Ausgangsjahren der Weimarer Republik an Bedeutung gewonnen, deren Anhängerschaft stetig wuchs. Die Kommunistisch Partei Deutschlands (KPD) hatte in den Reichstagswahlen im November 1932 16,9% Wählerstimmen gewonnen, die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) 33,1%. Das Programm der KPD zielte darauf ab, die kapitalistische Produktionsweise zu überwinden und in eine sozialistische, gesellschaftlich organisierte und geplante Produktionsweise umzuwandeln, in der kein Privateigentum an Produktionsmitteln mehr bestehen sollte, indem der bürgerliche republikanische Staat abgeschafft und an seiner Stelle ein Staat aufgebaut würde, in dem die Arbeiterklasse im Bündnis mit allen werktätigen Schichten, d.h. Bauern oder Kleinbetrieben, die politische Macht nicht nur formal durch Wahlen, sonder tatsächlich ausüben sollten. Das Programm der KPD zielte damit auf die Überwindung des Wirtschaftssystems der Weimarer Republik, das die Ursache für die Krise der Wirtschaft und die Not der Menschen war, bei gleichzeitigem Erhalt und Ausbau des demokratischen und sozialen Gehaltes ihrer bürgerlich-demokratischen Staatsform.&lt;br /&gt;Die entgegengesetzte Zielrichtung verfolgte das Programm der NSDAP. Ihre ursprüngliche Programmatik, Rhetorik und Erscheinung enthielten zwar zahlreiche Elemente des Antikapitalismus und der Arbeiterbewegung. Auf diese Weise war es der NSDAP gelungen, große Teile der verarmten Landbevölkerung, des Mittelstandes, der Arbeiterschaft und der Arbeitslosen als Anhängerschaft und Mitglieder zu gewinnen. Diese antikapitalistischen Elemente waren aber nur scheinbarer und demagogischer Natur, um die Massen für die Ideen eines „nationalen Sozialismus“ zu gewinnen. Ihrem eigentlichen Wesen nach zielten Programm und Politik der NSDAP auf den unbedingten Erhalt der kapitalistischen Produktionsweise durch der Errichtung einer faschistischen Diktatur. Anschaulichen Beweiß davon liefert das Engagement des ehemaliges Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schachts für die Finanzierung der NSDAP,  der u.a. am 18. März 1932 an den Eigentümer der Gutehoffnungshütte Paul Reusch schrieb: „&lt;i&gt;Das Wahlresultat vom 13. März wird sie nicht darüber täuschen, dass die politische Rechtsentwicklung in Deutschland unaufhaltsam fortschreitet und dass die nationalsozialistische Partei bei einer solchen Rechtsentwicklung nicht zu umgehen sein wird. Unser aller Sorge ist dabei die Frage der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik. […] Mir ist deshalb die Idee gekommen, ob nicht (…) der Versuch unternommen werden sollte, die nationalsozialistischen Wirtschaftsideen in vernünftigem Sinne zu beeinflussen.“&lt;/i&gt; Diese Beeinflussung erfolgte in den darauf folgenden Monaten mit der Pointe, dass der inzwischen erneute Reichsbankpräsident und zum Reichswirtschaftsminister aufgestiegene Hjalmar Schacht 1934 den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Mitbegründer der NSDAP und Verfasser des NSDAP-Prateiprogramms Gottfried Feder kurzerhand seiner Ämter enthob und vor die Tür setzte. Was die Massen der Wähler und Anhänger trotzt Fortbestehen des Kapitalismus bei der Stange halten sollte, waren die Einbeziehung in die Massenorganisationen von Partei und Staat und eine Ideologie, die auf Chauvinismus und Rassenhass basierte und im „jüdischen Bolschewismus“ den Verursacher und Schuldigen der Wirtschafts- und Finanzkrise des Kapitalismus erblicken sollte. So bedeutete die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 u.a.: Einbindung der Arbeiter und Arbeitslosen in die kapitalistische Produktionsweise durch Massenorganisationen der Partei und des Staates, völlige Zerschlagung der Arbeiterbewegung und ihrer Organisationen, die Liquidierung ihrer politischen Führer, Extraprofite und Einsparung von Lohnkosten durch Zwangsarbeit in Konzentrations- und Arbeitslagern, Eroberung neuer Absatzmärkte und Rohstoffquellen und die Überwindung der kapitalistischen Wirtschafts- und Finanzkrise durch Staatsaufträge, Rüstungsproduktion und Krieg. &lt;br /&gt;Das war die historische Situation, in der sich die KPD über die veränderten und neuen Bedingungen ihrer politischen Arbeit klar werden und Aufgaben, Ziele und Methoden ihrer Politik für die Zukunft bestimmen musste. Zu diesem Zweck fanden sich am 07. Februar 1933 etwa 40 Mitglieder das Zentralkomitees und andere Funktionäre der KPD zu einer geheimen Tagung zusammen. Als Tagungsort wurde ein Sporthaus bestimmt, dessen Eigentümer Wilhelm Mörschel seit ihrer Gründung selbst Mitglied der KPD war. Das Sporthaus befand sich in Ziegenhals am Ufer des Krossinsees, nahe des kleinen Ortes Zeuthen im Südosten Berlins. Bereits die Anfahrt der Tagungsteilnehmer war verdeckt organisiert worden und erfolgte auf verschlungenen Pfaden. Jeder Teilnehmer erhielt eine Einladung, auf der jeweils ein anderer Ort und ein Zeitfenster von 15 Minuten vermerkt waren, An diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt bekam Eingeladene den Zeitpunkt und als zentralen Treffpunkt die Sternwarte Treptow genannt. Dort führte das KPD-Mitglied Arthur Lange, der als Astronom in der Sternwarte angestellt war, die als Besuchergruppe getarnte Gruppe Menschen durch die Sternwarte, auf deren Dach sie schließlich die Information erhielt, dass Reisebusse sie als geschlossene Reisegruppe zum Tagungsort Ziegenhals fahren würden. Während der Tagung sicherten drei Gruppen Parteigenossen die nähere Umgebung des Sporthauses, damit die Teilnehmer nicht unvorbereitet von eintreffenden SA-Mitgliedern oder Polizisten überrascht würden. Der oben bereits genannte Vorsitzende der Revisionskommission der Gemeindekasse von Niederlehme Otto Franke hatte extra aus diesem Anlass eine Revisionsbesprechung der Gemeindekasse einberaumt, um die Aufmerksamkeit des Bürgermeisters zu binden und die eingehenden Meldungen über das Geschehen in der Umgebung zu verfolgen. &lt;br /&gt;Auf der Tagung selbst hielt Ernst Thälmann, der seit 1925 der Vorsitzende der KPD war, das Hauptreferat. In seiner Rede, die nicht im Original, sondern nur als nachträgliche Abschrift überliefert ist, kennzeichnete Ernst Thälmann zunächst die Situation, die sich mit dem 30. Januar 1933 für die KPD und für die Arbeiterklasse selbst, ergab. Wie eine Kassandra prophezeite er seinen anwesenden Genossen: „&lt;i&gt;Das Kabinett Hitler-Hugenberg-Papen ist die offene faschistische Diktatur. Was die Zusammensetzung der Regierung anbetrifft, so kann es in Deutschland eine weitere Steigerung in der Richtung des offenen Faschismus kaum mehr geben. Wohl aber gibt es in den Methoden dieser Regierung der offenen faschistischen Diktatur noch eine ganze Reihe von Steigerungsmöglichkeiten. Jeder Zweifel darüber, dass diese Regierung vor irgendwelchen […] Methoden des äußersten Terrors zurückschrecken würde, wäre sehr gefährlich.&lt;br /&gt;Es ist der Bourgeoise ernst damit, die Partei und die Avantgarde der Arbeiterklasse zu zerschmettern. Sie wird deshalb kein Mittel unversucht lassen, um dieses Ziel zu erreichen. Also nicht nur faschistische Klassenjustiz, sondern alle Formen des faschistischen Terrors; darüber hinaus: Masseninternierungen von Kommunisten in Konzentrationslagern, Lynchjustiz und Meuchelmorde an unseren tapferen antifaschistischen Kämpfern, insbesondere an kommunistischen Führern – das alles gehört mit zu den Waffen, deren sich die offene faschistische Diktatur uns gegenüber bedienen wird.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeiterklasse hatte mit dem Regierungsantritt Adolf Hitlers zweifellos eine entscheidende Niederlage erlitten, an der auch die KPD einen nicht geringen Anteil der Schuld trug. Denn „&lt;i&gt;wir waren nicht imstande, die Aufrichtung der faschistischen Diktatur bis zur heutigen offenen faschistischen Diktatur zu verhindern.“ Und „wenn wir nicht mehr erreichen konnten, so deshalb, weil wir den Einfluss der SPD- und ADGB-Führer sowie der christlichen Gewerkschaftsführer auf breite Arbeitermassen nicht in dem erforderlichen Maße zu liquidieren vermochten. Uns hemmten in diesem Kampf die Mängel unserer Gewerkschaftsarbeit, Betriebsarbeit, die Mängel bei der Anwendung der Einheitsfront und im prinzipiellen Kampf gegen die sozialdemokratischen Betrugsmanöver.“&lt;/i&gt; Die Arbeitermassen seien durchaus auf der Höhe der Zeit angelangt und &lt;i&gt;„was sich gegenwärtig in ganz Deutschland abspielt, die täglichen Demonstrationen, Zusammenstöße, Kampfhandlungen in allen Teilen des Reiches, ist der beste Ausdruck dafür, wie geladen, wie gespannt von revolutionären Energien die ganze Atmosphäre ist.“ &lt;/i&gt;Aber in der Partei zeigen sich&lt;i&gt; „starke Erscheinungen des Zurückbleibens hinter den Massen. Man braucht diese Schwächen der Parteiorganisation nicht zu schwarz zu sehen, aber man muss die Augen aufmachen, um sie rechtzeitig zu liquidieren.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;So müsse die KPD unter den veränderten Bedingen hinarbeiten auf „&lt;i&gt;eine Kette ununterbrochener, miteinander verflochtener und sich gegenseitig ablösender Aktionen, die Entfaltung aller Formen des Massenwiderstandes und Massenkampfes gegen die faschistische Diktatur.“ „Der revolutionäre Brand muss stets an anderer Stelle wieder verstärkt aufflackern und sich entzünden, wenn er an einer anderen Stelle vorübergehend erstickt wird, bis keine Feuerwehr mehr hilft, diesen revolutionären Brand zu löschen. So müssen wir dazu kommen, die Organisierung ununterbrochener Massenaktionen des Proletariats in allen Formen, auf allen Gebieten in die Wege zu leiten. Dabei würde die Vernachlässigung der Verteidigung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter und aller übrigen werktätigen Schichten eine fast ebenso schwere Gefahr bedeuten wie vor allem jeder Ökonomismus, das heißt die Vernachlässigung des politischen Kampfes gegen die Diktatur der Bourgeoise.“ „Rückhaltlose Entfesselung aller Formen der politischen und wirtschaftlichen Tageskämpfe und Aktionen, Teilkämpfe, Teilstreiks usw., fester, entschlossener Kurs auf den politischen Generalstreik!“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Ernst Thälmann benannte konkrete Aufgaben und Arbeitsfelder, in denen die zielgerichtete und verstärkte Parteiarbeit zum Tragen kommen sollte: &lt;i&gt;„Wir müssen überall den gemeinsamen Massenselbstschutz aufziehen, einen Patrouillendienst in den Arbeitervierteln, die Möglichkeit von rascher Alarmierung der Arbeiterschaft gegen faschistische Überfälle usw. organisieren. Wir müssen anlässlich des drohend bevorstehenden Parteiverbots die Rolle der Partei immer deutlicher als der einzigen Partei eines realen, positiven Auswegs aus der Krise, als der einzigen Partei der Verteidigung der Interessen der werktätigen Massen herausarbeiten. Wir müssen die Aktivität für den Schutz der Partei und der proletarischen Führer zur Entfaltung bringen und eine solche Stimmung in den Massen schaffen, dass ein Verbot der KPD von den Massen mit der Entfaltung der größten Kampfaktion beantwortet wird. Wir müssen anlässlich des bevorstehenden Streikverbots die Schaffung von illegalen betrieblichen Streikkassen endlich in die Tat umsetzen. […] &lt;br /&gt;Wir müssen das Bündnis zwischen Stadt und Land, zwischen den kämpfenden Arbeitern und den werktätigen Bauern schmieden. Wir müssen den armen Bauernmassen klarmachen, dass nur im Bündnis mit dem Proletariat, nur unter proletarischer Hegemonie, nur im Kampf gegen die Kapitalisten auch das Los der Bauern gebessert werden kann.&lt;br /&gt;Wir müssen die größte Stoßkraft entfalten zur Gewinnung der proletarischen und werktätigen Jugend aus der SAJ, aber sogar aus der Hitlerjugend müssen wir einzelne und ganze Massen herüberreißen. Wir müssen gegen die Zwangsarbeit, gegen die Zuchthauslager und die Kasernierung mit der Arbeitsdienstpflicht, gegen die Militarisierung der Jugend Sturm laufen.&lt;br /&gt;Gegen die chauvinistische Kriegshetze und imperialistische Kriegspolitik des Faschismus müssen wir die Massenpropaganda für den proletarischen Internationalismus, für unsere Freiheitspolitik entfalten.&lt;br /&gt;Wir müssen den Massen unser Programm zeigen als das Programm des einzigen Auswegs aus Elend, Not und Unterdrückung, als Programm der sozialen und nationalen Befreiung des deutschen Volkes. Wir müssen ihnen zeigen, dass wir die Partei sind, die durch die Befreiung der Arbeiterklasse die Einheit der Nation verwirklicht, indem sie das kapitalistische System bis zu dessen Vernichtung bekämpft.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Bemerkenswert und von großer Bedeutung für die zukünftige Politik der KPD und der gesamten Kommunistischen Internationale sind die Aussagen, &lt;i&gt;„dass der Sturz der Hitlerregierung und der Sieg der proletarischen Revolution [nicht] unbedingt ein und dasselbe sein muss. Wir stellen die Frage des Kampfes für den Sturz der Hitlerregierung, die Frage der Beseitigung der Hitler-Hugenberg-Regierung als unmittelbare Aufgabe […], ohne dass wir unter allen Umständen zu 100 Prozent sagen können, dass, wenn uns der Sturz der faschistischen Diktatur gelingt, dies schon mit dem Sieg der proletarischen Revolution direkt verbunden ist. […] Diese Feststellungen schließen jedoch […] keineswegs aus, dass der Kampf zum Sturz der Hitlerregierung gleichzeitig in den Kampf um die volle Macht des Proletariats umschlagen kann. &lt;br /&gt;Hier darf es kein Schema geben, sondern nur eine dialektische Betrachtung. Weder legen wir uns darauf fest, die Hitlerregierung erst in dem Augenblick zu stürzen, wo die Situation schon für den vollen Sieg der proletarischen Revolution reif ist, noch lassen wir außer Betracht, dass […] die Fristen des revolutionären Aufschwungs und für die volle Entfaltung der revolutionären Krise heute viel kürzer sind als in den bisherigen Abschnitten der Geschichte des proletarischen Klassenkampfes.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;In diesen Gedanken Ernst Thälmanns steckten bereits die Ursprünge der späteren Volksfrontpolitik, dem Bündnis der kommunistischen Parteien mit allen antifaschistischen, d.h. auch bürgerlichen Parteien, Gruppen und Kräften gegen die offene faschistische Diktatur. 1935 wurde die Volksfrontpolitik auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale zur offiziellen, verbindlichen Politik aller kommunistischen Partien erklärt. Die Volksfrontpolitik war in der kommunistischen Weltbewegung nicht unumstritten. Der kommunistische Philosoph und Theoretiker August Thalheimer kritisierte die Volksfrontpolitik scharf, weil mit ihr der „Kampf um die volle Macht des Proletariats“ als Ziel des Klassenkampfes zugunsten des unmittelbaren Sturzes der faschistischen Diktatur in den Hintergrund gerückt worden sei. Diese Selbstbeschränkung der kommunistischen Parteien habe die revolutionäre Erhebung der Arbeiter- und Bauernmassen und damit Chancen zur sozialistischen Revolution verhindern, wie zum Beispiel im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939. Allerdings darf auch nicht übersehen werden, dass die Volksfrontpolitik die Zahl der antifaschistischen Kräfte bis in die Kreise der bürgerlichen Intelligenz hinein erheblich erweitert und den Einfluss der Kommunisten auch nach dem Sturz der faschistischen Diktatur 1945 vergrößert hat. Schließlich ist das geflügelte Wort Thomas Manns, „der Antikommunismus ist die Grundtorheit des 20. Jahrhunderts“, ein anschaulicher Beweis dafür, in welch hohem Maße die Volksfrontpolitik das Ansehen des Kommunismus international gehoben hat.&lt;br /&gt;Ernst Thälmann hatte sein Referat noch nicht beendet, als die Tagung gegen 20.00 Uhr vorzeitig geschlossen wurde. Posten hatten vom Dachboden aus auf dem gegenüberliegenden Grundstück zwei Männer beobachtet, die womöglich der Rede des laut sprechenden Ernst Thälmann zugehört hatten. Als gegen 22.00 Uhr SA-Mitglieder den Tagungssaal betraten, konnten sie keinen der Tagungsteilnehmer mehr im Sporthaus Ziegenhals antreffen. Die Vorsicht war also nicht unbegründet. Ein Teil der KPD-Genossen wurde in den bereitstehenden Reisebussen zurück nach Berlin gefahren, ein anderer Teil überquerte den  Krossinsee mit einem Kahn des Sporthauses zur nächste gelegenen Bahnstation. Unmittelbar im Zusammenhang mit der Tagung vom 07. Februar 1933 wurde keiner ihrer Teilnehmer von den Nationalsozialisten verhaftet; dem Terror der faschistischen Diktatur erlagen bis zu ihrem Ende dennoch viele. Unter diesen Opfern befanden sich namhafte Persönlichkeiten der deutschen Arbeiterbewegung, wie Hans Beimler, der sich nach einer gelungenen Flucht aus dem KZ Dachau am Aufbau der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg beteiligte und in Spanien am 1. Dezember 1936 von einem deutschen Scharfschützen tödlich getroffen wurde; oder Georg Schuhmann, der zusammen mit Otto Engert den Aufbau der antifaschistischen Widerstandsgruppe „Nationalkomitee Freies Deutschland“ in Leipzig organisierte und deshalb am 11. Januar 1945 zusammen mit Otto Engert in Dresden hingerichtet wurde.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TATGWi_QpsI/AAAAAAAAAGA/5Z2RL-OzhiE/s1600/Th%C3%A4lmann.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="200" src="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TATGWi_QpsI/AAAAAAAAAGA/5Z2RL-OzhiE/s200/Th%C3%A4lmann.jpg" width="168" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt; Auch Ernst Thälmann, ihren langjährigen Parteivorsitzenden, Genossen und oft auch persönlichen Freund, sahen viele KPD-Mitglieder an diesem 07. Februar 1933 gegen 20.00 Uhr, als er mit einem PKW vom Tagungsort zurück nach Berlin gefahren wurde, das letzte Mal. Nachdem am 27. Februar 1933 die KPD der Urheberschaft am Brand des Reichstages bezichtigt wurde und der Reichspräsident Paul von Hindenburg auf Veranlassung Adolf Hitlers einen Tag später die KPD mit der Notverordnung zur „Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“ verbot, wurde Ernst Thälmann am 03. März 1933 verhaftet und auf Befehl Adolf Hitlers am 18. August 1944 im KZ Buchenwald ermordet. Mehr als 11 Jahre hielten die nationalsozialistischen Machthaber Ernst Thälmann in Zuchthäusern und Konzentrationslagern gefangen, ohne dass sie es wagten, den Vorsitzenden der ihr am feindlichsten gesinnten Partei hinzurichten; so stark waren sie darum bemüht, ihr demagogisches Selbstbild einer rechtsstaatlichen und friedliebenden Partei gegenüber der deutschen und der Weltbevölkerung aufrecht zu erhalten; zu stark war das internationale Ansehen Ernst Thälmanns, für dessen Freilassung sich nicht nur Kommunisten, sondern auch bürgerliche Humanisten wie Romain Rolland öffentlich aussprachen. Der bekannteste Angeklagte der Reichstagsbrandprozesse in Leipzig, der bulgarische Kommunist und Vorsitzende der Kommunistischen Internationale Georgi Dimitroff betonte nach seiner Freilassung mehrmals die Notwendigkeit, dass auch Ernst Thälmann freigelassen werden müsse. Das Bataillon „Ernst Thälmann“ der XI., der deutschen, internationalen Brigade trug während der Verteidigung der spanischen Republik vor dem Francofaschimus seinen Namen, wovon noch heute das bekannt Lied „Spaniens Himmel“ Zeugnis ablegt. Erst als der Zweite Weltkrieg entschieden und das voraussichtliche Ende der faschistischen Diktatur  unvermeidlich wurde, erfolgte die geheime Erschießung Ernst Thälmanns als grausame und späte Rache. Es ist deshalb durchaus nicht übertrieben, wenn Ernst Thälmanns von vielen Kommunisten und Antifaschisten über das Jahr 1945 hinaus als Symbolfigur des antifaschistischen Kampfes und Widerstandes angesehen wurde und wird. Sein Widerstand gegen das Bemühen der nationalsozialistischen Machthaber, dass er um den Preis seiner Freilassung dem Kommunismus abschwört und sich zum Nationalsozialismus bekennt, ist zweifellos ein sehr hohes historisches wie menschliches Verdienst, mit dem er unter persönlichen Leiden und Opfern seiner Rolle als Symbolfigur des kommunistischen Widerstandes gegen den Faschismus gerecht wurde. &lt;br /&gt;Es ist richtig, dass seine Rolle als Vorsitzender der KPD historisch nicht gänzlich unumstritten ist. Rückblickend erscheint es fragwürdig, ob die politisch gewollte und staatlich beförderte Verehrung Ernst Thälmanns in der DDR im Ganzen politisch klug und zielführend war. Unter dem gut gemeinten Bemühen ,die Erinnerung an Ernst Thälmann aufrecht zu erhalten und durchaus auch von den Widersprüchen in der Vergangenheit und Gegenwart der kommunistischen Arbeiterbewegung abzulenken, hat man Ernst Thälmann wie viele Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung im Nachhinein zum &lt;i&gt;„Kämpfer ohne Fehl und Tadel“&lt;/i&gt;, zu einer entmenschten politischen Persönlichkeit ohne persönliche Fehler stilisiert. Persönliche Fehler hat Ernst Thälmann wie jeder Mensch aber auch besessen. Und es ist auch äußerst zweifelhaft, dass sich der junge Hafenarbeiter aus Hamburg, der ab 1904 als Heizer auf einem Seefrachter arbeitete und dabei u. a. die USA bereiste, ein derart hohes theoretisches Wissen überhaupt aneignen konnte, das ihn befähigt habe zur &lt;i&gt;„meisterhaften Anwendung der marxistisch-leninistischen Leitsätze auf die konkreten Entwicklungsbedingungen in Deutschland, [zu] unversöhnlichem Kampf um die Reinhaltung der marxistisch-leninistischen Theorie [und zum] unablässigen Bemühen um die Erhöhung des ideologisch-politischen Niveaus der Parteimitgliedschaft“&lt;/i&gt;, was ihn nach einem Beitrag des SED-Funktionärs Hermann Matern als einen &lt;i&gt;„führenden Wissenschaftler und Revolutionär“ &lt;/i&gt;kennzeichne. &lt;br /&gt;Dennoch muss man das Kind bei solcher Kritik an einer übertriebenen und unkritischen Verehrung Ernst Thälmanns nicht gleich mit dem Bade ausschütten und ist die Erinnerung an die Person Ernst Thälmann und seine historische Rolle durchaus gerechtfertigt. Der Parteivorsitz Ernst Thälmanns im August 1925 leitete in der KPD eine Phase der inneren Stabilität ein nach ihren schwierigen und wechselhaften Entstehungsjahren 1919-1924. Dies Entstehungsjahre waren vor dem Hintergrund der stürmischen Anfangsjahre der Weimarer Republik mit ihren Unruhen, Aufständen, Putschen und Krisen bestimmt von ständigen Wechseln der Parteiführung und ihrer jeweiligen Strategie und Taktik in der politischen Arbeit. Ernst Thälmann löste mit seinem Parteivorsitz 1925 Ruth Fischer und Arkadi Maslow in der Führung der KPD ab. Beide hatten nach den Erfahrungen des Krisenjahres 1923, der Inflation, des Ruhrkampfes, des gescheiterten Aufstandes in Hamburg und der Reichsexekutionen gegen die Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen ab 1924 eine radikale Politik des bewaffneten Aufstandes und des unbedingten Drängens auf die proletarische Revolution verfolgt. Die Arbeit in den Parlamenten als Tribüne der Darlegung politischer Standpunkte und Programme und als Wirkungsstätte, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter auf parlamentarischem Wege zu verbessern, und die Arbeit in Gewerkschaften und Betrieben, in denen sich die tagtäglichen Kämpfe der Arbeiter um ihre wirtschaftlichen und politischen Rechte abspielen, waren vernachlässigt worden, wodurch die Partei an Anhängerschaft und Einfluss in der Arbeiterschaft verlor. Diese falsche Politik wurde mit dem Antritt Ernst Thälmanns als Parteivorsitzender überwunden. Unter seinem Vorsitzt erfolgte die Umgruppierung der Parteiorganisationen von Wohnbezirks- in Betriebsgruppen, wodurch die betriebliche Arbeit gestärkt und der Einfluss unter den Arbeitern und die Mitgliederzahl der Partei erhöht wurden. Mit dieser Umgruppierung erfolgte auch eine stärkere Einbeziehung der Parteimitglieder in die politische Arbeit. Mitglieder und Funktionäre der KPD wurden an die Beschlüsse der Partei gebunden und verpflichtet, diese Beschlüsse in der praktischen Arbeit und durch eigene Initiative umzusetzen, anstatt lediglich zahlende aber passive Mitglieder der Partei zu sein. Die KPD entwickelte sich auf diese Weise zu einer einflussreichen, aktiven und aktionsfähigen Massenpartei.  Kennzeichnend für die Politik Ernst Thälmanns war darüber hinaus die verstärkte Anbindung an die Kommunistische Internationale und die Bindung an ihre Beschlüsse, weil kommunistische Politik im Zeitalter des modernen Kapitalismus nicht auf ein einzelnes Land beschränkt sein kann, sondern den internationalen Verflechtungen des Kapitals entsprechend international organisiert sein muss. Die Vernetzung der kommunistischen Parteien jeden Landes, der Austausch über die konkreten Bedingungen der Arbeit in jedem Land und die Erarbeitung einer gemeinsame und aufeinander abgestimmten Politik sind die lebensnotwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche kommunistische Politik im nationalen und Weltmaßstab.&lt;br /&gt;Aber genau in dieser Politik liegen Lob und Kritik an der historischen Rolle Ernst Thälmanns widersprüchlich miteinander vereint. Denn was sein historisches Verdienst begründet, ist gleichzeitig Anknüpfungspunkt der Kritik an seiner Politik. Band Ernst Thälmann die Politik der KPD an die Beschlüsse der Kommunistischen Internationale, musste er damit zugleich deren Fehlentscheidungen verbindlich für die KPD übernehmen. Als in den späten 20er Jahren die Beteiligung der sozialdemokratischen Partei an den Lännder- und Reichsregierungen der Weimarer Republik und der Abbau wirtschaftlicher, sozialer und politischer Rechte durch diese Regierungen in der Kommunistischen Internationale  als „Sozialfaschismus“ bezeichnet wurde, übernahm auch die KPD diese historisch falsche Beurteilung der Rolle der SPD. Die SPD als den Hauptfeind in der politischen Auseinandersetzungen zu betrachten, entpuppte sich nicht nur als schwerwiegende Unterschätzung der tatsächlichen Gefahr einer faschistischen Diktatur, sondern auch als das falscheste Mittel, den Einfluss der KPD unter sozialdemokratischen Arbeitern zu erhöhen und die Arbeiterparteien Deutschlands im Kampf gegen den Faschismus zu vereinen. Verbunden mit der Neugründung kommunistischer Gewerkschaftsverbände, den Roten Gewerkschaftsorganisationen (RGO), weil man den Führer der bestehenden Gewerkschaften misstraute und die Arbeit und Auseinandersetzungen mit den sozialdemokratischen Arbeiten innerhalb der Gewerkschaften für aussichtslos hielt, barg diese Haltung die akute Gefahr einer Isolierung der KPD von den Arbeitermassen in Betrieben und Gewerkschaften. Die These vom Sozialfaschismus und die Politik der RGO fanden auch in den Reihen der KPD scharfe Kritiker, die die Gefahr der Isolierung früh erkannten. Es zählt hier zu den bisher wenig beleuchteten Bereichen der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, dass die innerparteiliche Auseinandersetzung um diese Fragen praktischer kommunistischer Politik kaum inhaltlich-theoretisch, sondern administrativ geführt wurde durch Vergabe oder Entzug politischer Ämter und Parteiausschlüsse und begleitet war von einem starken Abbau innerparteilicher Demokratie. In der Gegenwart wird seitens bürgerlicher Kritiker oft die „Affäre Wittorf“ als Ausgangspunkt für eine sogenannte „Stalinisierung“ der KPD herangezogen. Aber so unsachlich und vereinfachend es einerseits ist, die komplizierte innerparteiliche Entwicklung der KPD der Weimarer Jahre aus einem einzigen Ereignis heraus erklären zu wollen, ohne Hintergründe, Entwicklungen und Widersprüche bei ihrer Beurteilung in Betracht zu ziehen, so aufschlussreich kann die „Affäre Wittorf“ auch für das richtige Verständnis dieser Ereignisse sein, wenn man sie historisch korrekt betrachtet.&lt;br /&gt;John Wittorf war der politische Sekretär der Bezirksleitung der KPD in Hamburg Wasserkante, dem Bezirk, in dem auch Ernst Thälmann vor seiner Wahl zum Parteivorsitzenden tätig gewesen ist. Dass John Wittorf für private Zwecke Parteigelder unterschlagen hatte, war im Frühjahr 1928 Gegenstand einer nicht öffentlichen Sitzung der Bezirksleitung Hamburg Wasserkante unter Anwesenheit Ernst Thälmanns. Man einigte sich darauf, John Wittorf seines politischen Amtes zu entheben und die „Affäre“ nicht weiter an die Öffentlichkeit zu bringen. Für diese Geheimhaltung sprachen in der historischen Situation durchaus einleuchtenden Gründe. Die KPD befand sich inmitten der Wahlkämpfen zur anstehenden Reichstagswahl im Mai 1928 und in der öffentlichen Agitation gegen die Zustimmung des Reichskanzlers Hermann Müller (SPD) zum Bau des ersten deutschen Panzerkreuzers im August 1928. Allein die erste Zahlungsrate für den Bau des Panzerkreuzers betrug 80 Millionen Reichsmark, die die deutsche Bevölkerung zu bezahlen hatte. Diese politischen Vorhaben sollten nicht gefährdet werden, indem parteiinterne Auseinandersetzungen an die Öffentlichkeit kamen. Sie kamen aber an die Öffentlichkeit, weil sozialdemokratische Zeitungen unter Verweis auf die zwielichtige Rolle Ernst Thälmanns und ebenfalls aus politischer Motivation darüber berichteten. In einer ersten Reaktion setzte das Zentralkomitee der KPD Ernst Thälmann deshalb am 26. September 1928 als Parteivorsitzenden ab. Dass man die Entscheidung über den Umgang mit Ernst Thälmann in der KPD an dieser Stelle dem Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) als der übergeordneten Instanz und nicht den Delegierten eines Parteitages als höchstem Entscheidungsorgan der Partei übertrug, kann man mit Recht als Anzeichen bedenklichen Abbaus von innerparteilicher Demokratie betrachten. Dies entsprach aber andererseits auch der Logik, die sich aus der Anbindung der KPD an die Kommunistische Internationale in der konkreten historischen Situation ergab. Und das EKKI entschied sich, Ernst Thälmann erneut als Vorsitzenden der KPD einzusetzen, weil es sich mit der Wahl des Vorsitzenden für eine bestimmte Politik der KPD entscheiden musste, die von Ernst Thälmann vertreten wurde. Diesem Beschluss des EKKI entsprechend wurde Ernst Thälmann auf der 2. Parteikonferenz der KPD im November 1928 wieder als Parteivorsitzender eingesetzt. Parteiinterne Kritiker der These vom Sozialfaschismus und der Politik der RGO oder die sozialdemokratische Reichsregierung nutzten die in der Affäre Wittorf zu Tage getretenen Defizite parteiinterner Demokratie als Argumente für ihre Kritiken an der Politik der KPD unter der Leitung Ernst Thälmanns. Dass diese Angriffe nicht, wie es notwendig gewesen wäre, mit offenen Diskussion über die Strategie und Taktik der Partei, sondern administrativ, mit Parteiausschlüssen in großer Zahl beantwortet wurde, sollte einer kritischen, historischen Betrachtung unterworfen werden. Die Ursachen für diese Entwicklung liegen allerdings weit in der zutiefst widersprüchlichen Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung begründet und lassen sich mit dem Stigma der „Stalinisierung“ der KPD schwerlich hinreichend beantworten. So erfolgten in den Jahren 1928 und 1929 viele Parteiausschlüsse und Parteiaustritte von Mitgliedern, die in Abweichung zur offiziell vertretenen politischen Linie der KPD standen und von denen sich viele im Dezember 1929 in der Kommunistischen Partei Opposition (KPO) zusammenfanden.&lt;br /&gt;Zur historischen Wahrheit über Ernst Thälmann gehört allerdings auch, dass er einer derjenigen war, die in den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angesichts der Wirtschaftskrise, der Arbeitslosigkeit und der aufmarschierenden Verbände des wirklichen Faschismus in der Kommunistischen Internationale auf eine Überwindung der schädlichen und falschen Sozialfaschismusthese drängten. Entsprechend seiner Loyalität gegenüber der Kommunistischen Internationale, fühlte er sich und die KPD an deren Beschlüsse gebunden, trat aber gleichzeitig für die Durchsetzung der richtigen Politik in der Kommunistischen Internationale ein. Der schließlich erfolgte Politikwechsel der KPD von der Polemik gegen den Sozialfaschismus zur antifaschistischen Einheitsfront aller Arbeiterpartei blieb letzenendes erfolglos, weil die Führer der SPD aus machtpolitischem Kalkül die Einheitsfront mit der KPD ablehnten, und viele sozialdemokratische Arbeiter, die noch vor wenigen Jahren von KPD-Mitglieder selbst als Sozialfaschisten beschimpft worden waren, den ehrlichen Angeboten der KPD zu gemeinsamen Aktionen misstrauten. Diese Bemühungen der KPD um eine Einheitsfront der Arbeiter gegen die wachsende Faschismus zu übersehen, wäre genauso falsch und unhistorisch, wie eine unreflektierte und unkritische Verehrung der historischen Rolle Ernst Thälmanns, welche die politischen Fehler der KPD in den späten 20er Jahren verschweigt.&lt;br /&gt;Schließlich war und ist „Teddy“, wie Ernst Thälmann von Genossen und Freunden genannt wurde, für viele Kommunisten weit mehr als nur eine historische Persönlichkeit, sondern auch ein Mythos, der alle politischen und persönlichen Eigenschaften in sich vereint, die man von einem Vorsitzenden einer kommunistischen Partei erwarten möchte. „Teddy“ ist der robuste Arbeiter, der in Hamburgs Arbeitervierteln kapitalistische Ausbeutung, Armut und karges Leben durchlitten hat, der in harten gewerkschaftlichen Kämpfen und Auseinandersetzungen zum klassenbewussten Arbeiter geformt wurde und der sich durch unermüdlichen Fleiß die Theorie des Marxismus-Leninismus angeeignet hat; „Teddy“ ist der Abgeordnete des Reichstages, der in seinen Reden kraftvoll und mit lauter Stimme die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Arbeiter verteidigt, unnachgiebig und schonungslos die kapitalistische Gesellschaft und ihre Politiker anklagt; „Teddy“ ist der Parteivorsitzende, den jeder Arbeiter zu jeder Zeit um Rat und Tat bitten kann, dem man offen und ehrlich Herz und Seele offenbaren darf, der die Zeitungen und Flugblätter eigenhändig redigiert, der dem Streikposten mit einem aufmunternden Lächeln kameradschaftliche die Hand schüttelt und der den Arbeiter am Wegesrand verteidigt vor den Übergriffen von Polizei und Staat; „Teddy“ ist der verfolgte und geschundene Kommunist, der in den Kerkern der Gestapo geduldig und standhaft sein Schicksal erträgt, seine Genossen in den Organisationen des Widerstandes trotz Folter und Tod niemals verrät und Treu bleibt den Idealen und der Sache der Arbeiter Deutschlands und der ganzen Welt. Wer mag also ermessen, wie viele Kommunisten in den 12 Jahren faschistischer Diktatur auf diese Weise unter unvorstellbaren Leiden Ängste, Schläge und Folter durchlitten haben; wie viele stumme heroische Schlachten mit der Versuchung und dem Wunsch nach Erlösung in Gestapokellern siegreich geschlagen wurden und wie viele Namen in solchen Schlachten niemals ausgesprochen wurden, weil „Teddy“ das selbe getan hätte? Wer mag ermessen, was vielen Kämpfern der Internationalen Brigaden, die ihre Leben ließen für die Verteidigung der Spanischen Republik, vielen Insassen der KZs Esterwegen, Sachsenhausen oder Buchenwald und vielen Mitgliedern antifaschistischer Widerstandsorganisationen der Name Ernst Thälmann als Mythos und Vorbild auch über das Jahr 1945 bedeutet hat und noch heute bedeutet? Denn auch diese Tatsachen, die nicht quantitativ in die Reihe der historischen Fakten eingeordnet werden können, sind Teil der Aspekte, die bei aller Weitschweifigkeit hier nur unvollständig dargelegt werden konnten und die für eine nicht kritiklose, nicht widerspruchsfreie aber angemessene und historische Erinnerung an Ernst Thälmann, den Vorsitzenden der KPD in den Jahren 1925-1933, sprechen.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TATHyAsNEAI/AAAAAAAAAGI/lFfHIFyFVic/s1600/Ziegenhals-teddy.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="150" src="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TATHyAsNEAI/AAAAAAAAAGI/lFfHIFyFVic/s200/Ziegenhals-teddy.jpg" width="200" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;20 Jahre nach der geheimen Tagung des Zentralkomitees der KPD wurde am 07. Februar 1953 im Sporthaus in Ziegenhals eine Gedenkstätte eröffnet in Erinnerung an die Ereignisse, die an diesem Ort am 07. Februar 1933 stattfanden, und im Gedenken an die Teilnehmer der Tagung, von denen viele die faschistische Herrschaft nicht überlebten. Das Sitzungszimmer wurde in der ursprünglichen Form rekonstruiert und mit Informationsmaterial und Bildern der Teilnehmer der Tagung behangen. Angehörige der Streitkräfte der DDR und Arbeiter des VEB Schwermaschienenbau „Heinrich Rau“ bargen und reparierten das Boot, mit dem ein Teil der Teilnehmer am Abend des 07. Februars 1933 den Tagungsort über den  Krossinsee in Richtung Bahnstation verließ. Weil Ernst Thälmann auf der Tagung in Ziegenhals zum letzten Mal eine Rede an das Zentralkomitee der KPD hielt, wurde das Sporthaus in Ziegenhals gleichzeitig ein besonderer Erinnerungsort ein seine Person. Auf diese Weise war die Gedenkstätte in Ziegenhals mehr als 50 Jahre lang ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur der DDR und ihres kulturellen und geschichtlichen Erbes in der Bundesrepublik. 1990 ging die Immobilie des Sporthauses Ziegenhals in das Eigentum der Treuhandliegenschaftsgesellschaft über, wurde von ihr verpachtet und das Inventar der Gedenkstätte dem im gleichen Jahr gegründeten Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ e.V. Ziegenhals übergeben. Seither betrieb und betreute der Verein die Gedenkstätte und führte auf ihrem Gelände seit 1994 alljährliche Gedenkveranstaltungen durch. 1997 kündigte die  Treuhandliegenschaftsgesellschaft den Vertrag mit der damaligen Pächterin und bot die Immobilie öffentlich zum Verkauf an unter der vom Protest es Freundeskreises erzwungenen Auflage, dass Bestand und Zugänglichkeit der Gedenkstätte von allen Pächtern, Eigentümern und Verwaltern der Immobilie gewahrt bleiben müssten. Ein damaliger Ministerialbeamte im brandenburgischen Bauministerium ersteigerte die Immobilie des Sporthauses Ziegenhals im Jahre 2002, verschloss die Gedenkstätte und forderte im August 2003, dass die Gedenkstätte von der Denkmalliste gestrichen und ihr Abriss ermöglicht würde. Obwohl der  Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ e.V. Ziegenhals 2004 die Eintragung der Gedenkstätte in das Verzeichnis der Denkmale des Landkreises Dahme-Spreewald erwirkte, wurde der Abriss der Gedenkstätte 2005 vom Landkreis Dahme-Spreewald nach den Bestimmungen eines neuen Denkmalschutzgesetzes der brandenburgischen Landesregierung genehmigt. Zahlreiche Antifaschisten und Bürgerrechtler aus aller Welt unterstützten seither die Bemühungen und Aufrufe des  Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ e.V. Ziegenhals um den Erhalt der Gedenkstätte. Der brandenburgische Ministerpräsident Mattias Platzeck drückte seine Haltung zum Erhalt der Gedenkstätte in Ziegenhals auf Anfrage mit den Worten aus: „Ich bin generell dafür, das Andenken an deutsche Arbeiterführer aufrecht zu erhalten … zumal wenn sie, wie – Ernst Thälmann – im Kampf gegen die faschistische Gewaltherrschaft ihr Leben gelassen haben, … der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte kann nicht der Rang eines nationalen Gutes eingeräumt werden.“ &lt;br /&gt;Am 08. Mai 2010 wurde der Abriss der Gedenkstätte des Sporthauses Ziegenhals vollzogen und mit ihm ein wichtiger und wertvoller Ort der Erinnerung an die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung  für immer zerstört – am 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, 20 Jahre nach den Ereignissen, die oft als Wiedervereinigung Deutschlands bezeichnet werden, und im 2. Jahr seit Ausbruch der größten kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;i&gt;Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-3221579150835522717?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/3221579150835522717/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/als-am-07.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3221579150835522717'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3221579150835522717'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/06/als-am-07.html' title='Ziegenhals - Hintergründe, Geschichte und Ende einer Gedenkstätte'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/TATIEHd41FI/AAAAAAAAAGQ/4JE5tswaKn0/s72-c/Bundesarchiv_Bild_183-18295-0002,_Ziegenhals,_11._Plenum_ZK_der_SED.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1137913341588811533</id><published>2010-05-25T03:06:00.000-07:00</published><updated>2010-05-25T03:06:51.879-07:00</updated><title type='text'>in 80 Tagen um die Welt</title><content type='html'>der bekiffte Panda winkt mit der Pfote im Schaufenster;&lt;br /&gt;im chinesischen Restaurant ist heute das Fest der Brathähnchen.&lt;br /&gt;wenn du als Tourist das rotzige Winterpalais gestürmt hättest,&lt;br /&gt;dann wüsstest du, dass kein Marihuana,&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;dass kein Wodka so knallen kann wie…&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;aber in Rom ist Cäsar tot wie die mit Blut bemalten&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;Mauern des Kolosseums.&lt;/div&gt;er fiel wie ein Aktienkurs, und eine Maske aus Schweiß&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;verbrannte sein Gesicht wie Wachs.&lt;/div&gt;Banker Josef raucht auf leeren Magen,&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;und der Morgen ist nüchterner als der Abend,&lt;/div&gt;weil seine Frau sich dem Nachbar wie Gott hingegeben hat.&lt;br /&gt;mit Regenschirmen gekrönte Menschen. das Fell der Bäume&lt;br /&gt;glänzt im Regen. der Stier entführt Europa auf seinem Rücken... &lt;br /&gt;womöglich nicht der Stier, sondern die Krise.&lt;br /&gt;und wenn auch alle ringsum sterben, in Amerika &lt;br /&gt;stehen Revolver hoch im Kurs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1137913341588811533?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1137913341588811533/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/05/in-80-tagen-um-die-welt.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1137913341588811533'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1137913341588811533'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/05/in-80-tagen-um-die-welt.html' title='in 80 Tagen um die Welt'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-997452758722626285</id><published>2010-05-13T09:48:00.000-07:00</published><updated>2010-05-13T10:45:39.849-07:00</updated><title type='text'>Sprache der Zeit</title><content type='html'>Geister wandern in Europa...&lt;br /&gt;ich sitze in meiner fremden Wohnung;&lt;br /&gt;die Tomaten liegen auf dem Teller in feierlichem Dill&lt;br /&gt;als ob sie ein Killer niedergemetzelt hat.&lt;br /&gt;ich träume immer davon, dass ich träume,&lt;br /&gt;dass der tote Dante cooler wäre als der Duce.&lt;br /&gt;so oft man aber für die Sonne auch stimmt,&lt;br /&gt;dennoch klettern die Wolken zum Himmel.&lt;br /&gt;die Zigarette qualmt wie ein Lötkolben&lt;br /&gt;und brennt langsam den Hals des Saxophons durch. &lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;  Hitler wandert durch Europa - feuerfest wie ein Tresor.&lt;br /&gt;im Atelier - höher als die Wolken &lt;br /&gt;und höher als die Sonne - schöpft der greise Künstler.&lt;br /&gt;und der überflüssige Dante fühlt sich &lt;br /&gt;wie ausgeliefert der Lynchjustiz im Stadion,&lt;br /&gt;wo die Fans der Glasgow Rangers nach dem Spiel auf Revanche warten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-997452758722626285?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/997452758722626285/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/05/sprache-der-zeit.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/997452758722626285'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/997452758722626285'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/05/sprache-der-zeit.html' title='Sprache der Zeit'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-7376129301890238008</id><published>2010-04-26T21:51:00.000-07:00</published><updated>2010-04-26T21:57:02.629-07:00</updated><title type='text'>Sonnenstaat</title><content type='html'>auf dem blauen Schädel des Himmels blüht&lt;br /&gt;die Sonne auf wie eine rote Mohnblume.&lt;br /&gt;unter dieser Mohnblume sabbert die befreite Gesellschaft&lt;br /&gt;Briefmarken auf E-mails.&lt;br /&gt;das in diese Briefe verliebte, schüchterne Google&lt;br /&gt;büffelt sie auswendig und sieht hindurch.&lt;br /&gt;von einer solchen Leidenschaft ergriffen wäre der tote Gogol* bereit&lt;br /&gt;seine Seele wie ein Programm auf CD zu brennen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;die Tränen der Häuser erstarren im Sonnenuntergang -&lt;br /&gt;da haben sich die Puppen in den Schaufenstern entblößt.&lt;br /&gt;der Mond zieht seine Bahnen wie der letzte Diktator,&lt;br /&gt;und die Uhr erwürgt trotzdem weiter die Zeit wie die&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;Nachbarsfrau ihren Säugling.&lt;/div&gt;der Schlaf fällt auf den Sonnenstaat wie eine Schneelawine in den Alpen.&lt;br /&gt;die Einwohner schlafen ein, den Tag mit der Hand zu Ende gebracht.&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;sie träumen&lt;/div&gt;von Cowboys. die Cowboys werfen Lassos auf die Hälse der Indianer,&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;nehmen ihnen&lt;/div&gt;die Skalps ab wie die Schminke nach einem Bühnenauftritt&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;und führen die Pferde zur Tränke.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;*Gogol, Nikolai (1809 - 1852): russischer Schriftsteller ukrainischer Herkunft, der  leidend unter einer Psychose das Manuskript des zweiten Teils seines Romans "Die Toten Seelen" verbrannte.&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-7376129301890238008?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/7376129301890238008/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/04/sonnenstaat.html#comment-form' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7376129301890238008'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7376129301890238008'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/04/sonnenstaat.html' title='Sonnenstaat'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-8903621261609272775</id><published>2010-04-17T09:49:00.000-07:00</published><updated>2010-04-21T15:15:33.571-07:00</updated><title type='text'>Robert Merle: Malevil</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S8nllk1a9VI/AAAAAAAAAFo/kJKG5Zuc7Dw/s1600/180px-Robert_Merle_%281964%29.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="200" src="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S8nllk1a9VI/AAAAAAAAAFo/kJKG5Zuc7Dw/s200/180px-Robert_Merle_%281964%29.JPG" width="131" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Ein Buch, dem man auf den ersten Blick ansieht, in welchem historischen Umfeld es geschrieben wurde, ist der Roman Malevil des französischen Schriftstellers Robert Merle aus dem Jahre 1972.&lt;br /&gt;Ein Atomschlag vernichtet die menschliche Zivilisation, nur wenige Menschen überleben den Untergang der bisher bekannten Welt durch Zufall und im Schutze besonderer topografischer Gegebenheiten. &lt;span class="fullpost"&gt;Zu diesen Menschen gehören der Pferdezüchter und Weinbauer Emanuel Comte und seine Freunde, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe mit ihm gemeinsam im Weinkeller der Burg Malevil aufhalten. Die mittelalterliche Burg, die Emanuel Comte als kulturellen Luxus erworben und zu seinem Wohnsitz gemacht hatte, wird Heimstädte der kleinen Schar Überlebenden und neue Wiege der menschlichen Spezies. Binnen weniger Stunden ändern sich die alltäglichen Aufgaben der neuen Bewohner von Malevil grundlegend: das eigene Überleben muss sicher gestellt, junge Saat auf der verbrannten Erde heraufgezogen, die in den Ställen der Burg erhalten Tiere versorgt, die Mauern der Burg wieder errichtet, nach Überlebenden gesucht und Schutz vor Plünderern organisiert werden. Denn die Bewohner von Malevil sind nicht die einzigen, die die Katastrophe überlebt haben.&lt;br /&gt;Es klingt und liest sich wie ein Abenteuerroman oder eine düstere Utopie, die als Warnung an die Menschheit gerichtet ist. Beides ist richtig und doch ergäbe beides Zusammen noch keinen Roman von Robert Merle. Der Schriftsteller, der in seinem bürgerlichen Beruf Professor für Anglistik war, bezeichnete seine Bücher selbst als politisch-utopische Literatur. Als zeitweiliges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs wird er wahrscheinlich – das kann hier nur vermutet werden – auch Anhänger einer materialistischen Weltanschauung gewesen sein, gefesselt womöglich vom Gedanken, dass menschliches Zusammenleben erforschbar und gesetzmäßig erklärbar ist. Aus dieser Perspektive erscheint der Roman Malevil tatsächlich wie eine Versuchsanordnung in einem Labor aus Gedanken, wie ein gedankliches Experiment zur Erforschung der Gesetze menschlichen Zusammenlebens, wie eine Robinsonade, die geschaffen wurde, dem Leser auf unterhaltsame Weise zu verdeutlichen: &lt;i&gt;„Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“&lt;/i&gt; (Karl Marx, Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie) &lt;br /&gt;Denn es ist auffallend, dass im Zentrum der Handlung schon bald nicht mehr die Erfahrung und Verarbeitung der schrecklichen Katastrophe stehen, sondern die Veränderungen im sozialen Zusammenleben und Denken ihrer Protagonisten. Hierarchien und Befehlsstrukturen bilden sich heraus, das geschlechtliche Verhältnis von Mann und Frau wandelt sich, die Religiosität nimmt in einem Maße zu, dass religiöse Autorität zu einem gesellschaftlichen Machtfaktor avanciert, und die überkommenen Moralvorstellungen der Menschen des 20. Jahrhunderts passen sich der materiellen Notwendigkeit an, das Überleben der eigenen Gemeinschaft sicher zu stellen. All dies vollzieht sich vor dem Hintergrund materieller Probleme, die es zu lösen gilt, im Ergebnis konkreter Erfahrungen oder gleichsam als logische und gesetzmäßige Ergebnisse der &lt;i&gt;Produktionsweise des materiellen Lebens&lt;/i&gt; in den sich neu entwickelnden Gemeinwesen.&lt;br /&gt;Wie jede Robinsonade besitzt auch der Roman Malevil den Mangel, eine gedankliche Konstruktion zu sein, deren Handlungsverlauf bestimmt erscheint vom Ziel, das dargestellt werden soll, und lässt somit bisweilen an der Überzeugungskraft tatsächlicher Ereignisse zu wünschen übrig. Mit ihrem Mangel teilt der Roman aber auch die Stärke jeder Robinsonade: Er entkleidet den &lt;i&gt;sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess der Menschen&lt;/i&gt; der Differenziertheit und Komplexität einer modernen kapitalistischen Gesellschaft und fördert die allgemein-abstrakten Zusammenhänge einer menschlichen Gesellschaft losgelöst vom konkreten und vielschichtig bedingten Verlauf ihrer Geschichte zu Tage. Dargestellt wird nicht, was tatsächlich geschehen würde, sondern was als allgemeines und abstraktes Gesetz menschlicher Entwicklung wirkt. &lt;br /&gt;Es wäre zu viel verlangt und war von Robert Merle sicher nicht beabsichtigt, dass der Leser aus der Lektüre des Romans, aus der Einsicht in den allgemeinen und ursprünglichen Zusammenhang von Sein und Denken, der Abhängigkeit des &lt;i&gt;sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess der Menschen&lt;/i&gt; von der &lt;i&gt;Produktionsweise ihres materiellen Lebens&lt;/i&gt; die logischen und notwendigen Schlussfolgerungen zöge. Es läge am Ende einer solchen Schlussfolgerung die Erkenntnis, dass der Anlass dieser Robinsonade, die atomare Vernichtung der Menschheit, selbst nicht das Resultat eines vermeintlich falschen Denkens oder des Zufalls, sondern einer bestimmten Form der Produktionsweise des materiellen Lebens, nämlich einer kapitalistischen Produktionsweise sei – und dass also die Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise eine materielle Notwendigkeit darstellt, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Auch der Kommunist Robert Merle wird diese Erkenntnis von seinen Lesern nicht gefordert haben.&lt;br /&gt;Und dennoch: Eine mögliche Bräche in die Einsicht der tatsächlichen Bedingungen unseres materiellen Lebens kann auch mit dem Roman Malevil geschlagen sein. Das ist nicht wenig, betrachtet man das allgemeine und, man möchte sagen, blinde Vertrauen, das den Mächten der Gegenwart entgegen gebracht wird, die ihre Politik im Mantel der Verteidigung westlich-christlicher Werte und unter dem Banner von Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit betreiben; Mächten, die uns glauben machen wollen, die von ihnen beschworenen Werte, und nicht ihre materiellen Interessen seien die Triebkräfte ihres Handelns.&lt;br /&gt;Und mag die Lektüre des Romans dem dialektischen Materialismus und dem kritischen Blick auf die Gegenwart auch nicht zum Durchbruch verhelfen, eines bleibt der Roman in jedem Fall: Eine düstere Mahnung an die Menschheit, es niemals zu einem Malevil kommen zu lassen.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-8903621261609272775?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/8903621261609272775/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/04/ein-buch-dem-man-auf-den-ersten-blick.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8903621261609272775'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8903621261609272775'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/04/ein-buch-dem-man-auf-den-ersten-blick.html' title='Robert Merle: Malevil'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S8nllk1a9VI/AAAAAAAAAFo/kJKG5Zuc7Dw/s72-c/180px-Robert_Merle_%281964%29.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-2288404573815522368</id><published>2010-04-15T00:37:00.000-07:00</published><updated>2010-04-22T07:19:12.779-07:00</updated><title type='text'>Letzte Mitteilung von der Apollo-11-Mission</title><content type='html'>lies einen beliebigen US-Bestseller wie eine Speisekarte in der Kneipe...&lt;br /&gt;im Abschnitt der heißen Speisen wird uns der Kalte Krieg serviert -&lt;br /&gt;dass unsere Panzer an der Grenze angerostet sind,&lt;br /&gt;dass die Sonne wie eine Atombombe über der befreiten Welt hängt,&lt;br /&gt;in der die kraushaarigen Köpfe der Zigarren angezündet &lt;br /&gt;und die Straßen mit ihrer Asche bestreut werden,&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;dass die Kremluhr von ihrem Turm nach unten tropft&lt;br /&gt;und der Wind die Tropfen beinahe bis auf unser Sternenpflaster trägt.&lt;br /&gt;der Planet dreht sich aber trotz all dem weiter, so dass es scheint,&lt;br /&gt;dass ihm der Kosmos nur aus diesem einen Grund &lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;all seine irdischen Sünden erlässt.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;beim Start beten Astronauten zu den Sternen, mit denen das Weltall&lt;br /&gt;wie mit Edelstahlschrauben befestigt ist.&lt;br /&gt;die Rakete reißt den Himmel auf,&lt;br /&gt;dass er blutet wie eine Jungfrau. noch eine Drehung der Pupille, &lt;br /&gt;und ihnen fällt der Mond in die ausgestreckten Arme wie ein Volleyball.&lt;br /&gt;die Schwerelosigkeit umarmt die Astronauten &lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;wie Jesus zur Himmelsfahrt. &lt;/div&gt;und außen fließt der dritte Planet wie eine Träne. &lt;br /&gt;lies einen beliebigen US-Bestseller wie eine Speisekarte in der Kneipe...&lt;br /&gt;im Abschnitt der Spirituosen sind Gedanken schwer, sie lasten auf einem&lt;br /&gt;wie noch nicht geschriebene Bücher. die Astronauten sind &lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;aber so fest mit ihren Raumanzügen &lt;/div&gt;zusammengewachsen, so dass es scheint, dass sie sie nie &lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;wieder ausziehen werden.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-2288404573815522368?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/2288404573815522368/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/04/letzte-mitteilung-von-der-apollo-11_15.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2288404573815522368'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2288404573815522368'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/04/letzte-mitteilung-von-der-apollo-11_15.html' title='Letzte Mitteilung von der Apollo-11-Mission'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-8358174987519059676</id><published>2010-03-21T06:09:00.000-07:00</published><updated>2010-03-21T06:30:49.954-07:00</updated><title type='text'>das Ende der Geschichte oder Tausend und eine Nacht</title><content type='html'>in Bagdad ist es alles ruhig...&lt;br /&gt;dort ist der Dschinn für immer in einer Lötlampe gefangen&lt;br /&gt;und über Minaretten verläuft die Schwangerschaft &lt;br /&gt;des Mondes ohne Komplikationen.&lt;br /&gt;die Bettenhäuser eines Hospitals stehen &lt;br /&gt;sich wie zerstritten gegenüber.&lt;br /&gt;die Apotheke ist mit einem roten Kreuz gekrönt.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt; in Bagdad ist es alles ruhig...&lt;br /&gt;dort reibt der Aladin den Lauf der Pistole -&lt;br /&gt;so hat es ihm der Zauberer aus Maghreb beigebracht.&lt;br /&gt;Hochhäuser stehen wie Betonmatratzen befleckt mit &lt;br /&gt;Sperma und Zeiger auf einer Bahnhofsuhr&lt;br /&gt;schwimmen so langsam &lt;br /&gt;wie Fische gegen den Strom.&lt;br /&gt;in Bagdad ist es alles ruhig...&lt;br /&gt;dort trägt die Erde Öl wie Trauer&lt;br /&gt;und der gestreifte Ball steht ohne &lt;br /&gt;Zweck auf der Elfmeterlinie seit Herbst.&lt;br /&gt;dort setzt sich der Mond in einen Sessel aus Wolke &lt;br /&gt;und Minarette qualmen &lt;br /&gt;mit Morgennebel wie Schornsteine.&lt;br /&gt;in Bagdad ist es alles ruhig...&lt;br /&gt;dort trifft der Aladin ins Schwarze&lt;br /&gt;auf der Brust der heißgeliebten Prinzessin.&lt;br /&gt;der Zauberer aus Maghreb nimmt einen&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;Schluck Gin aus der Flasche&lt;/div&gt;und endet dieses Märchen mit den Worten,&lt;br /&gt;dass ein Flugzeug am Himmel einen Streifen zieht&lt;br /&gt;als ob Gott eine Zigarettenpause einlegte.&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-8358174987519059676?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/8358174987519059676/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/das-ende-der-geschichte-oder-tausend.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8358174987519059676'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8358174987519059676'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/das-ende-der-geschichte-oder-tausend.html' title='das Ende der Geschichte oder Tausend und eine Nacht'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-245337267422787807</id><published>2010-03-19T15:35:00.000-07:00</published><updated>2010-04-16T15:16:00.301-07:00</updated><title type='text'>Einer trage des anderen Last</title><content type='html'>&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Antagonistische Widersprüche begegnen sich im Jahre 1950 in einem privaten Sanatorium für Lungenkranke in der noch jungen Deutschen Demokratischen Republik.&lt;br /&gt;Der junge Joseph Heiliger ist Volkspolizist, glühender Anhänger des Marxismus und Mitglied der SED. Während seines Dienstes an den Grenzen der DDR erlebte er den Tod eines Kameraden, anschaulicher Beweis für ihn, dass der junge Staat der Arbeiter und Bauern, dessen Aufbau und Verteidigung er sich verschrieben hat, Feinde besitzt. Über seinem Bett hängt ein Bild Stalins und in den Stunden vor dem Einschlafen studiert er das Kommunistische Manifest und die Werke Lenins.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;Der etwas gleichaltrige Hubertus Koschenz ist evangelischer Vikar und überzeugter Anhänger des christlich-evangelischen Glaubens. Sein Vater ist 1946 nach einem Besuch auf der Kommandantur der Sowjetischen Militäradministration spurlos verschwunden, seine Mutter lebt von 90 Mark Rente, anschauliche Beweise für ihn, dass auch im jungen Staat der Arbeiter und Bauern die Freiheit des Glaubens noch mehr Ideal als Wirklichkeit ist. Über seinem Bett hängt ein Bild Jesus Christus’ und in den Stunden vor dem Einschlafen studiert er die Bibel.&lt;br /&gt;Beide Menschen sind vor eine ungewöhnliche Situation gestellt: Sie leiden an lebensbedrohlicher Lungentuberkulose und sind Zimmernachbarn in einem Sanatoriums, in dem die Zeit still gestanden zu sein scheint. Ihre weltanschaulichen Differenzen bestimmen schon bald ihr Zusammenleben und den Alltag im Sanatorium. Während Joseph Heiliger die Genossen des Sanatoriums zu Parteiversammlungen ruft, führt Hubertus Koschenz Bibelstunden durch und die idyllische Ruhe des Sanatoriums wird beim morgendlichen Rasieren durchbrochen vom antagonistischen Duett der Internationale und des Liedes „Eine feste Burg ist unser Gott.“ Ausgerechnet der Chefarzt des Sanatoriums und das ehemalige Mitglied der NSDAP, das für seine Arbeit im Sanatorium jeder Partei – &lt;i&gt;„auch Ihrer, Herr Heiliger“&lt;/i&gt; - beitreten würde, bringt das anliegen des Filmes auf den Punkt: &lt;i&gt;„Draußen im Leben können Sie auch keinen Bogen umeinander machen. Sie müssen miteinander auskommen. Und wenn Sie das nicht können, dann taugt Ihr Sozialismus genauso wenig wir Ihr Christentum. Wir leben nämlich auf einer Erde. Und wenn zwei junge, intelligente Männer mit verschiedenen Weltanschauungen nicht einmal um den Preis ihrer Gesundheit, um den Preis ihres Lebens für ein paar Monate wie zivilisierte Menschen miteinander umgehen können, dann sieht’s verdammt beschissen aus um die Menschheit!“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Aber das Miteinander zweier Weltanschauungen lässt sich nicht mit moralischen Appellen herstellen, es muss sich im Alltag an konkreten Fragen unter Beweis stellen. Eine religiöse Haltung, die der Befriedigung materieller Bedürfnisse entsagt, untergräbt in den Augen Joseph Heiligers den sozialistischen Aufbau und leistet allen Drückebergern und Schiebern Vorschub in einer Situation, die mehr als alles andere den materiellen Wiederaufbau eines Landes erfordert. Und das christliche Gedenken aller derer, die in Gefangenschaft leben, würde gehört und verstanden werden von denen, die zu unrecht, aber auch von denen, die zurecht inhaftiert sind. Dem gegenüber steht die alltägliche Erfahrung Hubertus Koschenz', dass die Freiheit des Glaubens für den einzelnen Menschen auch mit strikter Trennung von Kirche und Staat nicht immer geachtet und von einer materialistischen Weltanschauung bisweilen Feindschaft und Intoleranz gegenüber Religionen ausgeübt wird.  &lt;br /&gt;Dennoch lehrt das alltägliche Leben die beiden jungen Menschen, dass über ihre ideellen Widersprüche hinweg Gemeinsamkeiten zwischen ihnen bestehen, und aus weltanschaulichen Feinden werden Freunde, die einander achten und beistehen. Der ruhigere und vernünftigere evangelische Vikar Hubertus Koschenz bringt zum Ausdruck, was Christentum und Marxismus vom christlichen Standpunkt miteinander vereinen kann: &lt;i&gt;„Eine Kirche, die ihren göttlichen Auftrag ernst nimmt, wird Leute, die soziale Gerechtigkeit herzustellen versuchen, nicht verdammen, sondern als Gottes Werkzeug ansehen, seien sie nun gottlos oder fromm.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Die Konfrontation mit dem Tod bringt beiden Menschen endlich die Gegensätze aber auch die unterschiedlichen Stärken und Schwächen ihres Denkens einander auf schmerzhaft aber hoffnungsvolle Weise nahe. &lt;i&gt;„Konzentrationslager, Vergasung von Juden, die Folterungen, die Verstümmelungen, die Verbrennungen, die nicht zu zählenden Ungerechtigkeiten dieser Welt – Wenn es ihn wirklich geben würde, deinen Gott, Millionen Hände würden sich finden, ihn in Stücke zu reißen. Es gibt keinen Gott! Das ist die einzig logische Variante, mit all der Sinnlosigkeit fertig zu werden.“&lt;/i&gt;, klagt Joseph Heiliger seinem Freund. Aber als er der christlichen Opferbereitschaft seines Freundes im Angesicht des Todes gewahr wird, entgegnet Hubertus Koschenz ihm, dass Sterben für einen Christen anders sei als für einen Materialisten. &lt;i&gt;„Sterben ohne Hoffnung, ohne Glauben? Die letzte Stunde muss für einen von euch die Hölle sein.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;In seinem charmanten und durchdachten filmischen Plädoyer für die Toleranz, das 1988 in der DDR erschienen ist, löst der Regisseur Lothar Warneke den Grundwiderspruch zwischen Marxismus und Christentum auf dialektische Weise mit der Freundschaft zweier junger Menschen, die nach dem Grundsatz leben: &lt;i&gt;„Darum lasset uns dem nachstreben, was zum Frieden dient“&lt;/i&gt; – jeder auf seine Weise und einer trage des anderen Last.&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-245337267422787807?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/245337267422787807/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/einer-trage-des-anderen-last.html#comment-form' title='7 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/245337267422787807'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/245337267422787807'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/einer-trage-des-anderen-last.html' title='Einer trage des anderen Last'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>7</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-4580835432719749714</id><published>2010-03-11T14:46:00.000-08:00</published><updated>2010-03-21T06:34:54.685-07:00</updated><title type='text'>Übergangszeit</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S5lymf2K3pI/AAAAAAAAAFg/4nrTGz42e2Q/s1600-h/%C3%9Cbergangszeit.jpg" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="400" src="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S5lymf2K3pI/AAAAAAAAAFg/4nrTGz42e2Q/s400/%C3%9Cbergangszeit.jpg" width="297" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-4580835432719749714?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/4580835432719749714/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/ubergangszeit.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4580835432719749714'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4580835432719749714'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/ubergangszeit.html' title='Übergangszeit'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S5lymf2K3pI/AAAAAAAAAFg/4nrTGz42e2Q/s72-c/%C3%9Cbergangszeit.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-6748609369862539824</id><published>2010-03-06T06:54:00.000-08:00</published><updated>2010-04-22T07:21:19.844-07:00</updated><title type='text'>Der Mythos Hemingway</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S5JsKwGhZBI/AAAAAAAAAFY/0ifNe1WDGYg/s1600-h/Fotos_hem.jpg" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S5JsKwGhZBI/AAAAAAAAAFY/0ifNe1WDGYg/s400/Fotos_hem.jpg" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;Als sein Freund und Schriftstellerkollege, John Dos Passos, sich im Jahre 1938 während des Spanischen Bürgerkrieges in seinen öffentlichen Verlautbarungen auf die Seite Francos und Mussolinis stellte und behauptete, der Krieg in Spanien wäre dem spanischen Volk von den Kommunisten aufgedrängt worden, erwiderte Ernest Hemingway ihm in einem persönlichen Brief:&lt;span class="fullpost"&gt; &lt;i&gt;„Die Sache ist, dass Du die Wahrheit nicht in zehn Tagen oder drei Wochen herausfinden kannst, und dieser Krieg ist lange Zeit nicht von den Kommunisten geführt worden. Wenn die Leute eine Artikelserie von Dir lesen, die sechs Monate und länger läuft, merken sie gar nicht, wie kurz Du in Spanien gewesen bist und wie wenig Du gesehen hast.“ &lt;/i&gt;Natürlich kämpften in den Reihen der internationalen Brigaden und an der Seite der Spanischen Republik russische Generäle und Kommunisten und &lt;i&gt;„[e]s waren ein paar gute Russen in Spanien“&lt;/i&gt;. Aber auch Polen, Ungarn, Deutsche oder Jugoslawen kämpften in Spanien und, was für Ernest Hemingway wichtiger war: &lt;i&gt;„Viele Leute werden kämpfen und ohne zu zögern sterben, um ihr Land vor einer ausländischen Invasion zu retten, und der Krieg ist weder von den Kommunisten noch von den Faschisten erfunden worden.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Ernest Hemingway wollte von John Dos Passos keine Parteinahme für die Sache der spanischen Republik, für die er selbst so energisch eingetreten war, kein moralisches Urteil, keine Zustimmung; was er verlangte, war Wahrheit und, dass &lt;i&gt;„wenigstens die Fakten richtig dargestellt“&lt;/i&gt; würden.&lt;br /&gt;Während des Spanischen Bürgerkrieges trat Ernest Hemingway als politischer Mensch sehr stark in Erscheinung. Nach dem Sturz des spanischen Königs Alfons XIII. 1931 wurde in Spanien zum zweiten Mal die Republik ausgerufen und 1936 kam es zur Bildung einer Volksfrontregierung der sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien Spaniens. Der Aufstand des spanischen Militärs unter Führung General Francisco Francos löste einen von 1936 bis 1939 währenden Bürgerkrieg in Spanien aus, in dem auch faschistische deutsche und italienische Truppen in Spanien an der Seite Francos intervenierten. Damit bekam der Spanische Bürgerkrieg internationale Bedeutung. Der Krieg in Spanien war nicht nur ein innerspanischer Kampf zwischen Volksfrontregierung und putschenden Militärangehörigen, sondern die erste internationale Auseinandersetzung mit dem in Europa aufkommenden und auf andere Länder übergreifenden Faschismus. Intellektuelle, Künstler, Menschen der Öffentlichkeit unterstützten die Verteidigung der spanischen Republik und aus allen Teilen der Welt meldeten sich Freiwillige, die sich in den zur Legende gewordenen Internationalen Brigaden an den Kämpfen um den Erhalt der Republik in Spanien beteiligten.&amp;nbsp; In einem Brief äußerte Hemingway sich in folgender Weise: &lt;i&gt;„Die Roten mögen so schlimm sein wie man es ihnen nachsagt, aber sie sind nun einmal die Ansässigen, die gegen die abwesenden Verpächter aufstehen, die Mauren, die Italiener, die Deutschen. Außerdem weiß ich, dass die Weißen noch schlimmer sind, da ich sie gut kenne, und ich würde mir die anderen gern einmal ansehen, um herauszufinden wie es mit deren humanitären Anspruch steht. Dies ist die Generalprobe für den unvermeidlichen europäischen Krieg.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Hemingway trat zunächst 1936 dem „Ambulance Corps Committee“ der „American Friends of Spanish Democracy“ bei, für die er Geld sammelte zum Kauf von Krankenwagen und medizinischem und humanitärem Versorgungsmaterial für die Anhänger der spanischen Republik. Er schrieb Kommentare und öffentliche Stellungnahmen für einen Dokumentarfilm des spanischen, regierungstreuen Romanciers Prudencio de Pereda. Zusammen mit Dos Passos, der sich erst später den erwähnten faschistischen Positionen näherte, Archibald McLeish, Dorothy Parker, Lillian Hellmann, Dashiell Hammett u.a. gründete Hemingway die „Contemporary Historians Inc.“, mit welcher die Herstellung des Dokumentarfilms „Die spanische Erde“ des holländischen Regisseurs Joris Ivens finanziert wurde, in dessen Begleitung wir Ernest Hemingway auf einem Foto sehen an der Seite Ludwig&amp;nbsp; Renns, Schriftsteller und Kommandeur der Thälmann-Kolonne der XI. Internationalen Brigade. Werbeauftritte Ernest Hemingways und Vorführungen des Dokumentarfilmes in den USA brachten 1937 zusätzliche Spenden für die Sache der spanischen Republik ein. Im Zuge seiner journalistischen Tätigkeit in Spanien war er außerdem häufiger Gast des amerikanischen Freiwilligenbataillons „Abraham-Lincoln.“&lt;br /&gt;Seit Oktober 1936 arbeitete Ernest Hemingway in Spanien als Korrespondent der „North American Newspaper Alliance.“ Er erzählte in seinen Depeschen aus Spanien von den Geschehnissen auf den Straßen Madrids: &lt;i&gt;„Im Moment, wo ich dies schreibe, hat eine Granate ein Haus getroffen, die Straße vom Hotel ein Stück hinauf. In der Straße heult ein kleiner Junge. Ein Milizmann hat sich seiner angenommen und versucht ihn zu trösten. In dieser Straße wurde niemand getroffen, und die schon losgerannt waren, gehen langsamer und lachen nervös. Die stehengeblieben sind, sehen überlegen auf sie herunter, denn die Stadt, in der wir jetzt leben, heißt Madrid.“&lt;/i&gt;; berichtete den Lesern von seinen Erlebnissen bei der Einnahme von Teruel: &lt;i&gt;„Plötzliche Rufe, die ganze Front entlang, und wir sahen, dass die Faschisten auf den gegenüberliegenden Höhen die ersten Gräben räumten. Sie sprangen auf und rannten und sprangen dann wieder auf und rannten. […] So ging es den ganzen Tag, und als es dämmerte, waren wir sechs Kilometer weiter als bei Beginn des Angriffs.“&lt;/i&gt;; beschrieb Rückzüge und Flüchtlingsströme: Es &lt;i&gt;„[…] kamen uns Karren von Flüchtlingen entgegen. Auf einem kutschierte eine alte Frau. Sie heulte und schluchzte, während sie die Peitsche schwang. Es war die einzige Frau, die ich weinen sah, den ganzen Tag. Hinter einem anderen Karren gingen acht Kinder her, und ein kleiner Junge stemmte sich ins Rad, als sie nicht vorwärtskamen.&lt;/i&gt;“; oder gab Eindrücke wieder, wie die Menschen in Tortosa sich auf eine kommende Belagerung vorbereiten: &lt;i&gt;„Jeder hatte sich in den Schotter hinter den Gleisen ein kleines Loch geschaufelt als Deckung, und ihre Bajonette spießten über die blanken Schienen, die bald verrostet sein würden. Die Jungengesichter hatten etwas von Männern. Jungen, denen ein Gefecht bevorsteht, können an einem Nachmittag zu Männern werden.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;In einem Lazarett der “American Friends of Spanish Democracy” begegnete Hemingway dem amerikanischen Freiwilligen Jay Raven, welcher ihm die Geschichte seiner Verwundung erzählte.&lt;i&gt; „Ich hielt seine Hand fest und hörte ihm zu, aber ich konnte kein Wort glauben von dem, was er redete. […] Ich kannte seine Geschichte natürlich nicht, aber, was er erzählte, klang komisch. Es war genau das Zeug, das alle Verwundeten gerne zu erzählen hätten […] Im ersten Krieg, den ich miterlebt hatte, schwindelten die Verwundeten oft. Nicht gleich am Anfang, aber wenn’s eine Zeit her war. Ich hatte damals selber ein bisschen übertrieben, besonders abends, wenn es spät geworden war. […] Später auf der Straße lernte ich Ravens Bataillonschef kennen. […] Cunningham erzählte mir in seinem Militärjargon die Geschichte von der zusammengeschlagenen und zurückweichenden Einheit auf der rechten Flanke seines Bataillons und von dem Versuch, sie aufzuhalten. […] Für das, was er da gemacht hatte, hätte er im letzten Krieg das Victoria-Kreuz bekommen. In diesem Krieg gibt’s keine Orden, nicht einmal Verwundetenabzeichen. Die Wunden sind die einzigen Auszeichnungen. ‚Raven war auch dabei’, sagte er […] und er erzählte mir eine Menge […] aber am meisten interessierte mich die Sache mit Jay Raven […]. Was er mir erzählt hatte, war wahr. Das Sonderbare an dieser neuen Art Krieg ist, dass Sie genauso viel erfahren, wie Sie imstande sind zu glauben.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Im September 1938 berichtete Hemingway seinen Lesern über den Versuch eines Journalisten, einen Artikel darüber zu schreiben, dass die spanische Regierung Terror auf die Madrider Bevölkerung ausübe. Er entlarvte seinen Kollegen als Lügner und klärte seine Leser darüber auf, &lt;i&gt;„dass während der ersten Tage des Aufstands von denen, die hier ‚unkontrollierbar’ genannt wurden, Leute erschossen worden waren, aber seit Monaten sei Madrid so frei von Terror und sicher so fest in der Hand der Polizei wie irgendeine europäische Hauptstadt. […] Die wirklich wichtige Story war damals, dass in Madrid kein Terror herrschte.“&lt;/i&gt; Hemingway muss mit diesem Satz beim Wort genommen werden. In einer historischen Situation, in der sich weltweit eine Auseinandersetzung zwischen faschistischen und demokratischen bzw. kommunistischen Staaten anbahnte und in Spanien zum ersten Mal durchgefochten wurde; in einer historischen Situation, in der erkennbar wurde, dass diese Auseinandersetzung als der größte und verheerendste Krieg der gesamten Menschheitsgeschichte geführt werden würde, von harten ideologischen Kämpfen begleitet, so dass die öffentliche Meinung für politische Entscheidungen ein nicht zu unterschätzendes Gewicht besitzen sollte; in diese historischen Situation war die Tatsache, dass in Madrid kein Terror herrschte, die wirklich wichtige Story. Die Tatsachen, dass eine gewählte Regierung in Spanien Krieg gegen putschende Militärangehörige und ausländische Invasoren führte, dass auch die Armee dieser Regierung nicht nur militärische Ziele traf aber die Regierung keinen Terror ausübte, dass an der Seite dieser Regierung Menschen verschiedener politischer Strömungen, auch Kommunisten, fochten, dass der Kampf in Spanien aber geführt wurde zur Verteidigung eines politischen Systems, welches sich die Menschen selbst gewählt hatten, von Menschen, die für ihre Heimat gegen ausländische Invasoren und Putschisten kämpften, die keiner Befehle, keiner Orden und Auszeichnungen bedurften – das war die wirklich wichtige Story, die der Journalist und Schriftsteller Ernest Hemingway schrieb und auch 1940 in seinem Roman „Wem die Stunde schlägt“ literarisch verarbeitete.&lt;br /&gt;Aber die Wahrheit lässt sich nicht in &lt;i&gt;„zehn Tagen oder drei Wochen herausfinden“&lt;/i&gt;, sie befindet sich nicht an der Oberfläche der schnell wahrnehmbaren Eindrücke und die Wahrheit ist niemals eindeutig, sie ist widersprüchlich und facettenreich, so wie die Wahrheit über Ernest Hemingway.&lt;br /&gt;Folgt man dem Leben Hemingways, ist es, als durchblättere man ein Bilderbuch angefüllt mit Legenden und Wirklichkeit. Auch hier begegnet dem Zuschauer eine Facette des widersprüchlichen Lebens und Wirkens dieses Schriftstellers und Journalisten. Der Hang, sich zu inszenieren, das zu scheinen, was er gern gewesen wäre, gehört zu Ernest Hemingway genauso, wie die Tatsache, dass hinter den zum Teil selbst geschaffenen Mythen und Inszenierungen tatsächliche Fakten stehen; Fakten, wie eine durch eine Granate verursachte Verwundung am Knie, die sich der junge freiwillige Sanitäter 1918 an der österreichisch-italienischen Front während des I. Weltkrieges zuzog. Fast stolz auf seine Verletzung strahlt Hemingway den Betrachter auf einer Fotografie im Mailänder Lazarett an und in einem Brief an seine Familie spiegelt dieser Stolz sich in den Worten: &lt;i&gt;„Ui, Leute, das hat vielleicht einen netten Wirbel gegeben, dass ich angeschossen wurde! Heut wurde ich mit Eichenlaub dekoriert, und da regte sich in mir der Gedanke, Leute, dass Ihr mich vielleicht nicht richtig geschätzt habt, als ich noch in Eurem Schoß weilte. Es ist fast so gut wie getötet werden und den eigenen Nachruf lesen. […] Während der sechs Tage, die ich vorn in den Frontgräben verbracht habe, nur 50 yds. von den Österreichern entfernt, stand ich in dem Ruf unverwundbar zu sein. So ein Ruf allein bedeutet nicht viel, aber es zu sein schon!“&lt;/i&gt; Unverwundbar war Ernest Hemingway jedoch nicht, und die Erfahrung des Krieges, seine Verwundung und das ständige Erleben des Todes wurden zu einem prägenden Element seiner Arbeit. Literarisch verarbeitete er seine Erlebnisse während des I. Weltkrieges in seinem 1928 erschienen Roman „In einem andern Land“ und im II. Weltkrieg sehen wir Ernest Hemingway abermals in Militäruniform, diesmal als Kriegsberichterstatter. In seiner ihm eigenen lakonischen, bildhaft konkreten Schreibweise berichtete er den Lesern des „Collier’s“ vom Kampf um die Siegfriedlinie: &lt;/span&gt;&lt;i&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;„&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;i&gt;Handgranaten hatten wir keine mehr, und die Krauts aus dem Bunker wollten nicht rauskommen […] Da holten wir den T.D. um den Bunker herum, und er fuhr direkt vor die Stahltür, die wir inzwischen gefunden hatten, und die alte Wump-Gun schoß, schoß sechsmal und sprengte die Tür auf, und dann hätten sie hören sollen, wie sie herauskommen wollten. Sie konnten sie brüllen hören und stöhnen und ‚Kamerad!’ jammern und schreien. Der T.D. hatte direkt auf die Tür gehalten, und jetzt kamen die ersten, und so was haben Sie noch nicht gesehen. Jeder hatte was abgekriegt, jeder der fünf oder sechs verschiedene Wunden von den Stahl- und Betonsplittern. Ungefähr achtzehn kamen heraus. Sie waren noch ganz gut. Aber die ganze Zeit über hörte man drinnen ein klägliches Jammern und Stöhnen, und da war einer, dem von der Stahltür die Beine abgeschnitten waren.“&lt;/i&gt; Möglicherweise verursachten die Erfahrungen, die er während des I. und II. Weltkrieges und im spanischen Bürgerkrieg gesammelt hat, bei Hemingway eine Affinität zum Tod, was die Wahl seiner literarischen Sujets ebenso beeinflusst haben mag wie die ihm vom Vater anerzogene Liebe zur Natur und sportlichen Betätigung. Ein solcher Gedanke drängt sich jedenfalls auf, wenn man die Zeilen liest: &lt;i&gt;„Der einzige Ort, wo man Leben und Tod sehen konnte, das heißt gewaltsamen Tod, war die Arena, da die Kriege vorbei waren, und ich wollte brennend gern nach Spanien, wo ich das studieren konnte. Ich versuchte, schreiben zu lernen, indem ich mit den einfachsten Dingen begann, und eines der allereinfachsten Dinge und das fundamentalste ist der gewaltsame Tod. Er hat keine der Komplikationen des Todes durch Krankheiten oder des sogenannten natürlichen Todes oder des Todes von einem Freund oder von jemandem, den man geliebt oder gehasst hat, aber es ist der Tod nichtsdestoweniger, und er ist eines der Themen, über die ein Mann schreiben kann.“ &lt;/i&gt;In der Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts lernte Ernest Hemingway den Stierkampf in Spanien kennen und lieben. Der Stierkampf – die sportliche Auseinandersetzung zwischen Mensch und Tier, die allgegenwärtige Gefahr des Todes oder der Stolz und das Ehrgefühl der spanischen Matadores – sollte eines der Themen werden, denen sich Hemingway Zeit seines Lebens immer wieder in Kurzgeschichten und Zeitungsartikeln widmete. Er verarbeitete das Thema in seinem 1926 erschienen ersten Roman „Fiesta“ und berichtete 1931 ausführlich und reportagenhaft in seinem Buch „Tod am Nachmittag“ über Inhalt, Ablauf und Hintergründe des spanischen Stierkampfes. Ein Bild aus dem Jahre 1960 zeigt uns den gealterten und weißhaarigen Ernest Hemingway an der Seite seines Freundes und Lieblingstoreros Antonio Ordónes, dem er in seinem letzen zu Lebzeiten veröffentlichten Buch „Gefährlicher Sommer“&amp;nbsp; solcherart Denkmäler setzen sollte: &lt;i&gt;„Antonio zielte entlang der Degenklinge, beugte sein linkes Knie vor, schwang dem Stier die muleta entgegen und ließ ihn bis zu dem Punkt an sich herankommen, wo die Hörner ihn erwischen würden, dann drang die Spitze des Degens ein, der Stier stemmte sich dagegen, den Kopf gesenkt, dem roten Tuch folgend, während Antonio mit der flachen Hand gegen den Degenknauf drückte, glitt die Klinge langsam oben auf der höchsten Stelle zwischen den Schulterblättern hinein. Antonio hatte seine Füße nicht bewegt, und der Stier und er waren jetzt eins, als seine Handfläche das schwarze Fell berührte, war das Horn schon an seiner Brust vorbei, und der Stier unter seiner Hand war tot.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Naturverbundenheit, Auseinandersetzung mit dem Tod oder männliche Tugenden wie Tapferkeit waren auch bei der Leidenschaft Hemingways zur Jagt ausschlaggebend. Erhaben lächelnd, das Gewehr in der Hand, präsentierte sich Hemingway neben einem toten Leoparden; 1934 belehrte er seine Leser im „Esquire“: &lt;i&gt;„Wenn Leoparden verwundet sind, greifen sie Sie an, in neun von zehn Fällen, und sind dabei so schnell, dass keiner sie mit dem Gewehr sicher stoppen kann. […] Sie stoppen einen Leoparden am sichersten&amp;nbsp; mit einer Schrotflinte, und Sie sollten nicht schießen, bis er auf zehn Schritte heran ist.“&lt;/i&gt; Der Großwildjäger Wilson seniert in einer von Hemingways Kurzgeschichten: „&lt;i&gt;Angst weg wie durch Operation. Etwas anderes wuchs an ihrer Stelle. Das Wesentlichste, was ein Mann hatte. Machte ihn zum Mann. Frauen kannten es auch. Keine Scheißangst.“&lt;/i&gt; In dem 1935 veröffentlichten Buch „Die grünen Hügel Afrikas“ berichtete Ernest Hemingway über seine Erlebnisse auf einer Afrikasafari 1933/34. &lt;br /&gt;Wie die Jagd, so begeisterte Hemingway auch die Hochseefischerei, ein Sport, den er vor allem in Key West, seinem Wohnort bei Kuba seit 1931, zur Entspannung und als Ausgleich für das Schreiben ausübte, und ein weiteres Foto zeigt uns Hemingway im Kreise einiger Freunde, einen selbstgefangenen Milar vom Heck seines Schiffes, der „Pilar“, aus dem Betrachter präsentierend. In seiner wohl bekanntesten Erzählung „Der alte Mann und das Meer“, erschienen 1952, vermittelte Ernest Hemingway einen berührenden Eindruck vom dreitätigen, zähen Kampf des alten Santiago mit einem Fisch und der Niederlage, die er erleidet als ihm bei seiner Ankunft im heimatlichen Hafen nur das von Haien zerfressene Gerippe seines Fisches bleibt und die Erkenntnis: &lt;i&gt;„Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Nicht nur sein Werk, auch der Privatmensch Hemingway liefert dem Betrachter eine schillernde Vielzahl unterschiedlicher, sich einander widersprechender Bilder. Da ist der konzentriert arbeitende Schriftsteller vor seiner Schreibmaschine, der Champion, wie er sich in Briefen an seinen amerikanischen Verleger Charles Scribner selbst bezeichnete, der seine Schriftstellerkollegen lässig aus dem Ring haut und nicht davor zurückschreckte in seinen Werken private Details bekannt zu geben, um sich für Schmähungen und verletzen Stolz zu rächen. &lt;br /&gt;Da ist der grimmig dreinschauende Wanderer in Idaho, der in der rechten Hand eine Flasche Alkohol hält; unübersehbar ist auch in seinen Werken, dass Hemingways Alkoholkonsum das Maß des Durchschnittlichen überstieg. Da ist der Mann Hemingway und die Frauen; viermal war Hemingway verheiratet; kaum hielt er es länger mit ein und derselben Frau aus. Erst mit seiner letzten Ehefrau, Mary Welsh, verband ihn eine bis zu seinem Tod währende Gemeinschaft, obwohl auch sie Ausfälligkeiten des betrunkenen Hemingways und Gerüchte, wonach Hemingway Marlene Dietrich oder der neunzehnjährigen Adriane Ivancich Avancen gemacht hätte, aushalten musste. Und letzen Endes ist da auch der zynisch anmutende Abschluss eines Lebens, von dem der Nachwelt dankenswerter Weise kein Bild erhalten geblieben ist, das freiwillige Ausscheiden Ernest Hemingway aus dem Leben, welches dem Bekenntnis Santagios, dass der Mensch verlieren aber niemals aufgeben dürfe, so offensichtlich widerspricht. Nach etwa einjähriger Leidens- und Depressionszeit erschoss Hemingway sich am 2. Juli 1961. Aber Hemingways Selbstmord birgt noch den Widerspruch in sich. Auch wenn man den Tod eines Menschen niemals und schon gar kein freiwilliges Sterben bejahen kann, lässt sich ein im hohen Alter, von Krankheit und Schwäche geplagter, friedlich einschlafender Hemingway schwer denken. So bildet vielleicht Hemingways Selbstmord einen tragischen aber inszeniert anmutenden Abschluss eines Mythos, des Mythos Hemingway.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;Wer die Wahrheit über Ernest Hemingway schreiben will, sollte den Mythos Hemingway nicht verschweigen. Es ist Teil der Wahrheit über Ernest Hemingway, dass sein Gesamtwerkes&amp;nbsp; hauptsächlich von den Themen Krieg, Stierkampf, Jagd und Fischerei bestimmt wird, dass seine Person für viele Menschen Symbol ist für Abenteurertum, Hedonismus und Männlichkeit und dass Ernest Hemingway den Mythos Hemingway schon zu Lebzeiten selbst mit erschaffen hat. Aber die Wahrheit lässt sich nicht in „&lt;i&gt;zehn Tagen oder drei Wochen herausfinden“.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Die Behauptung, Hemingway sei ein politischer oder parteiischer Schriftsteller gewesen, wäre ebenso falsch wie die Behauptung, Hemingway sei gänzlich unpolitisch gewesen. Wie in vielen Bereichen seines Lebens und Wirkens begegnet man bei dem politischen Menschen Hemingway eine Ambivalenz, welche die Widersprüchlichkeit und Kompliziertheit der Zeit, in der Hemingway lebte, hervorbrachte.&lt;br /&gt;Über sein eigenes Verständnis seiner Rolle als Schriftsteller, seiner Stellung zum Politischen und zum Staat und seines Verhältnisses zum Kommunismus schrieb Hemingway in einem Brief an Iwan Kaschkin 1935: „&lt;i&gt;Jeder versucht einen jetzt mit der Behauptung einzuschüchtern, wenn man nicht Kommunist werde oder einen marxistischen Standpunkt einnehme, wird man keine Freunde haben und allein sein. […] Ich kann jetzt kein Kommunist werden, weil ich nur an eines glaube: an Freiheit. Als erstes würde ich mich um mich selbst kümmern. Dann würde ich meinem Nachbarn helfen. Aber um den Staat kümmere ich mich überhaupt nicht.“ &lt;/i&gt;Ein Schriftsteller hat laut Hemingway nicht die Aufgabe, einen politischen oder Klassenstandpunkt einzunehmen, er hat nicht für Lohn und Anerkennung zu schreiben. Die Arbeit eines Schriftstellers sollte allein dem Anliegen dienen, große Kunst zu schaffen. „&lt;i&gt;Ein echtes Kunstwerk ist von unbeschränkter Dauer; egal, welche politische Meinung darin steckt.“ &lt;/i&gt;Nur Schriftsteller ohne Talent seien darauf angewiesen, Klassenstandpunkte einzunehmen. „&lt;i&gt;Wer genug Talent hat, ist in allen Klassen zu Hause. Er nimmt von ihnen allen und was er gibt, gehört jedem.“ &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Die Unabhängigkeit des Schriftstellers besitzt aber für Hemingway eine immanente Widersprüchlichkeit. Der Schriftsteller, der keiner Regierung Gehorsam schuldet, gleiche einem Zigeuner, einem Außenseiter, denn er ergreift weder für noch gegen irgendeine politische Strömung oder Klasse Partei.&amp;nbsp; Der Staat aber besitze die Eigenschaft, bürokratisch zu sein und &lt;i&gt;„in dem Moment, in dem man eine Bürokratie gut genug kennt, wird man sie hassen. Denn sobald sie ein gewisses Ausmaß erreicht hat, muss sie ungerecht werden.“&lt;/i&gt; Der Schriftsteller könne darum auch im Widerspruch zum Staat stehen. „&lt;i&gt;Wenn er ein guter Schriftsteller ist, wird ihm die Regierung, unter der er lebt, nie gefallen. Seine Hand sollte sich gegen sie wenden, und ihre Hand wird immer gegen ihn sein.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Dass Hemingway diesen Anspruch versucht hat umzusetzen, bzw. zumindest als Privatmensch eigene Positionen zu tagespolitischen Fragen seiner Lebenszeit besessen hat, beweißt u.a. ein von Hemingway zweimal unterschriebener aber vermutlich niemals abgeschickter Brief an Senator Joseph McCarthy aus dem Jahre 1950, in dem er feststellte, dass &lt;i&gt;„eine ganze Reihe von Leuten […] allmählich die Nase voll von Ihnen“ &lt;/i&gt;haben.&lt;i&gt; „[…] ich habe auch nie Gelegenheit gehabt, die Zahl Ihrer Wunden zu zählen und irgend etwas zu lesen, was ich mit dem vergleichen könnte, was Ihr Mundwerk, lies: Ihre Teufelszunge, oder doch lieber Mundwerk, von sich gibt. […] Sie langweilen manchen Steuerzahler zu Tode […]. Sie können hierherkommen&amp;nbsp; und umsonst kämpfen […] und zwar mit einem Kerl wie mir, der […] Sie für ein Arschloch hält, Senator, und Ihnen den Arsch wie noch nie ihn Ihrem Leben versohlen würde.“ &lt;/i&gt;Auch gegenüber dem sowjetischen Schriftsteller Konstantin Simonow beklagte Hemingway sich in einem Brief darüber, dass die Leute gut und intelligent seien, gute Absichten besäßen und einander gut verstünden, &lt;i&gt;„wenn wir nur etwas Verständnis füreinander hätten, statt den wiederholten Vorführungen eines Churchill zu lauschen, der macht jetzt das, was er schon 1918/19 gemacht hat, um etwas zu bewahren, das heute nur durch Krieg bewahrt werden kann. Verzeihen Sie mir, wenn ich über Politik rede. Ich weiß, dass man mich immer für einen Narren hält, wenn ich das tue. Aber ich weiß, dass nichts zwischen der Freundschaft unserer Staaten steht…“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Das politische Engagement stellt aber nur einen Nebenaspekt des Gesamtwerkes Hemingways dar, in welchem Themen wie Stierkampf, Großwildjagd, Hochseefischerei und Krieg einen weit größeren Raum einnehmen als politische Stellungnahmen. Aber dass Nebensächlichkeiten nicht unwichtig und in besonderen historischen Situationen auch von großer Bedeutung sein können, bewies Hemingway selbst, als er die Tatsache, dass die spanische Regierung 1938 keinen Terror ausübte, als die wirklich wichtige Story bezeichnete. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;von Roman Stelzig&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt; &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-6748609369862539824?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/6748609369862539824/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/der-mythos-hemingway_6945.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/6748609369862539824'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/6748609369862539824'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/03/der-mythos-hemingway_6945.html' title='Der Mythos Hemingway'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S5JsKwGhZBI/AAAAAAAAAFY/0ifNe1WDGYg/s72-c/Fotos_hem.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-3167148184972084158</id><published>2010-02-28T05:38:00.000-08:00</published><updated>2010-04-22T07:15:14.890-07:00</updated><title type='text'>der letzte Spanier</title><content type='html'>Kuba ist weit weg, singt ein Wellensittich,&lt;br /&gt;als Seeleute die Weltkarte an den Mast anschlagen.&lt;br /&gt;solange der Wind das Hundebellen über'm Ozean treibt,&lt;br /&gt;wird sich die Erde auf einem derben Wort wie auf den Walen halten.&lt;br /&gt;in der Mausefalle sind die letzten Brotkrümel für die Brieftauben übrig.&lt;br /&gt;und die Wolken sind aufgelöst wie Mull,&lt;br /&gt;der den Sonnenuntergang wie eine Platzwunde verbindet.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;im Frachtraum riecht's nach Eiter wie nach faulem Fisch - &lt;br /&gt;die Seeleute spüren es, wen heute der Neptun zu sich nimmt.&lt;br /&gt;und wenn der Sturm die Karavelle - wie die Königin den Bauern -&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;wegfegen will,&lt;/div&gt;lass, Teufel, uns den Horizont erreichen und nicht zusammenbrechen.&lt;br /&gt;im Logbuch reimt der Kapitän die Tage,&lt;br /&gt;und hält den Schrot und Pulver von seinen Augen weit weg.&lt;br /&gt;der Polarstern wird immer trüber,&lt;br /&gt;und der Kapitän schreibt auf, dass sich der Stern zuerst ergeben hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-3167148184972084158?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/3167148184972084158/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/der-letzte-spanier.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3167148184972084158'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3167148184972084158'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/der-letzte-spanier.html' title='der letzte Spanier'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1871253209870081836</id><published>2010-02-28T05:28:00.000-08:00</published><updated>2010-02-28T05:33:18.693-08:00</updated><title type='text'>die Schule der Dummen</title><content type='html'>zu Weihnachten sind die Bäume mit bunten Blättern behangen &lt;br /&gt;wie die Marktstände mit Lebkuchen. &lt;br /&gt;und jeder nasse Busch wirft - wie im Suff - den Bäumen &lt;br /&gt;seine abgeriebenen Münzen unter die Füße.&lt;br /&gt;hier erscheint in Dämmerungsstunden, leuchtend wie ein Engel, &lt;br /&gt;der Außerirdische aus dem Sternbild Wassermann...&lt;br /&gt;und der Regen tropft von seinen Händen wie das Blut.&lt;br /&gt;trotz all dem zeigt sein Gesicht von Bedauern keine Spur,&lt;br /&gt;als ob sich die Wahrheit hinter der 25. Tür versteckt hält.&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Passanten, fest ins Mysterium eingeflochten,&lt;br /&gt;spazieren, die Köpfe mit Kapuzen wie mit Perücken überzogen.&lt;br /&gt;der da hält den Regenschirm, die Allee mit Schritten vermessend, &lt;br /&gt;wie ein entthronter Monarch das Zepter in der Hand. &lt;br /&gt;hier sind Hundehalsbänder zarter und reiner &lt;div style="text-align: right;"&gt;als französische Jabots...&lt;/div&gt;aber du knöpfst am Bierglas die schäumende Manschette auf,&lt;br /&gt;und schätzt, über die Brille schauend, den heutigen Mond&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;auf eine Million und ein Karat,&lt;/div&gt;und beobachtest, wie die Bar verlässt der erneut&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;vergiftete Sokrates.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;&lt;br /&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1871253209870081836?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1871253209870081836/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/die-schule-der-dummen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1871253209870081836'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1871253209870081836'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/die-schule-der-dummen.html' title='die Schule der Dummen'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-2184687737946839554</id><published>2010-02-14T14:44:00.000-08:00</published><updated>2010-02-18T14:03:03.752-08:00</updated><title type='text'>Klagemauer</title><content type='html'>römische Legionäre drehen ab über Judäa. &lt;br /&gt;die Wolken ziehen unter ihnen auseinander&lt;br /&gt;wie versklavte Juden.&lt;br /&gt;den Himmel stramm gezogen mit einem Schulterriemen aus weißem Leder, &lt;br /&gt;tragen die Legionäre die Sonne auf ihren Schildern schneller,&lt;br /&gt;höher, weiter als in vergangenen Jahrtausenden.&lt;br /&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;unter ihrem Marsch bebt das alte Judäa,&lt;br /&gt;und jeder Dornbusch brennt als ein Schutzengel &lt;br /&gt;über seinem eigenen Grabe &lt;br /&gt;am Stadtrand von Jerusalem.&lt;br /&gt;die Speere und Pfeile der Soldaten verwunden die Erde&lt;br /&gt;wie ein Klapps auf den Hinterkopf eine Frau - so messen&lt;br /&gt;die Pharisäer den Glauben anhand der Stigmata &lt;br /&gt;auf den Körpern der Gemeindeglieder.&lt;br /&gt;wie eine Schallmauer die Klagemauer hinter sich gelassen,&lt;br /&gt;schlagen die römischen Legionäre die Richtung ein&lt;br /&gt;auf Palästina.&lt;br /&gt;irgendwann wird das alles ein Archäologe ausgraben,&lt;br /&gt;die Knochen der Legionäre durchzählen&lt;br /&gt;und in einem Schuhkarton auf dem Regal verstauen&lt;br /&gt;mit der Aufschrift "XXI. Jh. vor unserer Zeitrechnung".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-2184687737946839554?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/2184687737946839554/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/klagemauer.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2184687737946839554'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2184687737946839554'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/klagemauer.html' title='Klagemauer'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-4260787600872234189</id><published>2010-02-14T14:35:00.000-08:00</published><updated>2011-03-03T07:58:51.757-08:00</updated><title type='text'>Prager Frühling</title><content type='html'>Autor löschte den Text :'(&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-4260787600872234189?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/4260787600872234189/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/prager-fruhling.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4260787600872234189'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/4260787600872234189'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/prager-fruhling.html' title='Prager Frühling'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-27645475010034321</id><published>2010-02-02T01:28:00.000-08:00</published><updated>2010-04-26T15:16:57.583-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Canaletto'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dresden'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bernardo Bellotto'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Frauenkirche'/><title type='text'>Canaletto und die Dresdner Frauenkirche</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S2fvwsy0KxI/AAAAAAAAAEg/CXy8sAR_eBA/s1600-h/800px-Dresden-Elbe-Augustusbr%C3%BCcke.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="111" src="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S2fvwsy0KxI/AAAAAAAAAEg/CXy8sAR_eBA/s200/800px-Dresden-Elbe-Augustusbr%C3%BCcke.jpg" width="200" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Dresden ist keine Weltstadt. Der sächsische Kurfürsten- und Königshof, der in Dresden seine Residenz fand, spielte allenfalls als Vorreiter der Reformation bis in die Jahre des 30-jährigen Krieges hinein eine nennenswerte Rolle in der europäischen Geschichte. Im diplomatischen Ränkespiel und den Kabinettskriegen des europäischen Absolutismus nahm Sachsen stets einen untergeordneten Platz ein als Koalitionspartner der Großmächte, das allezeit mit mäßigem Erfolg seine bescheidenen außenpolitischen Interessen verfolgte. &lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Der Dresdner Humor weiß mit Ironie davon zu berichten, dass der sächsische Hof von der Blütezeit des Absolutismus, über die Wirren der französischen Revolution bis in das 19. Jahrhundert hinein in den stets wechselnden Koalitionen selten auf der Seite der Sieger stand. Aber nicht ohne Stolz wissen die Dresdner auch zu erzählen, dass vielleicht gerade die diplomatischen Missgeschicke und militärischen Niederlagen Gründe dafür waren, dass es dem sächsischen Hof gelingen musste, sich auf einem anderen Gebiet der Konkurrenz unter den Großmächten Weltgeltung zu verschaffen. Es war und ist die Kunst, die der Stadt Dresden über die sächsischen Landesgrenzen hinaus Rang und Namen einbrachte, die zahlreichen Gemälde in seinen Galerien, die gesammelten Schätze der sächsischen Kurfürsten und Könige und die steinernen Zeugnisse des europäischen Barockes.&lt;/div&gt;&lt;div lang="de-DE" style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Einen nicht geringen Teil seines künstlerischen Weltruhms verdankt die Stadt Dresden einem Maler, dem es gelang, ihrem barocken Antlitz durch seine Bilder Unverkennbarkeit und Ewigkeit zu verleihen. Die Silhouette der Dresdner Altstadt am Ufer der Elbe, deren Zentren der aufragende Turm der Hofkirche und die wuchtige Kuppel der Frauenkirche bilden, die  eingebettet sind in die Palais der Brühlschen Terrasse und die den Fluss überspannenden Bögen der Augustusbrücke, trägt den Titel „Canaletto-Blick“ nach dem Beinamen des Malers, der sie in seinen Gemälden abbildete.  Der Name dieses Malers lautet Bernardo Bellotto, genannt Canaletto.&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S2fv8Nv3sTI/AAAAAAAAAEo/-jHuJGZ10jg/s1600-h/belotto.jpg" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="200" src="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S2fv8Nv3sTI/AAAAAAAAAEo/-jHuJGZ10jg/s200/belotto.jpg" width="175" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Bernardo Bellotto wurde 30. Januar 1721 in Venedig geboren und 1735 Schüler seines kinderlosen Onkels Giovanni Antonio Canal, von welchem er den Beinamen Canaletto übernahm. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung, einigen Reisen durch Italien und einem Umzug seines Onkels erbte er 1746 dessen Werkstatt. Im gleichen Jahr erhielt Bernardo Bellotto eine Einladung an den Dresdner Hof Friedrich Augusts II., des Kurfürsten von Sachsen und als August III. Königs von Polen, wo er 1747 eintraf. 1748-1758 wirkte Bernardo Bellotto hoch dotiert und angesehen als Hofmaler in Dresden. Während seines ersten Aufenthaltes in Dresden schuf er im Auftrag des Kurfürsten 1748-1753 vierzehn Ansichten von Dresden, 1753-1756 elf Ansichten von Pirna und 1756-1758 vier Ansichten der Festung Königstein, sowie dreizehn Dresdner und acht Pirnaer Ansichten im Auftrag des sächsischen Premierministers Heinrich Graf von Brühl und andere Auftragswerke. Der Beginn des siebenjährigen Krieges 1756, die Flucht Friedrich Augusts II. und des Grafen von Brühls nach Warschau und die daraus resultierende schwierige Wirtschaftslage veranlassten ihn 1758 Dresden zu verlassen. Er wirkte bis 1761 am Wiener Hof Maria Theresias, den Rest des Jahres 1761 am bayrischen Kurfürstenhof Maximilians III. in München und kehrte im gleichen Jahr nach Dresden zurück, vermutlich nachdem er von der Bombardierung der Stadt durch preußische Truppen und dem Verlust seiner Besitztümer erfahren hatte. Das Ende des siebenjährigen Krieges 1763 verbesserte die Situation Bernardo Bellottos kaum, da im selben Jahr der Kurfürst Friedrich August II. und Heinrich Graf von Brühl verstarben, sich der Kunstgeschmack am Hofe der Nachfolger des Kurfürsten zum Klassizismus wandelte und sich seine Auftragslage verschlechterte. 1764-1766 arbeitete Bernardo Bellotto als „aggrediertes Mitglied für Perspektive“, d.h. ohne ordentliche Professur, an der Dresdner Kunstakademie. 1766 kehrte Bernardo Bellotto seiner langjährigen Wirkungsstätte Dresden endgültig den Rücken und reisten nach Warschau an den Hof Stanislaus’ Augusts Poniatowskis, wo er noch einmal eine Blüte seines Schaffens erlebte und am 17. November 1780 starb.&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Aus historischer Sicht stehen die Gemälde Bernardo Bellottos zwischen der Blütezeit des feudalen Absolutismus und den ihre Schatten voraus werfenden bürgerlichen Revolutionen in Europa. Für Bernardo Bellotto war die in Italien entstandene Vedutenmalerei kennzeichnend, eine besonders detaillierte und topographisch genaue Darstellung von Städten und Landschaften. Diese Malweise hatte er von seinem Onkel Canal gelernt, übernommen und als sächsischer Hofmaler angewendet. Die Gemälde Bernardo Bellottos sollten als Auftragswerke den Reichtum, den Prunk und die Macht der feudalabsolutistischen Herrscher, v. a. des sächsischen Hofes, abbilden und zur Schau stellen. Der Detailreichtum und Realismus der Vedutenmalerei Bernardo Bellottos unterschied sich hierbei aber deutlich von der mystisch verklärten und die absolutistische Herrschaft märchenhaft verherrlichenden Vedutenmalerei Johann Alexander Thieles, seines Vorgängers als Dresdner Hofmaler. Bernardo Bellotto bildete auf diese Weise nolens volens in seinen Gemälden weit mehr ab als höfische Architektur. Seine Gemälde zeigen das städtische Leben Dresdens in der Mitte des 18. Jahrhunderts, in dessen Mittelpunkt wie in vielen anderen Städten ein reiches, wirtschaftlich starkes und selbstbewusstes Bürgertum stand. Noch war dieses Bürgertum nicht zahlreich genug und seine spezifische auf Warenproduktion beruhende Produktionsweise nicht zur vorherrschenden Produktionsweise in der Gesellschaft avanciert, dass es den Wunsch gehegt und die Kraft besessen hätte, sich dem absolutistisch herrschenden Adel politisch entgegen zu stellen und selbst nach der politischen Herrschaft zu greifen. Aber auf dem vermeintlich neutralen Gebiet der Kunst konkurrierte das Bürgertum bereits kokett mit der Macht des Absolutismus, auch in der Architektur. Nicht zuletzt die das Stadtbild Dresdens und damit auch die Gemälde Bernardo Bellottos bestimmende Dresdner Frauenkirche ist Zeugnis jenes unterschwelligen Aufbegehrens des städtischen Bürgertums gegen den Absolutismus.  &lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Die Frauenkirche in der heute bekannten Gestalt entstand als Reaktion der protestantischen Bürgerschaft Dresdens auf die Konvertierung des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I., genannt „August der Starke“, zum Katholizismus. Das Kurfürstentum Sachsen war Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen und sein Kurfürst der habsburgischen kaiserlichen Zentralgewalt untergeordnet. Der Widerspruch zwischen dem Unabhängigkeitsstreben der deutschen Reichsfürsten und dem Herrschaftsanspruch der kaiserlichen Zentralgewalt bildete seit seiner Entstehung den Grundkonflikt im deutschen Reich. Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert begannen einige der deutschen Reichsfürsten durch Diplomatie, Heiratspolitik oder Krieg nach den Kronen anderer europäischer Staaten zu greifen, um ihre Stellung im europäischen Mächtesystem bei gleichzeitiger Anerkennung der deutschen Reichsverfassung zu heben. Dies tat auch Friedrich August I. Weil die Interessen der europäischen Mächte es gestatteten und Kaiser Leopold I. seine Kandidatur unterstützte, erfolgte nach dem Tod des polnischen König Johanns III. Sobieskis 1697 die Wahl Friedrich August I. zum König August II. von Polen. Weil Polen aber ein katholisches Land war, musste auch „August der Starke“ zum katholischen Glauben konvertieren. Die Bevölkerung des Kurfürstentums Sachsen blieb jedoch in der überwiegenden Zahl protestantisch.&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S2fwIVk4RkI/AAAAAAAAAEw/PkVP-I7R-EY/s1600-h/495px-Canaletto_%28I%29_006.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="200" src="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S2fwIVk4RkI/AAAAAAAAAEw/PkVP-I7R-EY/s200/495px-Canaletto_%28I%29_006.jpg" width="165" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Unter diesen Umständen bot die Schließung der protestantischen gotischen Kirche „Zu unseren Lieben Frauen“ aus baulichen und städteplanerischen Gründen 1714 der Dresdner Bürgerschaft Anlass für eine beeindruckende Manifestation ihrer ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung. 1722 beauftragte der Rat der Stadt Dresden den Architekten George Bähr mit dem Bau einer mächtigen Kuppelkirche als neue Dresdner Frauenkirche. Der Bau der Frauenkirche begann 1726 und wurde 1743 vollendet. Seitdem prägte die Frauenkirche fast 200 Jahre lang das Stadtbild Dresdens bis sie innerlich ausgebrannt am 15. Februar 1945 in sich zusammen fiel. Dies geschah zwei Tage nach der Bombardierung der Stadt in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 als moralisch fragwürdige aber historisch gerechtfertigte alliierte Vergeltung für die brutale Zerstörung europäischer Städte durch das nationalsozialistische Deutschland. Mit dem uneingelösten Versprechen des Bürgertums, eine gerechtere Gesellschaft zu erschaffen, starb somit symbolisch während des zweiten Weltkrieges auch das berühmteste Zeugnis des Selbstbewusstseins der Dresdner Bürgerschaft.&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Was der Nachwelt erhalten blieb, sind die Gemälde Bernardo Bellottos, in denen das historische Dresden abgebildet ist und aus denen der Betrachter eine Vorstellung gewinnen kann vom Glanz des sächsischen Hofes und vom Stolz der Dresdner Bürgerschaft – und die Ruine der Frauenkirche, die mehr als 60 Jahre lang den Bewohnern und Besuchern der Stadt Dresden Mahnung und Denkmal sein sollte: „Nie wieder geschehe, was hier geschah!“ Und bei einem Rundgang durch Dresden wird ihnen gewahr: Mögen die historischen Taten und Persönlichkeiten anderen Staaten der Weltgeschichte entsprungen sein. Die Mauern Dresdens beherbergen nicht den geschichtlichen Ruhm, sondern zahlreiche Denkmäler Werte schaffender und friedlicher Kunst. Einer jener Künstler, dessen Werke nicht Welt-, sondern Kunstgeschichte geschrieben haben, und der wie andere mit der Stadt Dresden auf untrennbare Weise verbunden ist, war Bernardo Bellotto, genannt Canaletto.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-27645475010034321?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/27645475010034321/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/canaletto-und-die-dresdner-frauenkirche.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/27645475010034321'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/27645475010034321'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/02/canaletto-und-die-dresdner-frauenkirche.html' title='Canaletto und die Dresdner Frauenkirche'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/S2fvwsy0KxI/AAAAAAAAAEg/CXy8sAR_eBA/s72-c/800px-Dresden-Elbe-Augustusbr%C3%BCcke.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-3716969083496074825</id><published>2010-01-24T06:07:00.000-08:00</published><updated>2010-01-24T06:12:00.457-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Winkler'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fensterbrett'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Senftenberg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bild'/><title type='text'>Auf dem Fensterbrett</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_hfLT0wQbAeE/S1xUn43IgMI/AAAAAAAACHo/dlj2cd0BTq4/s1600-h/07_LiegendImFenster.jpg"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: left; cursor: pointer; width: 320px; height: 275px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_hfLT0wQbAeE/S1xUn43IgMI/AAAAAAAACHo/dlj2cd0BTq4/s320/07_LiegendImFenster.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5430308294957236418" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;"Auf dem Fensterbrett" von &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Bernd Winkler, Senftenberg&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-3716969083496074825?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/3716969083496074825/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/01/auf-dem-fensterbrett.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3716969083496074825'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3716969083496074825'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2010/01/auf-dem-fensterbrett.html' title='Auf dem Fensterbrett'/><author><name>Larve</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_hfLT0wQbAeE/S1xUn43IgMI/AAAAAAAACHo/dlj2cd0BTq4/s72-c/07_LiegendImFenster.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-2916180028291716743</id><published>2009-12-22T03:16:00.000-08:00</published><updated>2009-12-22T03:16:38.975-08:00</updated><title type='text'>Postmodern sind wir entgleist</title><content type='html'>&lt;div style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif;"&gt;Die Arbeit bringt kein Geld,&lt;br /&gt;stiehlt mir nur Zeit&lt;br /&gt;die ich bräuchte, um der Welt&lt;br /&gt;das Versprechen zu entlocken,&lt;br /&gt;dass sie für immer hält,&lt;br /&gt;nicht in Teile so zerfällt,&lt;br /&gt;dass sie mir nicht mehr gefällt.&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif;"&gt;Eine starke Lokomotive&lt;br /&gt;ist der Geist oder auch die Liebe&lt;br /&gt;vielleicht auch deus oder ontos,&lt;br /&gt;Wille, Sorge, Feuer, Orcus.&lt;br /&gt;Bunte Wagen hinten dran;&lt;br /&gt;auf die Mischung kommt es an.&lt;br /&gt;Wie ist die Lehre zusammengesetzt?&lt;br /&gt;Endet sie falsch, wird sie ersetzt.&lt;br /&gt;Von hinten nach vorn werd ich gehetzt,&lt;br /&gt;verstehe, bevor sich das Gleis zersetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch heute fahren die Züge&lt;br /&gt;in jede Richtung, überall hin.&lt;br /&gt;Beliebig wird das Weltgefüge!&lt;br /&gt;Mit jedem Zug, überall hin,&lt;br /&gt;kann ich heut fahren,&lt;br /&gt;wo bleibt der Sinn?&lt;br /&gt;Kann aufspringen, mir zu eigen machen,&lt;br /&gt;Vieles erklärt mir alle Sachen.&lt;br /&gt;Ich weiß nicht mehr, was richtig ist,&lt;br /&gt;zieh mich zurück. Ob man vergisst,&lt;br /&gt;mir nachzutragen - den Entzug?&lt;br /&gt;Postmoderne ist Weltbetrug!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Eine und das Ganze&lt;br /&gt;wollen doch alle erhalten&lt;br /&gt;außer einer Gruppe,&lt;br /&gt;die nimmt wie eine Puppe&lt;br /&gt;mein Gefühl und Einheitsdenken,&lt;br /&gt;trampelts, tritts und schändets,&lt;br /&gt;ich frag dich, wie dus fändest,&lt;br /&gt;wenn dein Weltbild mit Beliebigkeit&lt;br /&gt;gestellt wird neben die Endlichkeit&lt;br /&gt;vom menschlichen Denken und der Materîe;&lt;br /&gt;sowas gabs geschichtlich noch nie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ohne das Wort zu nennen,&lt;br /&gt;sich in Begriffe verrennen,&lt;br /&gt;auch die Bedeutung zu kennen&lt;br /&gt;weißt du sicher was es heißt:&lt;br /&gt;postmodern sind wir entgleist.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt; &lt;i&gt;von Frank Ursin&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-2916180028291716743?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/2916180028291716743/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/postmodern-sind-wir-entgleist.html#comment-form' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2916180028291716743'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2916180028291716743'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/postmodern-sind-wir-entgleist.html' title='Postmodern sind wir entgleist'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1705493713224133726</id><published>2009-12-21T00:40:00.000-08:00</published><updated>2009-12-21T01:07:37.099-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hermann Hesse'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Biographie'/><title type='text'>Kurze Biografie einer Seele - Gedanken über Hermann Hesse (Teil 1/3)</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy81cgzdUsI/AAAAAAAAADY/tpIdwiMbvao/s1600-h/Hesse+1.png" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" src="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy81cgzdUsI/AAAAAAAAADY/tpIdwiMbvao/s320/Hesse+1.png" /&gt;&lt;/a&gt;Wer zum ersten Mal in seinem Leben ein Buch von Hermann Hesse zur Hand nimmt und aus innerem Antrieb, nicht aus äußerem Zwang, in die Gedankenwelt jenes Schriftstellers eintaucht, wird sich fühlen wie ein Entdeckungsreisender in einer ihm völlig unbekannten, gefahrvollen und doch mystisch anziehenden, reizvollen Welt.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Verschwommen, schemenhaft nur und unfasslich offenbaren sich die Gedanken jedem unbefangenen Leser und doch scheint jeder Satz tiefe Wahrheit und Erkenntnis zu enthalten. Hermann Hesse Lesen bedeutet Offenbarung, ist die Reise des Menschen in sein Innerstes, auf den verborgenen Grund seiner Seele. Ich behaupte nicht, dass jeder Mensch für die Lektüre der Bücher Hermann Hesses geschaffen ist. Aber welcher Mensch, der einmal aus eigenem Antrieb und Interesse Berührung mit seinen Bücher hatte, wird nicht das Gefühl gehabt haben: Jedes Buch von Hermann Hesse ist ein Spiegelbild der eigenen Seele, ist ein Blick ins eigene Ich? &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Woher kommt diese Wirkung und warum vermochten gerade seine Bücher, „&lt;i&gt;Demian&lt;/i&gt;“,  „&lt;i&gt;Peter Camenzind&lt;/i&gt;“, „&lt;i&gt;Narziss und Goldmund&lt;/i&gt;“ oder „&lt;i&gt;Der&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Steppenwolf&lt;/i&gt;“, über Generationen hinweg die Gedanken, Gefühle, Hoffnungen, Träume oder Ängste so vieler junger, v. a. intellektueller Menschen auszudrücken und ihnen Gestalt zu verleihen? Ich denke, die Antwort ist, dass Hermann Hesse in erster Linie einer der ehrlichsten und wahrhaftesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Hermann Hesse erzählt in seinen Büchern  von &lt;i&gt;„Peter Camenzind“&lt;/i&gt; bis &lt;i&gt;„Das Glasperlenspiel“&lt;/i&gt; die Biografie seiner Seele, die Geschichte seiner eigenen Persönlichkeit offen und vorbehaltlos; er verschweigt dem Leser, oder besser gesagt, verschont ihn mit keinem noch so unerträglichen Detail: Jedes Laster, jede Amoralität, jede Angst, jeder Zweifel, jeder Schmerz, jede Scham, jede tief empfundene menschliche Schwäche sind in dieser Biografie genauso enthalten wie alles Edle und Gute, zu dem Menschen fähig sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Die äußere Geschichte dieser Seele begann am 02. Juli 1877 in der schwäbischen Kleinstadt Calw. Die Mutter Hermann Hesses, Marie Hesse, geborene Gundert, war die Tochter eines Missionars und erblickte, weil dieser gerade in Indien arbeitete, im fernen Osten das Licht der Welt. Auch der Vater, Johannes Hesse, entstammte einer Missionarsfamilie. Ihre Herkunft liegt in Estland und auch der Vater wirkte einige Jahre als Missionar in Indien. Ihre Kenntnisse der verschiedenen Sprachen Indiens, fernöstlicher Philosophien und Gedanken, der Märchen und der Kultur Ostasiens brachte die Familie mit nach Deutschland. Sie waren Teil der weltoffenen und toleranten geistigen Atmosphäre, in der der junge Hermann Hesse aufwuchs, und blieben Zeit seines Lebens ein prägendes Element seines Denkens und Schaffens. 1881-1886 unterrichtete der Vater im Basler Missionarshaus deutsche Sprache und Literatur und wirkte als Herausgeber eines Missionarsmagazins. So verlebte Hermann Hesse bereits seine frühe Kindheit in dem Land, das später seine Wahlheimat werden sollte. 1886 kehrte die Familie nach Calw zurück, denn der Vater trat in die Fußstapfen seines Schwiegervaters. Er wurde Angestellter und später Leiter des Calwer Verlagsvereins. In Calw besuchte Hermann Hesse die Lateinschule und der Besuch des Gymnasiums in Göttingen 1890-91 bereitete den Schüler auf das Landexamen vor, der Voraussetzung für den Besuch einer höheren Schule. Das Examen gelang und Hermann Hesse trat 1891 dem evangelisch-theologischen Seminar in Maulbronn bei. Sein einjähriger Aufenthalt in der Klosterschule von Maulbronn sollte Hermann Hesse ebenfalls prägen. Der mittelalterliche, sakrale Ort diente ihm u. a. als Vorbild für die Beschreibung der Schauplätze seines Romans &lt;i&gt;„Narzis und Goldmund“&lt;/i&gt; und der Erzählung &lt;i&gt;„Unterm Rad“&lt;/i&gt;. Einen ausgeprägten rebellischen Charakter, ein Aufbegehren der zartfühlenden, träumenden Persönlichkeit gegen schulische Disziplin und gesellschaftliche Normen, was später Gegenstand der Erzählung &lt;i&gt;„Unterm Rad“&lt;/i&gt; wurde, zeigte Hermann Hesse in seiner maulbronner Schulzeit allerdings noch nicht. Das Lernen machte ihm Spaß und besonderes Vergnügen bereitete ihm das Lesen der antiken griechischen und römischen Literatur. Aus den Briefen an seine Eltern spricht Abneigung aber auch Achtung gegenüber seinen Lehren und im Umgang mit seinen Mitschülern fühlte er sich wohl. Völlig überraschend kam es deshalb für Eltern, Freunde und Lehrer, als der 14-jährige 1892 der maulbronner Schule entfloh. Ziellos trieb der von seelischen Krisen und Depressionen geplagte Puppertierende drei Jahre umher; nirgendwo fand er Ruhe, nirgendwo Halt, nirgendwo einen Weg, den zu beschreiten dem zukünftigen Künstler sinnvoll erschien. Bei einem Freund der Eltern, dem Theologen Christoph Blumhardt, suchte er vergeblich Heilung; er versuchte seine seelischen Leiden durch Selbstmord zu beenden; nach einem Jahr brach er einen erneuten Besuch des Gymnasiums, diesmal in Cannstatt, ab und auch eine Ausbildung beim Turmuhrmacher Heinrich Perrot in Calw konnte der ruhelosen Seele keinen Halt geben. Erst 1895 trat Heilung ein, kehrte Ruhe und Regelmäßigkeit in das Leben des getrieben Hermann Hesses zurück. Er begann in Tübingen eine Lehre als Sortimentsgehilfe einer Buchhandlung. Der frühe Abbruch der Schule hatte dem jungen Mann den Weg zum Studium an einer Universität unmöglich gemacht. Während viele seiner Altersgenossen die Vorlesungsräume der tübinger Universität füllten, sich in Cafés und Gasthäusern zu geistreichen Gesprächen trafen und dem Studentenleben frönten, arbeitete Hermann Hesse tagsüber in der Buchhandlung „Heckenhauer“. In den Abendstunden, der wenigen Freizeit, die ihm zur Verfügung stand, holte der junge Mann nach, was ihm in den Jahren der Krisen- und Depressionszeit verloren gegangen war. Mehr noch: Er holte nicht nur seinen Bildungsrückstand auf, sondern legte in seinen abendlichen privaten Studien den geistigen Grundstein für sein Lebenswerk, das ihn zukünftig weit über seine Altersgenossen hinaus ragen lassen sollte. Hermann Hesse las und studierte Poesie, Literatur, Philosophie, Geschichte, Naturwissenschaften und eignete sich einen weitreichenden und umfangeichen Wissensschatz an, aus dem er Zeit seines Lebens zu schöpfen vermochte. Besonders Goethe faszinierte den jungen Mann, aber auch die Romantik, Mörike oder Novalis, interessierte ihn genauso wie die klassische antike Literatur oder die altorientalische und fernöstliche Mythenwelt. Für einen 18 bis 21-jährigen jungen Mann war das Leben, das Hermann Hesse in Tübingen führte, einsam und zurückgezogen, fast eigenprödlerisch – aber es war ein ergiebiges Leben. Hermann Hesse studierte nicht nur, er versuchte sich auch selbst im Schreiben von Gedichten und  Prosa, verfasste kleinere literarische Aufsätze und Rezensionen. 1898 veröffentlichte er seinen ersten eigenen Gedichtband mit dem Titel „&lt;i&gt;Romantische Lieder“&lt;/i&gt; und 1899 erschien das Buch „&lt;i&gt;Eine Stunde hinter Mitternacht“, &lt;/i&gt;eine Sammlung kurzer Prosastücke. Ganz ohne Kontakte zu Gleichaltrigen und v. a. Gleichgesinnten verbrachte Hermann Hesse seine tübinger Lehr- und Studienjahre allerdings nicht. In Otto Erich Faber, Ludwig Finckh, Carlo Hammelehle und Oskar Rupp fand er Freunde und mit ihnen schloss er sich zum literarischen Freundeskreis „petit cénacle“ zusammen. Nach Beendigung seiner Lehre zog Hermann Hesse 1899 erneut nach Basel, arbeitete als Sortimentsgehilfe in der Buchhandlung „Reich“ und später im Antiquariat „Wattenwyl“.  In Basel entwickelte sich der Buchhändlerlehrling Hermann Hesse, der in seiner Freizeit eifrig las, studierte und gelegentlich eigene Gedichte, Prosastücke oder literarische Aufsätze verfasste, vollends zum Schriftsteller.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Bereits ab 1900 erschienen regelmäßig von Hermann Hesse verfasste Buchbesprechungen in deutschen und schweizerischen Zeitungen. Auch wenn Hermann Hesse in erster Linie und zu Recht als Autor von &lt;i&gt;„Das Glasperlenspiels“&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;„Der Steppenwolf“&lt;/i&gt; Berühmtheit erlangte, steht seine Kritikertätigkeit seinem literarischen Schaffen quantitativ in nichts nach. Nahezu dreitausend Buchbesprechungen hat Hermann Hesse bis wenige Monate vor seinem Tod geschrieben. Freilich wird der noch Angestellte einer Basler Buchhandlung zunächst für den gelegentlichen und nebenberuflichen Broterwerb geschrieben haben. Grundzüge seiner Kritikertätigkeit lassen sich jedoch von seinen ersten Veröffentlichungen an feststellen und nach und nach bildete sich der Schriftsteller Hermann Hesse sein eigenes Weltbild, seine eigene Vorstellung von der Rolle und den Aufgaben des Schriftstellers und Kritikers in der Gesellschaft. Hermann Hesse wollte mit seiner Arbeit in erster Linie erziehen, den Menschen erzählen vom völkerverbindenden, Toleranz lehrenden Charakter der Kunst aller Menschen und aller Epochen. In einer Rezension aus dem Jahre 1915 schrieb er: &lt;i&gt;„Die Seele des Menschen in ihrer Heiligkeit, in ihrer Fähigkeit zu lieben, in ihrer Kraft zu leiden, in ihrer Sehnsucht nach Erlösung, die blickt uns aus jedem Gedanken, aus jeder Tat der Liebe an, bei Plato und bei Tolstoi, bei Buddha und bei Augustinus, bei Goethe und in Tausendundeiner Nacht. Daraus soll niemand schließen, Christentum und Taoismus, platonische Philosophie und Buddhismus seien nun zu vereinigen, oder es würde aus einem Zusammengießen aller durch Zeiten, Rassen, Klima, Geschichte getrennten Gedankenwelt sich eine Idealphilosophie ergeben. Der Christ sei Christ, der Chinese sei Chinese, und jeder wehre sich für seine Art zu sein und zu denken. Die Erkenntnis, dass wir alle nur getrennte Teile des ewig Einen sind, sie mach nicht einen Weg, nicht einen Umweg, nicht ein einziges Tun und Leiden auf der Welt entbehrlich. Die Erkenntnis meiner Determiniertheit macht mich ja auch nicht frei! Wohl aber macht sie mich bescheiden, macht mich duldsam, macht mich gütig; denn sie nötigt mich, die Determiniertheit jedes anderen Wesens zu ahnen, zu achten und gelten zu lassen. Ebenso dient die Erkenntnis von der über alle Erdteile weg geltenden gleichen Heiligkeit und gleichen Bestimmung der Menschenseele einem Geist, den wir für edler und weiter ansehen müssen als jedes Eingeschworensein auf eine Lehre, einem Geist der Ehrfurcht und der Liebe.“&lt;/i&gt; So wurde aus dem Rezensieren zum Broterwerb mit den Jahren ein Rezensieren als Mittel der Erziehung der Menschen. Diese Zielstellung bestimmte den besonderen Charakter seiner Buchbesprechungen und macht sie bis heute zu einer reichhaltigen Fundgrube für alle Kultur- und Kunstliebhaber und zu einem Zeugnis tiefen humanistischen Denkens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;1904 gelang Hermann Hesse schließlich der literarische Durchbruch mit dem Roman „&lt;i&gt;Peter Camenzind“. &lt;/i&gt;Das Buch erzählt im Grunde nicht mehr als die Lebensgeschichte des Schriftstellers Peter Camenzind, der aus seinem heimatlichen Dorf auszieht, um die Welt kennen zu lernen, Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Italien bereist, in Intellektuellen- und Künstlerkreisen verkehrt, Nächte in Kneipen und Gasthäusern durchzecht, Freunde gewinnt, Liebe und Enttäuschungen erlebt und der am Ende zurückkehrt in die beschauliche, geordnete Idylle seiner ländlichen Heimat. Und doch klingen bereits in &lt;i&gt;„Peter Camenzind“&lt;/i&gt; die Themen an, die immer wieder Gegenstand der Bücher Hermann Hesses sind. Peter Camenzind ist ein träumender Idealist, der dem Guten und Edlen entgegenstrebt und der doch nicht unberührt bleibt von der Unvollkommenheit der Welt, in der er lebt, der sich im Leben gleichermaßen bewährt und schuldig macht. Das Gegeneinander von vollkommenem Ideal und einer fehlerhaften Wirklichkeit klingt in &lt;i&gt;„Peter Camenzind“&lt;/i&gt; bereits an, wird jedoch aufgelöst durch die Anerkennung eines Lebens, das sowohl Gutes als auch Schlechtes beinhaltete. Zuerst muss Peter Camenzind zu Hendrik Haller werden und als Steppenwolf die Widersprüchlichkeit seiner eigenen Existenz unter Höllenqualen bis zur Unerträglichkeit durchleiden, bevor Hermann Hesse mit &lt;i&gt;„Das Glasperlenspiel“&lt;/i&gt; der unvollendeten Wirklichkeit eine absolute Utopie entgegenstellen wird.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1705493713224133726?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1705493713224133726/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/kurze-biografie-einer-seele-gedanken.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1705493713224133726'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1705493713224133726'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/kurze-biografie-einer-seele-gedanken.html' title='Kurze Biografie einer Seele - Gedanken über Hermann Hesse (Teil 1/3)'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy81cgzdUsI/AAAAAAAAADY/tpIdwiMbvao/s72-c/Hesse+1.png' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-3724729382690657324</id><published>2009-12-21T00:39:00.000-08:00</published><updated>2009-12-22T03:20:15.180-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hermann Hesse'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Biographie'/><title type='text'>Kurze Biografie einer Seele - Gedanken über Hermann Hesse (Teil 2/3)</title><content type='html'>&lt;div align="JUSTIFY"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy82w8E7rSI/AAAAAAAAADg/yyAgqRSIQtE/s1600-h/Hesse+2.png" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" src="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy82w8E7rSI/AAAAAAAAADg/yyAgqRSIQtE/s320/Hesse+2.png" /&gt;&lt;/a&gt;„&lt;i&gt;Peter Camenzind“ &lt;/i&gt;fand Leser und Absatz und Hermann Hesse einen Namen als Schriftsteller. Die neuen finanziellen Einkünfte gestatteten es ihm, seinen bisherigen Beruf im Buchhandel aufzugeben. Auf einer Italienreise lernte er noch im gleichen Jahr die aus einem alten italienischen Adelsgeschlecht stammende Maria Bernoulli kennen. Beide, der junge Schriftsteller und die ältere, ruhige und besonnen Frau, verliebten sich, heirateten und zogen gemeinsam in den kleinen Ort Gaienhofen am Bodensee. Hermann Hesse lebte bis 1912 mit seiner Frau in Gaienhofen. In dieser Zeit wurden den beiden drei Söhne geboren, 1905 Bruno, 1906 Heiner und 1911 Martin. Die Gaienhofener Jahre waren ausgefüllte und bewegte Jahre für Hermann Hesse. Er hielt Kontakt zu zahlreichen Schriftstellern – Ludwig Finckh und Stefan Zweig besuchten ihn –, Musikern oder Malern, unternahm Reisen nach Oberitalien und besuchte für Vorträge und Vorlesungen oder zu redaktionellen Arbeiten mehrere europäische Städte. Den Höhepunkt seiner Reiseziele in jenen Jahren bildete wohl Indien, das er im Jahre 1911 besuchte. Das Arbeitspensum, das Hermann Hesse zu absolvieren hatte, war umfangreich. Weiterhin schrieb er literarische und literaturkritische Beiträge oder Buchbesprechungen und er bemühte sich engagiert um die Neuherausgabe von Büchern von bis dahin relativ unbekannten Autoren, wie Eduard Mörike, Jean Paul, Christian Wagner oder Joseph von Eichendorf. Ungeachtet seiner familiären Verantwortungen und redaktionellen Tätigkeiten fand er auch am Bodensee Zeit zum Schreiben. 1907 erschien der Erzählungsband „&lt;i&gt;Diesseits“, &lt;/i&gt;1908 „&lt;i&gt;Nachbarn“ &lt;/i&gt;und 1912 „&lt;i&gt;Umwege“. &lt;/i&gt; &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;div align="JUSTIFY"&gt;Die umfangreichste und unter jungen Lesern wohl bekannteste Arbeit, die 1906 am Bodensee entstand, ist der Roman „&lt;i&gt;Unterm Rad“, &lt;/i&gt;die Lebens- und Leidensgeschichte von Hans Giebenrath, dem zarten, empfindsamen, verträumten Jungen mit künstlerischer Begabung. Er gerät von Eltern und der öffentlichen Meinung seines Heimatdorfes getrieben und den Hoffnungen, die man in ihn setzt, getragen in den disziplinierenden und strengen Alltag der maulbronner Klosterschule. Doch die fühlende und leidende Seele des Kindes vermag die Anforderungen, die man an sie stellt, nicht zu erfüllen, sucht Freundschaft und Liebe. Der Beginn einer Handwerkerlehre erlöst ihn schließlich kurzzeitig von seinen Leiden und lässt ihn durch das zufriedenstellende Gefühl selbst erledigter Arbeit, beim ausgelassenen Spielen und Feiern mit Dorfgemeinschaft und Freunden, beim Kosten der frühen Knospen einer sich entwickelnden Liebe für kurze Zeit das Erleben eines möglichen Glückes erahnen. Aber das zarte Kind hält den körperlichen Strapazen und moralischen Verwerfungen seiner neuen Umwelt nicht stand und gerät schließlich „unter die Räder“. Hans Giebenrath, der Fühlende, der Individualist fällt den Einflüssen seiner Umwelt zum Opfer – und Hermann Hesse ist sein Anwalt. &lt;i&gt;„Meine Dichtungen“, &lt;/i&gt;schrieb Hermann Hesse 1954 in einem Brief, &lt;i&gt;„sind alle ohne Absicht, ohne Tendenzen entstanden. Wenn ich aber nachträglich nach einem gemeinsamen Sinn in ihnen suche, so finde ich allerdings einen solchen: [sie können] alle als eine Verteidigung (zuweilen auch als Notschrei) der Persönlichkeit, des Individuums gedeutet werden. Der einzelne, einmalige Mensch mit seinen Erbschaften und Möglichkeiten, seinen Gaben und Neigungen ist ein zartes, gebrechliches Ding, er kann wohl einen Anwalt brauchen. […] Es wurde mir tausendfach bestätigt, wie gefährdet, schutzlos und angefeindet der Einzelne, der nicht Gleichgeschaltete in der Welt steht, wie sehr er des Schutzes, der Ermutigung, der Liebe bedarf.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mächte, die dem schutzlosen Einzelnen in der Geschichte oft so gefährlich gegenüber stehen, zogen, während Hermann Hesse in Gaienhofen am Bodensee lebte, bereits langsam aber beständig und drohend heran. Die Konkurrenz der europäischen Staaten um die Verteilung der Welt, der Wettlauf um den Erwerb von Kolonien, Rohstoff- und Absatzgebieten spitze sich zu, internationale Krisen und stetiges Anwachsen der Rüstungsproduktionen kündigten das drohenden Gewitter an und am 1. August 1914 brach der Erste Weltkrieg über Europa herein. Hermann Hesse lebte zu diesem Zeitpunkt mit seiner Frau in der Schweiz, in einem Landhaus in der Nähe von Bern, wohin beide 1912 gezogen waren. Hermann Hesse meldete sich, wie viele, zunächst als Freiwilliger für den Landsturm. Wegen eines Augenleidens wurde er aber für den Kriegsdienst abgelehnt und der Kriegsgefangenenfürsorge in Bern zugeteilt. Wie beim Schreiben von Rezensionen und bei seiner Arbeit als Schriftsteller, machte Hermann Hesse sich diese neue Aufgabe zur Berufung. Sein Hauptanliegen war die Versorgung deutscher Kriegsgefangener mit Literatur und auch hier wirkte der Schriftsteller als Lehrer und Erzieher im Geiste des Humanismus. Er gründete und redigierte das Kriegsgefangenenblatt &lt;i&gt;„Sonntagsbote für deutsche Kriegsgefangene“&lt;/i&gt;; zusammen mit dem Zoologen Professor Richard Woltereck leitete er 1915 bis 1916 die Bücherzentrale für deutsche Kriegsgefangene in Bern und die Redaktion der &lt;i&gt;„Deutschen Interniertenzeitung“. &lt;/i&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berühmt und aufsehenerregend war der Appell, den Hermann Hesse am 3. November 1914, drei Monate nach Beginn des Ersten Weltkrieges, an die Weltöffentlichkeit, v.a. aber an die Intellektuellen, Journalisten, Schriftsteller, Kunst- und Kulturschaffenden Europas richtete. „&lt;i&gt;O Freunde, nicht diese Töne&lt;/i&gt;“, rief er seinen Schriftstellerkollegen mahnend zu. Sein Ruf richtete sich nicht gegen den Krieg, der als unabänderliches Übel immer in der Geschichte vorhanden gewesen sei, nicht an die Soldaten in den Schützengräben, die, wenn das Schießen nun einmal notwendig wäre, treulich ihre Pflicht erfüllen sollten. Aber wenn das Schießen und Töten in der materiellen Welt schon nicht zu vermeiden sei, dann sollten doch wenigstens die geistig arbeitenden Menschen nicht in die kriegsverherrlichenden Gesänge und nationalchauvinistischen, Hass predigenden Rufe einstimmen, sondern den Gedanken bewahren, &lt;i&gt;„dass Liebe höher sei als Hass, Verständnis höher als Zorn, Friede edler als Krieg.“&lt;/i&gt; Es lässt sich ahnen, dass Mut dazu gehörte, solche Gedanken über die Schützengräben hinweg, welche die europäischen Staaten voneinander trennten, zu formulieren und dass sie wenig Zuhörer und Anhänger fanden. Öffentliche Anfeindungen und Vorwürfe waren der Preis, den Hermann Hesse zahlen musste, die Freundschaft zu Romain Rolland war der Lohn, den er für seinen Mut erhielt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem sein Leben mit dem Beginn der Lehre im Buchhandel und den ersten schriftstellerischen Erfolgen relativ geradlinig und ruhig verlaufen war, erlebte die Seele Hermann Hesses 1916, noch während des Kriegs, eine zweite tiefe, persönliche Krise. Bereits in den ersten Berner Vorkriegsjahren kündigte sich an, dass ein herkömmliches Familienleben und ein Leben in der Öffentlichkeit Widersprüche verursachte zur Berufung als Schriftsteller und dem Wunsch nach zurückgezogener, geistiger Arbeit. Im Roman &lt;i&gt;„Rosshalde“ &lt;/i&gt;verarbeitete Hermann Hesse 1913 das Problem einer gescheiterten Künstlerehe und 1915 stellte er in den &lt;i&gt;„Drei Geschichten aus dem Leben Knulps“ &lt;/i&gt;die Frage, in welchem Verhältnis ein scheinbar untätiger Künstler zur praktisch tätigen Welt steht. Eine lebensgefährliche Krankheit des jüngsten Sohnes, der Tod seines Vaters und die psychische Erkrankung seiner Frau brachten 1916 die beginnende Krise gänzlich zum Ausbruch. Hermann Hesse suchte Hilfe in einer Luzerner Privatklinik und lernte dort den Arzt Dr. Josef Bernhard Lang kennen, von dem er sich in mehrere privaten Sitzungen behandeln ließ. Die Gespräche mit Dr. Lang gaben dem von persönlichen Schicksalsschlägen und der Erfahrung des Kriegs geplagten Schriftsteller Ruhe und Heilung – aber vor allem machten sie ihn mit der Psychoanalyse vertraut. „&lt;i&gt;Lerne dich selbst kennen!“, &lt;/i&gt;diesen Satz, der über dem Eingang des Tempels von Delphi gestanden haben soll, könnte man als das Kredo bezeichnen, welches Hermann Hesse aus der überwundenen Krise und den Gesprächen mit Dr. Lang gezogen hat. Hermann Hesse kam zu der Auffassung, dass der Mensch nicht gegen eine ihm vorgegebene Bestimmung handeln könne, sondern diese erkennen und ihr folgen müsse, damit er mit sich selbst und seiner Umwelt im Einklang leben kann. Die Suche nach dem eigenen, durch persönliche Anlagen, Erziehung oder Erfahrungen geprägten Wesen und dessen Anerkennung bestimmten sein Denken fort an und dieses Thema machte er 1919 zum Inhalt seines Romans „&lt;i&gt;Demian“. &lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;Darin&lt;/span&gt;&lt;i&gt; &lt;/i&gt;erzählt Hermann Hesse, ganz ähnlich wie im Roman „&lt;i&gt;Peter Camenzind“, &lt;/i&gt;die Lebensgeschichte des Schriftstellers Emil Sinclair. Nur endet die Geschichte diesmal nicht mit der bloßen Bejahung des eigenen Lebens mit all seinen guten und schlechten Seiten. Am Schluss des Romans erkennt Emil Sinclair mit der Hilfe seines Freundes Demian während einer traumhaften Begegnung mit dessen Mutter seine eigene Bestimmung als Schriftsteller, der er zukünftig zu folgen hat. In &lt;i&gt;„Demian“&lt;/i&gt; treffen beide bereits oben angedeuteten Themen aufeinander: Die Anerkennung und Bejahung der jeweils individuellen Persönlichkeit jedes Menschen und das Gegeneinander von perfektem Ideal und einer unperfekten Wirklichkeit. Auch wenn nicht davon gesprochen werden kann, dass Hermann Hesse einer geschlossenen Philosophie oder Weltanschauung anhing, lassen sich in all seinen Büchern, die völlig getrennt voneinander jeweils unterschiedliche Themen behandeln, charakteristische, philosophische Anschauungen feststellen, die sich im Laufe seines Lebens gefestigt und vertieft haben. Überall offenbart sich ein zu tiefst dialektisches Denken zusammen mit einem stark ausgeprägten philosophischen Idealismus. Fast in all seinen Romanen stellt Hermann Hesse einer sich verändernden, fehlerhaften Welt ein tatsächliches absolutes, unveränderliches Ideal entgegen. Ideal und Welt widersprechen sich zwar, können aber doch nur in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander existieren. Das Ideal muss sich in der Welt verwirklichen, um materielle Gestalt anzunehmen, und die Welt schöpft die Berechtigung ihrer Existenz nur aus der Verwirklichung des Ideals. In „&lt;i&gt;Demian“&lt;/i&gt; begegnet uns diese Dialektik in der Gegenüberstellung vom Schicksal und Leben des Menschen. Sein Schicksal, das von Hermann Hesse durchaus als mystische, gedankliche Kraft, als Idee von der jeweils individuellen Bestimmung des Menschen verstanden wird, muss der Mensch erkennen und ihm in seinem materiellen Leben folgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hermann Hesse selbst wanderte im Jahre 1919 mit seiner Frau in die Abgeschiedenheit und Zurückgezogenheit des kleinen schweizerischen Dorfes Montagnola nahe Lugano im Tessin und bis ans Ende seines Lebens blieb der Ort für mehr als 40 Jahre Wahlheimat des Schriftstellers. Zunächst bewohnte er die Villa Casa Camuzzi. 1931 ließ der Freund Dr. H. C. Bodmer die Villa Casa Hesse für ihn erbauten, schenkte sie ihm und Hermann Hesse bewohnte sie bis zu seinem Tod. Nach der überwundenen Krise erlebte der Genesene im ersten Jahr seines neuen Lebens im Tessin eine reiche Schaffensperiode. Die Erzählung „&lt;i&gt;Klein und Wagner“&lt;/i&gt; entstand und in „&lt;i&gt;Klingsors letzter Sommer“ &lt;/i&gt;schrieb er 1920 über einen alten Mann, der im letzten Jahr seines Lebens die Blütezeit seines Schaffens durchlebt. Aber der Schriftsteller schrieb nicht nur, ab 1920 wandte er sich der Malerei zu. Mit Staffelei und Klappstuhl ausgerüstet durchstreifte er die Wälder und Landschaften seines Wohnortes, lies sich nieder, wo es ihm gefiel, wo er Ruhe und Muße fand, und hielt die Eindrücke der Natur oder die Idylle der kleinen Schweizer Bergdörfer mit Pinsel und Farben fest. So entstanden nicht wenige Bilder aus Hermann Hesses Hand und in den Büchern „&lt;i&gt;Gedichte eines Malers“ &lt;/i&gt;und „&lt;i&gt;Wanderung“ &lt;/i&gt;verband er Lyrik, Prosa und Malerei zu einheitlichen Kunstwerken. Obwohl Hermann Hese in Montagnola sehr zurückgezogen, fast einsam lebte – eine feste persönliche Freundschaft verband ihn in dieser Zeit mit dem Schriftsteller Hugo Ball und dessen Frau –, trat er doch öffentlich in Erscheinung und handelte getreu seiner Anschauung von seiner eigenen gesellschaftlichen Verantwortung als Schriftsteller. 1919-1922 gab er wieder gemeinsam mit dem bewährten Freund der Kriegsjahre, Richard Woltereck, die „Deutsche Monatszeitschrift &lt;i&gt;Vivos voco“ &lt;/i&gt;heraus; eine Zeitung, in der v. a. soziale Fragen der deutschen Nachkriegsgesellschaft behandelt wurden und deren Reinertrag der Kinderfürsorge zufloss. Hermann Hesse veröffentlichte während seiner Redaktionstätigkeit und über das Jahr 1922 hinaus in der Zeitschrift überwiegend Kulturbeiträge. Darüber hinaus unternahm er weiterhin gelegentliche Ausflüge, hielt Vorträge in anderen europäischen Städten oder unternahm Reisen. Zwei seiner Ausflüge verarbeitete er literarisch: Aus mehreren Kuraufenthalten in Baden bei Zürich entstand 1923 die Schrift „&lt;i&gt;Kurgast, Aufzeichnungen von einer Badener Kur“&lt;/i&gt; und die „&lt;i&gt;Nürnberger Reise“ &lt;/i&gt;aus dem Jahre 1927 war ein Resultat einer 1925 unternommenen Vorlesungsreise durch Süddeutschland.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während so die äußeren Ereignisse in Hermann Hesses Leben ihren Lauf nahmen, wuchs und reifte die Seele des Schriftstellers in Montagnola – und tatsächlich macht es den Eindruck, als hätte sich mit dem Umzug in das kleine Schweizer Dorf der Schwerpunkt der Entwicklung seiner Persönlichkeit von außen nach innen verlagert. Kein Wohnorts- und kein Berufswechsel, keine Veränderung in Lebensrhythmus und Tagesablauf folgten mehr, seit Hermann Hesse 1920 Montagnola zu seinem Wohnort gemacht hat. Mehr als 40 Jahre lang blieb der Ort bis zu seinem Tode Wahlheimat Hermann Hesses. Aber in dem kleinen Schweizer Ort Montagnola erlebte seine Seele ihre glücklichsten, besinnlichsten Stunden – und ihre schwersten, erschütternsten Krisen; in Montagnola durchwanderte seine Seele das himmlische Kastalien – und die Hölle des Steppenwolfes; in Montagnola entstanden die bedeutendsten Werke Hermann Hesses, Werke voller geistiger Tiefe und überströmendem weltanschaulichen Gehalt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1922 betrat der Roman „&lt;i&gt;Siddharta“ &lt;/i&gt;die Bühne der Weltliteratur, fast so, als sei eine durch Erziehung und den offenen Umgang des Elternhauses mit fernöstlichem, indischem Denken gesäte Saat, endlich zum Reifen und Erblühen bekommen. Neben „&lt;i&gt;Das&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Glasperlenspiel“ &lt;/i&gt;ist „&lt;i&gt;Siddharta“ &lt;/i&gt;wohl das märchenhafteste, mystischste Buch, das Hermann Hesse geschrieben hat. Anziehend und reizend entführt es den Leser in eine Gedankenwelt, die dem Uneingeweihten fremd und rätselhaft erscheinen muss, und die doch Geheimnis und Wahrheit zu enthalten scheint. Wie in seinen vorangegangenen Romanen erzählt Hermann Hesse in „&lt;i&gt;Siddharta“&lt;/i&gt; die Lebensgeschichte des Sohnes eines indischen Brahmanen. Siddharta verlässt als junger Mann seine Heimat und seinen Vater, um sich auf die Suche nach dem All-Einen, dem allen Erscheinungen und Dingen zugrunde Liegenden, der ewigen Wahrheit des Lebens zu machen. Während seiner lebenslangen Suche erlebt er mehrere Stadien seines Lebens, durchlebt verschiedene Lebensarten- und formen: Bei den Samanen unterwirft sich Siddharta  dem strapazen- und entbehrungsreichen Leben eines Asketen, er schließt sich der Lehre Buddhas an, in Gesellschaft der Kurtisanin Kamala erlernt er die Kunst der Liebe, als Kaufmann gelangt er zu Wohlstand und Luxus, bis er schließlich beim Fährmann Vasudeva allmählich zur Einsicht kommt: &lt;i&gt;„Die Welt […] ist nicht unvollkommen, oder auf einem langen Weg zur Vollkommenheit begriffen, nein, sie ist in jedem Augenblick vollkommen, alle Sünde trägt schon die Gnade in sich, alle kleinen Kinder haben schon den Greis in sich, alle Säuglinge den Tod, alle Sterbenden das ewige Leben.“ &lt;/i&gt;Im Fluss, den der Fährmann täglich zu überqueren hat, findet Siddharta eine Analogie zum Leben und darüber hinaus zur ganzen Welt. So wie der Fluss im ständigen Fließen begriffen ist, sich ununterbrochen verändert und doch immer ein und derselbe Fluss bleibt, so kann auch das Leben nur in seiner Gesamtheit betrachtet und niemals für den Augenblick oder einen begrenzten Lebensabschnitt beurteilt werden. Leben ist keine Entwicklung, sondern ewiger Kreislaus, in dem jeder Zeitpunkt immer als Teil des ganzen angesehen werden muss. Glück und Unglück, Alter und Jugend, Tugend und Sünde verlieren im Augenblick des Erlebten ihre Bedeutung, weil jeder Augenblick für sich nur Teil des ganzen Lebens ist, welches in seinen einzelnen Teilen sowohl das eine wie das andere enthält. Darum trägt jede Sünde schon die Gnade in sich, jedes Kind schon den Greis, jeder Säugling schon den Tod. Was für den Fluss und das Leben gilt, überträgt Siddharta auf die gesamte Welt und ihre Erscheinungen. Der Stein ist heute Stein, verfault morgen zu Erde, aus der übermorgen Pflanzen wachsen. Die Welt befindet sich im Fluss aber nicht in einer Entwicklung, sondern im ewigen Kreislauf. Der Stein ist deshalb nicht heute Stein und morgen Erde oder Pflanze, sondern als Teil des Ganzen ist er Stein, Erde, Pflanze, Mensch, Buddha und alles in einem zu gleich. Die Welt ist also in jedem unvollkommenen Augenblick vollkommen, weil der Augenblick Teil eines vollkommenen Ganzen und das vollkommene Ganze die Gesamtheit aller unvollkommenen Augenblicke ist.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob das Leben eines Menschen schlicht Gutes und Schlechte beinhaltet, wie man &lt;i&gt;„Peter Camenzind“&lt;/i&gt; verstehen kann; ob der Mensch sein in ihm verborgenes Schicksal erkennen und ihm im materiellen Leben folgen muss, wie es in &lt;i&gt;„Demian“&lt;/i&gt; heißt; oder ob Leben die Aneinanderreihung von unvollkommenen Augenblicken zu einem vollkommenen Ganzen ist, wie &lt;i&gt;„Siddharta“&lt;/i&gt; lehrt – immer ist es die Gegenüberstellung von Ideal und Wirklichkeit, Vollkommenheit im Denken und Unvollkommenheit im Sein, was Hermann Hesse zum Inhalt seiner Bücher macht. Wie in&lt;i&gt;„Peter Camenzind“&lt;/i&gt; und in &lt;i&gt;„Demian“&lt;/i&gt; erweist Hermann Hesse sich in &lt;i&gt;„Siddharta“ – &lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;übersieht man einmal, dass die Welt in Siddharta nicht als sich entwickelnde, sondern statische verstanden wird –&lt;/span&gt; als Dialektiker, der die Widersprüchlichkeit der Welt zum Inhalt seines Denkens macht und mit jedem Buch tiefer und weltanschaulicher durchdringt.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-3724729382690657324?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/3724729382690657324/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/kurze-biografie-einer-seele-gedanken_21.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3724729382690657324'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3724729382690657324'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/kurze-biografie-einer-seele-gedanken_21.html' title='Kurze Biografie einer Seele - Gedanken über Hermann Hesse (Teil 2/3)'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy82w8E7rSI/AAAAAAAAADg/yyAgqRSIQtE/s72-c/Hesse+2.png' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-5700310769134077404</id><published>2009-12-21T00:38:00.000-08:00</published><updated>2009-12-21T01:07:37.101-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hermann Hesse'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Biographie'/><title type='text'>Kurze Biografie einer Seele - Gedanken über Hermann Hesse (Teil 3/3)</title><content type='html'>&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy83Prx1SpI/AAAAAAAAADo/Dp6zxe8s1UY/s1600-h/Hesse+3.png" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" src="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy83Prx1SpI/AAAAAAAAADo/Dp6zxe8s1UY/s320/Hesse+3.png" /&gt;&lt;/a&gt;Aber Hermann Hesse war nicht Siddharta und die Einsichten des Siddharta brachten der Seele des Schriftstellers Hermann Hesse nicht die stoische Ruhe und heitere Gelassenheit, jeden Augenblick und jedes Ding auf Erden zu lieben und anzuerkennen als Teil eines vollkommenen Ganzen. Fünf Jahre nach dem Erscheinen von &lt;i&gt;„Siddharta“&lt;/i&gt; feierte Hermann Hesse 1927 im Kreise weniger Schweizer Freunde seinen fünfzigsten Geburtstag. Im gleichen Jahr erfolgte die Scheidung von seiner zweiten Frau, Ruth Wegner; sie hatte den Lebensweg des Schriftstellers seit 1924, seit der Trennung von der geisteskranken Maria Bernoulli begleitet. Die nun gefeierten 50 Jahre waren für Hermann Hesse auch ein Grund, Bilanz zu ziehen über Erreichtes und über Gewolltes. Aber, wenn es etwas gab, was Hermann Hesse zu einem einmaligen alle anderen Kollegen überragenden Schriftsteller machte, dann war es seine tiefe vollkommene Ehrlichkeit den Menschen und sich selbst gegenüber. Deshalb konnte eine Bilanz des eigenen Lebens aus der Feder Hermann Hesses keine Laudatio der eigenen Person, des aus eigener Kraft erreichten beinhalten, konnte sie keine Ruhe und Gelassenheit verbreiten; mit Notwendigkeit musste eine solche Bilanz herab führen in die unbekannten Tiefen der menschlichen Seele, aus deren tiefstem Grund den Schriftsteller nichts anderes anblickte als die grausame, blutrünstige, Schrecken verbreitende Bestie:  „&lt;i&gt;Der&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Steppenwolf“&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Protagonist des Buches ist Harry Haller, ein gebildeter und überaus begabter Mann, der wenige Jahre vor seinem fünfzigsten Geburtstag eine tiefe seelische, geistige Krise durchleidet. Als junger Mann hatte er von Idealen und Glauben getrieben das Leben eines geistig arbeitenden Menschen begonnen, sich eine hohe Bildung angeeignet und war den Gesetzen von Moral und Tugend gefolgt. Sehr bald jedoch geriet er mit seiner moralischen Lebensführung in Widerspruch zu seiner unvollkommen Umwelt; einer Welt, in der geistige Werte nicht nach ihrem ideellen Gehalt, sondern nach ihrer materiellen Verwertbarkeit gewogen werden, in der der äußerer Schein mehr gilt als das tatsächlich Sein, Worte mehr als Taten, in der Moral nur als äußere Hülle dient für eine Wirklichkeit, die in Wahrheit von Laster, Sünde und Übeln bestimmt wird. Harry Haller beginnt sich abzulösen von seiner Umwelt, führt das Leben eines individualistischen Einzelgängers, der mit zynischem Humor die Unvollkommenheit seiner Umwelt kommentiert und sich selbst als den einzigen wahrhaftigen Verfechter wirklicher Tugenden und Ideale betrachtet. Sehr bald aber bringt ihn auch diese Lebenshaltung in Widersprüche, diesmal mit sich selbst. Vor der spießigen Idylle kleinbürgerlicher Wohnungen stellt er wehmütig fest, dass der Weg zurück in die Gemeinschaft der Menschen ihm, dem Einzelgänger, für immer verwehrt bleibt, weil er die Scheinhaftigkeit ihrer Welt und ihrer Werte erkannt und einen Weg beschritten hat, der ihn von seinen Mitmenschen trennt. Von den Menschen unverstanden, ihrer Welt nicht glauben könnend bleibt er dazu verdammt seinen Weg einsam zu beschreiten, bis er entsetzt feststellen muss, dass auch er nicht den richtigen Weg gefunden hat, dass auch sein Charakter Züge aufweist, die seinen Idealen widersprechen und sein Selbstbild in Frage stellen. Während er am Tage als Mensch der Tugend folgt und nach vollkommenen geistigen Werten strebt, überfällt ihn in der Nacht die triebhafte Lust nach sinnlichen Genüssen und als Steppenwolf zieht er durch die dunklen Straße und Gassen, von Gasthaus zu Gasthaus. Er, Harry Haller ist Wolf und Mensch in einer Person, eine gespaltene Persönlichkeit, die sich einerseits zum wahrhaftigen, absoluten Ideal bekennt, sich andererseits ihrer natürlichen, menschlichen Triebe nicht zu entsagen vermag und die sich deshalb unaufhörlich in Frage stellt. Die Begegnung mit Hermine, einer androgynen jungen und verständnisvollen Prostituierten, öffnet dem alternden Mann, der die Blüte seiner Jugend lang überschritten hat, den Weg in die Welt der sinnlichen Lust. Leidenschaftliche Tänze mit Hermine und die sexuelle Vereinigung mit einer ihrer Kolleginnen, führen dem Idealisten melancholisch, fast schmerzlich vor Augen, wie hoch der Preis ist, den er für sein Bekenntnis zum geistigen Ideal bezahlen musste. Beim erneuten Zusammentreffen zwischen Harry Haller und Hermine während eines magischen Theaters am Rande eines Maskenballs endet das Buch mit der traumhaften, skurrilen Begegnung Hallers mit Mozart, der scheinbar in geisteskranker Heiterkeit alles Bestehende in einer sinnlosen Orgie von Gewalt vernichtet und zerschlägt. Weil der Eintritt in die Welt des magischen Theaters mit der Einnahme von Drogen beginnt, wurde der Schluss des &lt;span style="font-style: normal;"&gt;Romans&lt;/span&gt; oft, v. a. von der amerikanischen Hippie- und Flowerpowerbewegung der 70er Jahre, als nihilistische Absage an alle Werte und Ideale gedeutet, als Freifahrtsschein und Begründung für eine ideen- und wertfreie Lebenskultur, die in purer Sinneslust und blindem Drogenkonsum ihre Erfüllung findet. Eine solche Interpretation des Buches &lt;i&gt;„Der Steppenwolfes“&lt;/i&gt; liegt weit entfernt vom tatsächlichen Anliegen Hermann Hesses. Was der Schriftsteller mit dem magischen Theater heraufbeschwört, ist nichts anderes als die Unsterblichkeit des geistigen Genies, dessen Vertreter hier Mozart ist. Hermann Hesse verabschiedet sich in &lt;i&gt;„Der Steppenwolf“&lt;/i&gt; nicht vom Idealismus, er begründet ihn und stellt einer widersprüchlichen, unvollkommenen, lasterhafte und schlechten Wirklichkeit seinen tiefen Glauben an das absolute Ideal entgegen. Die Unsterblichkeit seiner Ideen, die geistige Verbundenheit mit den Genies vergangener und zukünftiger Epochen ist der Lohn, den Harry Haller im Jenseits erhält für den Preis einer gespaltenen, qualvollen Lebensführung, des steten, zermürbenden Kampfes des Menschen um Selbstbehauptung gegen den Wolf, der in ihm schlummert. Harry Haller lebt in dem Widerspruch zwischen dem Wunsch nach einer idealen und moralisch integeren Lebensführung einerseits und der Unmöglichkeit, diesem Ideal als Mensch mit natürlichen Bedürfnissen und als gesellschaftliches Wesen in einer unvollkommenen Wirklichkeit gerecht zu werden. Mit der Idee der Unsterblichkeit, deren Symbol das Genie Mozart ist, löst Hermann Hesse den Widerspruch auf seine klassische idealistische Weise.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Man muss kein Idealist sein und Hermann Hesses Schlussfolgerung nicht folgen, um den wirklichen Kern des Romans &lt;i&gt;„Der Steppenwolf“&lt;/i&gt; anzuerkennen. Die Gesellschaft, in der Harry Haller lebt, ist eine Waren produzierende Gesellschaft, in der alles auf dem Kopf steht und die bis in die kleinste Faser ihrer Existenz zutiefst gespalten ist. Produzierten die Menschen ursprünglich, um die Mittel für ihre Bedürfnisbefriedigung zu gewinnen, kehrt die Warenproduktion dieses Verhältnis auf den Kopf: Produktion primär für den Austausch, nur Sekundär für die Konsumtion. Der ursprüngliche Zweck der Produktion wird ihr Nebenprodukt, das Mittel – der Austausch von Waren – ihr eigentlicher Zweck. Realisieren kann der Warenverkäufer – entweder als Warenproduzent oder Verkäufer seiner Arbeitskraft – den Austausch nur in Konkurrenz zu anderen Warenverkäufern, d.h. individuell. Weil seine Ware, um ausgetauscht zu werden, aber die Bedürfnisse anderer Menschen befriedigen soll, muss seine Arbeit gleichzeitig gesellschaftliche Arbeit sein. Der Mensch einer Waren produzierenden Gesellschaft ist deshalb in sich immer gespalten: Als gesellschaftliches Wesen braucht er die Gesellschaft und seine Mitmenschen, um existieren zu können; als Warenverkäufer steht er in ständiger Konkurrenz zu seinen Mitmenschen. Diese Widersprüchlichkeit drückt sich in der gespaltenen Persönlichkeit Harry Hallers aus. Die Sehnsucht nach menschlicher Gemeinschaft, der Wunsch nach Liebe und Zärtlichkeit, seine natürlichen Bedürfnisse, Triebe und Anlagen stehen in Widerspruch zum Zwang, sich als Individuum in Konkurrenz zu andern Menschen zu behaupten, und werden deshalb als sündhaft, bekämpfenswert, unmoralisch und einer idealen Lebensweise widersprechend wahrgenommen. Die Einsicht des individuellen Idealisten, dennoch nicht entgegen seiner natürlichen Anlagen leben zu können, stürzt die gespaltene Persönlichkeit in tiefe Depressionen.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Nicht anders verhält es dich mit den Werten von Kultur und Bildung. Es ist kein Zufall, dass man sich bei den nächtlichen Streifzügen Harry Hallers, bei seiner sehnsüchtigen Rückschau auf eine geordneter, gutbürgerliche Lebensweise und seiner bitteren Einsicht, dass Werte und Inhalte humanistischen Denkens in der gesellschaftlichen Wirklichkeit unverwirklicht bleiben, erinnert fühlt an – Faust. Alles Studium der verschiedenen Wissenschaften, selbst der Theologie, hatte auch diesen nicht zur Antwort auf die Frage geführt, was die Welt im innersten zusammenhält. Aber Faust befand sich erst am Anfang seiner Reise, Harry Haller befindet sich an ihrem Ende. Der Goethesche Faust war der künstlerische Ausdruck einer bürgerlichen Gesellschaft, die noch im Entstehen begriffen war und danach strebte, die alte mittelalterlich, feudale Ordnung abzulösen und zur wirtschaftlichen und politischen Herrschaft aufzusteigen. Ihr Symbol waren die Schiffe auf einem Gemälde Caspar David Friedrichs, die sogar in der Ruhe der Nacht betriebsam ausliefen, den Hafen verließen, um ihren Geschäften und Handelstätigkeiten nachzugehen. Der ständige Entwicklung neuer Produktionsweisen und Produktionstechniken war und ist Existenzbedingung der bürgerlichen Gesellschaft; die Fortführung der Wissenschaften, die unaufhaltsame Entdeckung der Welt und der Natur war ihr Schlachtruf und ihre stärkste Waffe. Der tätige Mensch stand im Mittelpunkt ihres Denkens, dessen Prototyp kein andere als Faust gewesen ist, der selbst den Bund mit dem Teufel nicht scheute, allen Geheimnissen der Welt auf die Spur zu kommen und der für diesen Frevel schließlich rehabilitiert wurde, weil er unaufhaltsam seinem Ziele entgegen Schritt, dem Augeblicke niemals entgegnend: „Verweile doch, du bist so schön.“ Aber die bürgerliche Gesellschaft erfüllte nicht, was sie versprach: An die Stelle politischer Gleichheit setzte sie die ökonomische Ungerechtigkeit, die massenhafte Verelendung der Arbeiter in den Städten; anstatt Kultur und Bildung zu ehren, unterwarf sie alle menschlichen, humanistischen Ideale und Werte ihrem Diktat der ökonomischen Verwertbarkeit, als Kunst gilt, was verkäuflich, was Nachfrage bewirkt, was massenhaft Zuspruch findet; anstelle des Reiches der Freiheit setzte sie die grausame ökonomische Konkurrenz aller gegen aller, die sich mit dem Ersten Weltkrieg zur industriellen Barbarei steigerte und Menschen millionenfach abschlachtete. So vergaß und verriet sie schließlich ihren Faust, der alleingelassen als Harry Haller die Straßen durchstreifte und seine Ideale vergeblich suchte.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Hermann Hesse rettete und erlöste seinen Harry Haller, indem er ihn schließlich, dem Faust gleich, in das himmlische Reich der Unsterblichkeit erhob – und der Schriftsteller rettete damit seine eigene Seele.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;So sehr „&lt;i&gt;Der&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Steppenwolf“&lt;/i&gt; den Leser hinab führt in die Zerrissenheit der eigenen Seele, so sehr er den gesunden Geist krank zu machen scheint, zu infizieren mit dem Gift Unheil und Unruhe bringender Gedanken – einige Menschen fielen dieser Wirkung zum Opfer. Der Briefwechsel Hermann Hesses kennt Beispiele heftiger Anklagen von Eltern, deren Kinder nach der Lektüre des Romans den Freitod suchten – „&lt;i&gt;Der&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Steppenwolf“ &lt;/i&gt;ist, wenn man die Sorgfalt aufbringt, ihn &lt;i&gt;„wirklich zu lesen und zu verstehen […] nicht die Geschichte eines Unterganges […], sondern die einer Krise und Heilung […]“. &lt;/i&gt;Und tatsächlich erscheint das Buch im Gesamtwerk Hermann Hesses wie eine Zäsur. Alle vorangegangenen Bücher, &lt;i&gt;„Peter Camenzind“&lt;/i&gt;, „&lt;i&gt;Unterm Rad“&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;„Demian“&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;„Siddharta“&lt;/i&gt; näherten sich auf unterschiedliche Weise den großen Themen, die Hermann Hesse Zeit seines Lebens künstlerisch verarbeitete: Die Gegenüberstellung von fehlerhafter Wirklichkeit und vollkommenem Ideal und der Platz der individuellen Persönlichkeit darin. In &lt;i&gt;„Der Steppenwolf“&lt;/i&gt; kulminieren diesen Themenstränge zur völligen Zerrissenheit des einzelnen Menschen und über einen qualvollen Weg der Selbsterkenntnis löst Hermann Hesse den Widerspruch, indem er an die Stelle des Suchens und Fragens Antworten stellte. Hermann Hesse überwand mit „&lt;i&gt;Der&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Steppenwolf“&lt;/i&gt; seine eigene Zerrissenheit und kam zu einer Weltanschauung – und aus den Tiefen seiner Seele leuchtete bereits von Ferne „&lt;i&gt;Das&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Glasperlenspiel“&lt;/i&gt; herauf.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Zuvor ließ Hermann Hesse dem Roman „&lt;i&gt;Der&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Steppenwolf“&lt;/i&gt; aber 1930 „&lt;i&gt;Narziss und Goldmund“&lt;/i&gt; folgen, fast so als wäre es ihm wie seinem Goldmund gegangen, der, nachdem er ein Kunstwerk beendet hatte, &lt;i&gt;„in die nackte leere Werkstatt zurück [kehrte], betrübt über alles das, was in meinem Werk mir nicht gelungen ist und was ihr andern gar nicht sehen könnt.“&lt;/i&gt;  &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Äußerlich handelt die Geschichte von Narziss und Goldmund von der Freundschaft zwischen dem philosophisch, rationell veranlagten Narziss und dem begabten, künstlerisch fühlenden Goldmund. Beide lernen einander als junge Mitglieder der Klosterschule Mariabronn kennen und auf freundschaftliche Weise lieben. Nicht zuletzt auf Betreiben Narziss’, der die tiefe Veranlagung zu sinnlich gefühlvoller Wahrnehmung und Abneigung gegen abstrakt philosophisches Denken seines Freundes früh erkennt, verlässt Goldmund die Klosterschule und begibt sich auf Wanderschaft. Auf seiner Reise lernt er die Liebe kennen, körperliche Lust, Schuld, Krieg, Pest und Tod; er saugt Eindrücke und Gefühle in sich auf. Nach vielen Jahren führt ihn sein Weg zurück in die Klosterschule Mariabronn, zurück in die Begleitung seines Freundes Narziss. Hier nun schließt sich der Kreis des Leben des alternden Goldmund, hier erfüllt sich der Sinn seines ganzen Lebens: Er schafft Kunstwerke. Im zweiten Teil des Buches offenbart sich vielleicht am besten die tiefe Dialektik, die dem Denken Hermann Hesses innewohnte. Die Kunstwerke, die Goldmund in Mariabronn schafft, bestechen durch ihre besondere Lebendigkeit. Sie sind keine hölzernen Figuren, sondern scheinbar lebendige Wesen, in deren Gesichtszügen, Mimiken und Gesten der Betrachter tiefe Gefühle entdeckt, Lieben, Hoffnung, Schmerzen oder Enttäuschungen. Goldmund schöpft bei seiner Arbeit aus seinem reichhaltigen, erfahrungsreichen Leben. Die Gesichtszüge jeder Frau, der er das Herz gebrochen hat, alles Leiden und alles Elend, das ihm auf seinen Wanderungen begegnet ist, verarbeitet er in seinen Figuren und aus dem Schmerz der den gekreuzigten Sohn beweinenden Mutter liest und fühlt der Betrachter das tiefe Leiden des ganzen Menschheitsgeschlechtes einer Epoche. Mittels des handwerklichen Könnens, das er sich in verschiedenen Lehren angeeignet hat, und durch die Verarbeitung des selbst Erlebten schafft Goldmund wirkliche, ewige Kunstwerke. Erst die Erfahrungen seines Lebens, die nackte Berührung mit der wirklichen Welt, die eigene Schuld und Lasterhaftigkeit befähigen Goldmund zu wahrhaftem Künstlertum – aber erst das geschaffene Kunstwerk gibt diesem Leben Sinn und Inhalt, verschafft ihm Legitimation. So bedingen die Berührung mit der unvollkommene Wirklichkeit und das Streben nach wahrhafter, absoluter Kunst einander, sind beide untrennbar im Künstler vereint. Goldmund ist ein Waisenkind, er kennt seine Mutter nicht und wurde von seinem Onkel im Kloster Mariabronn abgegeben. Zeit seines Lebens verfolgt ihn die Erinnerung und der Gedanke an seine Mutter. Immer wieder begegnet sie ihm im Traum und stets sucht er danach, ihr Abbild in einem Kunstwerk zu formen. Erst kurz vor seinem Tod erscheint ihm das Bild seiner Mutter vollständig, er glaubt es zu erkennen, es fassen und formen zu können, bringt aber nicht mehr die körperliche Kraft dazu auf. Das absolute Kunstwerk, die absolute, vollendete Idee der Kunst bleibt unerreichbares Ziel seines Künstlerlebens. Unverkennbar bedient Hermann Hesse sich in &lt;i&gt;„Narziss und Goldmund“&lt;/i&gt; aristotelischer und platonischer Philosophie. &lt;i&gt;„Es ist ein philosophischer Begriff“&lt;/i&gt;, erklärt Narziss dem Freunde, &lt;i&gt;„ich kann es nicht anders ausdrücken. Für uns Schüler des Aristoteles und des heiligen Thomas ist der höchste aller Begriffe: das vollkommene Sein. Das vollkommene Sein ist Gott. Alles andere, was ist, ist nur halb, ist teilweise, es ist werdend, ist gemischt, besteht aus Möglichkeiten. Gott aber ist nicht gemischt, er ist eins, er hat keine Möglichkeiten, sondern ist ganz und gar Wirklichkeit. Wir aber sind vergänglich, wir sind werdend, wir sind Möglichkeiten, es gibt für uns keine Vollkommenheit, kein völliges Sein. Dort aber, wo wir von der Potenz zur Tat, von der Möglichkeit zur Verwirklichung schreiten, haben wir teil am wahren Sein, werden dem Vollkommenen und Göttlichen um einen Grad ähnlicher. Das heißt sich verwirklichen.“&lt;/i&gt; Im Bild der Mutter verkörpert sich für Goldmund das vollkommene Sein, das vollkommene Kunstwerk. Dies zu gestalten vermag der Künstler nicht. Und so besteht sein Leben daraus, ihm nachzueifern, dem vollkommenen Kunstwerk materielle Gestalt zu verleihen. Bedienen kann er sich dabei aber nur der Gegenstände und Erscheinungen der materiellen, unvollkommenen Welt. Der Künstler bildet so das Bindeglied zwischen unvollkommener Wirklichkeit, deren Erscheinungen er sich bedient, und vollkommenem Sein, das zu gestalten er in seinem Kunstwerk versucht. Zum Verständnis der Gedankenwelt Hermann Hesses darf keiner der beiden Gegenpole außer Acht gelassen werden. Hermann Hesse ist zu wahrhaftig und zu ehrlich, um der Welt eine platte, undialektische Moral entgegenzuhalten und doch zu sehr Idealist, um dem Glauben an absolute und vollkommene Ideale abzuschwören. Goldmund ist kein Gutmensch. Er hat sich schuldig gemacht an den Menschen, er ist selbst voller Laster. Das ist notwendig, ihn zum Künstler zu befähigen. Aber erst der Schritt von der Potenz zur Tat, von der Möglichkeit zur Wirklichkeit, zum geschaffenen Kunstwerk gibt seinem Leben Sinn und Inhalt.  &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Die Geschichte der Seele des Schriftstellers erreichte nun den Zeitpunkt ihrer Vollendung, des eigenen Schrittes von der Potenz zur Tat. 1931-1943 arbeitete Hermann Hesse an  &lt;i&gt;„Das Glasperlenspiel“&lt;/i&gt;, seinem umfassendsten und bedeutendsten Werk. Äußerlich beschreibt dieses zweibändige Buch die Lebensgeschichte des „Magister ludi“ Joseph Knecht; seinem Wesen und Inhalt nach ist es der Versuch einer Utopie, die künstlerische Gestaltung einer vollkommenen Gesellschaft, in der Kunst und Wissenschaft zur einer Einheit verschmelzen und aus reinem Selbstzweck betrieben werden, ohne materiellen Gewinn und Absicht. Das fiktive und in ferner Zukunft liegende Kastalien ist der Name für einen geistigen Orden, eine abgeschlossene Gelehrtengemeinschaft. Beziehungen und Verbindungen zur anderen, wirklichen Welt bestehen in der Versorgung des Ordens mit Lebensmitteln und anderen Gütern des Bedarf; ansonsten führen die Mitglieder des Ordens ein abgeschiedenes Leben im Kreise ihrer Gemeinschaft. Aus den weltlichen Schulen wählen sich die Ordensmitglieder besonders begabte und talentierte Schüler und bilden sie aus, damit diese einst selbst Mitglieder der Ordensgemeinschaft werden. Im spielen des Glasperlenspiels drückt sich die Idee aus, die hinter der Ordensgemeinschaft Kastaliens steht: Die völlige Verschmelzung von Kunst und Wissenschaft; Anwendung logischer Gesetze oder mathematischer Algorithmen in Verbindung mit spielerischen Melodien. Hermann Hesse beschreibt das Glasperlenspiel bewusst abstrakt und verschwommen, kaum konkret und fasslich. Das Glasperlenspiel lässt sich letztlich nicht in Worten ausdrücken, weil es eben schon nicht mehr Teil dieser Welt ist. Letztlich ist das Glasperlenspiel die Verkörperung des vollkommenen Seins, Kastalien sein Bindungsglied zur wirklichen, unvollkommenen Welt. Vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus in  Deutschland, nach der Erfahrung des Ersten Weltkrieges und der Krisen der Weimarer Republik schuf Hermann Hesse mit &lt;i&gt;„Das Glasperlenspiel“&lt;/i&gt; die reifste Frucht seines Lebens. Der Schriftsteller Hermann Hesse erreichte damit das, was er seinem selbst geschaffenen Harry Haller in „&lt;i&gt;Der&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Steppenwolf“&lt;/i&gt; versprochen hatte: Die Unsterblichkeit – zumindest in kunsthistorischer Hinsicht.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy83S6A7kOI/AAAAAAAAADw/ufFj-K5oMWk/s1600-h/Hesse+4.png" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" src="http://4.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy83S6A7kOI/AAAAAAAAADw/ufFj-K5oMWk/s320/Hesse+4.png" /&gt;&lt;/a&gt;Nach Beendigung und Veröffentlichung des Romans &lt;i&gt;„Das Glasperlenspiel“&lt;/i&gt; verfasste Hermann Hesse kein umfangreicheres Werk mehr. Während des Nationalsozialismus nutzte er seine besondere Weise des Rezensieren, um auf Bücher aufmerksam zu machen, die dem in Deutschland herrschenden Geist entgegenstanden, Bücher von Juden, Katholiken und Bekennern anderer Glaubensrichtungen. Die Villa Casa Hesse, in der er lebte und arbeitete, war Zufluchtsstätte zahlreicher Exilschriftsteller aus Deutschland, u.a. Bertolt Brechts oder Thomas Manns. Nach 1945 wurde Hermann Hesse mit Ehrentitel und Auszeichnungen dekoriert. Im September 1945 erhielt er den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt, im November 1946 den Nobelpreis für Literatur, 1947 die Ehrendoktorwürde der Universität Bern, 1950 den Wilhelm-Raabe-Preis der Universität Braunschweig, 1955 den Orden „Pour le Mérite“ und den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In der Hauptsache widmete sich Hermann Hesse in den letzten 20 Jahren seines Lebens der Beantwortung von Briefen, die ihm aus allen Teilen der Welt von verschiedenen Menschen zugesandt worden, Menschen, die seine Bücher gelesen hatten und die den Schriftsteller – vielleicht den einzigen Menschen, von dem sie sich wirklich verstanden fühlten – um Rat und Hilfe baten. Getreu seiner Auffassung vom Individuum, vom Wert jeder einzelnen, verwundbaren Seele nahm Hermann Hesse diese Aufgabe sehr ernst und beantwortete die meisten der Briefe persönlich. Die dabei entstandene und 1951 zum ersten Mal veröffentliche Briefsammlung Hermann Hesses stellt neben seinen Werken, Aufsätzen und Rezensionen eine weitere Quelle zum Verständnis der Gedanken- und Ideenwelt Hermann Hesses dar. Am Morgen des 9. August 1962 verstarb Hermann Hesse im Alter von 85 Jahren infolge einer Gehirnblutung im Schlaf. Er litt, ohne es zu wissen, bereits seit mehreren Jahren an Leukämie.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="JUSTIFY" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-5700310769134077404?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/5700310769134077404/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/kurze-biografie-einer-seele-gedanken_1979.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5700310769134077404'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5700310769134077404'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/kurze-biografie-einer-seele-gedanken_1979.html' title='Kurze Biografie einer Seele - Gedanken über Hermann Hesse (Teil 3/3)'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sy83Prx1SpI/AAAAAAAAADo/Dp6zxe8s1UY/s72-c/Hesse+3.png' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-5454211038263119011</id><published>2009-12-10T01:30:00.000-08:00</published><updated>2009-12-21T01:06:55.409-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Linke Narbe</title><content type='html'>Heute früh entwertet der Revolutionär&lt;br /&gt;das Ticket in der Straßenbahn&lt;br /&gt;wie das Parteibuch.&lt;br /&gt;die Uhr schießt die Sekunden los wie ein Revolver.&lt;br /&gt;nicht für die goldenen Taler&lt;br /&gt;auf dem Hemd&lt;br /&gt;wurde er durch die Liebe zur Freiheit verwundet.&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;die Revolution&lt;br /&gt;ist vollbracht!&lt;br /&gt;er hört aber in diesem Wort nur&lt;br /&gt;das Gebrüll der Straßen.&lt;br /&gt;die Straßenbahn verwischt die Spur&lt;br /&gt;durch die Stadt, die mit erschossenem&lt;br /&gt;Laub übersät ist.&lt;br /&gt;ihm scheint,&lt;br /&gt;dass die Welt um ihn herum einem Fahrrad ähnelt -&lt;br /&gt;aus Ketten, Rädern, Lenkräder geschmiedet...&lt;br /&gt;und den gekühlten Lauf&lt;br /&gt;mit den Zähnen zusammengepresst, der Revolutionär&lt;br /&gt;trinkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-5454211038263119011?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/5454211038263119011/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/linke-narbe.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5454211038263119011'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5454211038263119011'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/linke-narbe.html' title='Linke Narbe'/><author><name>Larve</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-3545558735676447381</id><published>2009-12-10T01:26:00.000-08:00</published><updated>2010-04-22T07:13:53.575-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Lyrik'/><title type='text'>Berliner Mauer</title><content type='html'>die Indianer werden mit jeder Nacht&lt;br /&gt;weniger. sie sterben schlechten Wetters und Wodkas wegen aus.&lt;br /&gt;bist du in der Reservation, in Ost-Berlin,&lt;br /&gt;schreibst du in ein angelaufenes Fenster wie in das&lt;div style="text-align: right;"&gt;Notizbuch der Geschichte -&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;ein Baukran steht in einer Drittel Umdrehung zu dir&lt;br /&gt;eine Betonplatte haltend wie die Freiheitsstatue die&lt;br /&gt;Unabhängigkeit. Rothäute erleiden langsam aber&lt;br /&gt;sicher letzte Ehren- und Rechtsminderungen auf Gras und&lt;br /&gt;billiges Bier. es kursieren Gerüchte, dass im Tal erloschener&lt;br /&gt;Wolkenkratzer grünes Gold gefunden wurde, und Cowboys&lt;br /&gt;besiedeln es bald  mit ihren Kühen.&lt;br /&gt;du gehst die Straße entlang wie das ausgetrockene Flussbett,&lt;br /&gt;siehst nicht weiter als deine eigene Stimme reicht - stummlings.&lt;br /&gt;und Blätter fliegen den Bäumen davon wie Schuppen&lt;br /&gt;den toten Fischen. die Zeiger der Zeit auf dem roten&lt;br /&gt;Rathaus erstarren wie Insekten im Bernstein.&lt;br /&gt;es ist zum weinen nahe. es schmerzt. und du nimmst dir das Baseballcap&lt;br /&gt;wie den Skalp vom Kopf ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-family:Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-3545558735676447381?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/3545558735676447381/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/berliner-mauer.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3545558735676447381'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/3545558735676447381'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/12/berliner-mauer.html' title='Berliner Mauer'/><author><name>Larve</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1920152001764646452</id><published>2009-10-27T03:00:00.000-07:00</published><updated>2009-12-21T01:02:30.184-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sprache'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Frankreich'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philippe de Souabe'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Pursismus'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Académie Française'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Frédéric'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hénri'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Youtube'/><title type='text'>Im Sinne der Nationalsprache: Vom Sprachpurismus in Frankreich</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SvlHtfVSbpI/AAAAAAAAADI/UOzUSQlneZ4/s1600-h/Sprachpurismus.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" src="http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SvlHtfVSbpI/AAAAAAAAADI/UOzUSQlneZ4/s200/Sprachpurismus.JPG" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;There’s no better way to fly, wirbt die Lufthansa. Nur nicht in Frankreich.Oder besser: Nur nicht ausschließlich in Frankreich, denn da heißt es im Untertitel: Il n’a pas plus belle façon de s’envoler*. Unter Philologen bezeichnet man solch ein Phänomen als getreue Hässliche, als wortwörtliche, aber ästhetisch anspruchslose Übersetzung.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;Aber vielleicht soll dieser Satz überhaupt nicht als Slogan fungieren und damit gar keinen Anspruch auf Attraktivität besitzen, sondern lediglich den eigentlichen Claim, wie es in der Werbesprache heißt, paraphrasieren. Damit würde die französische Werbung das sichern, was bei deutscher oft nicht ganz vorhanden ist: Nämlich das vollständige Verständnis bei den (potenziellen) Konsumenten. Die Endmark AG in Köln, ein Unternehmen, das Markennamen entwickelt, hat in verschiedenen repräsentativen Umfragen mit jeweils über 10.000 germanophonen Probanten zwischen 14 und 49 Jahren herausgefunden, dass viele englischsprachige Werbeslogans kaum oder gar nicht verstanden werden. So wurde der Youtube-Spruch „Broadcast yourself“ auch schon mal als „Mache deinen Brotkasten selbst“ oder „Taste Tuned“ (Mixery) als „Die Taste ist getuned“ übersetzt. Um solche Missverständnisse auszuschließen wird in Frankreich jeder englischsprachige Werbeslogan, der keine französische Übersetzung mitliefert, mit einer Geldstrafe belegt. Bleibt nur die Frage im Raum, warum die Werbung dort nicht komplett auf den englischen Claim verzichtet. Wäre das etwa contra-global oder sollen auf diese Art und Weise die Franzosen einen kleinen Englischkurs absolvieren?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;Ähnliche Vorschriften gibt es dort auch in anderen Bereichen. So müssen 40% der Lieder in Unterhaltungsmusikprogrammen auf Französisch sein. Auch das fordert, ebenso wie Übersetzung bei Slogans, das französische Sprachschutzgesetz, das 1994 unter dem damaligen Kulturminister Jacques Toubon (oder Jack Allgood, wie er von seinen Gegnern genannt wird) verabschiedet worden ist. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;Die Académie Française bemüht sich seit ihrer Gründung 1635 um die Reinhaltung der französischen Sprache und heutzutage um die Abwehr der Anglizismen. Aber nicht in dem Sinn, wie es durch unsere Gesellschaft für deutsche Sprache oder den Verein der deutschen Sprache geschieht. Nein, die Akademie gibt nicht nur Empfehlungen wie hierzulande, sie normiert auch. In ihrem Dictionnaire de l’Académie française, DEM französischen Wörterbuch, finden kaum Fremdwörter Eingang. Aber immerhin gehören Knödel, Hamburger und Bretzel  in den offiziellen Wortschatz. Zudem geben die 40 Mitglieder der Akademie, die sich selbst pathetisch des Immorteles („die Unsterblichen“) nennen, Empfehlungen für Wortneuschöpfungen zur Bezeichnung jener Gegenstände, für die noch kein französisches Wort existiert, sodass vor allem Anglizismen ungenutzt bleiben sollen. Im Falle von vacanelle, welches le week-end ablösen sollte, glückte der Versuch nicht. Aber es gibt zahlreiche Gegenbeispiele. Sucht man in einem Elektrofachgeschäft nach einem PC oder Hardware, wird man das Bezeichnete als ordinateur und matériel finden. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;Wie weit der Sprachpurismus in Frankreich geht, konnte ich während meines Auslandssemesters dort nahezu tagtäglich erleben. Einigermaßen verwirrt war ich, als ich in einem Seminar zur deutschen Literatur und Sprache des Mittelalters saß und in Verbindung mit dem Thronstreit (das vermutete ich zumindest) Namen wie Frédéric, Hénri und Philippe de Souabe hörte. Natürlich, ich verstand schon, es handelt sich hierbei um parallele Namenformen zu Friedrich, Heinrich und Philipp von Schwaben und ich war ja schließlich in Frankreich. Allerdings besuchte ich keine Veranstaltung der Geschichtswissenschaften, sondern der Germanistik. Und hier wurde teilweise auf Deutsch doziert. Warum also wurde den eifrigen Deutschlernenden die deutsche Geschichte nicht anhand deutscher Namen präsentiert?! Französisch aussprechen können sie sie ja dann immer noch und würden sie freilich auch.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;Und dann ist da noch die Sache mit der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, einem Vertrag aus dem Jahre 1992, der bedrohte Sprachen schützen und fördern soll und dessen Ratifizierung mittlerweile Pflicht ist um in die EU aufgenommen zu werden. In Deutschland gelten neben dem Niederdeutschen und dem (Nieder-, Ober- )Sorbischen auch das Dänische, das (Nord- und Sater-) Friesische und Romanes als die Sprachen, deren Präsenz in den entsprechenden Gebieten in Schule, Medien und Behörden gefördert wird. In Frankreich gibt es zwar zahlreiche Sprachen, von denen einige stark vom Aussterben bedroht sind, wie das Okizitanische und das Franko-Provenzialische, doch das bietet noch lange keinen Grund die bereits unterzeichnete Charta zu ratifizieren. Jacques Chírac soll einmal formuliert haben, dass die Charta die „Einheit des französischen Volkes bedrohen“ würde, da sie „Sonderrechte an organisierte Sprachgemeinschaften verleihen könnte“. Gleichzeitig muss man aber zu Gute halten, dass es auf französischem Territorium auch Schulen gibt, an denen neben Französisch auch auf beispielsweise Bretonisch oder Katalanisch unterrichtet wird. Auch zweisprachige Straßenschilder, wie dies bei uns in der Lausitz üblich ist, wurden in Frankreich schon gesehen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;A better way, finde ich. Ein Land, das derart fanatisch ist, die eigene Sprache - nein, ich verbessere, die eine eigene Sprache, die Nationalsprache, vor äußeren Einflüssen zu schützen, sollte doch vielleicht verstehen, dass auch andere, verwandte Sprache ein kulturelles Gut darstellen und durchaus schützenswert sind.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,'Times New Roman',serif;"&gt;* Es gibt keine bessere Art und Weise zu fliegen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1920152001764646452?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1920152001764646452/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/im-sinne-der-nationalsprache-vom.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1920152001764646452'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1920152001764646452'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/im-sinne-der-nationalsprache-vom.html' title='Im Sinne der Nationalsprache: Vom Sprachpurismus in Frankreich'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SvlHtfVSbpI/AAAAAAAAADI/UOzUSQlneZ4/s72-c/Sprachpurismus.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1639567072756150160</id><published>2009-10-27T02:40:00.000-07:00</published><updated>2009-12-01T04:22:34.649-08:00</updated><title type='text'>Die Windmühlen</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SxUJ0WSQrtI/AAAAAAAAADQ/oTtXe-awPMA/s1600/windmuehlen800.png" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" src="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SxUJ0WSQrtI/AAAAAAAAADQ/oTtXe-awPMA/s640/windmuehlen800.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="right"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="right"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;von Laurenz Andritz&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1639567072756150160?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1639567072756150160/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/die-windmuhle.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1639567072756150160'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1639567072756150160'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/die-windmuhle.html' title='Die Windmühlen'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SxUJ0WSQrtI/AAAAAAAAADQ/oTtXe-awPMA/s72-c/windmuehlen800.png' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-5844467703928578859</id><published>2009-10-27T01:40:00.005-07:00</published><updated>2009-12-10T01:42:40.163-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Künstler'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Glückskeks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Szene'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kunst'/><title type='text'>Wie ist das mit dem Schreiben?</title><content type='html'>&lt;div style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; text-align: justify;"&gt;„Wie ist das mit dem Schreiben?“, fragte sich mich bei flackerndem Teelicht in der verrauchten Kneipe. „Ja, weißt du, das ist wie das Brechen des Glückskekses. Ich packte die Hälften des Kekses zwischen Daumen und Zeigefinger beider, zur Faust geballten, Hände und breche das Ganze entzwei. Irgendetwas Sinnvolles kommt immer dabei heraus.“ &lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;Irritiert schaute sie mir auf die Hände, mit denen ich es ihr bedeutungsvoll vormachte. „Du weißt vorher gar nicht, was du schreiben willst?“ „Nein“, sagte ich, „die Kunst besteht in der Verbindung scheinbarer Widersprüche. Du schreibst den Krimi vom Anfang zum Ende. Man muss sich“, und dabei blickte ich in den Aschenbecher und nickte mit jedem gesprochenem Wort, „man muss sich vom Ende überraschen lassen.“ Etwas unbeholfen ob meiner Worte artikulierte sie Widerstand und sagte, sie habe bei ihrer Dissertation mit dem Schluss angefangen. Man müsse ja wissen, worauf zu, mit welchem Ziel man arbeite. „Verdammt, das ist der Punkt. Ich mache Kunst, du Wissenschaft. Die Kunst wird vom Betrachter gemacht, denn vom Künstler.“ „Aber beide machen sich doch Arbeit mit ihren Werken.“ „Ja, aber weiter. Beide, der Künstler und der Wissenschaftler sind zwar ständig damit beschäftigt, sich ihre Arbeit selber zu schaffen, eine riesige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, aber der Künstler sucht sich seine Arbeit aus, während der Wissenschaftler den Sachzwängen des Empirischen, Logischen und Ökonomischen folgt“, sagte ich. „Aber ich muss doch auch  Widersprüche bei meiner wissenschaftlichen Arbeit auflösen.“ Da konnte ich nur mit dem Kopf schütteln: „Ich lege mir zum Beispiel drei Dinge auf den Schreibtisch und suche dann die Verbindung zwischen ihnen und schreibe darüber einen Text. Zuletzt waren das: Bier, Zigaretten und meine Tastatur.“ Das leuchtete ihr alles nicht ein und wir verabschiedeten uns mit einem festen Händedruck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Frank Ursin&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-5844467703928578859?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/5844467703928578859/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/wie-ist-das-mit-dem-schreiben.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5844467703928578859'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5844467703928578859'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/wie-ist-das-mit-dem-schreiben.html' title='Wie ist das mit dem Schreiben?'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-5028622238791425640</id><published>2009-10-27T01:40:00.004-07:00</published><updated>2010-04-22T07:11:28.774-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Speisewagen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schlafen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Skizze'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Radio'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Zeitung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Zug'/><title type='text'>Eine Skizze im Speisewagen</title><content type='html'>der Zug hat genug Platz für alle,&lt;br /&gt;nicht immer aber immerhin;&lt;br /&gt;einige schlafen, einige lesen Zeitungen,&lt;br /&gt;andere schlendern durch den Zug,&lt;br /&gt;rauchen im Windfang, die die nervös sind - einsaugend&lt;br /&gt;aber die meisten sind ruhig, entspannt;&lt;br /&gt;es scheint, als ob sich der Sommer als Urlaub ankündigt&lt;br /&gt;die Sonne macht Männer unter- und Frauen über der Gürtellinie heiß&lt;br /&gt;abwechselnd riecht es nach Diesel und Honigklee&lt;br /&gt;und nach zerrauftem Duft von getrockneter Brachse auf dem Nachbartisch&lt;br /&gt;alles, was in diesem Zugabteil noch geblieben ist –&lt;br /&gt;ein Schluck Bier im Glas&lt;br /&gt;und heiße Luft aus dem Radioempfänger,&lt;br /&gt;aus dem eine ruhige Frauenstimme Kriegsberichte erstattet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-5028622238791425640?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/5028622238791425640/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/eine-skizze-im-speisewagen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5028622238791425640'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/5028622238791425640'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/eine-skizze-im-speisewagen.html' title='Eine Skizze im Speisewagen'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-8159886825566844702</id><published>2009-10-27T01:40:00.003-07:00</published><updated>2009-12-01T04:24:17.103-08:00</updated><title type='text'>Bastion</title><content type='html'>&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Vollmond.&lt;br /&gt;auf ihm ist das Wasser gefärbt wie gehärteter Stahl.&lt;br /&gt;es fließen Kutter, Boote, gelegentlich Schiffe und Tanker.&lt;br /&gt;über die Bucht: Palmen laufen die Küste hinauf&lt;br /&gt;und magere Sträucher gleiten zu den Wellen hinab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;unterhalb der Bastionsmauern liegt Havanna&lt;br /&gt;wie eine Mulattin in zerrissenem Kleid&lt;br /&gt;flachgelegt von einem schönen Spanier.&lt;br /&gt;die Bastion schläft wie ein Veteran,&lt;br /&gt;der Könige, Kriege, Dichter,&lt;br /&gt;Unabhängigkeit, Diktatoren und Revolutionen überlebte. &lt;br /&gt;sie erinnert sich an Piraten,&lt;br /&gt;an ihre stählernen Schädel und Musketen.&lt;br /&gt;sie würde Rum auf ihr Wohl trinken, auf ihr Gedenken,&lt;br /&gt;sie hat aber keine Kehle.&lt;br /&gt;der Leuchtturm gähnt durch seine Zahnlücken in die Nacht. &lt;br /&gt;die Bastion schlummert.&lt;br /&gt;die Stadt grummelt dumpf wie ein Hund am Bett des Herrchens.&lt;br /&gt;und irgendeine gutherzige Waschfrau trocknet Wäsche&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;auf dem Exerzierplatz&amp;nbsp;&lt;/div&gt;wie Segel an den Masten.&lt;br /&gt;Punkt neun Uhr.&lt;br /&gt;Kanonenschuß.&lt;br /&gt;danach geben die spanischen Soldaten ihre Uniformen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;in der Garderobe ab.&lt;/div&gt;der einäugige Mondschädel sieht die Bastion scheel an,&lt;br /&gt;Havanna mit Fackellicht beleuchtend.&lt;br /&gt;die Stadt schläft nicht bis zwei Uhr Mitternacht.&lt;br /&gt;so ist der Brauch.&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-8159886825566844702?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/8159886825566844702/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/bastion.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8159886825566844702'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8159886825566844702'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/bastion.html' title='Bastion'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1067484257843834154</id><published>2009-10-27T01:40:00.002-07:00</published><updated>2009-12-01T04:33:44.202-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Schule'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Neue'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Punks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Leipziger'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Skins'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kunst'/><title type='text'>Neue Leipziger Schule</title><content type='html'>&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Leipzig ist eine eher provinzielle Stadt&lt;br /&gt;gemessen an der Lebensart ihrer Bewohner, nach Maßstäben&amp;nbsp;&lt;div style="text-align: right;"&gt;Deutschlands.&lt;/div&gt;hiesige Bürger setzen sich Speck für den Winter an&lt;br /&gt;und gehen ziemlich früh zu Bett.&lt;br /&gt;sie haben ihre bürgerlichen Träume,&lt;br /&gt;und besuchen Kirchen zur Weihnachtszeit im Familienkreis.&lt;br /&gt;in Leipzig leben auch Punker und Skins.&lt;br /&gt;sie unterscheiden sich nicht so sehr &lt;br /&gt;in den bürgerlichen Vorstellungen von einander. &lt;br /&gt;manchmal führen sie untereinander Auseinandersetzungen&lt;br /&gt;(angeblich Revolutionen) durch, aber öfter mit den Bullen.&lt;br /&gt;die Bullen nehmen ihnen diese Orgien übel&lt;br /&gt;und versprechen ihre Münder zu Schmand zu schlagen.&lt;br /&gt;hier gibt es noch zwei oder drei Narren in Christo&lt;br /&gt;solche wie Dichter, Maler und Straßenmusikanten&lt;br /&gt;sie kriegen in diesem Leben nichts ab, außer Wodka,&lt;br /&gt;verlieren die Hoffnung aber nicht, schenken bis zum Rand ein &lt;br /&gt;und zitieren Goethe und Kant.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;von Sergej Tenjatnikow&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1067484257843834154?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1067484257843834154/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/neue-leipziger-schule.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1067484257843834154'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1067484257843834154'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/neue-leipziger-schule.html' title='Neue Leipziger Schule'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1164391220391404855</id><published>2009-10-27T01:40:00.001-07:00</published><updated>2010-04-22T07:08:36.337-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Weltschmerz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Punks'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philosophen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Philister'/><title type='text'>Das kleine Wörterbuch Russisch-Deutsch</title><content type='html'>Punks leben, wo die Übrigen ihre Notdurft &lt;br /&gt;in der Kommunikation verrichten (zu deutsch: soziale Kontakte pflegen).&lt;br /&gt;Sie leben in der Nähe von Bahnhöfen, auf den Plätzen, auf den Straßen&lt;br /&gt;und in der Nähe von Geschäften (zu deutsch: im öffentlichen Raum).&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Punks trinken, prügeln und hören laute Musik &lt;br /&gt;(zu deutsch: Verletzung der öffentlichen Ordnung), &lt;br /&gt;die dem müden Philister auf der Straße &lt;br /&gt;(zu deutsch: Steuerzahler) unverständlich erscheint,&lt;br /&gt;und betteln ihn um Kleingeld und Zigaretten an&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;(zu deutsch: Belästigung eines Dritten).&lt;/div&gt;Manchmal denke ich, dass sie nicht alt werden können.&lt;br /&gt;Ihre Gesichter unbestimmten Alters (zu deutsch: Verwahrlosung),&lt;br /&gt;bunte Irokesenschnitte und ewige Hunde mit Philosophenaugen&lt;br /&gt;zwingen, für eine Sekunde zu bremsen &lt;br /&gt;und überzuschwappen (zu deutsch: den Weltschmerz spüren).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und als ich mich heute so bremste&lt;br /&gt;am Bahnhof, auf dem Platz, auf der Straße und in der Nähe eines Ladens&lt;br /&gt;und schon aufschreien, d.h. überschwappen wollte:&lt;br /&gt;"Leute, hört! Hebt die Augen von der Straße!&lt;br /&gt;Was wird passieren, wenn diese Außerirdischen aussterben,&lt;br /&gt;wenn sie sich in stumme kahlköpfige Bäume verwandeln&lt;br /&gt;und ihre Gefährten den dritten Planeten verlassen...?"&lt;br /&gt;Zu mir kam ein Punk mit einem grünen, &lt;br /&gt;vom Schnee niederdrückten Irokesenschnitt &lt;br /&gt;und fragte mich nach einer Zigarette und Feuer.&lt;br /&gt;Und während er versuchte, anzurauchen, dachte ich mir, &lt;br /&gt;dass aus mir die Seele schon seit langem&lt;br /&gt;wie das Gas aus diesem Feuerzeug&lt;br /&gt;ausgegangen war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Sergej Tenjatnikow &lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1164391220391404855?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1164391220391404855/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/das-kleine-worterbuch-russisch-deutsch.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1164391220391404855'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1164391220391404855'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/das-kleine-worterbuch-russisch-deutsch.html' title='Das kleine Wörterbuch Russisch-Deutsch'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-7210976549791629998</id><published>2009-10-27T01:36:00.000-07:00</published><updated>2009-12-21T01:04:08.091-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tolstoi'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Balkan'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Krimkrieg'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sewastopol'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Weltkrieg'/><title type='text'>Lew Nikolajewitsch Tolstoi: Sewastopoler Erzählungen</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SuaxjQTU9bI/AAAAAAAAABw/PndzzatQNRM/s1600-h/Tolstoi.png" onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img alt="" border="0" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5397196422679688626" src="http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SuaxjQTU9bI/AAAAAAAAABw/PndzzatQNRM/s320/Tolstoi.png" style="float: left; height: 216px; margin: 0pt 10px 10px 0pt; width: 265px;" /&gt;&lt;/a&gt;Über der Bucht von Sewastopol wird es Morgen. Die Sonne steigt über dem Hafen auf und beleuchtet mit orangenem Licht die vom Krieg noch verschonten fürstlichen Palais und die Mauern der Hafenfestung. Auf den Schützengräben der russischen und französischen Stellungen rund um den südlichen Stadtrand Sewastopols wehen weiße Fahnen. Der französische Angriff der vergangenen Nacht wurde von den Verteidigern der Stadt zurück geschlagen. Erschöpfung und Ermüdung auf beiden Seiten zwingen die verfeindeten Armeen zu einem vorübergehenden Waffenstillstand. Nur die Verwundeten in den Lazaretten, ihr Ächzen und Stöhnen, die Berge ihrer amputierten Arme und Beine, die Toten, die von den Arbeitern eilig weggetragen werden, die zerstörten Gewehre, Geschütze, Munition, Schutt und Geröll, die überall herum liegen, sind Zeugen der blutigen Ereignisse der vergangenen Nacht. Aus den Schützengräben der russischen und französischen Stellungen klettern die müden Soldaten hervor, um den Morgen über Sewastopol zu erleben. &lt;i&gt;„Hören wir, worüber diese Menschen miteinander sprechen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;Ein kecker Infanterist in rosa Hemd und über die Schultern geworfenem Mantel tritt in Begleitung anderer Soldaten, die sich, die Hände auf dem Rücken, mit fröhlichen, neugierigen Blicken hinter ihm halten, auf einen Franzosen zu und bittet ihn um Feuer für seine Pfeife. Der Franzose facht seine Pfeife an, stochert in ihr herum und schüttet etwas Glut in die Pfeife des Russen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Tabak bong', sagt der Soldat im rosa Hemd, und die Zuschauer lächeln.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Qui, bon tabac, tabac turk', sagt der Franzose.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Et chez vous tabac russe? Bon?'&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Russ bong', sagt der Soldat im rosa Hemd und die Anwesenden schütteln sich vor Lachen. 'Frangs nicht bong, bongschur, mussjöh', sagt der Soldat im rosa Hemd, auf einmal sein ganzes französisches Vokabular hervorsprudelnd, und klopft dem Franzosen lachend auf den Bauch. Auch die Franzosen lachen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Hübsch sind sie nicht, diese ungehobelten Russen.', sagt ein Zuave aus der Menge der Franzosen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Worüber lachen sie denn?', fragt ein anderer Schwarzer mit italienischer Aussprache und kommt auf unseren Soldaten zu.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Kaftan bong', sagt der kecke Soldat, während er sich die bestickten Rockschöße des Zuave ansieht. Und wieder gibt es Gelächter.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;i&gt;'Nicht über die Linien gehen, an eure Plätze, verdammt.', ruft ein französischer Korporal, und die Soldaten gehen mit sichtlichem Widerstreben auseinander.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Es ist Mai in Sewastopol und es herrscht Krieg. Das Osmanische Reich, dessen Stärke und Macht in den vergangenen Jahrhunderten von den europäischen Großmächten gefürchtet wurde, liegt in Agonie. Seine Ausdehnung ist immer noch groß aber die Macht seiner Zentralgewalt ist eingeschränkt, die Provinzen und Kolonien suchen die Unabhängigkeit, ökonomisch und militärisch ist das riesige Land geschwächt. Innerhalb seiner Grenzen liegen die Schätze und Rohstoffe des Orients, die Häfen des Schwarzen Meeres und der Zugang nach Asien. Nach ihrem Besitz trachten die europäischen Staaten und stoßen dabei beständig in Konkurrenz aufeinander. Um seine Einfluss im Orient zu vertiefen und das Territorium des russischen Reiches auszudehnen, verlangt Zar Nikolaus I. im Februar 1853 vom osmanischen Sultan, er solle alle Untertanen, die dem orthodoxen Glauben angehören, russischer Schutzherrschaft unterstellen. Nachdem der Sultan sich weigert, dieser Forderung nachzukommen, überschreiten russische Truppen den Pruth und besetzen im Juli 1853 die Balkanregionen Moldau und Walachei. Von der russischen Expansion fühlen sich die europäischen Staaten, allen voran Frankreich und Großbritannien, bedroht und in ihren eigenen Expansionswünschen eingeschränkt. Auch sie trachten auf unterschiedliche Weise nach den Schätzen des Orient. Die militärische Schwäche des Osmanischen Reiches veranlasst sie zum Einschreiten in den russisch-türkischen Konflikt und im März 1854 erklären Frankreich und Großbritannien Russland den Krieg. Dieser Krieg dauert an bis 1856 und wird in der Geschichte nach dem Ort benannt, an welchem die meisten Kämpfe stattfinden: Der Krimkrieg 1853 – 1856.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Auf dem südwestlichen Zipfel der Halbinsel Krim befindet sich die Hafenstadt Sewastopol. Ihre nördlichen Hafenanlagen sind durch Festungsanlagen geschützt vor Angriffen zur See, die südliche Flanke weitgehend ungeschützt vor Angriffen vom Land. Die russische Flotte ist Schwach, ihre Segelschiffe den dampfbetriebenen Kriegsschiffen der britischen und französischen Flotte weit unterlegen. Im September 1854 gelingt der französisch-britisch-türkischen Armee die Landung auf der Krim. Die russischen Admirale W. A. Kornilow und P. S. Nachimow lassen einen Teil der russischen Schwarzmeerflotte in der sewastopoler Bucht versenken, um der feindlichen Flotte den Zugang zum Hafen zu versperren. Die Matrosen werden zur Verteidigung der Stadt hinzugezogen, Schützengräben und Befestigungsanlagen im Süden eilig ausgehoben und die Stadt auf die Belagerung vorbereitet. 349 Tage dauert die Belagerung Sewastopols. Die Eroberung der Stadt im September 1855 entscheidet den Krimkrieg zugunsten der antirussischen Koalition. Der Frieden von Paris am 30. März 1856 beendet den Krimkrieg. Russland erhält die von der Koalition eroberten Städte zurück, muss aber gleichzeitig seine türkischen Eroberungen zurückgeben. Moldau und die Walachei werden zum Protektorat der europäischen Großmächte unter formalem Verbleib im Osmanischen Reich. Der Einfluss Russlands und des Osmanischen Reiches auf das schwarze Meer wird erheblich eingeschränkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Der Krimkrieg ist ein Krieg, der im Scheidepunkt zwischen der alten Kriegsführung des europäischen Absolutismus und dem modernen Krieg des heraufbrechenden 20. Jahrhundert steht. Er ist noch ein Krieg, der von kurzfristigen Eroberungen und Stellungswechseln der Armeen bestimmt wird; er ist noch ein Kabinettskrieg, der hinter verschlossenen Türen in den Regierungskabinetten der europäischen Staaten beschlossen und geplant und der lokal begrenzt geführt wird. Aber in seiner Kriegsführung zeigen sich bereits die Auswirkungen der modernen Industrie. In den mächtigen Kanonen, in der Schnelligkeit der Gewehre, in der Belagerung Sewastopols, dem Leben der Soldaten in den Schützengräben und im massenhaften Verbrauch von Material und Menschenleben schimmert bereits ein Teil von dem hervor, das die Schrecken von der Marne und von Verdun hervor bringen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="margin-bottom: 0cm;"&gt;Inmitten der Belegarung Sewastopols befindet sich im April 1855 auch der junge russische Schriftsteller Graf Lew Nikolajewitsch Tostoi. Bereits vor und während seiner freiwilligen Dienstzeit in der russischen Kaukasus- und später Donauarmee versucht Tolstoi sich im Schreiben, verarbeitet die Erlebnisse seiner Kindheit und im Kaukasus auf literarische Weise. In den Jahren 1855 und 1856 erscheinen in der literarischen Zeitschrift „Sowremnik“ die drei Erzählungen &lt;i&gt;„Sewastopol im Dezember“&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;„Sewastopol im Mai“&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;„Sewastopol im August 1855“&lt;/i&gt;, die zusammen die Sewastopoler Erzählungen ergeben. Bereits seine Zeitgenossen überrascht und beeindruckt Tolstoi durch seine ungeschminkte, realistische Schreibweise. Zwar drücken sich in den Sewastopoler Erzählungen die Liebe zur seiner russischen Heimat aus und die persönliche Hochachtung vor den Verteidigern Sewastopols, nicht so sehr vor dem adligen Offizierskorb, sondern viel mehr vor dem stillen Heldentum der einfachen Soldaten. Aber seine Schreibweise ist frei von Pathos, überzogenem Patriotismus und moralisierender Betrachtung; frei von Wertungen und Vorurteilen beschreibt Tolstoi in den Sewastopoler Erzählungen Ereignisse der Belagerung der Stadt; und er erzählt, wie sich Menschen im Krieg verhalten. Die erste Erzählung &lt;i&gt;„Sewastopol im Dezember“&lt;/i&gt; ist noch im Stil einer Reportage verfasst, in der Tolstoi den Leser auf wenigen Seiten durch die wichtigsten Orte der Stadt führt und von deren Eigentümlichkeiten und Besonderheiten berichtet. In den Erzählungen &lt;i&gt;„Sewastopol im Mai“&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;„Sewastopol im August 1855“ &lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;tritt aber bereits die Meisterschaft des Schriftstellers Tolstoi hervor, Menschen mit ihrem Erscheinungsbild, ihrem Auftreten, ihrer Sprache und ihrem Charakter sprachlich zu zeichnen. Tolstoi dringt in die feinsten Nuancen des Charakters seiner Protakonisten – Adlige, Offiziere, einfache Soldaten – ein, beschreibt ihr Handeln und offenbart dem Leser ihre stille Furcht vor dem Tod, ihre Liebe zur Heimat, ihre Träume vom Ruhm, ihre weltfremde Naivität, ihre ergriffene Anteilnahme oder ihre teilnahmslose Geduld. Man findet in den Sewastopoler Erzählungen keine Helden und der Schriftsteller stellt selbst die Frage: „&lt;/span&gt;&lt;i&gt;Wo ist in meiner Erzählung das Böse dargestellt, das abschreckend wirken soll? Wo das Gute, das zur Nacheiferung anspornen könnte? Wer ist in ihr der Bösewicht, wer der Held? Alle sind gut, und alle sind schlecht. […] Der Held meiner Erzählungen, den ich mit allen Fibern meiner Seele liebe, den ich in seiner ganzen Schönheit nachzubilden trachte und der immer schön war, schön ist und schön bleiben wird, das ist – die Wahrheit.“&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-style: normal; margin-bottom: 0cm;"&gt;Die Sewastopoler Erzählungen beschreiben anschaulich und nachvollziehbar Geschichte, sind ein frühes Zeugnis der literarischen Meisterschaft Lew Nikolajetisch Tolstois und regen, ohne zu belehren, zum nachdenken an über den Platz des einzelnen Menschen in der Geschichte und über Sinn und Unsinn von Kriegen.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-style: normal; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="font-style: normal; margin-bottom: 0cm; text-align: right;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-7210976549791629998?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/7210976549791629998/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/lew-nikolajewitsch-tolstoi-sewastopoler.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7210976549791629998'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7210976549791629998'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/lew-nikolajewitsch-tolstoi-sewastopoler.html' title='Lew Nikolajewitsch Tolstoi: Sewastopoler Erzählungen'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SuaxjQTU9bI/AAAAAAAAABw/PndzzatQNRM/s72-c/Tolstoi.png' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-8926054618964639270</id><published>2009-10-27T01:33:00.000-07:00</published><updated>2009-12-10T01:39:47.535-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='USA'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Jazz'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ragtime'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Musik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='E. L. Doctorow'/><title type='text'>E. L. Doctorow: Ragtime</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SuawpE4g0YI/AAAAAAAAABo/mWqCoCKHbEY/s1600-h/Ragtime.png" onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}"&gt;&lt;img alt="" border="0" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5397195423182016898" src="http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SuawpE4g0YI/AAAAAAAAABo/mWqCoCKHbEY/s320/Ragtime.png" style="cursor: pointer; float: left; height: 320px; margin: 0pt 10px 10px 0pt; width: 219px;" /&gt;&lt;/a&gt;Wer sich der Geschichte nähern möchte, kann das auf unterschiedliche Weise tun. Es müssen nicht immer methodisch-wissenschaftliche Darstellungen sein, die uns ein Bild der Vergangenheit vermitteln können; auch eine künstlerische Darstellung vermag, wenn auch nicht die historischen Tatsachen, so doch die Psychologie, Mentalität, Eigentümlichkeit und den Charakter einer Epoche zu beschreiben. Es ist hierbei das Privileg eines Künstlers, dass es ihm erlaubt ist, die Chronologie der Ereignisse zu durchbrechen, historische Tatsache zu verzerren oder tatsächliches Geschehen und Fiktionen miteinander zu vermischen. Was dem Leser auf diese Weise beschrieben werden kann, ist nicht das historisch Tatsächliche, sondern Aspekte des inneren Wesens einer Zeit; Aspekte, die deshalb aber nicht weniger tatsächlich sind.&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;Ein solcher historischer Roman ist auch &lt;i&gt;Ragtime &lt;/i&gt;des US-amerikanischen Schriftstellers Edgar Lawrence Doctorow aus dem Jahre 1975. Das Thema des Buches ist der Zustand der US-amerikanischen Gesellschaft um die Wende zum 20. Jahrhundert, dem Jahrzehnt vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges. In episodenhafter Darstellungsweise verknüpft Doctorow Fiktionen und erfundene Gestalten mit historischen Personen, die er künstlerisch – und damit historisch verzerrt – in Beziehung zueinander setzt. Der Leser erhält Einblicke in die gegensätzlichen Persönlichkeiten  Henry Ford und John Pierpont Morgen, nimmt Teil an den Kämpfen der amerikanischen Arbeiterbewegung, an deren Spitze die Anarchistin Emma Goldmann stand, wird Zeuge des skandalösen Lebens des frühen Sex-Idols Evelyn Nesbit, erlebt das abenteuerliche Handwerk und Leben des Befreiungskünstlers Harry Houdini und begegnet u.a. dem Nordpolforscher Robert E. Peary oder Sigmund Freud, dessen Reise in die USA Doctorow prophetisch mit dem Gedanken enden lässt: &lt;i&gt;„Amerika ist ein gigantischer Irrtum.“ &lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;Eingesponnen sind diese Gestalten in das Leben der erfundenen, anonymen Familie eines Fahnen und patriotischen Schmuck produzierenden Unternehmers, typischer Vertreter des amerikanischen Mittelstandes, d.h. WASPs (weiß, angelsächsisch und protestantisch), und des jüdischen Emigranten Tates mit seiner kleinen Tochter Mame, der als verarmter Arbeiter und Anhänger des Sozialismus sein Leben in den USA beginnt und dem am Ende mit dem Verkauf seiner Kunst der materielle und soziale Aufstieg und damit die Verwirklichung des amerikanischen Aufstiegstraumes vom Tellerwäscher zum Millionär gelingt.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;Was durch die künstlerische Verknüpfung der verschiedenen tatsächlichen und erfundenen Geschichten, gegensätzlichen Persönlichkeiten und Lebenswelten unter Doctorows Feder entsteht, ist &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Ragtime&lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;. Es der musikalische Vorläufer des US-amerikanischen Jazz, der afroamerikanische Rhythmen und europäische Melodien und Spielweisen in sich vereint; eine Musik, die zerrissen, d.h. in der Takt und Melodie nicht synchron zueinander gespielt werden; eine Musik, die überwiegend von amerikanischen Schwarzen vertont und von der Mehrzahl der weißen Bevölkerung geliebt wurde. Bei der Lektüre des Buches stellt sich die Frage, ob der Eindruck von Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft, die im wörtlichen und musikalischen Sinne im Ragtime steckt, nur durch die verzerrte, künstlerische Sicht des Autors auf den Beginn des amerikanischen 20. Jahrhunderts entsteht oder ob damit das tatsächliche innere Wesen einer Epoche historisch beschrieben wird. Symbolisch stellt Doctorow in der Person des ruhigen und selbstbewussten Ragtimepianisten Coalhouse Walker eine philosophische Frage an einen Abschnitt der amerikanischen Geschichte: Ist ihre äußerliche Harmonie, die wie die Musik Gegensätzliches klangvoll vereint, eine tatsächliche Harmonie oder ist eine unversöhnliche und unvereinbare Zerrissenheit ihr wesentliches Element? Klingt in den afroamerikanischen Wurzeln und Ursprüngen des Ragtime nicht auch eine Welt hervor, die sich mit den Salons, der gehobenen, weißen Mittelschicht, in denen er gespielt wird, nicht vereinbaren lässt? Coalhouse Walter macht trotz seines ruhigen und ausgeglichenen Wesens die Erfahrung, &lt;/span&gt;&lt;i&gt;„dass ein Mann nicht Gerechtigkeit finden kann in einer Gesellschaft, die behauptet gerecht zu sein.“&lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;, und er beschließt, sich auf individuelle und moralisch fragwürdige Weise, die Gerechtigkeit zu verschaffen, die die Gesellschaft ihm versagt. Doch wie weit kann und darf ein Mensch gehen, um Gerechtigkeit zu erhalten, und wann schlägt Gerechtigkeit in ihr Gegenteil um?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="margin-bottom: 0cm; text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;Auch mehr als 30 Jahre, nachdem Doctorow mit seinem Roman der Sprung in die amerikanischen Bestsellerlisten gelang, besitzt &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Ragtime &lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;trotz seines historischen Themas Aktualität. Es lohnt sich, den Gedanken und Fragen Doctorows zu folgen. Sein Buch zeigt nicht nur die Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit einer vergangenen Epoche. Schon die bloße Existenz des Romans beweist interessierten und aufgeschlossenen Menschen, dass Geschichte und Gegenwart der USA sehr verschiedenen Gesichter besitzt, von denen eines Edgar Lawrence Doctorow ist.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;&lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-8926054618964639270?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/8926054618964639270/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/e-l-doctorow-ragtime.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8926054618964639270'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/8926054618964639270'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/e-l-doctorow-ragtime.html' title='E. L. Doctorow: Ragtime'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/SuawpE4g0YI/AAAAAAAAABo/mWqCoCKHbEY/s72-c/Ragtime.png' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-7369133850604090412</id><published>2009-10-27T01:28:00.001-07:00</published><updated>2009-12-10T01:38:36.681-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dialektik der Aufklärung'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='GMX'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Maria'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Horkheimer'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Adorno'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='unwichtige Frage'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Magdalena'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sex'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kapitalismus'/><title type='text'>Maria gegen Magdalena - Gedanken über eine unwichtige Frage</title><content type='html'>&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;Auch wenn man sich der medialen Beschallung zu entziehen versucht, bisweilen kommt man nicht umhin, erfahren zu müssen, was ein Bürger eines kapitalistischen Landes zu wissen und was ihn zu interessieren hat. So informierte der Email-Verwalter GMX die Besucher seiner Webseite kürzlich darüber, dass bei Prominenten und Teenagern ein neuer Trend zur sexuellen Enthaltsamkeit vorherrsche und es Mode würde, als neues „Reinheitsprogramm“ ausschließlich ehelichen Sex zu praktizieren.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;Nun, mit Reinheit hat eine solche Lebenseinstellung wenig zu tun, allenfalls mit langweiligem Puritanismus, mehr noch mit hinterwäldlerischen, antiquierten und verlogenen Moralvorstellungen. Die Monogamie, der sexuelle Verkehr mit einem Geschlechtspartner, ist fortschrittliche Errungenschaft der menschlichen Entwicklung zugleich und widersprüchlich aber auch Produkt der ersten Form der Unterdrückung von Menschen durch Menschen, der Unterdrückung der Frau durch den Mann, entstanden aus der Herausbildung des Privateigentums an den Produktionsmitteln. Sollten diese Produktionsmittel, z.B. Viehherden oder bewirtschaftetes Land, die durch den historischen Zufall oder als Resultat gesellschaftlicher Arbeitsteilung unter Verfügungsgewalt des Mannes standen, bei dessen Tod und bei Vererbung weiterhin im Eigentum seiner Familie verbleiben, musste die Erbfolge nach der männlichen Linie erfolgen und beobachtet werden. Nicht nur der Lateinkenner weiß aber, dass, solange den Menschen Gen- und Vaterschaftstest unbekannt waren, der Satz galt: „Pater semper invictus – Der Vater ist immer unbekannt.“ Und so musste sich denn die Frau ihres Rechtes auf freie Liebe entledigen und dem „Reinheitsprogramm“ der geschlechtlichen Unbeflecktheit unterwerfen, denn ihre Nachkommen durften nur die Nachkommen ihres einzigen Mannes sein. Dass dieses geschlechtliche „Reinheitsprogramm“ selbstverständlich einher ging mit der Zurückdrängung der Frau aus der politischen und öffentlichen Sphäre der Gesellschaft in die verklärte Romantik des Privaten, ist nur ein Teil, der die Doppelbödigkeit der hier angezeigten Moralvorstellungen beweist. Die neue zivilisierte Sittlichkeit schuf sich auch jene Ventile, die gestatteten, den moralisch verklärten Schleier ihrer Borniertheit beständig zu unterwandern. Mit der Monogamie entstand zugleich die süffisant &lt;/span&gt;&lt;span style="color: black; font-size: small;"&gt;„ältestes Gewerbe der Welt“&lt;/span&gt;&lt;span style="color: #ff6600; font-size: small;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;genannte Prostitution. Die Prostitution gestattete es nicht nur, weibliche Sexualität als Arbeitskraft profitbringend zu verwerten, sie schuf gleichzeitig jenen moralischen Zustand der Gesellschaft, der in jeder Biografie einer männlichen historischen Persönlichkeit den gelegentlichen Seitensprung nicht nur nachsichtig verzeiht, sondern als Zeichen besonderer Männlichkeit geradezu sucht und erwartet, während sie ihre Gretchen gleichzeitig für die Geburt jedes unehelichen Kindes erbarmungslos verurteilt. Die abgeschmackte Romantik des mittelalterlichen Minnegesangs sowie die weltfremde Idee der platonischen Liebe zwischen Mann und Frau sind letztlich in ihrem inneren Kern nichts anderes, als der leise Widerstand der Weiblichkeit gegen ihre gesellschaftliche Unterdrückung: Während ihr ehelicher Rittersmann tapfer schöne Prinzessinnen vor bösen Drachen befreit und anschließend freit, darf das keuche Burgfräulein sich doch wenigstens platonisch, d.h. im Geiste, von ihren ritterlichen Verehrern besingen lassen. Dass die puritanische Reinheitsmoral im Kapitalismus, der notwendig Armut erzeugt, gleichzeitig dazu geeignet ist, ein Bewusstsein zu schaffen, dass sexuelle Entsagung und nebenher jede Art körperlicher und seelischer Entsagung aus materieller Not heraus, phantastisch verklärt, zeigt zusätzlich, welcher Art die Moral ist, die dem heutigen Medienkonsument auf solche Weise nahe gelegt werden soll.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;Es wäre allerdings falsch, aus solcherlei Betrachtung die gegenteilige Lebensweise für besonders revolutionär zu halten. Wer seinen Adorno gelesen hat, weiß:&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span style="color: black; font-size: small;"&gt;&lt;i&gt;„&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="color: black; font-size: small;"&gt;&lt;i&gt;Immerwährend betrügt die Kulturindustrie ihre Konsumenten um das, was sie immerwährend verspricht. Der Wechsel auf die Lust, den Handlung und Aufmachung ausstellen, wird endlos prolongiert: hämisch bedeutet das Versprechen, in dem die Schau eigentlich nur besteht, daß es zur Sache nicht kommt, daß der Gast an der Lektüre der Menükarte sein Genügen finden soll. […] Die permanente Versagung, die Zivilisation auferlegt, wird den Erfaßten unmißverständlich in jeder Schaustellung der Kulturindustrie nochmals zugefügt und demonstriert. Ihnen etwas bieten und sie darum bringen ist dasselbe. Das leistet die erotische Betriebsamkeit. Gerade weil er nie passieren darf, dreht sich alles um den Koitus.“&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="color: black; font-size: small;"&gt;  (Adorno/Horkheimer: Die Dialektik der Aufklärung)&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="color: black; font-size: small;"&gt;Die sexuelle Emanzipation der 70er&lt;/span&gt; Jahre brachte nicht die gesellschaftliche Emanzipation mit sich. Sie öffnete die Sexualität, indem sie sie vom scheinheiligen Rest des gesellschaftlichen Bann einer öffentlichen Moral befreite, einem gierigen Markt kapitalistischer Verwertung, in dem das Geschäft mit dem Sex heute lukrativer geworden ist als jede Form des Kulturschaffens. Es mag sich jeder Konsument von Pornografie, käuflicher Sexualität oder jeder Anhänger ungebundener, freier Liebe selbst fragen, ob kurzzeitige und immer währende Befriedigung sexueller Bedürfnisse gleich bedeutend ist mit der Erfüllung des umfassenden seelischen und körperlichen Bedürfnis nach Glück – mit Moral hat diese Frage reichlich wenig zu tun. Nicht nur in der Form abgeschmackter Moralvorstellungen, auch in ihrer entmoralisierten, kommerzialisierten Form kann Sexualität heute in entscheidendem Maße Instrument und Mittel gesellschaftlicher Unterdrückung sein. „Wer ficken will, muss freundlich sein“ und hat – das sollte ergänzt werden – sich ebenso gesellschaftlichen und das heißt gleichzeitig herrschaftlichen Normen anzupassen, &lt;span style="color: black; font-size: small;"&gt;um von seinem potentiellen Geschlechtspartner&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt; nicht nur als freundlich, sondern auch als gesellschaftlich reproduktionswürdig anerkannt zu werden. Und schließlich ist es bekannt, dass im Augenblick des Koitus die wenigsten Menschen eines Gedankens fähig sind, erst Recht keines gesellschaftspolitischen.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt; &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;Dem Fragenden und Suchenden nach einem geeigneten und zufriedenstellenden Umgang mit Sexualität kann hier tatsächlich nur im wörtlichen Sinn die Lessingsche Parabel ans Herz gelegt werden: „Es eifre jeder seiner von Vorurteilen freien Liebe nach“ und es schere sich niemand um vorgegebene gesellschaftliche Moral.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="justify" style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt;Viel wichtiger erscheint angesichts der Lebensweisen und Moralvorstellungen, die man uns solcherart schmackhaft zu machen gedenkt, die Frage, wie die Gesellschaft beschaffen ist, die ihre Konsumenten auf so billige Weise abspeist, und was man gegen sie unternehmen sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt; &lt;i&gt;von Roman Stelzig&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size: small;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-7369133850604090412?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/7369133850604090412/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/maria-gegen-magdalena-gedanken-uber.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7369133850604090412'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/7369133850604090412'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/maria-gegen-magdalena-gedanken-uber.html' title='Maria gegen Magdalena - Gedanken über eine unwichtige Frage'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-2361823292621677098</id><published>2009-10-27T01:23:00.000-07:00</published><updated>2009-12-21T01:05:49.407-08:00</updated><title type='text'>Wo die Titanic wohnt oder Vergiß nicht deinen Wasserhahn, wenn du gehst</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: right;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sua_vCkVYlI/AAAAAAAAACo/fBLIpHiJRyc/s1600-h/Die_titanischen_rosaroten_Seeb%C3%A4ren.jpg" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" src="http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sua_vCkVYlI/AAAAAAAAACo/fBLIpHiJRyc/s320/Die_titanischen_rosaroten_Seeb%C3%A4ren.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif;"&gt;Es war einmal ein Schiff, das hieß Titanic. Es war so groß oder klein, wie es war. Darauf lebten die titanischen rosaroten Seebären. Ihr Hafen war ein kleiner Malmstrom. Woanders konnte das Schiff nicht ankern, denn sein Rumpf war so tief, wie mein halber Zeigefinger lang, mindestens. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-family: Georgia,&amp;quot;Times New Roman&amp;quot;,serif;"&gt;Die titanischen rosaroten Seebären waren ein genügsames Volk. Doch irgendwann war das ewige Herumlungern im Malmstrom auch ihnen langweilig. Da stand der Größte von ihnen auf, das war der Kapitän. Er sagte: „Männer“, sagte er, „es ist an der Zeit, die Welt zu entdecken. So ein Malmstrom ist ja ganz hübsch, aber ich habe auch noch nie den Uniriesen gesehen.“&lt;/span&gt;  &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „ Jawoll“, riefen da die Männer. &lt;/span&gt; &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Jeder nahm noch schnell ein Tictac mit auf den Weg, und los ging's. Die titanischen rosaroten Seebären mußten furchtbar rudern und kämpften sich aus dem Malmstrom hinaus. Denn so ein Malmstrom geht ja bekanntlich nach innen, und man muß schon ein unerschrockener Seebär sein, um da Erfolg zu haben.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Neben dem kleinen Malmstrom lag ein großer Malmstrom. An dem mu&lt;/span&gt;&lt;span style="color: black; font-size: 100%;"&gt;&lt;span style="-moz-background-clip: border; -moz-background-inline-policy: continuous; -moz-background-origin: padding; background: transparent none repeat scroll 0% 0%;"&gt;ß&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;te man rechts vorbei und durch eine kleine grüne Brücke, um ins offene Meer zu gelangen. Diese kleine grüne Brücke stand mitten auf dem Wasser und verband &lt;i&gt;Nirgendwo&lt;/i&gt; mit &lt;i&gt;Da drüben&lt;/i&gt;. Deren fischige Bewohner waren sehr glücklich darüber und konnten sich gar nicht mehr erinnern, wie sie eigentlich von einem Ort zum anderen geschwommen waren, als es die Brücke noch nicht über ihnen gegeben hatte. Die titanischen rosaroten Seebären steuerten geradewegs auf die Brücke zu, als ein kleiner gemeiner Wirbelsturm, der eigentlich gar nicht so gemein war, sondern nur einsam, weil die anderen Wirbelstürme ihn nicht beachteten, und der sich nach Kuscheln sehnte, ihnen einen Streich spielte und sie &lt;i&gt;versehentlich&lt;/i&gt; haarscharf an der Brücke vorbeiblies – geradewegs in den großen Malmstrom hinein. Mit dem war nun wirklich nicht gut Kirschenessen, der hatte noch nie etwas wieder hergegeben, daß sich in seinen Unterröcken verfangen hatte. Und er war ein bißchen groß. Unsere tapferen Seebären brauchten 12 Jahre für die erste Umrundung in der äußeren Strömung. Sie waren gerade vor Langeweile bei der 17. Strophe von &lt;i&gt;17 Mann auf des toten Mannes Kiste&lt;/i&gt; angelangt – die kennst du nicht? Weißt du, die geht wie die 13. So: Mhm mhm mhm mhmmhm mhmmhm mhm mhm... Ja genau die. – Da rief der kleine Jimmy aus dem Ausguck plötzlich: „UGSO steuerboooord!“ UGSO ist titanisch und bedeutet: Unbekanntes gelbes Sitzobjekt. Da schwamm nämlich der gelbe Liegestuhl vom Kapitän, das war der Größte von ihnen, gemächlich an ihnen vorbei.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Ja also, zum Katzenkratzen und Mäusemelken“, schrie der Kapitän. Das war der Größte von ihnen. „Wie kommt der denn hier her? Den hab ich doch vor unserer Reise noch ordentlich zusammengeklappt an unsere Hauswand gelehnt. An genauso eine feine orangene wie die dort...“ &lt;/span&gt; &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Dem Größten von ihnen, das war der Kapitän, blieb das Wort im Halse stecken. Stumm standen die titanischen rosaroten Seebären und sahen ihrem kleinen orangenen Häuschen zu, wie es fröhlich mit den runden Fenstern winkend und zum Gruße mit der schiefen Tür klappernd, an ihnen vorüber zog. Nur das spitze Dach, das sich für seine Unspitzheit immer ein bißchen schämte, drehte sich verwirrt noch einmal nach ihnen um. Im Schornstein saß der kleine Wirbelsturm und schlief seinen Rausch aus. Er lächelte verträumt, denn er hatte soeben einen Malmstrom gehörig vermalmt. Der war zwar nicht größer als eine Sardinenbüchse, aber was machte das schon. Malmstrom ist Malmstrom.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Nachdem er nämlich die Seebären mal eben ganz gemein an der grünen Brücke vorbeigepustet hatte, ist er geradewegs in ihren kleinen Malmstrom geraten. Da hat er furchtbar Angst gehabt, weil er nicht gleich den Weg wieder hinaus fand. Und wie ein kleines trotziges Kind hat er mit dem Fuß ganz Fest auf den Boden gestampft und geschrien: „Ich will hier raus, sofort, &lt;i&gt;sofort&lt;/i&gt;, &lt;b&gt;sofort&lt;/b&gt;!“ Da zitterte der kleine Malmstrom, der es noch nie leiden konnte, wenn sich zweie in ihm stritten. Und das kleine orangene Häuschen geriet ins Wanken. Der kleine Wirbelsturm aber kam jetzt erst richtig in Fahrt. Er nahm ganz viel Anlauf – und das kleine Haus einfach mit. Erst im großen Malmstrom hielt er inne, da war er ganz schön aus der Puste. So setzte er das Häuschen ab und schlief augenblicklich im Schornstein ein. Das alles konnten die titanischen rosaroten Seebären natürlich nicht wissen. Dem Größten von ihnen, dem Kapitän, stand vor Staunen der Mund so weit offen, daß ihm beinahe Hugo der Walfisch hinein geschwommen wäre. Eigentlich hieß er Hüg&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: 100%; text-decoration: none;"&gt;o&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;, denn er war Franzose, und die sprechen alles ganz anders aus als wir, und noch eigentlicher war er gar kein Franzose sondern seine Großmutter väterlicherseits, aber Hügo fand, so eine Besonderheit würde einen schon recht besonders machen und gehöre &lt;i&gt;angestrichen&lt;/i&gt;. Das bedeutet, er erzählte sehr gern und sehr oft davon und auch immer wieder. Überhaupt strich Hügo gern Dinge an. Gerade eben war er dabei, dem Grau an seiner linken Seitenflosse ein hübsches rosa Muster zu verpassen. Dabei hat er natürlich nicht aufgepaßt, wo er hinschwamm und als Jimmy „Achtung, Käptn!“ rief, sind beide, Hügo und der Größte der Seebären, der Kapitän, mächtg erschrocken. Hügo bekam gerade so die Kurve, aber sein Pinsel nicht. Und so bekam der Kapitän, der Größte der titanischen rosaroten Seebären, einen hübschen rosa Bart, nur daß man das leider nicht so sah, weil die rosaroten Seebären ja eh schon recht rosa waren.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Aber er wäre kein unerschrockener Seebär gewesen, wäre er davon erschrocken. Schnell schloss er den Mund wieder und befahl: „Alle Mann an die Ruder! Schnell! Unserem Haus hinterher. In der Speisekammer lagert noch ein Jahresvorrat Sardinen.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Sardinen waren für die titanischen rosaroten Seebären so lecker wie Nudeln mit Tomatensoße für uns. Und sie kannten so allerlei Tricks für eine erfolgreiche Sardinenjagd. Wenn zum Beispiel ein titanischer rosaroter Seebär jemanden Sardinen essen sah, lächelte er ihn ganz freundlich an, zeigte dann urplötzlich erstaunt auf einen Punkt hinter ihm und sagte: „Guck mal! Ein großer, grüner Elefant mit lila Punkten!“ Natürlich drehte der sich dann um und guckte. Wer würde sich nach einem großen, grünen Elefanten mit lila Punkten nicht den Hals verdrehen? In diesem Moment stibitzte der Seebär dem ahnungslosen Sardinenbesitzer im Handumdrehen eben jene unter der Nase weg. Und wenn der sich dann wieder umdrehte und fragte: „Wo? Ich seh keinen.“, sagte der Seebär: „Du, der ist so schnell weggehuscht. Junge, sind die fix!“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Nun, die Sardinen waren den titanischen rosaroten Seebären gerade ausgegangen. Sie waren ja auch schon 12 Jahre unterwegs. Sie ruderten, als ginge es um ihr Leben und holten bald ihr orangenes Häuschen ein. Zum Glück hatten sie in der ersten Etage ein Fenster offen gelassen, so konnten sie hinein klettern und den Sardinenvorrat holen. Außerdem wurden gerettet: Jimmys Teddy Henry, die Hühnereierbecher, die Küchengardine, das Weihnachtsbaumlametta, ein bunter Roller, das Sockenmonster und die alte Apfelstiege, mit der man so gut Buden bauen konnte. Sie wollten gerade noch den grüne Wasserhahn hinaustragen, da gab Jimmy Alarm. So ein Malmstrom wird ja nach innen immer enger. Seit einiger Zeit schon drehte sich die Titanic immer schneller im Kreis und kam dem tosenden Abgrund immer näher. Der Lärm war mittlerweile so groß, daß man nur noch sein eigenes Wort hörte. Das kann man nämlich in seinem eigenen Kopf hören, da braucht man die Ohren nicht. Das kleine orangene Häuschen ächzte und stöhnte. Einiges wurde schief und anderes geriet in Unordnung. Das ein oder andere ging auch verloren und ein paar Dinge einfach kaputt. Nach Jimmys Signal schafften es gerade noch alle rechtzeitig wieder zurück an Bord der Titanic, bevor das Haus mitsamt des grünen Wasserhahns krachend und heulend im Strudel verschwand.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Das Heulen kam übrigens von unserem kleinen Bösewicht, dem Wirbelsturm. Als der nämlich nasse Füße bekam, war er mit einem Mal wieder hellwach, hüpfte aus dem Schornstein und flog davon. Er hatte keine Lust, herauszufinden, was sich wohl im Inneren des großen Malmstroms befand. Das wußte niemand, selbst unsere unerschrockenen titanischen rosaroten Seebären nicht. Denn der Malmstrom gab ja, wie gesagt, nichts von dem, das sich in seinen Unterröcken verfangen hatte, je wieder frei. Der Kapitän, das war der Größte der Seebären, war daher auch ein klein wenig aufgeregt, als sich die Titanic schließlich über den inneren Rand des Malmstroms schob, kurz über dem recht unspektakulär kieselsteinigen Abgrund schwebte und schließlich mit einem immer lauter werdenden Pfiff „pfhüh&lt;i&gt;hhhHHii&lt;/i&gt;&lt;b&gt;iIIIHHH&lt;/b&gt;e!“ hinabsauste, wie ein vom Hafer gestochener Fahrstuhl. Schnell hielt sich jeder Seebär an irgendetwas fest, um nicht umzufallen. Der Jimmy am Johnny, Archibald am Rumfaß, der Koch an seiner Mütze, der Steuerbär am Papagei, Marie an ihrem Glauben und der Größte von ihnen, das war der Käpitän, der schob sich fluchs den Daumen in den Mund. Aber &lt;i&gt;pssst&lt;/i&gt;, das ist streng geheim, weil so etwas machen Kapitäne eigentlich nicht mehr. Es machte laut &lt;b&gt;Plop!&lt;/b&gt;, und dann nichts mehr.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Ruhe.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;So leise, daß man selbst sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Dem war das nämlich unheimlich so allein, und so verstummte es. Und rundherum Dunkelheit. Ich sollte besser sagen: Schwärze. Schwärzer als jede Nacht. Man sah die Hand vor Augen nicht. „Ruhsch blobn, Männesch!“, nuschelte der Größte der Titanen, das war der Kapitän.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Wie bitte, Käptn?“, fragte Jimmy. Der Kapitän, der Größte von ihnen, nahm schnell den Daumen aus dem Mund.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Äh, ruhig bleiben, Männer!“, wiederholte er. Und: „Johnny, wir brauchen Licht.“ „Jawoll, Käptn!“, rief der Johnny und holte fix die Glühwürmchen aus den Betten. Die schliefen nämlich. Es war ja hellichter Tag. Eigentlich. Die Glühwürmchen setzten ihre Regenmützen auf. Sicher ist sicher. Und dann schwärmten sie päarchenweise aus, das bedeutet immer zwei von ihnen hielten sich an der Hand. Sicher ist sicher. Nun konnten die titanischen rosaroten Seebären zumindest einander wieder sehen. Schnell wurde durchgezählt, ob auch niemand fehlte. Es gab einen kurzen Schreck, als das Rumfaß vermißt wurde. „Oohh!“ Dann stellte sich heraus, daß Archibald noch da war. Er hatte sich im allgemeinen Tohuwabohu an den Mast statt ans Rumfaß geklammert. „Aahh!“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Nun wurde die Umgebung beleuchtet. Die Glühwürmchen flogen so weit vom Schiff weg, wie sie sich getrauten. „Steuerbord?“, fragte der Größte von den Seebären, was der Kapitän war. „Schwarz, Käptn“, rief der Koch. „Backbord?“, fragte der Kapitän, der Größte von ihnen. „Äh, nach Ausschluß aller anderen, äh, Farben, äh, wobei es sich hier natürlich nicht um, äh, eine Farbe im eigentlichen Sinne handelt, äh, schwarz, Käptn.“ Das war der Steuerbär. Der sprach immer ein bißchen kompliziert, und manchmal verstand man ihn nicht so ganz, und dann kamen die titanischen rosaroten Seebären oft nicht ganz dort raus, wo sie hingesteuert hatten. „Auch schwarz“, ertönte ein Ruf von vorn vom Bug. „Und achtern?“, fragte der Größte, der Kapitän, nach hinten. „Schwarz“, krächzte der Papagei. Und dann: „Au“. Er hatte sich im Dunkeln die Zehe am Heck gestoßen. Auch unter dem Schiff war es, soweit die Glühwürmchen leuchten konnten, dunkel. Da knatterte es in der Takelage der Schiffes. Ein kleiner, fleißiger Wind blähte die Segel. Und zitternd setzte sich die Titanic in Bewegung.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Mhm“, sprach der Kapitän, der von den Seebären der Größte war.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Und „mhm“, sprachen da die Männer.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;So fuhren sie eine Ewigkeit dahin. Es passierte überhaupt gar nichts. Es war schwarz und wenn die Glühwürmchen schliefen, die sich manchmal ein bißchen abwechselten, war es noch ein wenig schwärzer. Die titanischen rosaroten Seebären sangen alle Lieder, die sie kannten. Und als sie damit fertig waren, begannen sie von vorn. Sie aßen einen Jahresvorrat Sardinen und dachten wehmütig an den grünen Wasserhahn aus ihrem orangenen Häuschen. Denn ohne den gab's keinen heiß geliebten Seetangtee. Für Tee braucht man Trinkwasser. Und für Trinkwasser...na? Richtig. Einen Wasserhahn. (Genaugenommen braucht man unter dem Wasserhahn noch eine Wasserleitung und einen Brunnen, aber das hier ist ein Märchen. Und da nehmen wir das nicht so genau.) Den Seebären begann es gerade so richtig langweilig zu werden, und sie muffelten sich auch schon ein bißchen voll, da spuckte die Schwärze sie plötzlich wieder aus.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;&lt;b&gt;Plop!&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Das Schiff wackelte tüchtig, und alle purzelten durcheinander. Im nächsten Augenblick dümpelte es unter strahlend blauem Himmel gemütlich im Hafen in dem kleinen Malmstrom rum. Möwen kreischten über ihnen, die Wellen schwappten lustig an den Bug, und die Seepferdchen wieherten. Verdutzt blinzelten die tapferen Titanen in die ungewohnte Helligkeit. Die anfängliche Freude verstummte sofort wieder, als sie die unvorstellbare Unordnung überall sahen. Der kleine gemeine Wirbelsturm hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Keine Welle planschte mehr dort, wo sie hingehörte. Die Seebären hatten sie extra nach ihrer Größe und der Höhe ihrer Schaumkronen sortiert, damit nicht aus Versehen eine große über eine kleine rollte. Nun waren sie nicht nur völlig durcheinander geraten, manche machten sogar Handstand auf ihren lustigen Kronen. Das sah schon ein wenig merkwürdig aus. Und nicht nur das. Die Seepferdchen waren auf die Weide der Seekühe gewirbelt wurden, und nun muhten und wieherten alle durcheinander. Es ging zu wie im Hühnerstall. Die Seebären hielten sich die Ohren zu. Und natürlich fehlte ihr orangenes Häuschen und der Liegestuhl vom Kapitän, das war der Größte von ihnen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Mhm“, sprach dieser und „mhm“, sprachen auch die Männer.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Ich weiß nicht, wie es euch geht, Männer“, brummelte er weiter, während er mit langen, nachdenklichen Schritten auf dem Deck auf und ab lief. „Es ist recht durcheinander hier.“ Auf. „Und gar nicht mehr hübsch aufgeräumt.“ Ab. „Selbst wenn ich noch einen gelben Liegestuhl hätte.“ Auf. „Es ist ja gar kein Platz, ihn hinzustellen.“ Ab. „Und unser orangenes Häuschen ist auch nicht mehr da.“ Auf. „Das ist recht ungemütlich.“ Ab. „Auch wissen wir noch immer nicht, was sich hinter der kleinen grünen Brücke verbirgt.“ Auf.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Da die titanischen rosaroten Seebären ihren Steuerbären so schlecht verstanden, waren sie nämlich quasi, na ja, sie waren eigentlich vor ihrem jetzigen Abenteuer noch nie wirklich richtig losgefahren. Der Größte unter ihnen, auch Kapitän genannt, blieb stehen. Die Männer schwiegen erwartungsvoll.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Männer, wir fahren zur See!“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;&lt;a href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=7108268935032236428&amp;amp;postID=2361823292621677098" name="korrigiert"&gt;&lt;/a&gt;Lautes „Jawoll!“, „Juchee!“ und“Heißa!“ erscholl. Klar. Wer hätte schon Lust auf &lt;i&gt;Wellen sortieren&lt;/i&gt; gehabt. Das erinnert verdächtig an &lt;i&gt;Zimmer aufräumen&lt;/i&gt;.&lt;/span&gt; &lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Jeder nahm noch schnell ein Tictac mit auf den Weg und los ging er. Na ja, fast jeder. Die dicke Marie fand Unordnung unerträglich. Sie krempelte die Ärmel hoch, rümpfte mutig die Nase und sagte: „Ich bleibe hier. Irgendeiner muß hier schließlich nach dem Rechten sehen, während ihr unterwegs seid.“ Sie guckte dabei so kämpferisch und finster, daß das Rechte, nachdem sie sehen wollte, es mit der Angst zu tun bekam und sich unter der Ofenbank verkrochen hätte, wäre die nicht mit dem orangenen Häuschen davongepustet wurden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Archibald, der die Marie dolle gern hatte, blieb auch.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Die anderen titanischen rosaroten Seebären mußten wieder furchtbar rudern und kämpfen aus dem Malmstrom hinaus. Ein zweites Mal steuerten sie geradewegs auf die kleine grüne Brücke zu und diesmal durch diese hindurch. Mit einem übermütigen Hopser und lautem Gesang fuhren die Titanen auf das offene Meer hinaus. Sie waren kaum eine Nase lang unterwegs da rief Jimmy: „Land in Sicht!“ Erwartungsvoll liefen alle zur Reling. Vor ihnen gleiste und glimmte eine Insel im Wasser. Die sah aus, als wäre ein Klümpchen von der Sonne runtergepurzelt, gerade da ins Meer hinein. Die titanischen rosaroten Seebären setzten ihre Sonnenbrillen auf. Jimmy zog sich die dicken Topflappenhandschuhe an, kletterte in den Ausguck und holte den gelben Sonnenball herunter. Dann untersuchten sie ihn genauer. Und wirklich, unten rechts war ein kleines Loch. „Ich muß doch sehr bitten“, sprach die Sonne würdevoll, als Johnny sie ein bißchen zu fest drückte. Schnell ließen die Seebären sie wieder frei. Die Sonne schüttelte empört ihren Strahlenkranz aus und zog geschwind ihre Bahn. Sie hatte recht viel Zeit verloren. Es war schon Nachmittag, und sie war noch sehr im Osten. Im Wasser schwamm derweil ein Stückchen von ihr, als wäre das ganz normal. Die Farbe war wohl nicht ganz wasserfest, oder vielleicht schmolz auch die Insel, denn sie war von einer trägen, gelben Pfütze umgeben. Die hinterließ einen hübschen Anstrich am Bug der Titanic. Auf der Insel standen sieben merkwürdige kleine Häuser. Die waren rund und hatten putzige Kappen auf dem Kopf wie Pilze.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „&lt;b&gt;Hallo!&lt;/b&gt;“, rief der Größte der titanischen rosaroten Seebären, denn seine Frau Mama hatte ihm beigebracht, daß man bei Fremden nicht einfach so ins Haus hineinmarschieren könne. Aber er bekam keine Antwort.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Vielleicht, äh, sprechen sie fremdländisch, äh, also quasi von hinten.“, sagte der Steuerbär. „Ach so“, brummte der Kapitän, das war nämlich der Größte der Seebären. „Von hinten.“ Er überlegte kurz. Dann rief er:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „&lt;b&gt;!Ollah&lt;/b&gt;“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Wieder antwortete ihm nur das Meeresrauschen. Das ist recht geschwätzig und mischt sich gern in die Gespräche anderer Leute. „Mhm“, sprach der Kapitän, er war der Größte unter den Titanen. Und „mhm“, sprachen auch die Männer.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Die Titanic fuhr ganz vorsichtig an die Insel heran, um nicht dran zu bumsen. Dann sprang Jimmy an Land und band das Schiff mit dem Seil an einem Fahrradständer vor einem der Häuser fest. Die anderen Seebären folgten ihm. Der Größte von ihnen, der Kapitän, klopfte an die Tür. Nichts. Er klinkte vorsichtig. Verschlossen. Alle Häuser waren verschlossen. Nirgendwo ein Lebenszeichen. „Wir könnten eine Tür aufbrechen“, schlug der Koch vor und kratzte sich mit dem Kochlöffel unter der Kochmütze.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Moment!“ Der Kapitän, der größte Seebär, dachte an seine Frau Mama, die ihm Höflichkeit beigebracht hatte und zog die schmutzigen Stiefel aus. Dann brach er die Tür auf und ging hinein. Die Männer folgten ihm. Drinnen standen sieben Bettchen, davor ein Tisch und sieben Stühlchen. Der Tisch war für sieben Personen gedeckt: sieben Teller mit sieben Stückchen Pizza darauf, sieben mal Kinderbesteck und sieben pinkfarbene Häschentassen. Die Häschentassen waren mit derselben gelben Flüssigkeit gefüllt, welche die Insel umschwappte. Neugierig schnüffelte der Größte der titanischen rosaroten Seebären, der Kapitän, daran. Sie roch nach einem warmen Sommertag.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Äh, wenn man so überlegt, äh, woraus die Sonne gemacht ist, äh, und daß es sich bei, äh, jener Flüssigkeit vielleicht um, äh, geschmolzene Sonne handeln könnte, äh, glaube ich nicht, daß es anzuraten wäre, äh, eine Kostprobe davon zu nehmen.“, meinte der Steuerbär. „Wie bitte, Steuerbär?“, fragte der große Kapitän, der kein Wort verstanden hatte.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Ich glaube, er sagte: Nicht trinken, weil vielleicht giftig.“, erklärte Jimmy.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Mhm“, sprach da der Kapitän, der Größte von ihnen, und „mhm“ sprachen auch die Männer. Wie sie noch überlegten, wo die kleinen Inselbewohner mit der Vorliebe für pinkfarbene Häschentassen wohl sein könnten, rumste es gewaltig. Die Seebären stürzten nach draußen und wagten ihren Augen kaum zu glauben. Neben der Titanic schwamm ein Stück orangenes Häuschen im Wasser und klapperte vergnügt, daß es sie gefunden hatte, mit seinem Fenster. Eine hilfsbereite Strömung hatte ihm den Weg gewiesen. Zum Glück war es das offene Fenster in der ersten Etage, so konnten die titanischen rosaroten Seebären hineinklettern. Wie groß war ihre Freude, als sie drinnen ihren grünen Wasserhahn fanden. Sogleich kochten sie eine Kanne frischen Seetangtee. Das war eine Wonne, fast wie zu hause.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Männer“,sprach da der Größte der Seebären, das war der Kapitän, und lief im Häuschen auf und ab. „Es ist ein großes Glück, das wir unseren Wasserhahn wiederhaben.“ Auf. „Dieses Glück dürfen wir den tapferen Daheimgebliebenen nicht vorenthalten.“ Ab. „Auch Marie und Archibald werden sich über frischen Seetangtee freuen.“ Auf. „Und sie können sicher Hilfe bei der Seetangernte am Donnerstag gebrauchen.“ Ab. „Mit dem Stück unseres orangenen Häuschens können wir beginnen, ein neues zu bauen.“ Auf.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Wir fahren also nach hause.“ Ab.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Jawoll“, riefen die Männer und beschlossen, das Geheimnis der Sonneninselbewohner ein andermal aufzuklären. Niemand wollte es zugeben, aber sie hatten alle Heimweh. Sie banden das Stück des &lt;/span&gt;&lt;span style="-moz-background-clip: border; -moz-background-inline-policy: continuous; -moz-background-origin: padding; background: transparent none repeat scroll 0% 0%; font-size: 100%;"&gt;orangenen&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; Hauses an die Titanic und setzten die Segel. Kurs: kleiner Malmstrom. An der kleinen grünen Brücke befestigten sie einen Wegweiser. Darauf stand: &lt;i&gt;Sonneninsel dort&lt;/i&gt;. Dann fingen sie noch ein paar Sardinen und fuhren nach hause zu Archibald und Marie, die sich natürlich freuten. Sie hatten schon mächtig aufgeräumt. Die Wellen schnatterten nur noch ein ganz kleines bißchen durcheinander. Nach einem Bild, daß der Steuerbär im Internet gefunden hatte, bauten alle zusammen ein Haus. Als es fertig war, sah es aus wie der Uniriese. „Na also“, brummelte der Kapitän, was der Größte der Seebären war, zufrieden und nahm einen Schluck Seetangtee. „Jetzt müssen wir gar nicht mehr wegfahren, um ihn uns anzugucken.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt; „Jawoll!“, riefen da die Männer und die Seepferdchen wieherten.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="RIGHT" style="font-family: georgia; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="font-size: 100%;"&gt;Thore und Mama, 2009&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-2361823292621677098?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/2361823292621677098/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/wo-die-titanic-wohnt-oder-vergi-nicht.html#comment-form' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2361823292621677098'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/2361823292621677098'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/10/wo-die-titanic-wohnt-oder-vergi-nicht.html' title='Wo die Titanic wohnt oder Vergiß nicht deinen Wasserhahn, wenn du gehst'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/__XpIoaXLn5w/Sua_vCkVYlI/AAAAAAAAACo/fBLIpHiJRyc/s72-c/Die_titanischen_rosaroten_Seeb%C3%A4ren.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7108268935032236428.post-1494705082989375350</id><published>2009-09-28T01:29:00.000-07:00</published><updated>2010-02-14T15:13:20.802-08:00</updated><title type='text'>Was will die Windmühle?</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;i&gt;Was Hermann Hesse 1954 in einem Brief über die Gefahren schrieb, die dem Individuum drohen, soll uns als eine Art Programmschrift dienen. Hier sei dieser Brief abgedruckt.&lt;/i&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span class="fullpost"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Meine Dichtungen sind alle ohne Absichten, ohne Tendenzen entstanden. Wenn ich aber nachträglich nach einem gemeinsamen Sinn in ihnen suche, so finde ich allerdings einen solchen: Meine Bücher können alle als eine Verteidigung (zuweilen als Notschrei) der Persönlichkeit, des Individuums gedeutet werden. Der einzelne, einmalige Mensch mit seinen Erbschaften und Möglichkeiten, seinen Gaben und Neigungen ist ein zartes, gebrechliches Ding, er kann wohl einen Anwalt brauchen. Und so wie er alle großen und starken Mächte gegen sich hat: den Staat, die Schule, die Kirchen, die Kollektive jeder Art, die Patrioten, die Orthodoxen und Katholiken aller Lager, die Kommunisten oder Faschisten nicht minder, so habe ich und haben meine Bücher immer alle dieses Mächte gegen sich gehabt und bekamen ihre Kampfmittel, die anständigen wie die brutalen und gemeinen, zu spüren. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Es wurde mir tausendmal bestätigt, wie gefährdet, schutzlos und angefeindet der Einzelne, der nicht Gleichgeschaltete in der Welt steht, wie sehr er des Schutzes, der Ermutigung, der Liebe bedarf. Zugleich zeigte sich aber im Laufe meiner Erfahrungen auch, dass in allen Lagern und Gemeinschaften von den christlichen bis zu den kommunistischen und faschistischen, Unzählige vorhanden sind, denen die Gleichschaltung trotz ihrer Vorteile und Bequemlichkeiten nicht genügt, derer Seele in der Orthodoxie notleidet. Und so stehen den massiven Ablehnungen und Angriffen der Kollektive Tausende mehr oder weniger ratlosen Fragen und Beichten Einzelner gegenüber, denen meine Bücher (und natürlich nicht nur meine) etwas wie Wärme, Trost, Aufrichtung geben. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Ich vertrau darauf, dass es sehr viele gebe, die aus meinen Dichtungen so viel aufnehmen, als ihre Natur erlaubt, die einen Autor wir mich als Anwalt des Individuums, der Seele, des Gewissens gelten lassen, ohne sich ihm wie einem Katechismus, einer Orthodoxie, einem Marschbefehl unterzuordnen und ohne die hohen Werte der Gemeinschaft und Einordnung über Bord zu werfen. Denn diese Menschen spüren, dass es mir weder um die Zerstörung der Ordnungen und Bindungen zu tun ist, noch um die Vergottung des Einzelnen, sondern um ein Leben, in dem Liebe, Schönheit und Ordnung herrschen, um ein Zusammenleben, im dem der Mensch nicht nur ein Herdenvieh wird, sondern die Würde, die Schönheit und die Tragik seiner Einmaligkeit behalten darf. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Wenn Sie die Mächte betrachten, die in der heutigen Welt der Entwicklung des Einzelnen zur Persönlichkeit, zum Vollmenschen hindernd entgegenstehen, wenn Sie den phantasiearmen, schwach beseelten, den ganz nur angepassten, nur gehorsamen, nur gleichgeschalteten Typ Mensch betrachten, der das Ideal der Großen Kollektive und vor allem des Staates ist, dann wird es Ihnen nicht schwerfallen, für die kämpferischen Gebärden des kleinen Don Quichote gegen die großen &lt;b&gt;Windmühlen&lt;/b&gt; Verständnis und Nachsicht aufzubringen. Der Kampf scheint aussichtslos und unsinnig. Viele bringt er zum Lachen. Und doch muss er gekämpft werden, und doch hat Don Quichote nicht minder Recht als die Windmühlen.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: right;"&gt;Hermann Hesse, März 1954&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7108268935032236428-1494705082989375350?l=diewindmuehle.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/feeds/1494705082989375350/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/09/die-windmuhle-von-hermann-hesse-1954.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1494705082989375350'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7108268935032236428/posts/default/1494705082989375350'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://diewindmuehle.blogspot.com/2009/09/die-windmuhle-von-hermann-hesse-1954.html' title='Was will die Windmühle?'/><author><name>Die Windmuehle</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10055444822698200330</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
