Montag, 28. Juni 2010

Buena Vista Social Club

die hochbetagte karibische Dame,
am linken Bein den Strumpf heruntergerollt,
so dass es scheint als würde sie hinken,
geht die Gaslaternen entlang,
setzt sich auf den Stuhlrand,
raucht an und schweigt.
und bloß die Krümmung des Himmels
lastet auf ihren sonnengebräunten Schultern.


die hochbetagte karibische Dame
raucht als ob sie auf Raten küsst.
der grauhaarige Gitarrist biegt exzessiv sein Handgelenk;
er ist heute betrunken wie nur Gott betrunken sein könnte.
der Gitarrist schleppt die Dame ab
wie üblich am Happy End.
die Kamera zoomt auf ein Schälchen
Zigarettenstummel, markiert mit rotem Lippenstift.

Sergej Tenjatnikow

weiter...

die Mondäne

die Mondäne alterte in Havanna
zusammen mit den Kolonialvillen – für immer.
sie sitzt auf dem Balkon mit Blick zum Meer,
wo zu ihrer Jugend schlappohrige Segelboote
das Gehör anstrengten. und heute schwimmen Seifenreste
und mehr noch klappert das Meer selbst wie mit schmutzigem Geschirr.
und der Mondäne scheint, dass jener Teil der Welt
hinter den Horizont getrieben wurde,
wo weiße Gesichter das Salz des Nordens wie des Südens waren.

die Mondäne alterte auf dem Balkon
mit Blick zum Meer, wo früher Möwen zum Blues tanzten.
und heute gellen die Tanker in den Ohren wie stumpfe Sägen
und Wellen schäumen unter ihnen hervor.
die Mondäne sitzt auf dem Balkon und raucht so schön.
sie füllt das Glas mit der Fledermaus
bis zum Horizont, nippt und schließt die Augen…
sie träumt, dass Michael Jackson
mit seinem Moonwalk die Erde rückwärts dreht.

Sergej Tenjatnikow

weiter...

Dienstag, 22. Juni 2010

Die Methode - Ein Film von Marcelo Piñeyro

Madrid um die Wende zum 21. Jahrhundert: Auf den Straßen der Hauptstadt tobt der ursprüngliche, spontane Klassenkampf der Globalisierungskritiker und Gegner der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Demonstrationen, Massenproteste, brennende Autos, Straßenschlachten und eine Polizei, die mit unbarmherziger Härte gegen die Demonstranten vorgeht. Derweil in einer der obersten Etagen eines der Madrider Wolkenkratzer – In einem Elfenbeinturm in Wolkenkuckucksheim, könnte man vermuten. Doch was hier geschieht, ist nicht weniger real als die Demonstrationen auf der Straße. – schmiedet das Kapital seine Waffen, hält Heerschau und sammelt sich zur Wahl seiner Feldherren.
Zugeben, das ist eine martialische Sprache für das, was der argentinische Regisseur Marcelo Piñeyro in seinem Film „Die Methode“ auf feinere und subtilere Weise dargestellt hat. In einem Sitzungssaal des fiktiven Großkonzerns DEKAI sammeln sich sieben Menschen, die nach einem umfassenden Verfahren dazu auserwählt wurden, eine letzte Auswahlrunde für die Besetzung eines Managerpostens des Konzerns zu bestehen. Die angewandte Methode zur Wahl des geeigneten Kandidaten ist die sogenannte „Grönholm-Methode“. Gesucht wird bei dieser Methode nicht nach beruflicher Qualifikation oder persönlichen Fähigkeiten, sondern nach der geeigneten psychologischen Verfassung für eine Laufbahn in den Chefetagen des kapitalistischen Großkonzerns. Den Teilnehmern steht es frei, den Sitzungssaal und damit die Auswahlrunde zu verlassen; wer bleibt, muss sich den Regeln beugen. Und die lauten: Der Gruppe werden Aufgaben und Fragen gestellt, die alle Teilnehmer entweder gemeinsam oder gegeneinander lösen müssen. Wer die gestellten Aufgaben nicht erfüllen kann oder von der Gruppe dazu bestimmt wird, muss das Verfahren verlassen und die Hoffnung auf den zur Wahl stehenden Posten für immer fallen lassen.
Was auf diese Weise von Marcelo Piñeyro inszeniert und von sieben brillanten Schauspielern in einem spannungsgeladenen Kammerspiel in etwa 115 Minuten dargestellt wird, ist eine Neuauflage von „Kabale und Liebe“. Zwar nicht in der Darstellung des Milieus. Das Drama Friedrich Schillers aus dem Jahre 1784 schildert den moralischen und geistigen Zustand der spätfeudalen Adelsgesellschaft. Aber ihrem Inhalte nach schildern beide den moralischen und geistigen Verfall einer untergehenden aber dennoch herrschenden – oder herrschenden aber dennoch untergehenden? – Klasse, ihre Intrigen und ihre Winkelzüge.
Der Film verdeutlicht auch, dass man nicht in die vulgäre Weltsicht verfallen sollte, die Protagonisten und Agenten des Kapitals hätten es allzu leicht in ihren Rollen. „Schweißtriefend bückt sich der Mann, der das Haus baut, in dem er nicht wohnen soll. Aber es schuftet schweißtriefend auch der Mann, der sein eigenes Haus baut.“ (Brecht) Die ökonomische Konkurrenz des Kapitalismus zwingt nicht nur Millionen Menschen in Hunger und Elend, treibt nicht nur Millionen Menschen in den Tod durch Krieg und Terror, lässt nicht nur die Polizeiknüppel auf die empörte aufbegehrende Masse hernieder prasseln; sie verlangt auch von den Protagonisten der ökonomischen und politischen Macht: "Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!" (Dante) Was für die Teilhabe am den Massen der arbeitenden Menschen entzogenen Mehrprodukt erwartet wird, ist nicht mehr und nicht weniger als unbedingte Loyalität, die Beseitigung aller persönlicher moralischer Skrupel bis zur Selbstaufgabe im Dienste der Klasse. So scheitert etwa der junge, aufstrebende und engagierte Enrique im Auswahlverfahren nicht an der Bereitschaft zur Unterordnung, zu moralischer Verfehlung und zum persönlichen Verrat. Woran er zerbricht ist die Suche nach der moralischen Instanz außerhalb von sich selbst, die ihn psychologisch nicht dazu befähigt, die vorauseilende Loyalität und Unterordnung aus sich selbst heraus zu beziehen. In der Sphäre der Macht, in die er aufsteigen möchte, reicht es nicht mehr, Befehle zu befolgen, man muss den Verrat schon selbst wollen. Denn die Herrschaft duldet keinen Zweifel.
Am Ende ist der Sieger dieses zynischen Spektakels nicht unbedingt der Gewinner. Er hat als einziger erreicht, wonach alle strebten, um den Preis dessen, was er eigentlich einmal zu gewinnen hoffte. Man fühlt sich erinnert an den adornoschen Odysseus, der sich zehn Jahre seines Lebens mit den Göttern stritt, um sein freies Leben zu gewinnen, und für den Zweck seiner Odyssee schließlich mit diesem Zweck selbst bezahlen musste: Seine Lebenszeit. So pervertiert schließlich beim Karrierismus der Protagonisten wie alles in der kapitalistischen Produktionsweise das ursprüngliche Mittel zum eigentlichen Zweck: Aufgestiegen auf der Karriereleiter wird nicht mehr, um zu leben, sondern gelebt wird, um die Karriere voran zu bringen, und in den Tempeln des sozialen Aufstiegs wird den Göttern der Gegenwart geopfert, was zu bewahren sie einst geschaffen wurden: das Leben.
Mit dieser Darstellung der geistigen Entfremdung der herrschenden Eliten des Kapitalismus liefert Marcelo Piñeyro mehr als nur ein psychologisch durchdachtes Kammerspiel. Es geht in dem Film nicht schlechthin um die abstrakte Frage, wozu Menschen moralisch fähig und auf welche Weise sie manipulierbar sind losgelöst von den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen sie leben. Wer die Handlung des Filmes in einem solchen allgemein-menschlichen Sinne interpretiert, beraubt sie ihres eminent politischen Gehaltes. Es handelt sich bei dem Film „Die Methode“ um nichts anders ein Porträt der herrschenden Klasse und ihrer Agenten, um die Entlarvung dessen, was sonst nur hinter verschlossenen Türen geschieht. Es geht um die Feststellung, dass den demonstrierenden Massen der Straßen eine reale Macht gegenübersteht, die nicht nur eine Chimäre weltfremder Verschwörungstheoretiker ist, sondern die, wie Brecht sagt, Namen, Adressen und Gesichter besitzt und die ihr Denken ableitet aus einer Herrenmenschenideologie und deren Handeln bestimmt wird vom Imperativ der absoluten Befreiung von jeglichen moralischen Skrupeln. Man kann die Protagonisten bedauern der objektiven Zwänge wegen, denen auch sie unterlegen sind und die sie beständig zwingen, sich selbst zu entfremden; Mitleid, Nächstenliebe, Menschlichkeit, moralische Skrupel, Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen gerade in den Belangen der Erhaltung von Natur und Menschen gegen profitorientierte kapitalistische Ausbeutung sollte man von ihnen dennoch nicht erwarten.
Statt dessen deutet Marcelo Piñeyro in der Schlusssequenz seines filmischen Kunstwerkes, das herkömmlichen Hollywood-Produktionen zwar medial unterlegen ist, die es aber an geistigem Gehalt, künstlerischer Gestaltung und schauspielerischer Leistung um Längen überragt, das Moment der Überwindung des dialektischen Antagonismus der kapitalistischen Gesellschaft mitsamt der Entfremdung der herrschenden Eliten an: Die vorletzte verbliebene Person verlässt niedergeschlagen und angefüllt mit den seelischen Trümmern aus dem verlorenen Kampf den Tempel der Macht und betritt die Straßen Madrids, die gesäumt sind von brennenden Autos und übersäht mit den Spuren der soeben geschlagenen Klassenschlacht. Und es scheint, als flüsterten die brennenden Autos dem die Straße entlang und vorbeigehenden Menschen ins Ohr: „Schwer ist der Weg.“ Aber! „Es gibt nur diesen einen.“ (Johannes R. Becher)

Roman Stelzig

weiter...

Montag, 14. Juni 2010

Staat und Revolution

als die Transsib* von ihren Zügen müde wurde,
machte Marx Urlaub auf einer Staatsdatsche.
die Pioniere traten dem NATO-Pakt bei
und investierten ihr ursprünglich akkumuliertes Kapital in die D-Mark.
der Klassenkampf wurde vom klassischen Ringkampf abgelöst,
und Pop-Musik drang aus allen Fenstern in die Seele ein.
die Kommissare bekehrten die Arbeiterklasse zum neuen Glauben,
und die lose Zeit gebar uns wie einen misslungenen Witz.

als sich die Adler im kaviarroten Kreml einnisteten,
schnarchte der Engelschor im Himmel.
das Sein war wie zu einer zarten Creme geschlagen,
und du standest nach Milch und Brot in der Schlange.
Aurora zielend mit ihrem Geschütz
wankte wie ein betrunkener Milizionär,
Panzer wurden den Soldaten zum reinen Karma.
und Lenin gegossen aus Schokolade schmolz auf dem Sockel
mitten in der Stadt.

* Transsibirische Eisenbahnstrecke
von Sergej Tenjatnikow

weiter...

Dienstag, 1. Juni 2010

Ziegenhals - Hintergründe, Geschichte und Ende einer Gedenkstätte

Als am 07. Februar 1933 zwei angetrunkene Männer den Hauptsaal des Sporthauses in Ziegenhals betraten, hätte nur ein Eingeweihter erkennen können, welche Gefahr von den beiden zufällig eintreffenden Menschen für die Anwesenden im Sporthaus ausging. Deutlich war die laute und erregte Stimme eines Redners durch die verschlossene Tür des dem Saal benachbarten Zimmers zu hören: „...stellen die Frage des Kampfes für den Sturz der Hitlerregierung, die Frage der Beseitigung der Hitler-Hugenberg-Regierung als unmittelbare Aufgabe. Wir stellen sie in jeder Stunde...“ Da unterbrach das beherzte Einschreiten eines weiteren Saalgastes die beiden aufmerksam gewordenen Männer beim Zuhören. Er scherzte mit ihnen, verwickelte sie in Gespräche und lud beide auf Bier in ein anderes Lokal in der Nähe ein. Die beiden Männer willigten ein und unter Scherzen und Lachen verließen alle drei gemeinsam den Saal des Sporthauses, während sich in den Gesichtern der im Saal zurückbleibenden Menschen sichtlich die Anspannung löste.
Etwa zur gleichen Zeit saß im nicht weit entfernten Ort Niederlehme Otto Franke als Vorsitzender der Revisionskommission der Gemeindekasse mit seinem Bürgermeister in einer Besprechung über den Zustand der Gemeindekasse, die er extra für diesen Tag einberaumt hatte. Gelegentlich unterbrachen Anliegen und Meldungen von Mitarbeitern, Beamten oder Parteigenossen die Besprechung. Otto Franke hörte bei jeder Unterbrechung aufmerksam zu, ob in einem der Gespräche der Ort Ziegenhals genannt wird. Aber nichts, was er während der Besprechung mit dem Bürgermister zu hören bekam, weckte seine Aufmerksamkeit. Der Ort Ziegenhals blieb ungenannt. Die Beamten, Parteigänger und Anhänger der Regierung des neu ernannten Reichskanzlers Adolf Hitler schienen ahnungslos über das, was sich zu diesem Zeitpunkt im kleinen Sitzungssaal des Sporthauses Ziegenhals abspielte.
Adolf Hitler war eine Woche zuvor, am 30. Januar 1933, vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum neuen Kanzler der Weimarer Republik ernannt worden. Paul von Hindenburg war zwar ein erklärtet Gegner der republikanischen Staatsform, ein Anhänger Adolf Hitlers und dessen Programms vom „nationalen Sozialismus“, hinter dem sich zahlreiche junge Arbeiter, Arbeitslose, verarmte Landarbeiter, Bauern und Mitglieder der vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelschicht sammelten, war er dennoch nicht. Die Ernennung Adolf Hitlers erfolgte nicht aus freiem Willen, Paul von Hindenburg wurde gedrängt von führenden Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft. Bereits am 19. November 1932 hatte ihn eine Eingabe erreicht, die vom ehemaligen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht verfasst und u.a. von Fritz Thyssen und 18 weiteren Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft unterschrieben und in der vom Reichspräsidenten gefordert worden war, „die größtmögliche Volkskraft hinter das Kabinett“ zu bringen. Damit war keine andere Partei gemeint als die NSDAP, die nach der Eingabe „gegen das bisherige parlamentarische Regime“ eingestellt war und bei den Reichstagswahlen am 06. November 1932 die meisten Stimmen hinter sich hatte vereinen können. Paul von Hindenburg war dieser Aufforderung zunächst nicht nachgekommen und hatte am 02. Dezember 1932 Kurt von Schleicher zum Reichskanzler der Weimarer Republik ernannt. Obwohl die persönlichen Gründe Paul von Hindenburgs, warum er Adolf Hitler schließlich doch in das Amt des Reichskanzlers berief, damit verborgen bleiben, ist deutlich erkennbar, dass sich hinter dieser Entscheidung wirtschaftliche und politische Interessen der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft verbargen.
Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“, hatte der rapide Fall der Aktienkurse des Dow-Jones-Index in den USA die bis dahin umfassendste Überproduktionskrise der kapitalistischen Produktionsweise eingeleitet. Die internationalen Märkte, die in den Konjunkturjahren nach dem Ersten Weltkrieg gewachsen waren, waren mit Waren überschwemmt, nach denen schon seit langem keine Nachfrage mehr bestand. Die Konzerne und Unternehmen waren gezwungen, ihre Waren zu Preisen zu verkaufen, die unter den Produktionskosten lagen, oder in Lagerhallen zu horten, bis die Sättigung der Märkte überwunden und neue Nachfrage entstanden war. Doch bis das hätte geschehen können, hätte Zeit ins Land fließen müssen und mit ihr das Geld und Kapital der Unternehmen, die einer nach dem anderen der sich verschärfenden ökonomischen Konkurrenz erlagen und Konkurs anmelden mussten. Finanzspekulationen hatten ihr übriges getan, dass der Produktions- bald auch die Finanzkrise gefolgt war, die sich mit dem Bankrott der österreichischen Kreditanstalt am 11. Mai 1931 auch über Europa zu verbreiten drohte. Um den Erscheinungen der Überproduktionsprise kurzfristig entgegen zu wirken und künstliche Nachfrage zu erzeugen, waren Kredite vergeben, deren nomineller Wert real nicht gedeckt war, der Eigenkapitalanteil von Unternehmen gesenkt und mit Verschuldung und Spekulation auf zukünftige Gewinne produziert worden. Am 23. Juni 1931 war der Bremer Spinnereikonzern„Nordwolle“ den Folgen der Aufdeckung von Bilanzfälschungen erlegen, die der Konzern betrieben hatte, um seine wahre wirtschaftliche Situation zu verschleiern. Der Konzern war nicht mehr in der Lage gewesen, seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Darmstädter und Nationslbank (Danatbank) nachzukommen, die zugleich Miteigentümer des Konzerns war und die deshalb ebenfalls am 13. Juli 1931 Konkurs hatte anmelden müssen. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkreise hatte damit das deutsche Reich erreicht und sich fortgesetzt, als die völlige Überschuldung weiterer Banken und Konzerne bekannt wurde, die reihenweise ebenfalls Konkurs anmelden mussten. Es hatte nun gegolten, den drohenden Kollaps des gesamten Währungs- und Finanzsystems des Deutschen Reiches zu verhindern, falls Kleinsparer, Anleger und Gläubiger aus Angst, ihre getätigten Einlagen nicht zurück zu erhalten, auf einmal sämtlich Investitionen zurück fordern sollten, zu deren Garantie die Danatbank längst nicht mehr in der Lage gewesen war. Der Staat hatte einspringen müssen als Retter und Bürge. 50 Millionen Reichsmark hatte Reichskanzler Heinrich Brüning der Danatbank als kurzfristige Unterstützung zugesichert, Ausfallbürgschaften für alle Verbindlichkeiten der Bank übernommen und der Schwerindustrie zum Ankauf von Aktienkapital der Danatbank 35 Millionen Reichsmark vorgestreckt.
Auf diese Weise waren der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft Gelder zugeflossen, die der deutsche Staat auf andere Weise einsparen musste. Heinrich von Brüning war mit dem Beinamen „Hungerkanzler“ in die Geschichte eingegangen als der Reichskanzler der Weimarer Republik, unter dessen Kanzlerschaft massive sozialpolitische Einsparungen erfolgt waren. Mit Hilfe von Notverordnungen, d.h. gesetzgeberischen Befugnissen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, hatte Heinrich Brüning an der Kontrolle des Parlamentes vorbei Maßnahmen durchgesetzt wie die Erhöhung der Einkommenssteuer um 5% und die Erhöhung der Beitragszahlungen zur Arbeitslosenversicherung um 4,5% bei gleichzeitiger Kürzung der Leistungen von Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Die Gehälter der staatlichen Beamten waren um 6% gesenkt und im staatlichen Wohnungsbau 200 Millionen Reichsmark eingespart worden. Diese Einsparpolitik war erfolgt, während die Zahl der Opfer der Wirtschafts- und Finanzkrise und die von ihr verursachte Not wuchsen und wuchsen. Mittelständische und Kleinbetriebe, Geschäfte oder kleine Händler waren der ökonomischen Konkurrenz erlegen und hatten Konkurs angemeldet, weil Aufträge und Nachfrage ausgeblieben waren und sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht hatten nachkommen können. Die Konzerne, deren Eigenkapital ausreichte, der Krise standzuhalten, hatten sparen und Arbeitskräfte in großer Zahl entlassen müssen. 1932 hatte die Zahl der arbeitslosen Bevölkerung des Deutschen Reiches die Marke von 6 Millionen überschritten. Mit dieser Masse von Menschen, die ihrer materiellen, klassenmäßigen Grundlage beraubt waren; mit den Arbeitern, die keinen Arbeitsplatz fanden und ihre Arbeitskraft nicht zum Gelderwerb verkaufen konnten, mit der verarmten Landbevölkerung, die Hof und Acker nicht mehr bewirtschaften konnten und verkaufen mussten, mit den Kleinbetrieben, deren Eigentümer ihren Besitzt verloren und sich in die Scharen der Arbeitslosen einreihten oder selbst Lohnarbeit suchen mussten, mit den Intellektuellen und Künstlern, die die Produkte ihrer geistigen Arbeit nicht mehr verkaufen konnten, mit den Beamten, Soldaten und Angestellten des Staates, deren Arbeitsplätze gestrichen wurden und die ihrer Privilegien verlustigt gingen; mit dieser Masse von Menschen hatte der bürgerlich-demokratische Staat der Weimarer Republik mehr und mehr die materielle Voraussetzung seiner Existenz verloren: Eine genügende Masse von Wählern, deren materielles Leben mit dem wirtschaftlichen und politischen System der Republik verbunden war und die sich deshalb immer wieder zur Wahl bürgerlicher republikanischer Parteien entschieden hatten, deren Programm auf den Fortbestand der kapitalistischen Produktionsweise unter der republikanischen bürgerlichen Staatsform ausgerichtet war.
Zwei Parteien hatten in den Ausgangsjahren der Weimarer Republik an Bedeutung gewonnen, deren Anhängerschaft stetig wuchs. Die Kommunistisch Partei Deutschlands (KPD) hatte in den Reichstagswahlen im November 1932 16,9% Wählerstimmen gewonnen, die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) 33,1%. Das Programm der KPD zielte darauf ab, die kapitalistische Produktionsweise zu überwinden und in eine sozialistische, gesellschaftlich organisierte und geplante Produktionsweise umzuwandeln, in der kein Privateigentum an Produktionsmitteln mehr bestehen sollte, indem der bürgerliche republikanische Staat abgeschafft und an seiner Stelle ein Staat aufgebaut würde, in dem die Arbeiterklasse im Bündnis mit allen werktätigen Schichten, d.h. Bauern oder Kleinbetrieben, die politische Macht nicht nur formal durch Wahlen, sonder tatsächlich ausüben sollten. Das Programm der KPD zielte damit auf die Überwindung des Wirtschaftssystems der Weimarer Republik, das die Ursache für die Krise der Wirtschaft und die Not der Menschen war, bei gleichzeitigem Erhalt und Ausbau des demokratischen und sozialen Gehaltes ihrer bürgerlich-demokratischen Staatsform.
Die entgegengesetzte Zielrichtung verfolgte das Programm der NSDAP. Ihre ursprüngliche Programmatik, Rhetorik und Erscheinung enthielten zwar zahlreiche Elemente des Antikapitalismus und der Arbeiterbewegung. Auf diese Weise war es der NSDAP gelungen, große Teile der verarmten Landbevölkerung, des Mittelstandes, der Arbeiterschaft und der Arbeitslosen als Anhängerschaft und Mitglieder zu gewinnen. Diese antikapitalistischen Elemente waren aber nur scheinbarer und demagogischer Natur, um die Massen für die Ideen eines „nationalen Sozialismus“ zu gewinnen. Ihrem eigentlichen Wesen nach zielten Programm und Politik der NSDAP auf den unbedingten Erhalt der kapitalistischen Produktionsweise durch der Errichtung einer faschistischen Diktatur. Anschaulichen Beweiß davon liefert das Engagement des ehemaliges Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schachts für die Finanzierung der NSDAP, der u.a. am 18. März 1932 an den Eigentümer der Gutehoffnungshütte Paul Reusch schrieb: „Das Wahlresultat vom 13. März wird sie nicht darüber täuschen, dass die politische Rechtsentwicklung in Deutschland unaufhaltsam fortschreitet und dass die nationalsozialistische Partei bei einer solchen Rechtsentwicklung nicht zu umgehen sein wird. Unser aller Sorge ist dabei die Frage der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik. […] Mir ist deshalb die Idee gekommen, ob nicht (…) der Versuch unternommen werden sollte, die nationalsozialistischen Wirtschaftsideen in vernünftigem Sinne zu beeinflussen.“ Diese Beeinflussung erfolgte in den darauf folgenden Monaten mit der Pointe, dass der inzwischen erneute Reichsbankpräsident und zum Reichswirtschaftsminister aufgestiegene Hjalmar Schacht 1934 den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Mitbegründer der NSDAP und Verfasser des NSDAP-Prateiprogramms Gottfried Feder kurzerhand seiner Ämter enthob und vor die Tür setzte. Was die Massen der Wähler und Anhänger trotzt Fortbestehen des Kapitalismus bei der Stange halten sollte, waren die Einbeziehung in die Massenorganisationen von Partei und Staat und eine Ideologie, die auf Chauvinismus und Rassenhass basierte und im „jüdischen Bolschewismus“ den Verursacher und Schuldigen der Wirtschafts- und Finanzkrise des Kapitalismus erblicken sollte. So bedeutete die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 u.a.: Einbindung der Arbeiter und Arbeitslosen in die kapitalistische Produktionsweise durch Massenorganisationen der Partei und des Staates, völlige Zerschlagung der Arbeiterbewegung und ihrer Organisationen, die Liquidierung ihrer politischen Führer, Extraprofite und Einsparung von Lohnkosten durch Zwangsarbeit in Konzentrations- und Arbeitslagern, Eroberung neuer Absatzmärkte und Rohstoffquellen und die Überwindung der kapitalistischen Wirtschafts- und Finanzkrise durch Staatsaufträge, Rüstungsproduktion und Krieg.
Das war die historische Situation, in der sich die KPD über die veränderten und neuen Bedingungen ihrer politischen Arbeit klar werden und Aufgaben, Ziele und Methoden ihrer Politik für die Zukunft bestimmen musste. Zu diesem Zweck fanden sich am 07. Februar 1933 etwa 40 Mitglieder das Zentralkomitees und andere Funktionäre der KPD zu einer geheimen Tagung zusammen. Als Tagungsort wurde ein Sporthaus bestimmt, dessen Eigentümer Wilhelm Mörschel seit ihrer Gründung selbst Mitglied der KPD war. Das Sporthaus befand sich in Ziegenhals am Ufer des Krossinsees, nahe des kleinen Ortes Zeuthen im Südosten Berlins. Bereits die Anfahrt der Tagungsteilnehmer war verdeckt organisiert worden und erfolgte auf verschlungenen Pfaden. Jeder Teilnehmer erhielt eine Einladung, auf der jeweils ein anderer Ort und ein Zeitfenster von 15 Minuten vermerkt waren, An diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt bekam Eingeladene den Zeitpunkt und als zentralen Treffpunkt die Sternwarte Treptow genannt. Dort führte das KPD-Mitglied Arthur Lange, der als Astronom in der Sternwarte angestellt war, die als Besuchergruppe getarnte Gruppe Menschen durch die Sternwarte, auf deren Dach sie schließlich die Information erhielt, dass Reisebusse sie als geschlossene Reisegruppe zum Tagungsort Ziegenhals fahren würden. Während der Tagung sicherten drei Gruppen Parteigenossen die nähere Umgebung des Sporthauses, damit die Teilnehmer nicht unvorbereitet von eintreffenden SA-Mitgliedern oder Polizisten überrascht würden. Der oben bereits genannte Vorsitzende der Revisionskommission der Gemeindekasse von Niederlehme Otto Franke hatte extra aus diesem Anlass eine Revisionsbesprechung der Gemeindekasse einberaumt, um die Aufmerksamkeit des Bürgermeisters zu binden und die eingehenden Meldungen über das Geschehen in der Umgebung zu verfolgen.
Auf der Tagung selbst hielt Ernst Thälmann, der seit 1925 der Vorsitzende der KPD war, das Hauptreferat. In seiner Rede, die nicht im Original, sondern nur als nachträgliche Abschrift überliefert ist, kennzeichnete Ernst Thälmann zunächst die Situation, die sich mit dem 30. Januar 1933 für die KPD und für die Arbeiterklasse selbst, ergab. Wie eine Kassandra prophezeite er seinen anwesenden Genossen: „Das Kabinett Hitler-Hugenberg-Papen ist die offene faschistische Diktatur. Was die Zusammensetzung der Regierung anbetrifft, so kann es in Deutschland eine weitere Steigerung in der Richtung des offenen Faschismus kaum mehr geben. Wohl aber gibt es in den Methoden dieser Regierung der offenen faschistischen Diktatur noch eine ganze Reihe von Steigerungsmöglichkeiten. Jeder Zweifel darüber, dass diese Regierung vor irgendwelchen […] Methoden des äußersten Terrors zurückschrecken würde, wäre sehr gefährlich.
Es ist der Bourgeoise ernst damit, die Partei und die Avantgarde der Arbeiterklasse zu zerschmettern. Sie wird deshalb kein Mittel unversucht lassen, um dieses Ziel zu erreichen. Also nicht nur faschistische Klassenjustiz, sondern alle Formen des faschistischen Terrors; darüber hinaus: Masseninternierungen von Kommunisten in Konzentrationslagern, Lynchjustiz und Meuchelmorde an unseren tapferen antifaschistischen Kämpfern, insbesondere an kommunistischen Führern – das alles gehört mit zu den Waffen, deren sich die offene faschistische Diktatur uns gegenüber bedienen wird.“

Die Arbeiterklasse hatte mit dem Regierungsantritt Adolf Hitlers zweifellos eine entscheidende Niederlage erlitten, an der auch die KPD einen nicht geringen Anteil der Schuld trug. Denn „wir waren nicht imstande, die Aufrichtung der faschistischen Diktatur bis zur heutigen offenen faschistischen Diktatur zu verhindern.“ Und „wenn wir nicht mehr erreichen konnten, so deshalb, weil wir den Einfluss der SPD- und ADGB-Führer sowie der christlichen Gewerkschaftsführer auf breite Arbeitermassen nicht in dem erforderlichen Maße zu liquidieren vermochten. Uns hemmten in diesem Kampf die Mängel unserer Gewerkschaftsarbeit, Betriebsarbeit, die Mängel bei der Anwendung der Einheitsfront und im prinzipiellen Kampf gegen die sozialdemokratischen Betrugsmanöver.“ Die Arbeitermassen seien durchaus auf der Höhe der Zeit angelangt und „was sich gegenwärtig in ganz Deutschland abspielt, die täglichen Demonstrationen, Zusammenstöße, Kampfhandlungen in allen Teilen des Reiches, ist der beste Ausdruck dafür, wie geladen, wie gespannt von revolutionären Energien die ganze Atmosphäre ist.“ Aber in der Partei zeigen sich „starke Erscheinungen des Zurückbleibens hinter den Massen. Man braucht diese Schwächen der Parteiorganisation nicht zu schwarz zu sehen, aber man muss die Augen aufmachen, um sie rechtzeitig zu liquidieren.“
So müsse die KPD unter den veränderten Bedingen hinarbeiten auf „eine Kette ununterbrochener, miteinander verflochtener und sich gegenseitig ablösender Aktionen, die Entfaltung aller Formen des Massenwiderstandes und Massenkampfes gegen die faschistische Diktatur.“ „Der revolutionäre Brand muss stets an anderer Stelle wieder verstärkt aufflackern und sich entzünden, wenn er an einer anderen Stelle vorübergehend erstickt wird, bis keine Feuerwehr mehr hilft, diesen revolutionären Brand zu löschen. So müssen wir dazu kommen, die Organisierung ununterbrochener Massenaktionen des Proletariats in allen Formen, auf allen Gebieten in die Wege zu leiten. Dabei würde die Vernachlässigung der Verteidigung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter und aller übrigen werktätigen Schichten eine fast ebenso schwere Gefahr bedeuten wie vor allem jeder Ökonomismus, das heißt die Vernachlässigung des politischen Kampfes gegen die Diktatur der Bourgeoise.“ „Rückhaltlose Entfesselung aller Formen der politischen und wirtschaftlichen Tageskämpfe und Aktionen, Teilkämpfe, Teilstreiks usw., fester, entschlossener Kurs auf den politischen Generalstreik!“
Ernst Thälmann benannte konkrete Aufgaben und Arbeitsfelder, in denen die zielgerichtete und verstärkte Parteiarbeit zum Tragen kommen sollte: „Wir müssen überall den gemeinsamen Massenselbstschutz aufziehen, einen Patrouillendienst in den Arbeitervierteln, die Möglichkeit von rascher Alarmierung der Arbeiterschaft gegen faschistische Überfälle usw. organisieren. Wir müssen anlässlich des drohend bevorstehenden Parteiverbots die Rolle der Partei immer deutlicher als der einzigen Partei eines realen, positiven Auswegs aus der Krise, als der einzigen Partei der Verteidigung der Interessen der werktätigen Massen herausarbeiten. Wir müssen die Aktivität für den Schutz der Partei und der proletarischen Führer zur Entfaltung bringen und eine solche Stimmung in den Massen schaffen, dass ein Verbot der KPD von den Massen mit der Entfaltung der größten Kampfaktion beantwortet wird. Wir müssen anlässlich des bevorstehenden Streikverbots die Schaffung von illegalen betrieblichen Streikkassen endlich in die Tat umsetzen. […]
Wir müssen das Bündnis zwischen Stadt und Land, zwischen den kämpfenden Arbeitern und den werktätigen Bauern schmieden. Wir müssen den armen Bauernmassen klarmachen, dass nur im Bündnis mit dem Proletariat, nur unter proletarischer Hegemonie, nur im Kampf gegen die Kapitalisten auch das Los der Bauern gebessert werden kann.
Wir müssen die größte Stoßkraft entfalten zur Gewinnung der proletarischen und werktätigen Jugend aus der SAJ, aber sogar aus der Hitlerjugend müssen wir einzelne und ganze Massen herüberreißen. Wir müssen gegen die Zwangsarbeit, gegen die Zuchthauslager und die Kasernierung mit der Arbeitsdienstpflicht, gegen die Militarisierung der Jugend Sturm laufen.
Gegen die chauvinistische Kriegshetze und imperialistische Kriegspolitik des Faschismus müssen wir die Massenpropaganda für den proletarischen Internationalismus, für unsere Freiheitspolitik entfalten.
Wir müssen den Massen unser Programm zeigen als das Programm des einzigen Auswegs aus Elend, Not und Unterdrückung, als Programm der sozialen und nationalen Befreiung des deutschen Volkes. Wir müssen ihnen zeigen, dass wir die Partei sind, die durch die Befreiung der Arbeiterklasse die Einheit der Nation verwirklicht, indem sie das kapitalistische System bis zu dessen Vernichtung bekämpft.“

Bemerkenswert und von großer Bedeutung für die zukünftige Politik der KPD und der gesamten Kommunistischen Internationale sind die Aussagen, „dass der Sturz der Hitlerregierung und der Sieg der proletarischen Revolution [nicht] unbedingt ein und dasselbe sein muss. Wir stellen die Frage des Kampfes für den Sturz der Hitlerregierung, die Frage der Beseitigung der Hitler-Hugenberg-Regierung als unmittelbare Aufgabe […], ohne dass wir unter allen Umständen zu 100 Prozent sagen können, dass, wenn uns der Sturz der faschistischen Diktatur gelingt, dies schon mit dem Sieg der proletarischen Revolution direkt verbunden ist. […] Diese Feststellungen schließen jedoch […] keineswegs aus, dass der Kampf zum Sturz der Hitlerregierung gleichzeitig in den Kampf um die volle Macht des Proletariats umschlagen kann.
Hier darf es kein Schema geben, sondern nur eine dialektische Betrachtung. Weder legen wir uns darauf fest, die Hitlerregierung erst in dem Augenblick zu stürzen, wo die Situation schon für den vollen Sieg der proletarischen Revolution reif ist, noch lassen wir außer Betracht, dass […] die Fristen des revolutionären Aufschwungs und für die volle Entfaltung der revolutionären Krise heute viel kürzer sind als in den bisherigen Abschnitten der Geschichte des proletarischen Klassenkampfes.“

In diesen Gedanken Ernst Thälmanns steckten bereits die Ursprünge der späteren Volksfrontpolitik, dem Bündnis der kommunistischen Parteien mit allen antifaschistischen, d.h. auch bürgerlichen Parteien, Gruppen und Kräften gegen die offene faschistische Diktatur. 1935 wurde die Volksfrontpolitik auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale zur offiziellen, verbindlichen Politik aller kommunistischen Partien erklärt. Die Volksfrontpolitik war in der kommunistischen Weltbewegung nicht unumstritten. Der kommunistische Philosoph und Theoretiker August Thalheimer kritisierte die Volksfrontpolitik scharf, weil mit ihr der „Kampf um die volle Macht des Proletariats“ als Ziel des Klassenkampfes zugunsten des unmittelbaren Sturzes der faschistischen Diktatur in den Hintergrund gerückt worden sei. Diese Selbstbeschränkung der kommunistischen Parteien habe die revolutionäre Erhebung der Arbeiter- und Bauernmassen und damit Chancen zur sozialistischen Revolution verhindern, wie zum Beispiel im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939. Allerdings darf auch nicht übersehen werden, dass die Volksfrontpolitik die Zahl der antifaschistischen Kräfte bis in die Kreise der bürgerlichen Intelligenz hinein erheblich erweitert und den Einfluss der Kommunisten auch nach dem Sturz der faschistischen Diktatur 1945 vergrößert hat. Schließlich ist das geflügelte Wort Thomas Manns, „der Antikommunismus ist die Grundtorheit des 20. Jahrhunderts“, ein anschaulicher Beweis dafür, in welch hohem Maße die Volksfrontpolitik das Ansehen des Kommunismus international gehoben hat.
Ernst Thälmann hatte sein Referat noch nicht beendet, als die Tagung gegen 20.00 Uhr vorzeitig geschlossen wurde. Posten hatten vom Dachboden aus auf dem gegenüberliegenden Grundstück zwei Männer beobachtet, die womöglich der Rede des laut sprechenden Ernst Thälmann zugehört hatten. Als gegen 22.00 Uhr SA-Mitglieder den Tagungssaal betraten, konnten sie keinen der Tagungsteilnehmer mehr im Sporthaus Ziegenhals antreffen. Die Vorsicht war also nicht unbegründet. Ein Teil der KPD-Genossen wurde in den bereitstehenden Reisebussen zurück nach Berlin gefahren, ein anderer Teil überquerte den Krossinsee mit einem Kahn des Sporthauses zur nächste gelegenen Bahnstation. Unmittelbar im Zusammenhang mit der Tagung vom 07. Februar 1933 wurde keiner ihrer Teilnehmer von den Nationalsozialisten verhaftet; dem Terror der faschistischen Diktatur erlagen bis zu ihrem Ende dennoch viele. Unter diesen Opfern befanden sich namhafte Persönlichkeiten der deutschen Arbeiterbewegung, wie Hans Beimler, der sich nach einer gelungenen Flucht aus dem KZ Dachau am Aufbau der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg beteiligte und in Spanien am 1. Dezember 1936 von einem deutschen Scharfschützen tödlich getroffen wurde; oder Georg Schuhmann, der zusammen mit Otto Engert den Aufbau der antifaschistischen Widerstandsgruppe „Nationalkomitee Freies Deutschland“ in Leipzig organisierte und deshalb am 11. Januar 1945 zusammen mit Otto Engert in Dresden hingerichtet wurde.

Auch Ernst Thälmann, ihren langjährigen Parteivorsitzenden, Genossen und oft auch persönlichen Freund, sahen viele KPD-Mitglieder an diesem 07. Februar 1933 gegen 20.00 Uhr, als er mit einem PKW vom Tagungsort zurück nach Berlin gefahren wurde, das letzte Mal. Nachdem am 27. Februar 1933 die KPD der Urheberschaft am Brand des Reichstages bezichtigt wurde und der Reichspräsident Paul von Hindenburg auf Veranlassung Adolf Hitlers einen Tag später die KPD mit der Notverordnung zur „Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“ verbot, wurde Ernst Thälmann am 03. März 1933 verhaftet und auf Befehl Adolf Hitlers am 18. August 1944 im KZ Buchenwald ermordet. Mehr als 11 Jahre hielten die nationalsozialistischen Machthaber Ernst Thälmann in Zuchthäusern und Konzentrationslagern gefangen, ohne dass sie es wagten, den Vorsitzenden der ihr am feindlichsten gesinnten Partei hinzurichten; so stark waren sie darum bemüht, ihr demagogisches Selbstbild einer rechtsstaatlichen und friedliebenden Partei gegenüber der deutschen und der Weltbevölkerung aufrecht zu erhalten; zu stark war das internationale Ansehen Ernst Thälmanns, für dessen Freilassung sich nicht nur Kommunisten, sondern auch bürgerliche Humanisten wie Romain Rolland öffentlich aussprachen. Der bekannteste Angeklagte der Reichstagsbrandprozesse in Leipzig, der bulgarische Kommunist und Vorsitzende der Kommunistischen Internationale Georgi Dimitroff betonte nach seiner Freilassung mehrmals die Notwendigkeit, dass auch Ernst Thälmann freigelassen werden müsse. Das Bataillon „Ernst Thälmann“ der XI., der deutschen, internationalen Brigade trug während der Verteidigung der spanischen Republik vor dem Francofaschimus seinen Namen, wovon noch heute das bekannt Lied „Spaniens Himmel“ Zeugnis ablegt. Erst als der Zweite Weltkrieg entschieden und das voraussichtliche Ende der faschistischen Diktatur unvermeidlich wurde, erfolgte die geheime Erschießung Ernst Thälmanns als grausame und späte Rache. Es ist deshalb durchaus nicht übertrieben, wenn Ernst Thälmanns von vielen Kommunisten und Antifaschisten über das Jahr 1945 hinaus als Symbolfigur des antifaschistischen Kampfes und Widerstandes angesehen wurde und wird. Sein Widerstand gegen das Bemühen der nationalsozialistischen Machthaber, dass er um den Preis seiner Freilassung dem Kommunismus abschwört und sich zum Nationalsozialismus bekennt, ist zweifellos ein sehr hohes historisches wie menschliches Verdienst, mit dem er unter persönlichen Leiden und Opfern seiner Rolle als Symbolfigur des kommunistischen Widerstandes gegen den Faschismus gerecht wurde.
Es ist richtig, dass seine Rolle als Vorsitzender der KPD historisch nicht gänzlich unumstritten ist. Rückblickend erscheint es fragwürdig, ob die politisch gewollte und staatlich beförderte Verehrung Ernst Thälmanns in der DDR im Ganzen politisch klug und zielführend war. Unter dem gut gemeinten Bemühen ,die Erinnerung an Ernst Thälmann aufrecht zu erhalten und durchaus auch von den Widersprüchen in der Vergangenheit und Gegenwart der kommunistischen Arbeiterbewegung abzulenken, hat man Ernst Thälmann wie viele Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung im Nachhinein zum „Kämpfer ohne Fehl und Tadel“, zu einer entmenschten politischen Persönlichkeit ohne persönliche Fehler stilisiert. Persönliche Fehler hat Ernst Thälmann wie jeder Mensch aber auch besessen. Und es ist auch äußerst zweifelhaft, dass sich der junge Hafenarbeiter aus Hamburg, der ab 1904 als Heizer auf einem Seefrachter arbeitete und dabei u. a. die USA bereiste, ein derart hohes theoretisches Wissen überhaupt aneignen konnte, das ihn befähigt habe zur „meisterhaften Anwendung der marxistisch-leninistischen Leitsätze auf die konkreten Entwicklungsbedingungen in Deutschland, [zu] unversöhnlichem Kampf um die Reinhaltung der marxistisch-leninistischen Theorie [und zum] unablässigen Bemühen um die Erhöhung des ideologisch-politischen Niveaus der Parteimitgliedschaft“, was ihn nach einem Beitrag des SED-Funktionärs Hermann Matern als einen „führenden Wissenschaftler und Revolutionär“ kennzeichne.
Dennoch muss man das Kind bei solcher Kritik an einer übertriebenen und unkritischen Verehrung Ernst Thälmanns nicht gleich mit dem Bade ausschütten und ist die Erinnerung an die Person Ernst Thälmann und seine historische Rolle durchaus gerechtfertigt. Der Parteivorsitz Ernst Thälmanns im August 1925 leitete in der KPD eine Phase der inneren Stabilität ein nach ihren schwierigen und wechselhaften Entstehungsjahren 1919-1924. Dies Entstehungsjahre waren vor dem Hintergrund der stürmischen Anfangsjahre der Weimarer Republik mit ihren Unruhen, Aufständen, Putschen und Krisen bestimmt von ständigen Wechseln der Parteiführung und ihrer jeweiligen Strategie und Taktik in der politischen Arbeit. Ernst Thälmann löste mit seinem Parteivorsitz 1925 Ruth Fischer und Arkadi Maslow in der Führung der KPD ab. Beide hatten nach den Erfahrungen des Krisenjahres 1923, der Inflation, des Ruhrkampfes, des gescheiterten Aufstandes in Hamburg und der Reichsexekutionen gegen die Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen ab 1924 eine radikale Politik des bewaffneten Aufstandes und des unbedingten Drängens auf die proletarische Revolution verfolgt. Die Arbeit in den Parlamenten als Tribüne der Darlegung politischer Standpunkte und Programme und als Wirkungsstätte, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter auf parlamentarischem Wege zu verbessern, und die Arbeit in Gewerkschaften und Betrieben, in denen sich die tagtäglichen Kämpfe der Arbeiter um ihre wirtschaftlichen und politischen Rechte abspielen, waren vernachlässigt worden, wodurch die Partei an Anhängerschaft und Einfluss in der Arbeiterschaft verlor. Diese falsche Politik wurde mit dem Antritt Ernst Thälmanns als Parteivorsitzender überwunden. Unter seinem Vorsitzt erfolgte die Umgruppierung der Parteiorganisationen von Wohnbezirks- in Betriebsgruppen, wodurch die betriebliche Arbeit gestärkt und der Einfluss unter den Arbeitern und die Mitgliederzahl der Partei erhöht wurden. Mit dieser Umgruppierung erfolgte auch eine stärkere Einbeziehung der Parteimitglieder in die politische Arbeit. Mitglieder und Funktionäre der KPD wurden an die Beschlüsse der Partei gebunden und verpflichtet, diese Beschlüsse in der praktischen Arbeit und durch eigene Initiative umzusetzen, anstatt lediglich zahlende aber passive Mitglieder der Partei zu sein. Die KPD entwickelte sich auf diese Weise zu einer einflussreichen, aktiven und aktionsfähigen Massenpartei. Kennzeichnend für die Politik Ernst Thälmanns war darüber hinaus die verstärkte Anbindung an die Kommunistische Internationale und die Bindung an ihre Beschlüsse, weil kommunistische Politik im Zeitalter des modernen Kapitalismus nicht auf ein einzelnes Land beschränkt sein kann, sondern den internationalen Verflechtungen des Kapitals entsprechend international organisiert sein muss. Die Vernetzung der kommunistischen Parteien jeden Landes, der Austausch über die konkreten Bedingungen der Arbeit in jedem Land und die Erarbeitung einer gemeinsame und aufeinander abgestimmten Politik sind die lebensnotwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche kommunistische Politik im nationalen und Weltmaßstab.
Aber genau in dieser Politik liegen Lob und Kritik an der historischen Rolle Ernst Thälmanns widersprüchlich miteinander vereint. Denn was sein historisches Verdienst begründet, ist gleichzeitig Anknüpfungspunkt der Kritik an seiner Politik. Band Ernst Thälmann die Politik der KPD an die Beschlüsse der Kommunistischen Internationale, musste er damit zugleich deren Fehlentscheidungen verbindlich für die KPD übernehmen. Als in den späten 20er Jahren die Beteiligung der sozialdemokratischen Partei an den Lännder- und Reichsregierungen der Weimarer Republik und der Abbau wirtschaftlicher, sozialer und politischer Rechte durch diese Regierungen in der Kommunistischen Internationale als „Sozialfaschismus“ bezeichnet wurde, übernahm auch die KPD diese historisch falsche Beurteilung der Rolle der SPD. Die SPD als den Hauptfeind in der politischen Auseinandersetzungen zu betrachten, entpuppte sich nicht nur als schwerwiegende Unterschätzung der tatsächlichen Gefahr einer faschistischen Diktatur, sondern auch als das falscheste Mittel, den Einfluss der KPD unter sozialdemokratischen Arbeitern zu erhöhen und die Arbeiterparteien Deutschlands im Kampf gegen den Faschismus zu vereinen. Verbunden mit der Neugründung kommunistischer Gewerkschaftsverbände, den Roten Gewerkschaftsorganisationen (RGO), weil man den Führer der bestehenden Gewerkschaften misstraute und die Arbeit und Auseinandersetzungen mit den sozialdemokratischen Arbeiten innerhalb der Gewerkschaften für aussichtslos hielt, barg diese Haltung die akute Gefahr einer Isolierung der KPD von den Arbeitermassen in Betrieben und Gewerkschaften. Die These vom Sozialfaschismus und die Politik der RGO fanden auch in den Reihen der KPD scharfe Kritiker, die die Gefahr der Isolierung früh erkannten. Es zählt hier zu den bisher wenig beleuchteten Bereichen der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, dass die innerparteiliche Auseinandersetzung um diese Fragen praktischer kommunistischer Politik kaum inhaltlich-theoretisch, sondern administrativ geführt wurde durch Vergabe oder Entzug politischer Ämter und Parteiausschlüsse und begleitet war von einem starken Abbau innerparteilicher Demokratie. In der Gegenwart wird seitens bürgerlicher Kritiker oft die „Affäre Wittorf“ als Ausgangspunkt für eine sogenannte „Stalinisierung“ der KPD herangezogen. Aber so unsachlich und vereinfachend es einerseits ist, die komplizierte innerparteiliche Entwicklung der KPD der Weimarer Jahre aus einem einzigen Ereignis heraus erklären zu wollen, ohne Hintergründe, Entwicklungen und Widersprüche bei ihrer Beurteilung in Betracht zu ziehen, so aufschlussreich kann die „Affäre Wittorf“ auch für das richtige Verständnis dieser Ereignisse sein, wenn man sie historisch korrekt betrachtet.
John Wittorf war der politische Sekretär der Bezirksleitung der KPD in Hamburg Wasserkante, dem Bezirk, in dem auch Ernst Thälmann vor seiner Wahl zum Parteivorsitzenden tätig gewesen ist. Dass John Wittorf für private Zwecke Parteigelder unterschlagen hatte, war im Frühjahr 1928 Gegenstand einer nicht öffentlichen Sitzung der Bezirksleitung Hamburg Wasserkante unter Anwesenheit Ernst Thälmanns. Man einigte sich darauf, John Wittorf seines politischen Amtes zu entheben und die „Affäre“ nicht weiter an die Öffentlichkeit zu bringen. Für diese Geheimhaltung sprachen in der historischen Situation durchaus einleuchtenden Gründe. Die KPD befand sich inmitten der Wahlkämpfen zur anstehenden Reichstagswahl im Mai 1928 und in der öffentlichen Agitation gegen die Zustimmung des Reichskanzlers Hermann Müller (SPD) zum Bau des ersten deutschen Panzerkreuzers im August 1928. Allein die erste Zahlungsrate für den Bau des Panzerkreuzers betrug 80 Millionen Reichsmark, die die deutsche Bevölkerung zu bezahlen hatte. Diese politischen Vorhaben sollten nicht gefährdet werden, indem parteiinterne Auseinandersetzungen an die Öffentlichkeit kamen. Sie kamen aber an die Öffentlichkeit, weil sozialdemokratische Zeitungen unter Verweis auf die zwielichtige Rolle Ernst Thälmanns und ebenfalls aus politischer Motivation darüber berichteten. In einer ersten Reaktion setzte das Zentralkomitee der KPD Ernst Thälmann deshalb am 26. September 1928 als Parteivorsitzenden ab. Dass man die Entscheidung über den Umgang mit Ernst Thälmann in der KPD an dieser Stelle dem Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) als der übergeordneten Instanz und nicht den Delegierten eines Parteitages als höchstem Entscheidungsorgan der Partei übertrug, kann man mit Recht als Anzeichen bedenklichen Abbaus von innerparteilicher Demokratie betrachten. Dies entsprach aber andererseits auch der Logik, die sich aus der Anbindung der KPD an die Kommunistische Internationale in der konkreten historischen Situation ergab. Und das EKKI entschied sich, Ernst Thälmann erneut als Vorsitzenden der KPD einzusetzen, weil es sich mit der Wahl des Vorsitzenden für eine bestimmte Politik der KPD entscheiden musste, die von Ernst Thälmann vertreten wurde. Diesem Beschluss des EKKI entsprechend wurde Ernst Thälmann auf der 2. Parteikonferenz der KPD im November 1928 wieder als Parteivorsitzender eingesetzt. Parteiinterne Kritiker der These vom Sozialfaschismus und der Politik der RGO oder die sozialdemokratische Reichsregierung nutzten die in der Affäre Wittorf zu Tage getretenen Defizite parteiinterner Demokratie als Argumente für ihre Kritiken an der Politik der KPD unter der Leitung Ernst Thälmanns. Dass diese Angriffe nicht, wie es notwendig gewesen wäre, mit offenen Diskussion über die Strategie und Taktik der Partei, sondern administrativ, mit Parteiausschlüssen in großer Zahl beantwortet wurde, sollte einer kritischen, historischen Betrachtung unterworfen werden. Die Ursachen für diese Entwicklung liegen allerdings weit in der zutiefst widersprüchlichen Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung begründet und lassen sich mit dem Stigma der „Stalinisierung“ der KPD schwerlich hinreichend beantworten. So erfolgten in den Jahren 1928 und 1929 viele Parteiausschlüsse und Parteiaustritte von Mitgliedern, die in Abweichung zur offiziell vertretenen politischen Linie der KPD standen und von denen sich viele im Dezember 1929 in der Kommunistischen Partei Opposition (KPO) zusammenfanden.
Zur historischen Wahrheit über Ernst Thälmann gehört allerdings auch, dass er einer derjenigen war, die in den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angesichts der Wirtschaftskrise, der Arbeitslosigkeit und der aufmarschierenden Verbände des wirklichen Faschismus in der Kommunistischen Internationale auf eine Überwindung der schädlichen und falschen Sozialfaschismusthese drängten. Entsprechend seiner Loyalität gegenüber der Kommunistischen Internationale, fühlte er sich und die KPD an deren Beschlüsse gebunden, trat aber gleichzeitig für die Durchsetzung der richtigen Politik in der Kommunistischen Internationale ein. Der schließlich erfolgte Politikwechsel der KPD von der Polemik gegen den Sozialfaschismus zur antifaschistischen Einheitsfront aller Arbeiterpartei blieb letzenendes erfolglos, weil die Führer der SPD aus machtpolitischem Kalkül die Einheitsfront mit der KPD ablehnten, und viele sozialdemokratische Arbeiter, die noch vor wenigen Jahren von KPD-Mitglieder selbst als Sozialfaschisten beschimpft worden waren, den ehrlichen Angeboten der KPD zu gemeinsamen Aktionen misstrauten. Diese Bemühungen der KPD um eine Einheitsfront der Arbeiter gegen die wachsende Faschismus zu übersehen, wäre genauso falsch und unhistorisch, wie eine unreflektierte und unkritische Verehrung der historischen Rolle Ernst Thälmanns, welche die politischen Fehler der KPD in den späten 20er Jahren verschweigt.
Schließlich war und ist „Teddy“, wie Ernst Thälmann von Genossen und Freunden genannt wurde, für viele Kommunisten weit mehr als nur eine historische Persönlichkeit, sondern auch ein Mythos, der alle politischen und persönlichen Eigenschaften in sich vereint, die man von einem Vorsitzenden einer kommunistischen Partei erwarten möchte. „Teddy“ ist der robuste Arbeiter, der in Hamburgs Arbeitervierteln kapitalistische Ausbeutung, Armut und karges Leben durchlitten hat, der in harten gewerkschaftlichen Kämpfen und Auseinandersetzungen zum klassenbewussten Arbeiter geformt wurde und der sich durch unermüdlichen Fleiß die Theorie des Marxismus-Leninismus angeeignet hat; „Teddy“ ist der Abgeordnete des Reichstages, der in seinen Reden kraftvoll und mit lauter Stimme die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Arbeiter verteidigt, unnachgiebig und schonungslos die kapitalistische Gesellschaft und ihre Politiker anklagt; „Teddy“ ist der Parteivorsitzende, den jeder Arbeiter zu jeder Zeit um Rat und Tat bitten kann, dem man offen und ehrlich Herz und Seele offenbaren darf, der die Zeitungen und Flugblätter eigenhändig redigiert, der dem Streikposten mit einem aufmunternden Lächeln kameradschaftliche die Hand schüttelt und der den Arbeiter am Wegesrand verteidigt vor den Übergriffen von Polizei und Staat; „Teddy“ ist der verfolgte und geschundene Kommunist, der in den Kerkern der Gestapo geduldig und standhaft sein Schicksal erträgt, seine Genossen in den Organisationen des Widerstandes trotz Folter und Tod niemals verrät und Treu bleibt den Idealen und der Sache der Arbeiter Deutschlands und der ganzen Welt. Wer mag also ermessen, wie viele Kommunisten in den 12 Jahren faschistischer Diktatur auf diese Weise unter unvorstellbaren Leiden Ängste, Schläge und Folter durchlitten haben; wie viele stumme heroische Schlachten mit der Versuchung und dem Wunsch nach Erlösung in Gestapokellern siegreich geschlagen wurden und wie viele Namen in solchen Schlachten niemals ausgesprochen wurden, weil „Teddy“ das selbe getan hätte? Wer mag ermessen, was vielen Kämpfern der Internationalen Brigaden, die ihre Leben ließen für die Verteidigung der Spanischen Republik, vielen Insassen der KZs Esterwegen, Sachsenhausen oder Buchenwald und vielen Mitgliedern antifaschistischer Widerstandsorganisationen der Name Ernst Thälmann als Mythos und Vorbild auch über das Jahr 1945 bedeutet hat und noch heute bedeutet? Denn auch diese Tatsachen, die nicht quantitativ in die Reihe der historischen Fakten eingeordnet werden können, sind Teil der Aspekte, die bei aller Weitschweifigkeit hier nur unvollständig dargelegt werden konnten und die für eine nicht kritiklose, nicht widerspruchsfreie aber angemessene und historische Erinnerung an Ernst Thälmann, den Vorsitzenden der KPD in den Jahren 1925-1933, sprechen.
 
20 Jahre nach der geheimen Tagung des Zentralkomitees der KPD wurde am 07. Februar 1953 im Sporthaus in Ziegenhals eine Gedenkstätte eröffnet in Erinnerung an die Ereignisse, die an diesem Ort am 07. Februar 1933 stattfanden, und im Gedenken an die Teilnehmer der Tagung, von denen viele die faschistische Herrschaft nicht überlebten. Das Sitzungszimmer wurde in der ursprünglichen Form rekonstruiert und mit Informationsmaterial und Bildern der Teilnehmer der Tagung behangen. Angehörige der Streitkräfte der DDR und Arbeiter des VEB Schwermaschienenbau „Heinrich Rau“ bargen und reparierten das Boot, mit dem ein Teil der Teilnehmer am Abend des 07. Februars 1933 den Tagungsort über den Krossinsee in Richtung Bahnstation verließ. Weil Ernst Thälmann auf der Tagung in Ziegenhals zum letzten Mal eine Rede an das Zentralkomitee der KPD hielt, wurde das Sporthaus in Ziegenhals gleichzeitig ein besonderer Erinnerungsort ein seine Person. Auf diese Weise war die Gedenkstätte in Ziegenhals mehr als 50 Jahre lang ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur der DDR und ihres kulturellen und geschichtlichen Erbes in der Bundesrepublik. 1990 ging die Immobilie des Sporthauses Ziegenhals in das Eigentum der Treuhandliegenschaftsgesellschaft über, wurde von ihr verpachtet und das Inventar der Gedenkstätte dem im gleichen Jahr gegründeten Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ e.V. Ziegenhals übergeben. Seither betrieb und betreute der Verein die Gedenkstätte und führte auf ihrem Gelände seit 1994 alljährliche Gedenkveranstaltungen durch. 1997 kündigte die Treuhandliegenschaftsgesellschaft den Vertrag mit der damaligen Pächterin und bot die Immobilie öffentlich zum Verkauf an unter der vom Protest es Freundeskreises erzwungenen Auflage, dass Bestand und Zugänglichkeit der Gedenkstätte von allen Pächtern, Eigentümern und Verwaltern der Immobilie gewahrt bleiben müssten. Ein damaliger Ministerialbeamte im brandenburgischen Bauministerium ersteigerte die Immobilie des Sporthauses Ziegenhals im Jahre 2002, verschloss die Gedenkstätte und forderte im August 2003, dass die Gedenkstätte von der Denkmalliste gestrichen und ihr Abriss ermöglicht würde. Obwohl der Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ e.V. Ziegenhals 2004 die Eintragung der Gedenkstätte in das Verzeichnis der Denkmale des Landkreises Dahme-Spreewald erwirkte, wurde der Abriss der Gedenkstätte 2005 vom Landkreis Dahme-Spreewald nach den Bestimmungen eines neuen Denkmalschutzgesetzes der brandenburgischen Landesregierung genehmigt. Zahlreiche Antifaschisten und Bürgerrechtler aus aller Welt unterstützten seither die Bemühungen und Aufrufe des Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ e.V. Ziegenhals um den Erhalt der Gedenkstätte. Der brandenburgische Ministerpräsident Mattias Platzeck drückte seine Haltung zum Erhalt der Gedenkstätte in Ziegenhals auf Anfrage mit den Worten aus: „Ich bin generell dafür, das Andenken an deutsche Arbeiterführer aufrecht zu erhalten … zumal wenn sie, wie – Ernst Thälmann – im Kampf gegen die faschistische Gewaltherrschaft ihr Leben gelassen haben, … der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte kann nicht der Rang eines nationalen Gutes eingeräumt werden.“
Am 08. Mai 2010 wurde der Abriss der Gedenkstätte des Sporthauses Ziegenhals vollzogen und mit ihm ein wichtiger und wertvoller Ort der Erinnerung an die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung für immer zerstört – am 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, 20 Jahre nach den Ereignissen, die oft als Wiedervereinigung Deutschlands bezeichnet werden, und im 2. Jahr seit Ausbruch der größten kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929.

Roman Stelzig

weiter...

Dienstag, 25. Mai 2010

in 80 Tagen um die Welt

der bekiffte Panda winkt mit der Pfote im Schaufenster;
im chinesischen Restaurant ist heute das Fest der Brathähnchen.
wenn du als Tourist das rotzige Winterpalais gestürmt hättest,
dann wüsstest du, dass kein Marihuana,
dass kein Wodka so knallen kann wie…
aber in Rom ist Cäsar tot wie die mit Blut bemalten
Mauern des Kolosseums.
er fiel wie ein Aktienkurs, und eine Maske aus Schweiß
verbrannte sein Gesicht wie Wachs.
Banker Josef raucht auf leeren Magen,
und der Morgen ist nüchterner als der Abend,
weil seine Frau sich dem Nachbar wie Gott hingegeben hat.
mit Regenschirmen gekrönte Menschen. das Fell der Bäume
glänzt im Regen. der Stier entführt Europa auf seinem Rücken...
womöglich nicht der Stier, sondern die Krise.
und wenn auch alle ringsum sterben, in Amerika
stehen Revolver hoch im Kurs.

von Sergej Tenjatnikow

weiter...

Donnerstag, 13. Mai 2010

Sprache der Zeit

Geister wandern in Europa...
ich sitze in meiner fremden Wohnung;
die Tomaten liegen auf dem Teller in feierlichem Dill
als ob sie ein Killer niedergemetzelt hat.
ich träume immer davon, dass ich träume,
dass der tote Dante cooler wäre als der Duce.
so oft man aber für die Sonne auch stimmt,
dennoch klettern die Wolken zum Himmel.
die Zigarette qualmt wie ein Lötkolben
und brennt langsam den Hals des Saxophons durch.
Hitler wandert durch Europa - feuerfest wie ein Tresor.
im Atelier - höher als die Wolken
und höher als die Sonne - schöpft der greise Künstler.
und der überflüssige Dante fühlt sich
wie ausgeliefert der Lynchjustiz im Stadion,
wo die Fans der Glasgow Rangers nach dem Spiel auf Revanche warten.

von Sergej Tenjatnikow

weiter...

Montag, 26. April 2010

Sonnenstaat

auf dem blauen Schädel des Himmels blüht
die Sonne auf wie eine rote Mohnblume.
unter dieser Mohnblume sabbert die befreite Gesellschaft
Briefmarken auf E-mails.
das in diese Briefe verliebte, schüchterne Google
büffelt sie auswendig und sieht hindurch.
von einer solchen Leidenschaft ergriffen wäre der tote Gogol* bereit
seine Seele wie ein Programm auf CD zu brennen.

die Tränen der Häuser erstarren im Sonnenuntergang -
da haben sich die Puppen in den Schaufenstern entblößt.
der Mond zieht seine Bahnen wie der letzte Diktator,
und die Uhr erwürgt trotzdem weiter die Zeit wie die 
Nachbarsfrau ihren Säugling.
der Schlaf fällt auf den Sonnenstaat wie eine Schneelawine in den Alpen.
die Einwohner schlafen ein, den Tag mit der Hand zu Ende gebracht.
sie träumen
von Cowboys. die Cowboys werfen Lassos auf die Hälse der Indianer,
nehmen ihnen
die Skalps ab wie die Schminke nach einem Bühnenauftritt
und führen die Pferde zur Tränke.

von Sergej Tenjatnikow

*Gogol, Nikolai (1809 - 1852): russischer Schriftsteller ukrainischer Herkunft, der leidend unter einer Psychose das Manuskript des zweiten Teils seines Romans "Die Toten Seelen" verbrannte.

weiter...

Samstag, 17. April 2010

Robert Merle: Malevil

Ein Buch, dem man auf den ersten Blick ansieht, in welchem historischen Umfeld es geschrieben wurde, ist der Roman Malevil des französischen Schriftstellers Robert Merle aus dem Jahre 1972.
Ein Atomschlag vernichtet die menschliche Zivilisation, nur wenige Menschen überleben den Untergang der bisher bekannten Welt durch Zufall und im Schutze besonderer topografischer Gegebenheiten. Zu diesen Menschen gehören der Pferdezüchter und Weinbauer Emanuel Comte und seine Freunde, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe mit ihm gemeinsam im Weinkeller der Burg Malevil aufhalten. Die mittelalterliche Burg, die Emanuel Comte als kulturellen Luxus erworben und zu seinem Wohnsitz gemacht hatte, wird Heimstädte der kleinen Schar Überlebenden und neue Wiege der menschlichen Spezies. Binnen weniger Stunden ändern sich die alltäglichen Aufgaben der neuen Bewohner von Malevil grundlegend: das eigene Überleben muss sicher gestellt, junge Saat auf der verbrannten Erde heraufgezogen, die in den Ställen der Burg erhalten Tiere versorgt, die Mauern der Burg wieder errichtet, nach Überlebenden gesucht und Schutz vor Plünderern organisiert werden. Denn die Bewohner von Malevil sind nicht die einzigen, die die Katastrophe überlebt haben.
Es klingt und liest sich wie ein Abenteuerroman oder eine düstere Utopie, die als Warnung an die Menschheit gerichtet ist. Beides ist richtig und doch ergäbe beides Zusammen noch keinen Roman von Robert Merle. Der Schriftsteller, der in seinem bürgerlichen Beruf Professor für Anglistik war, bezeichnete seine Bücher selbst als politisch-utopische Literatur. Als zeitweiliges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs wird er wahrscheinlich – das kann hier nur vermutet werden – auch Anhänger einer materialistischen Weltanschauung gewesen sein, gefesselt womöglich vom Gedanken, dass menschliches Zusammenleben erforschbar und gesetzmäßig erklärbar ist. Aus dieser Perspektive erscheint der Roman Malevil tatsächlich wie eine Versuchsanordnung in einem Labor aus Gedanken, wie ein gedankliches Experiment zur Erforschung der Gesetze menschlichen Zusammenlebens, wie eine Robinsonade, die geschaffen wurde, dem Leser auf unterhaltsame Weise zu verdeutlichen: „Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“ (Karl Marx, Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie)
Denn es ist auffallend, dass im Zentrum der Handlung schon bald nicht mehr die Erfahrung und Verarbeitung der schrecklichen Katastrophe stehen, sondern die Veränderungen im sozialen Zusammenleben und Denken ihrer Protagonisten. Hierarchien und Befehlsstrukturen bilden sich heraus, das geschlechtliche Verhältnis von Mann und Frau wandelt sich, die Religiosität nimmt in einem Maße zu, dass religiöse Autorität zu einem gesellschaftlichen Machtfaktor avanciert, und die überkommenen Moralvorstellungen der Menschen des 20. Jahrhunderts passen sich der materiellen Notwendigkeit an, das Überleben der eigenen Gemeinschaft sicher zu stellen. All dies vollzieht sich vor dem Hintergrund materieller Probleme, die es zu lösen gilt, im Ergebnis konkreter Erfahrungen oder gleichsam als logische und gesetzmäßige Ergebnisse der Produktionsweise des materiellen Lebens in den sich neu entwickelnden Gemeinwesen.
Wie jede Robinsonade besitzt auch der Roman Malevil den Mangel, eine gedankliche Konstruktion zu sein, deren Handlungsverlauf bestimmt erscheint vom Ziel, das dargestellt werden soll, und lässt somit bisweilen an der Überzeugungskraft tatsächlicher Ereignisse zu wünschen übrig. Mit ihrem Mangel teilt der Roman aber auch die Stärke jeder Robinsonade: Er entkleidet den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess der Menschen der Differenziertheit und Komplexität einer modernen kapitalistischen Gesellschaft und fördert die allgemein-abstrakten Zusammenhänge einer menschlichen Gesellschaft losgelöst vom konkreten und vielschichtig bedingten Verlauf ihrer Geschichte zu Tage. Dargestellt wird nicht, was tatsächlich geschehen würde, sondern was als allgemeines und abstraktes Gesetz menschlicher Entwicklung wirkt.
Es wäre zu viel verlangt und war von Robert Merle sicher nicht beabsichtigt, dass der Leser aus der Lektüre des Romans, aus der Einsicht in den allgemeinen und ursprünglichen Zusammenhang von Sein und Denken, der Abhängigkeit des sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess der Menschen von der Produktionsweise ihres materiellen Lebens die logischen und notwendigen Schlussfolgerungen zöge. Es läge am Ende einer solchen Schlussfolgerung die Erkenntnis, dass der Anlass dieser Robinsonade, die atomare Vernichtung der Menschheit, selbst nicht das Resultat eines vermeintlich falschen Denkens oder des Zufalls, sondern einer bestimmten Form der Produktionsweise des materiellen Lebens, nämlich einer kapitalistischen Produktionsweise sei – und dass also die Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise eine materielle Notwendigkeit darstellt, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Auch der Kommunist Robert Merle wird diese Erkenntnis von seinen Lesern nicht gefordert haben.
Und dennoch: Eine mögliche Bräche in die Einsicht der tatsächlichen Bedingungen unseres materiellen Lebens kann auch mit dem Roman Malevil geschlagen sein. Das ist nicht wenig, betrachtet man das allgemeine und, man möchte sagen, blinde Vertrauen, das den Mächten der Gegenwart entgegen gebracht wird, die ihre Politik im Mantel der Verteidigung westlich-christlicher Werte und unter dem Banner von Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit betreiben; Mächten, die uns glauben machen wollen, die von ihnen beschworenen Werte, und nicht ihre materiellen Interessen seien die Triebkräfte ihres Handelns.
Und mag die Lektüre des Romans dem dialektischen Materialismus und dem kritischen Blick auf die Gegenwart auch nicht zum Durchbruch verhelfen, eines bleibt der Roman in jedem Fall: Eine düstere Mahnung an die Menschheit, es niemals zu einem Malevil kommen zu lassen. 

von Roman Stelzig

weiter...

Donnerstag, 15. April 2010

Letzte Mitteilung von der Apollo-11-Mission

lies einen beliebigen US-Bestseller wie eine Speisekarte in der Kneipe...
im Abschnitt der heißen Speisen wird uns der Kalte Krieg serviert -
dass unsere Panzer an der Grenze angerostet sind,
dass die Sonne wie eine Atombombe über der befreiten Welt hängt,
in der die kraushaarigen Köpfe der Zigarren angezündet
und die Straßen mit ihrer Asche bestreut werden,
dass die Kremluhr von ihrem Turm nach unten tropft
und der Wind die Tropfen beinahe bis auf unser Sternenpflaster trägt.
der Planet dreht sich aber trotz all dem weiter, so dass es scheint,
dass ihm der Kosmos nur aus diesem einen Grund
all seine irdischen Sünden erlässt.

 
beim Start beten Astronauten zu den Sternen, mit denen das Weltall
wie mit Edelstahlschrauben befestigt ist.
die Rakete reißt den Himmel auf,
dass er blutet wie eine Jungfrau. noch eine Drehung der Pupille,
und ihnen fällt der Mond in die ausgestreckten Arme wie ein Volleyball.
die Schwerelosigkeit umarmt die Astronauten
wie Jesus zur Himmelsfahrt.
und außen fließt der dritte Planet wie eine Träne.
lies einen beliebigen US-Bestseller wie eine Speisekarte in der Kneipe...
im Abschnitt der Spirituosen sind Gedanken schwer, sie lasten auf einem
wie noch nicht geschriebene Bücher. die Astronauten sind
aber so fest mit ihren Raumanzügen
zusammengewachsen, so dass es scheint, dass sie sie nie
wieder ausziehen werden.

von Sergej Tenjatnikow

weiter...

Sonntag, 21. März 2010

das Ende der Geschichte oder Tausend und eine Nacht

in Bagdad ist es alles ruhig...
dort ist der Dschinn für immer in einer Lötlampe gefangen
und über Minaretten verläuft die Schwangerschaft
des Mondes ohne Komplikationen.
die Bettenhäuser eines Hospitals stehen
sich wie zerstritten gegenüber.
die Apotheke ist mit einem roten Kreuz gekrönt.
in Bagdad ist es alles ruhig...
dort reibt der Aladin den Lauf der Pistole -
so hat es ihm der Zauberer aus Maghreb beigebracht.
Hochhäuser stehen wie Betonmatratzen befleckt mit
Sperma und Zeiger auf einer Bahnhofsuhr
schwimmen so langsam
wie Fische gegen den Strom.
in Bagdad ist es alles ruhig...
dort trägt die Erde Öl wie Trauer
und der gestreifte Ball steht ohne
Zweck auf der Elfmeterlinie seit Herbst.
dort setzt sich der Mond in einen Sessel aus Wolke
und Minarette qualmen
mit Morgennebel wie Schornsteine.
in Bagdad ist es alles ruhig...
dort trifft der Aladin ins Schwarze
auf der Brust der heißgeliebten Prinzessin.
der Zauberer aus Maghreb nimmt einen
Schluck Gin aus der Flasche
und endet dieses Märchen mit den Worten,
dass ein Flugzeug am Himmel einen Streifen zieht
als ob Gott eine Zigarettenpause einlegte.

von Sergej Tenjatnikow

weiter...

Freitag, 19. März 2010

Einer trage des anderen Last

Antagonistische Widersprüche begegnen sich im Jahre 1950 in einem privaten Sanatorium für Lungenkranke in der noch jungen Deutschen Demokratischen Republik.
Der junge Joseph Heiliger ist Volkspolizist, glühender Anhänger des Marxismus und Mitglied der SED. Während seines Dienstes an den Grenzen der DDR erlebte er den Tod eines Kameraden, anschaulicher Beweis für ihn, dass der junge Staat der Arbeiter und Bauern, dessen Aufbau und Verteidigung er sich verschrieben hat, Feinde besitzt. Über seinem Bett hängt ein Bild Stalins und in den Stunden vor dem Einschlafen studiert er das Kommunistische Manifest und die Werke Lenins.
Der etwas gleichaltrige Hubertus Koschenz ist evangelischer Vikar und überzeugter Anhänger des christlich-evangelischen Glaubens. Sein Vater ist 1946 nach einem Besuch auf der Kommandantur der Sowjetischen Militäradministration spurlos verschwunden, seine Mutter lebt von 90 Mark Rente, anschauliche Beweise für ihn, dass auch im jungen Staat der Arbeiter und Bauern die Freiheit des Glaubens noch mehr Ideal als Wirklichkeit ist. Über seinem Bett hängt ein Bild Jesus Christus’ und in den Stunden vor dem Einschlafen studiert er die Bibel.
Beide Menschen sind vor eine ungewöhnliche Situation gestellt: Sie leiden an lebensbedrohlicher Lungentuberkulose und sind Zimmernachbarn in einem Sanatoriums, in dem die Zeit still gestanden zu sein scheint. Ihre weltanschaulichen Differenzen bestimmen schon bald ihr Zusammenleben und den Alltag im Sanatorium. Während Joseph Heiliger die Genossen des Sanatoriums zu Parteiversammlungen ruft, führt Hubertus Koschenz Bibelstunden durch und die idyllische Ruhe des Sanatoriums wird beim morgendlichen Rasieren durchbrochen vom antagonistischen Duett der Internationale und des Liedes „Eine feste Burg ist unser Gott.“ Ausgerechnet der Chefarzt des Sanatoriums und das ehemalige Mitglied der NSDAP, das für seine Arbeit im Sanatorium jeder Partei – „auch Ihrer, Herr Heiliger“ - beitreten würde, bringt das anliegen des Filmes auf den Punkt: „Draußen im Leben können Sie auch keinen Bogen umeinander machen. Sie müssen miteinander auskommen. Und wenn Sie das nicht können, dann taugt Ihr Sozialismus genauso wenig wir Ihr Christentum. Wir leben nämlich auf einer Erde. Und wenn zwei junge, intelligente Männer mit verschiedenen Weltanschauungen nicht einmal um den Preis ihrer Gesundheit, um den Preis ihres Lebens für ein paar Monate wie zivilisierte Menschen miteinander umgehen können, dann sieht’s verdammt beschissen aus um die Menschheit!“
Aber das Miteinander zweier Weltanschauungen lässt sich nicht mit moralischen Appellen herstellen, es muss sich im Alltag an konkreten Fragen unter Beweis stellen. Eine religiöse Haltung, die der Befriedigung materieller Bedürfnisse entsagt, untergräbt in den Augen Joseph Heiligers den sozialistischen Aufbau und leistet allen Drückebergern und Schiebern Vorschub in einer Situation, die mehr als alles andere den materiellen Wiederaufbau eines Landes erfordert. Und das christliche Gedenken aller derer, die in Gefangenschaft leben, würde gehört und verstanden werden von denen, die zu unrecht, aber auch von denen, die zurecht inhaftiert sind. Dem gegenüber steht die alltägliche Erfahrung Hubertus Koschenz', dass die Freiheit des Glaubens für den einzelnen Menschen auch mit strikter Trennung von Kirche und Staat nicht immer geachtet und von einer materialistischen Weltanschauung bisweilen Feindschaft und Intoleranz gegenüber Religionen ausgeübt wird.
Dennoch lehrt das alltägliche Leben die beiden jungen Menschen, dass über ihre ideellen Widersprüche hinweg Gemeinsamkeiten zwischen ihnen bestehen, und aus weltanschaulichen Feinden werden Freunde, die einander achten und beistehen. Der ruhigere und vernünftigere evangelische Vikar Hubertus Koschenz bringt zum Ausdruck, was Christentum und Marxismus vom christlichen Standpunkt miteinander vereinen kann: „Eine Kirche, die ihren göttlichen Auftrag ernst nimmt, wird Leute, die soziale Gerechtigkeit herzustellen versuchen, nicht verdammen, sondern als Gottes Werkzeug ansehen, seien sie nun gottlos oder fromm.“
Die Konfrontation mit dem Tod bringt beiden Menschen endlich die Gegensätze aber auch die unterschiedlichen Stärken und Schwächen ihres Denkens einander auf schmerzhaft aber hoffnungsvolle Weise nahe. „Konzentrationslager, Vergasung von Juden, die Folterungen, die Verstümmelungen, die Verbrennungen, die nicht zu zählenden Ungerechtigkeiten dieser Welt – Wenn es ihn wirklich geben würde, deinen Gott, Millionen Hände würden sich finden, ihn in Stücke zu reißen. Es gibt keinen Gott! Das ist die einzig logische Variante, mit all der Sinnlosigkeit fertig zu werden.“, klagt Joseph Heiliger seinem Freund. Aber als er der christlichen Opferbereitschaft seines Freundes im Angesicht des Todes gewahr wird, entgegnet Hubertus Koschenz ihm, dass Sterben für einen Christen anders sei als für einen Materialisten. „Sterben ohne Hoffnung, ohne Glauben? Die letzte Stunde muss für einen von euch die Hölle sein.“
In seinem charmanten und durchdachten filmischen Plädoyer für die Toleranz, das 1988 in der DDR erschienen ist, löst der Regisseur Lothar Warneke den Grundwiderspruch zwischen Marxismus und Christentum auf dialektische Weise mit der Freundschaft zweier junger Menschen, die nach dem Grundsatz leben: „Darum lasset uns dem nachstreben, was zum Frieden dient“ – jeder auf seine Weise und einer trage des anderen Last.


von Roman Stelzig

weiter...

Donnerstag, 11. März 2010

Übergangszeit

von Roman Stelzig

weiter...

Samstag, 6. März 2010

Der Mythos Hemingway


Als sein Freund und Schriftstellerkollege, John Dos Passos, sich im Jahre 1938 während des Spanischen Bürgerkrieges in seinen öffentlichen Verlautbarungen auf die Seite Francos und Mussolinis stellte und behauptete, der Krieg in Spanien wäre dem spanischen Volk von den Kommunisten aufgedrängt worden, erwiderte Ernest Hemingway ihm in einem persönlichen Brief: „Die Sache ist, dass Du die Wahrheit nicht in zehn Tagen oder drei Wochen herausfinden kannst, und dieser Krieg ist lange Zeit nicht von den Kommunisten geführt worden. Wenn die Leute eine Artikelserie von Dir lesen, die sechs Monate und länger läuft, merken sie gar nicht, wie kurz Du in Spanien gewesen bist und wie wenig Du gesehen hast.“ Natürlich kämpften in den Reihen der internationalen Brigaden und an der Seite der Spanischen Republik russische Generäle und Kommunisten und „[e]s waren ein paar gute Russen in Spanien“. Aber auch Polen, Ungarn, Deutsche oder Jugoslawen kämpften in Spanien und, was für Ernest Hemingway wichtiger war: „Viele Leute werden kämpfen und ohne zu zögern sterben, um ihr Land vor einer ausländischen Invasion zu retten, und der Krieg ist weder von den Kommunisten noch von den Faschisten erfunden worden.“
Ernest Hemingway wollte von John Dos Passos keine Parteinahme für die Sache der spanischen Republik, für die er selbst so energisch eingetreten war, kein moralisches Urteil, keine Zustimmung; was er verlangte, war Wahrheit und, dass „wenigstens die Fakten richtig dargestellt“ würden.
Während des Spanischen Bürgerkrieges trat Ernest Hemingway als politischer Mensch sehr stark in Erscheinung. Nach dem Sturz des spanischen Königs Alfons XIII. 1931 wurde in Spanien zum zweiten Mal die Republik ausgerufen und 1936 kam es zur Bildung einer Volksfrontregierung der sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien Spaniens. Der Aufstand des spanischen Militärs unter Führung General Francisco Francos löste einen von 1936 bis 1939 währenden Bürgerkrieg in Spanien aus, in dem auch faschistische deutsche und italienische Truppen in Spanien an der Seite Francos intervenierten. Damit bekam der Spanische Bürgerkrieg internationale Bedeutung. Der Krieg in Spanien war nicht nur ein innerspanischer Kampf zwischen Volksfrontregierung und putschenden Militärangehörigen, sondern die erste internationale Auseinandersetzung mit dem in Europa aufkommenden und auf andere Länder übergreifenden Faschismus. Intellektuelle, Künstler, Menschen der Öffentlichkeit unterstützten die Verteidigung der spanischen Republik und aus allen Teilen der Welt meldeten sich Freiwillige, die sich in den zur Legende gewordenen Internationalen Brigaden an den Kämpfen um den Erhalt der Republik in Spanien beteiligten.  In einem Brief äußerte Hemingway sich in folgender Weise: „Die Roten mögen so schlimm sein wie man es ihnen nachsagt, aber sie sind nun einmal die Ansässigen, die gegen die abwesenden Verpächter aufstehen, die Mauren, die Italiener, die Deutschen. Außerdem weiß ich, dass die Weißen noch schlimmer sind, da ich sie gut kenne, und ich würde mir die anderen gern einmal ansehen, um herauszufinden wie es mit deren humanitären Anspruch steht. Dies ist die Generalprobe für den unvermeidlichen europäischen Krieg.“
Hemingway trat zunächst 1936 dem „Ambulance Corps Committee“ der „American Friends of Spanish Democracy“ bei, für die er Geld sammelte zum Kauf von Krankenwagen und medizinischem und humanitärem Versorgungsmaterial für die Anhänger der spanischen Republik. Er schrieb Kommentare und öffentliche Stellungnahmen für einen Dokumentarfilm des spanischen, regierungstreuen Romanciers Prudencio de Pereda. Zusammen mit Dos Passos, der sich erst später den erwähnten faschistischen Positionen näherte, Archibald McLeish, Dorothy Parker, Lillian Hellmann, Dashiell Hammett u.a. gründete Hemingway die „Contemporary Historians Inc.“, mit welcher die Herstellung des Dokumentarfilms „Die spanische Erde“ des holländischen Regisseurs Joris Ivens finanziert wurde, in dessen Begleitung wir Ernest Hemingway auf einem Foto sehen an der Seite Ludwig  Renns, Schriftsteller und Kommandeur der Thälmann-Kolonne der XI. Internationalen Brigade. Werbeauftritte Ernest Hemingways und Vorführungen des Dokumentarfilmes in den USA brachten 1937 zusätzliche Spenden für die Sache der spanischen Republik ein. Im Zuge seiner journalistischen Tätigkeit in Spanien war er außerdem häufiger Gast des amerikanischen Freiwilligenbataillons „Abraham-Lincoln.“
Seit Oktober 1936 arbeitete Ernest Hemingway in Spanien als Korrespondent der „North American Newspaper Alliance.“ Er erzählte in seinen Depeschen aus Spanien von den Geschehnissen auf den Straßen Madrids: „Im Moment, wo ich dies schreibe, hat eine Granate ein Haus getroffen, die Straße vom Hotel ein Stück hinauf. In der Straße heult ein kleiner Junge. Ein Milizmann hat sich seiner angenommen und versucht ihn zu trösten. In dieser Straße wurde niemand getroffen, und die schon losgerannt waren, gehen langsamer und lachen nervös. Die stehengeblieben sind, sehen überlegen auf sie herunter, denn die Stadt, in der wir jetzt leben, heißt Madrid.“; berichtete den Lesern von seinen Erlebnissen bei der Einnahme von Teruel: „Plötzliche Rufe, die ganze Front entlang, und wir sahen, dass die Faschisten auf den gegenüberliegenden Höhen die ersten Gräben räumten. Sie sprangen auf und rannten und sprangen dann wieder auf und rannten. […] So ging es den ganzen Tag, und als es dämmerte, waren wir sechs Kilometer weiter als bei Beginn des Angriffs.“; beschrieb Rückzüge und Flüchtlingsströme: Es „[…] kamen uns Karren von Flüchtlingen entgegen. Auf einem kutschierte eine alte Frau. Sie heulte und schluchzte, während sie die Peitsche schwang. Es war die einzige Frau, die ich weinen sah, den ganzen Tag. Hinter einem anderen Karren gingen acht Kinder her, und ein kleiner Junge stemmte sich ins Rad, als sie nicht vorwärtskamen.“; oder gab Eindrücke wieder, wie die Menschen in Tortosa sich auf eine kommende Belagerung vorbereiten: „Jeder hatte sich in den Schotter hinter den Gleisen ein kleines Loch geschaufelt als Deckung, und ihre Bajonette spießten über die blanken Schienen, die bald verrostet sein würden. Die Jungengesichter hatten etwas von Männern. Jungen, denen ein Gefecht bevorsteht, können an einem Nachmittag zu Männern werden.“
In einem Lazarett der “American Friends of Spanish Democracy” begegnete Hemingway dem amerikanischen Freiwilligen Jay Raven, welcher ihm die Geschichte seiner Verwundung erzählte. „Ich hielt seine Hand fest und hörte ihm zu, aber ich konnte kein Wort glauben von dem, was er redete. […] Ich kannte seine Geschichte natürlich nicht, aber, was er erzählte, klang komisch. Es war genau das Zeug, das alle Verwundeten gerne zu erzählen hätten […] Im ersten Krieg, den ich miterlebt hatte, schwindelten die Verwundeten oft. Nicht gleich am Anfang, aber wenn’s eine Zeit her war. Ich hatte damals selber ein bisschen übertrieben, besonders abends, wenn es spät geworden war. […] Später auf der Straße lernte ich Ravens Bataillonschef kennen. […] Cunningham erzählte mir in seinem Militärjargon die Geschichte von der zusammengeschlagenen und zurückweichenden Einheit auf der rechten Flanke seines Bataillons und von dem Versuch, sie aufzuhalten. […] Für das, was er da gemacht hatte, hätte er im letzten Krieg das Victoria-Kreuz bekommen. In diesem Krieg gibt’s keine Orden, nicht einmal Verwundetenabzeichen. Die Wunden sind die einzigen Auszeichnungen. ‚Raven war auch dabei’, sagte er […] und er erzählte mir eine Menge […] aber am meisten interessierte mich die Sache mit Jay Raven […]. Was er mir erzählt hatte, war wahr. Das Sonderbare an dieser neuen Art Krieg ist, dass Sie genauso viel erfahren, wie Sie imstande sind zu glauben.“
Im September 1938 berichtete Hemingway seinen Lesern über den Versuch eines Journalisten, einen Artikel darüber zu schreiben, dass die spanische Regierung Terror auf die Madrider Bevölkerung ausübe. Er entlarvte seinen Kollegen als Lügner und klärte seine Leser darüber auf, „dass während der ersten Tage des Aufstands von denen, die hier ‚unkontrollierbar’ genannt wurden, Leute erschossen worden waren, aber seit Monaten sei Madrid so frei von Terror und sicher so fest in der Hand der Polizei wie irgendeine europäische Hauptstadt. […] Die wirklich wichtige Story war damals, dass in Madrid kein Terror herrschte.“ Hemingway muss mit diesem Satz beim Wort genommen werden. In einer historischen Situation, in der sich weltweit eine Auseinandersetzung zwischen faschistischen und demokratischen bzw. kommunistischen Staaten anbahnte und in Spanien zum ersten Mal durchgefochten wurde; in einer historischen Situation, in der erkennbar wurde, dass diese Auseinandersetzung als der größte und verheerendste Krieg der gesamten Menschheitsgeschichte geführt werden würde, von harten ideologischen Kämpfen begleitet, so dass die öffentliche Meinung für politische Entscheidungen ein nicht zu unterschätzendes Gewicht besitzen sollte; in diese historischen Situation war die Tatsache, dass in Madrid kein Terror herrschte, die wirklich wichtige Story. Die Tatsachen, dass eine gewählte Regierung in Spanien Krieg gegen putschende Militärangehörige und ausländische Invasoren führte, dass auch die Armee dieser Regierung nicht nur militärische Ziele traf aber die Regierung keinen Terror ausübte, dass an der Seite dieser Regierung Menschen verschiedener politischer Strömungen, auch Kommunisten, fochten, dass der Kampf in Spanien aber geführt wurde zur Verteidigung eines politischen Systems, welches sich die Menschen selbst gewählt hatten, von Menschen, die für ihre Heimat gegen ausländische Invasoren und Putschisten kämpften, die keiner Befehle, keiner Orden und Auszeichnungen bedurften – das war die wirklich wichtige Story, die der Journalist und Schriftsteller Ernest Hemingway schrieb und auch 1940 in seinem Roman „Wem die Stunde schlägt“ literarisch verarbeitete.
Aber die Wahrheit lässt sich nicht in „zehn Tagen oder drei Wochen herausfinden“, sie befindet sich nicht an der Oberfläche der schnell wahrnehmbaren Eindrücke und die Wahrheit ist niemals eindeutig, sie ist widersprüchlich und facettenreich, so wie die Wahrheit über Ernest Hemingway.
Folgt man dem Leben Hemingways, ist es, als durchblättere man ein Bilderbuch angefüllt mit Legenden und Wirklichkeit. Auch hier begegnet dem Zuschauer eine Facette des widersprüchlichen Lebens und Wirkens dieses Schriftstellers und Journalisten. Der Hang, sich zu inszenieren, das zu scheinen, was er gern gewesen wäre, gehört zu Ernest Hemingway genauso, wie die Tatsache, dass hinter den zum Teil selbst geschaffenen Mythen und Inszenierungen tatsächliche Fakten stehen; Fakten, wie eine durch eine Granate verursachte Verwundung am Knie, die sich der junge freiwillige Sanitäter 1918 an der österreichisch-italienischen Front während des I. Weltkrieges zuzog. Fast stolz auf seine Verletzung strahlt Hemingway den Betrachter auf einer Fotografie im Mailänder Lazarett an und in einem Brief an seine Familie spiegelt dieser Stolz sich in den Worten: „Ui, Leute, das hat vielleicht einen netten Wirbel gegeben, dass ich angeschossen wurde! Heut wurde ich mit Eichenlaub dekoriert, und da regte sich in mir der Gedanke, Leute, dass Ihr mich vielleicht nicht richtig geschätzt habt, als ich noch in Eurem Schoß weilte. Es ist fast so gut wie getötet werden und den eigenen Nachruf lesen. […] Während der sechs Tage, die ich vorn in den Frontgräben verbracht habe, nur 50 yds. von den Österreichern entfernt, stand ich in dem Ruf unverwundbar zu sein. So ein Ruf allein bedeutet nicht viel, aber es zu sein schon!“ Unverwundbar war Ernest Hemingway jedoch nicht, und die Erfahrung des Krieges, seine Verwundung und das ständige Erleben des Todes wurden zu einem prägenden Element seiner Arbeit. Literarisch verarbeitete er seine Erlebnisse während des I. Weltkrieges in seinem 1928 erschienen Roman „In einem andern Land“ und im II. Weltkrieg sehen wir Ernest Hemingway abermals in Militäruniform, diesmal als Kriegsberichterstatter. In seiner ihm eigenen lakonischen, bildhaft konkreten Schreibweise berichtete er den Lesern des „Collier’s“ vom Kampf um die Siegfriedlinie:
Handgranaten hatten wir keine mehr, und die Krauts aus dem Bunker wollten nicht rauskommen […] Da holten wir den T.D. um den Bunker herum, und er fuhr direkt vor die Stahltür, die wir inzwischen gefunden hatten, und die alte Wump-Gun schoß, schoß sechsmal und sprengte die Tür auf, und dann hätten sie hören sollen, wie sie herauskommen wollten. Sie konnten sie brüllen hören und stöhnen und ‚Kamerad!’ jammern und schreien. Der T.D. hatte direkt auf die Tür gehalten, und jetzt kamen die ersten, und so was haben Sie noch nicht gesehen. Jeder hatte was abgekriegt, jeder der fünf oder sechs verschiedene Wunden von den Stahl- und Betonsplittern. Ungefähr achtzehn kamen heraus. Sie waren noch ganz gut. Aber die ganze Zeit über hörte man drinnen ein klägliches Jammern und Stöhnen, und da war einer, dem von der Stahltür die Beine abgeschnitten waren.“ Möglicherweise verursachten die Erfahrungen, die er während des I. und II. Weltkrieges und im spanischen Bürgerkrieg gesammelt hat, bei Hemingway eine Affinität zum Tod, was die Wahl seiner literarischen Sujets ebenso beeinflusst haben mag wie die ihm vom Vater anerzogene Liebe zur Natur und sportlichen Betätigung. Ein solcher Gedanke drängt sich jedenfalls auf, wenn man die Zeilen liest: „Der einzige Ort, wo man Leben und Tod sehen konnte, das heißt gewaltsamen Tod, war die Arena, da die Kriege vorbei waren, und ich wollte brennend gern nach Spanien, wo ich das studieren konnte. Ich versuchte, schreiben zu lernen, indem ich mit den einfachsten Dingen begann, und eines der allereinfachsten Dinge und das fundamentalste ist der gewaltsame Tod. Er hat keine der Komplikationen des Todes durch Krankheiten oder des sogenannten natürlichen Todes oder des Todes von einem Freund oder von jemandem, den man geliebt oder gehasst hat, aber es ist der Tod nichtsdestoweniger, und er ist eines der Themen, über die ein Mann schreiben kann.“ In der Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts lernte Ernest Hemingway den Stierkampf in Spanien kennen und lieben. Der Stierkampf – die sportliche Auseinandersetzung zwischen Mensch und Tier, die allgegenwärtige Gefahr des Todes oder der Stolz und das Ehrgefühl der spanischen Matadores – sollte eines der Themen werden, denen sich Hemingway Zeit seines Lebens immer wieder in Kurzgeschichten und Zeitungsartikeln widmete. Er verarbeitete das Thema in seinem 1926 erschienen ersten Roman „Fiesta“ und berichtete 1931 ausführlich und reportagenhaft in seinem Buch „Tod am Nachmittag“ über Inhalt, Ablauf und Hintergründe des spanischen Stierkampfes. Ein Bild aus dem Jahre 1960 zeigt uns den gealterten und weißhaarigen Ernest Hemingway an der Seite seines Freundes und Lieblingstoreros Antonio Ordónes, dem er in seinem letzen zu Lebzeiten veröffentlichten Buch „Gefährlicher Sommer“  solcherart Denkmäler setzen sollte: „Antonio zielte entlang der Degenklinge, beugte sein linkes Knie vor, schwang dem Stier die muleta entgegen und ließ ihn bis zu dem Punkt an sich herankommen, wo die Hörner ihn erwischen würden, dann drang die Spitze des Degens ein, der Stier stemmte sich dagegen, den Kopf gesenkt, dem roten Tuch folgend, während Antonio mit der flachen Hand gegen den Degenknauf drückte, glitt die Klinge langsam oben auf der höchsten Stelle zwischen den Schulterblättern hinein. Antonio hatte seine Füße nicht bewegt, und der Stier und er waren jetzt eins, als seine Handfläche das schwarze Fell berührte, war das Horn schon an seiner Brust vorbei, und der Stier unter seiner Hand war tot.“
Naturverbundenheit, Auseinandersetzung mit dem Tod oder männliche Tugenden wie Tapferkeit waren auch bei der Leidenschaft Hemingways zur Jagt ausschlaggebend. Erhaben lächelnd, das Gewehr in der Hand, präsentierte sich Hemingway neben einem toten Leoparden; 1934 belehrte er seine Leser im „Esquire“: „Wenn Leoparden verwundet sind, greifen sie Sie an, in neun von zehn Fällen, und sind dabei so schnell, dass keiner sie mit dem Gewehr sicher stoppen kann. […] Sie stoppen einen Leoparden am sichersten  mit einer Schrotflinte, und Sie sollten nicht schießen, bis er auf zehn Schritte heran ist.“ Der Großwildjäger Wilson seniert in einer von Hemingways Kurzgeschichten: „Angst weg wie durch Operation. Etwas anderes wuchs an ihrer Stelle. Das Wesentlichste, was ein Mann hatte. Machte ihn zum Mann. Frauen kannten es auch. Keine Scheißangst.“ In dem 1935 veröffentlichten Buch „Die grünen Hügel Afrikas“ berichtete Ernest Hemingway über seine Erlebnisse auf einer Afrikasafari 1933/34.
Wie die Jagd, so begeisterte Hemingway auch die Hochseefischerei, ein Sport, den er vor allem in Key West, seinem Wohnort bei Kuba seit 1931, zur Entspannung und als Ausgleich für das Schreiben ausübte, und ein weiteres Foto zeigt uns Hemingway im Kreise einiger Freunde, einen selbstgefangenen Milar vom Heck seines Schiffes, der „Pilar“, aus dem Betrachter präsentierend. In seiner wohl bekanntesten Erzählung „Der alte Mann und das Meer“, erschienen 1952, vermittelte Ernest Hemingway einen berührenden Eindruck vom dreitätigen, zähen Kampf des alten Santiago mit einem Fisch und der Niederlage, die er erleidet als ihm bei seiner Ankunft im heimatlichen Hafen nur das von Haien zerfressene Gerippe seines Fisches bleibt und die Erkenntnis: „Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.“
Nicht nur sein Werk, auch der Privatmensch Hemingway liefert dem Betrachter eine schillernde Vielzahl unterschiedlicher, sich einander widersprechender Bilder. Da ist der konzentriert arbeitende Schriftsteller vor seiner Schreibmaschine, der Champion, wie er sich in Briefen an seinen amerikanischen Verleger Charles Scribner selbst bezeichnete, der seine Schriftstellerkollegen lässig aus dem Ring haut und nicht davor zurückschreckte in seinen Werken private Details bekannt zu geben, um sich für Schmähungen und verletzen Stolz zu rächen.
Da ist der grimmig dreinschauende Wanderer in Idaho, der in der rechten Hand eine Flasche Alkohol hält; unübersehbar ist auch in seinen Werken, dass Hemingways Alkoholkonsum das Maß des Durchschnittlichen überstieg. Da ist der Mann Hemingway und die Frauen; viermal war Hemingway verheiratet; kaum hielt er es länger mit ein und derselben Frau aus. Erst mit seiner letzten Ehefrau, Mary Welsh, verband ihn eine bis zu seinem Tod währende Gemeinschaft, obwohl auch sie Ausfälligkeiten des betrunkenen Hemingways und Gerüchte, wonach Hemingway Marlene Dietrich oder der neunzehnjährigen Adriane Ivancich Avancen gemacht hätte, aushalten musste. Und letzen Endes ist da auch der zynisch anmutende Abschluss eines Lebens, von dem der Nachwelt dankenswerter Weise kein Bild erhalten geblieben ist, das freiwillige Ausscheiden Ernest Hemingway aus dem Leben, welches dem Bekenntnis Santagios, dass der Mensch verlieren aber niemals aufgeben dürfe, so offensichtlich widerspricht. Nach etwa einjähriger Leidens- und Depressionszeit erschoss Hemingway sich am 2. Juli 1961. Aber Hemingways Selbstmord birgt noch den Widerspruch in sich. Auch wenn man den Tod eines Menschen niemals und schon gar kein freiwilliges Sterben bejahen kann, lässt sich ein im hohen Alter, von Krankheit und Schwäche geplagter, friedlich einschlafender Hemingway schwer denken. So bildet vielleicht Hemingways Selbstmord einen tragischen aber inszeniert anmutenden Abschluss eines Mythos, des Mythos Hemingway.

Wer die Wahrheit über Ernest Hemingway schreiben will, sollte den Mythos Hemingway nicht verschweigen. Es ist Teil der Wahrheit über Ernest Hemingway, dass sein Gesamtwerkes  hauptsächlich von den Themen Krieg, Stierkampf, Jagd und Fischerei bestimmt wird, dass seine Person für viele Menschen Symbol ist für Abenteurertum, Hedonismus und Männlichkeit und dass Ernest Hemingway den Mythos Hemingway schon zu Lebzeiten selbst mit erschaffen hat. Aber die Wahrheit lässt sich nicht in „zehn Tagen oder drei Wochen herausfinden“.
Die Behauptung, Hemingway sei ein politischer oder parteiischer Schriftsteller gewesen, wäre ebenso falsch wie die Behauptung, Hemingway sei gänzlich unpolitisch gewesen. Wie in vielen Bereichen seines Lebens und Wirkens begegnet man bei dem politischen Menschen Hemingway eine Ambivalenz, welche die Widersprüchlichkeit und Kompliziertheit der Zeit, in der Hemingway lebte, hervorbrachte.
Über sein eigenes Verständnis seiner Rolle als Schriftsteller, seiner Stellung zum Politischen und zum Staat und seines Verhältnisses zum Kommunismus schrieb Hemingway in einem Brief an Iwan Kaschkin 1935: „Jeder versucht einen jetzt mit der Behauptung einzuschüchtern, wenn man nicht Kommunist werde oder einen marxistischen Standpunkt einnehme, wird man keine Freunde haben und allein sein. […] Ich kann jetzt kein Kommunist werden, weil ich nur an eines glaube: an Freiheit. Als erstes würde ich mich um mich selbst kümmern. Dann würde ich meinem Nachbarn helfen. Aber um den Staat kümmere ich mich überhaupt nicht.“ Ein Schriftsteller hat laut Hemingway nicht die Aufgabe, einen politischen oder Klassenstandpunkt einzunehmen, er hat nicht für Lohn und Anerkennung zu schreiben. Die Arbeit eines Schriftstellers sollte allein dem Anliegen dienen, große Kunst zu schaffen. „Ein echtes Kunstwerk ist von unbeschränkter Dauer; egal, welche politische Meinung darin steckt.“ Nur Schriftsteller ohne Talent seien darauf angewiesen, Klassenstandpunkte einzunehmen. „Wer genug Talent hat, ist in allen Klassen zu Hause. Er nimmt von ihnen allen und was er gibt, gehört jedem.“
Die Unabhängigkeit des Schriftstellers besitzt aber für Hemingway eine immanente Widersprüchlichkeit. Der Schriftsteller, der keiner Regierung Gehorsam schuldet, gleiche einem Zigeuner, einem Außenseiter, denn er ergreift weder für noch gegen irgendeine politische Strömung oder Klasse Partei.  Der Staat aber besitze die Eigenschaft, bürokratisch zu sein und „in dem Moment, in dem man eine Bürokratie gut genug kennt, wird man sie hassen. Denn sobald sie ein gewisses Ausmaß erreicht hat, muss sie ungerecht werden.“ Der Schriftsteller könne darum auch im Widerspruch zum Staat stehen. „Wenn er ein guter Schriftsteller ist, wird ihm die Regierung, unter der er lebt, nie gefallen. Seine Hand sollte sich gegen sie wenden, und ihre Hand wird immer gegen ihn sein.“
Dass Hemingway diesen Anspruch versucht hat umzusetzen, bzw. zumindest als Privatmensch eigene Positionen zu tagespolitischen Fragen seiner Lebenszeit besessen hat, beweißt u.a. ein von Hemingway zweimal unterschriebener aber vermutlich niemals abgeschickter Brief an Senator Joseph McCarthy aus dem Jahre 1950, in dem er feststellte, dass „eine ganze Reihe von Leuten […] allmählich die Nase voll von Ihnen“ haben. „[…] ich habe auch nie Gelegenheit gehabt, die Zahl Ihrer Wunden zu zählen und irgend etwas zu lesen, was ich mit dem vergleichen könnte, was Ihr Mundwerk, lies: Ihre Teufelszunge, oder doch lieber Mundwerk, von sich gibt. […] Sie langweilen manchen Steuerzahler zu Tode […]. Sie können hierherkommen  und umsonst kämpfen […] und zwar mit einem Kerl wie mir, der […] Sie für ein Arschloch hält, Senator, und Ihnen den Arsch wie noch nie ihn Ihrem Leben versohlen würde.“ Auch gegenüber dem sowjetischen Schriftsteller Konstantin Simonow beklagte Hemingway sich in einem Brief darüber, dass die Leute gut und intelligent seien, gute Absichten besäßen und einander gut verstünden, „wenn wir nur etwas Verständnis füreinander hätten, statt den wiederholten Vorführungen eines Churchill zu lauschen, der macht jetzt das, was er schon 1918/19 gemacht hat, um etwas zu bewahren, das heute nur durch Krieg bewahrt werden kann. Verzeihen Sie mir, wenn ich über Politik rede. Ich weiß, dass man mich immer für einen Narren hält, wenn ich das tue. Aber ich weiß, dass nichts zwischen der Freundschaft unserer Staaten steht…“
Das politische Engagement stellt aber nur einen Nebenaspekt des Gesamtwerkes Hemingways dar, in welchem Themen wie Stierkampf, Großwildjagd, Hochseefischerei und Krieg einen weit größeren Raum einnehmen als politische Stellungnahmen. Aber dass Nebensächlichkeiten nicht unwichtig und in besonderen historischen Situationen auch von großer Bedeutung sein können, bewies Hemingway selbst, als er die Tatsache, dass die spanische Regierung 1938 keinen Terror ausübte, als die wirklich wichtige Story bezeichnete.

von Roman Stelzig


weiter...